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Smart Farming: Digitalisierung in Gartenbau und Landwirtschaft

IT im Gewächshaus und auf dem Acker

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Sarah Nollau

Eine Anwendung zeigte, wie Big Data Analytics bei der Lichtsteuerung in professionellen Gewächshäusern helfen kann.
Eine Anwendung zeigte, wie Big Data Analytics bei der Lichtsteuerung in professionellen Gewächshäusern helfen kann. (Bild: Oliver Schonschek, Vogel IT-Medien)

Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht Halt. Ob Ernte, Bewässerung oder Monitoring: Mit Smart Farming entsteht für den IT-Channel ein weiterer, spannender Markt, vorausgesetzt, man sucht sich die richtigen Branchenpartner und Anwendungsfelder.

Digitalisierung muss eine Selbstverständlichkeit sein, lautete die Botschaft bei der Eröffnung der IPM 2018 in Essen. Wer diese Messe, die jedes Jahr im Januar in der Ruhrmetropole stattfindet, bisher nicht kennt: Es ist die Weltleitmesse für den produzierenden Gartenbau. Hier geht es aber nicht nur um Gewächshäuser, Bewässerung und Nutzfahrzeuge, es geht zunehmend um IT.

Digitalisierung kennt keine Branchengrenzen

Digitalisierung ist eines der Kernthemen des Gartenbaus. Wir müssen unseren Betrieben in den ländlichen Räumen den Zugang zum Breitbandnetzwerk ermöglichen und die Verbindung zum letzten Gärtner schaffen. Hier steht die Politik in der Pflicht“, forderte Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau e. V. (ZVG) auf der IPM.

Während die noch unzureichende Breitbandversorgung für den ländlichen Raum in der Grünen Branche schon länger ein Problem darstellt, hat sich die IT dem Thema Digitale Landwirtschaft bereits angenommen: So gibt es schon viele Jahre spezialisierte IT-Anbieter für den Gartenbau, die für die Branche entwickelte Software und robuste Hardware anbieten. Doch die Digitalisierung schreitet auch in der Landwirtschaft und im professionellen Gartenbau voran. Dadurch entstehen neue Chancen für IT-Dienstleister, wie die IPM 2018 deutlich machte. Eine Lehrschau zeigte an allen Tagen der Messe innovative Entwicklungen für die fortschreitende Digitalisierung des Gartenbaus aus den Bereichen Monitoring, autonome Maschinentechnik, Ausbildung und Betriebswirtschaft.

Digitalwirtschaft hat Gemüsebauern und Landwirte im Blick

Der Digitalverband Bitkom berichtet in den letzten Monaten regelmäßig über die Digitalisierung in der Landwirtschaft: Sie ermögliche eine flexiblere Arbeitsgestaltung und biete die Möglichkeit, die Produktivität stark zu steigern. Dank Digitalisierung könne der Umgang mit Boden, Wasser und Luft umweltverträglicher gestaltet und das Wohl der Tiere verbessert werden.

Jeder vierte landwirtschaftliche Betrieb (28 Prozent) investiert derzeit gezielt in die Fort- und Weiterbildung zu digitalen Kompetenzen, so eine repräsentative Befragung im Auftrag des Deutschen Bauernverbands (DBV) unterstützt vom Digitalverband Bitkom unter 850 betriebsleitenden Landwirten. Knapp jeder dritte Betrieb (32 Prozent) hat außerdem schon einmal Beratungsleistungen zu digitalen Technologien in Anspruch genommen. Schon heute wären Landwirte digitaler aufgestellt als mancher Industriebetrieb. Weiterbildung zu Digitalthemen sei deshalb kein Nice-to-have, sondern müsse zum Standardprogramm jedes einzelnen Mitarbeiters gehören.

Das klingt nach einem aussichtsreichen Markt für den IT-Channel. Smart Farming, wie man den Einsatz neuer, intelligenter Technologien rund um Big Data, Analytics, Drohnen und Apps in Landwirtschaft und Gartenbau nennt, gilt tatsächlich als ein Zukunftsmarkt. Doch wer sind die Player und welche Rolle kann der IT-Channel spielen?

Wie Smart Farming aussehen kann

Auf der IPM 2018 wurden zahlreiche Beispiele für Smart Farming vorgestellt. Diese liefern gute Einblicke in die Themen, für die sich die Grüne Branche gegenwärtig interessiert, und in die Gruppierungen, die bei den Projekten zur Zeit aktiv sind:

Mit dem Einsatz geeigneter Sensoren und mit Analytics-Lösungen kann die Bewirtschaftung von Obstanlagen verbessert werden. Wie viel Bewässerung brauchen die Obstbäume, wann müssen sie bewässert werden, wie ist die Fruchtqualität, wann kann geerntet werden? Wie ist die Bodenqualität? Fragen wie diese lassen sich automatisch beantworten und in der Produktion und Ernte berücksichtigen, dank der automatischen Datenerfassung und Auswertung. An dem Projekt USER-PA sind bisher nur Universitäten und Forschungsinstitute beteiligt, doch für ein Ausrollen des Farm-Management-Systems werden neue Partner an Bord kommen, um den Markt zu bearbeiten.

