Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt IT-Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden

Von Ira Zahorsky

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In den Corona-Jahren 2020 und 2021 war der IT-Fachkräftemangel leicht abgemildert. 2022 liegt er sogar noch über dem Vor-Corona-Höchststand: 137.000 offene Stellen gilt es zu besetzen. 13.000 mehr als 2019. Wie kann dem dauerhaft entgegengewirkt werden?

Deutsche Unternehmen suchen händeringend nach IT-Fachkräften.
Deutsche Unternehmen suchen händeringend nach IT-Fachkräften.
(Bild: denisismagilov - stock.adobe.com)

Von einer „dramatischen Verschärfung“ des IT-Fachkräftemangels spricht Bitkom-Präsident Achim Berg bei der Vorstellung der Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte. Als Ursachen sieht Berg den demographischen Wandel sowie den Rückgang an Informatikstudenten. Sukzessive schreiben sich weniger Menschen für diesen Studiengang ein. Waren es 2019 noch rund 78.000, sank die Zahl der Immatrikulationen 2020 auf etwa 75.000 und 2021 um weitere 3.000 auf circa 72.000 Studenten. Dazu kommt, dass weniger als die Hälfte das Studium auch abschließt.

Etwas über sieben Monate suchen Unternehmen durchschnittlich nach passenden Kandidaten. Im vergangenen Jahr waren es noch zwei Wochen weniger. Insgesamt gut ein Fünftel der Firmen sucht aber länger, vier Prozent sogar mehr als zwölf Monate.

Die Unternehmen lassen nichts unversucht, um an die entsprechenden IT-Fachkräfte zu kommen. 93 Prozent nutzen die klassische Stellenausschreibung, 61 Prozent übernehmen Praktikanten (2021: 42 %), 31 Prozent (2021: 24 %) präsentieren sich auf Karrieremessen. Die Dienste eines Headhunters nehmen 22 Prozent in Anspruch (2021: 14 %), 21 Prozent (2021: 10 %) sprechen potenzielle Kandidaten beispielsweise in sozialen Netzwerken direkt an (Active Sourcing). 12 Prozent übernehmen freie Mitarbeiter in feste Anstellung. Fast alle Befragten (97 %) berücksichtigen Initiativbewerbungen.

Bewerben leicht gemacht

Um die Bewerbung so unkompliziert wie möglich zu gestalten, setzen 39 Prozent auf Online-Tools (2021: 33 %). Aus einem Business-Netzwerk heraus kann man sich bei 16 Prozent (2021: 11 %) bewerben, per App ist das bei 13 Prozent (2021: 7 %) möglich. Mit einer E-Mail kann man sich quasi bei allen Unternehmen bewerben, die Papiermappe akzeptieren 77 Prozent der Befragten (2021: 66 %).

Digitale Unterstützung wird auch im weiteren Bewerbungsverlauf in Anspruch genommen. Mindestens teilweise führen 78 Prozent der Unternehmen die Gespräche per Video durch. Für künftig frei werdende Stellen bauen 73 Prozent einen Bewerbungspool auf. Die Hälfte führt online Tests mit den Bewerbern durch, online Probearbeiten kann man bei 16 Prozent der Befragten. Um sich einen Kandidaten schnell zu sichern, nutzen 26 Prozent der Arbeitgeber die digitale Signatur zur Vertragsunterzeichnung.

Politik in der Pflicht

Doch den „gesamtgesellschaftlichen Fachkräftemangel“ lösen die vielen Maßnahmen nicht, ist Berg überzeugt. Dazu wäre auch mehr Engagement der Politik nötig. „Die Bundesregierung arbeitet an einer Novelle des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes“, berichtet der Bitkom-Präsident. 88 Prozent der befragten Firmen erwarten von der Politik, die Fachkräfteeinwanderung stärker zu fördern. Prozesse sollten dazu digital, schneller und weniger bürokratisch ablaufen, so der Wunsch der Arbeitgeber. Gut ein Drittel (37 %) könnte sich nämlich vorstellen, die offenen Stellen beispielsweise mit IT-Fachkräften aus Russland oder Belarus zu besetzen – eine behördliche Sicherheitsprüfung vorausgesetzt. Generell spricht sich der Bitkom dafür aus, die Zuwanderung qualifizierter IT-Experten weiter zu erleichtern.

Als weitere politische Erleichterungen könnten sich 82 Prozent eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit vorstellen. Um das Unternehmen für Bewerber attraktiver zu machen, sollte die Beteiligung von Beschäftigten am finanziellen Erfolg der Unternehmen steuerlich günstiger werden, meinen 68 Prozent der Befragten. Dem Bitkom zufolge haben gerade deutsche Startups hier einen Standortnachteil. Mit Rechtssicherheit beim Einsatz externer IT-Spezialisten wäre 60 Prozent der Befragten geholfen. Knapp die Hälfte (46 %) benötigt Verbesserungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen für Remote Work aus dem Ausland.

Für die Studie „Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte“ befragte Bitkom Research 854 Unternehmen aus allen Branchen ab 3 Beschäftigten in Deutschland telefonisch.

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