Eine enge Kooperation mit Herstellern gibt es bereits bei dem Projekt ViSuELL. Hier gibt es darum, den natürlichen Lichteinfall in Gewächshäusern zu messen, in Big-Data-Anwendungen zu speichern und auszuwerten und daraus Ergebnisse für eine automatische LED-Beleuchtungssteuerung zu erzielen. Das künstliche Licht in den Gewächshäusern der (nahen) Zukunft soll optimal auf das vorhandene natürliche Licht abgestimmt werden, um Defizite auszugleichen und negativen Effekten gegenzusteuern. Speziell das Wachstum der Pflanzen und der Wurzeln kann so verbessert werden, der Einsatz von bestimmten chemischen Stoffen kann so vermindert oder vermieden werden.

„Farming mit Sensoren ist so viel einfacher“, so zitiert der Anbieter von Fiorama die Anwender einer Smartphone-App, mit der sich das Größenwachstum und der Reifegrad von Kirschen beurteilen lässt. Der Kirschenanbauer fotografiert einfach sechs Kirschen bei mehreren Bäumen, die Fotos werden von der mobilen App dann ausgewertet, die Daten an eine zentrale Anwendung übertragen, die entsprechende Ratschläge für den Kirschenerzeuger hat. So kann zum Beispiel zu einer früheren Ernte geraten werden, um das Aufplatzen der Kirschen zu vermeiden.

Wer an Smart Farming denkt, sieht meistens eine Art Roboter vor sich, der über einen Acker gleitet oder wandert. Auch das war auf der IPM 2018 zu sehen: BoniRob, eine Mehrzweck-Feldroboter-Plattform für landwirtschaftliche Anwendungen. Neben den Amazonen-Werken und der Hochschule Osnabrück ist der Technologie-Konzern Bosch beteiligt. Neben speziellen Bildaufnahmen kann der Feldroboter auch Bodenproben nehmen und ganz gezielt und lokal Pflanzen mit Schutzmitteln oder Dünger behandeln. Die Idee ist es, den Feldroboter für mehrere Schritte im Pflanzzyklus einsetzen zu können, durch Umrüsten und Nutzung verschiedener Apps.

Tipps für den IT-Channel

Smart Farming wird in zahlreichen Studien als aussichtsreich bezeichnet: Bis zu 30 Prozent mehr Ernte wird es dank Digitalisierung der Landwirtschaft geben, so A.T. Kearny. Wenn es um Smart Farming geht, sind neben Hochschulen und Instituten z.B. von Fraunhofer, Technologie-Konzernen, Sensorik-Experten und Maschinenbauern immer auch IT-Dienstleister gefragt, gerade in Bereichen wie Big Data Analytics, Schulung, Beratung und App-Entwicklung:

  • Atos nutzt Atos Codex als Grundlage einer Lösung, die Satellitendaten erfasst und in Geschäftsinformationen für Landwirte umwandelt. Partner der Lösung ist das Startup-Unternehmen TerraNIS.
  • BayWa hat neue Anwendungen in der Next Farming Software vorgestellt.
  • TeamViewer bietet spezielle Anwendungen für Smart Farming.
  • Capgemini sieht „Opportunities for a new way of agriculture“.
  • Intel sieht eine neue Art von „Data Farm“.
  • Bosch vernetzt landwirtschaftliche Betriebe mit Sensoren und der Bosch IoT Cloud und setzt mit Agrartechnik insgesamt eine Milliarde Euro um.

Beispiele für IT-Lösungen im Bereich Smart Farming gibt es also reichlich, doch es bleibt noch viel zu tun. Das Bundeslandwirtschaftsministerium nennt neben den Chancen von Smart Farming auch die Herausforderungen. Genau diesen sollten sich die IT-Dienstleister stellen, hier sind Lösungen gefragt, die der IT-Channel für Smart Farming beitragen kann:

  • Zukunftsfähiger Ausbau der digitalen Infrastruktur (5G)
  • Standardisierung der Schnittstellen und Produkte unterschiedlicher Hersteller
  • Ausbildung und Beratung, denn Landwirte sind zunächst keine IT-Spezialisten und brauchen gute Entscheidungsgrundlagen für Investitionen in weitere Technik.
  • Zuverlässigkeit der Technik erhöhen
  • Datenschutz, -sicherheit und -hoheit (zum Beispiel für den Einsatz von Drohnen)

Es gibt viel zu tun, die Gewächshäuser und Felder warten!

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