IT-Arbeitsmarkt und Cybersicherheit Paradoxe IT-Welt? Weniger Jobs, mehr Bedarf

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Unternehmen legen IT-Projekte auf Eis und bauen Stellen ab. Gleichzeitig wächst der Bedarf an hochspezialisierten Sicherheits- und Compliance-Experten – ein Paradox? Nicht unbedingt, glaubt Chris Dimitriadis, Chief Global Strategy Officer bei ISACA.

Rückläufige IT-Stellen und mehr arbeitslose Fachkräfte suggerieren das Ende des Fachkräftemangels. Doch IT-Sicherheit macht keine Pause.(Bild:  KI-generiert)
Rückläufige IT-Stellen und mehr arbeitslose Fachkräfte suggerieren das Ende des Fachkräftemangels. Doch IT-Sicherheit macht keine Pause.
(Bild: KI-generiert)

Weniger IT-Jobs, mehr Arbeitslose – ist der Fachkräftemangel Geschichte? Keineswegs, warnt der Berufsverband ISACA (Information Systems Audit and Control Association): Der aktuelle Stellenabbau sei eine kurzsichtige Reaktion, die Qualifikationslücken von Cybersecurity-Experten sogar noch verstärken könne.

IT-Jobkrise? ISACA sieht Profilwandel statt Entspannung

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten IT-Fachkräfte ist im September 2025 gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent gestiegen, so zeigen es Zahlen aus einer offiziellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit. 57.665 Informatiker und andere IT-Fachkräfte waren Ende September arbeitslos gemeldet.

Eine Ergebung von Bitkom Research zeigt: Im Jahr 2025 gibt es 40.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte weniger als noch im Jahr 2023.(Bild:  Statista/Bitkom)
Eine Ergebung von Bitkom Research zeigt: Im Jahr 2025 gibt es 40.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte weniger als noch im Jahr 2023.
(Bild: Statista/Bitkom)

Auch die Zahl der offenen Stellen für IT-Fachkräfte ist in Deutschland im Jahr 2025 deutlich gesunken und ist mit 109.000 offenen Stellen im Jahr 2025, gegenüber 149.000 offenen Stellen im Jahr 2023, fast 27 Prozent niedriger. Der Berufsverband für IT-Revisoren, Information Security Officer und IT-Governance-Experten (ISACA) warnt jedoch davor, die aktuelle Marktlage falsch zu interpretieren. „Wir können noch nicht das Ende des Fachkräftemangels ausrufen. Was wir wirklich sehen, ist eine Verschiebung der gesuchten Profile.“ Der Bedarf an Cybersecurity-Experten steige weiterhin, erklärt Chris Dimitriadis, Chief Global Strategy Officer bei ISACA.

Regulatorischer Druck erzeugt Bedarf

Gleichzeitig schaffen in dieser Phase der Zurückhaltung EU-Vorschriften immer mehr Anforderungen, die Unternehmen nicht ignorieren können. Richtlinien wie DORA für den Finanzsektor, NIS-2 für kritische Infrastrukturen und der EU AI Act verlangen von Unternehmen nachgewiesene Standards für Cybersecurity, Risikomanagement und KI-Governance.

 Chris Dimitriadis ist Chief Global Strategy Officer bei ISACA.(Bild:  ISACA)
Chris Dimitriadis ist Chief Global Strategy Officer bei ISACA.
(Bild: ISACA)

Für Dimitriadis liegt hier „die eigentliche Schwachstelle“. Die Frage sei seiner Meinung nach nicht, „ob man in Cybersicherheit investieren soll, sondern wie man die richtigen Investitionen tätigt. Diese beginne „immer mit ganzheitlich ausgebildeten Fachkräften. Unternehmen, die jetzt falsche Entscheidungen zur Kostensenkung treffen, riskieren nicht nur schwerwiegende Auswirkungen durch Cyberangriffe, sondern auch hohe Strafen und den Verlust ihrer Betriebserlaubnis.“

Ein einziger schwerwiegender Datenverstoß kann ein Vielfaches dessen kosten, was durch Personalabbau eingespart wurde – ganz zu schweigen vom Verlust des Kundenvertrauens..

Chris Dimitriadis, Chief Global Strategy Officer bei ISACA

Das Henne-Ei-Problem im Datenschutz

Wieder mal ein Henne-Ei-Problem: Ohne ausreichende Fachkräfte sind Kosten-Nutzen-Analysen ungenau und ohne Investitionen die Rekrutierung dieser Fachkräfte nicht.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Wieder mal ein Henne-Ei-Problem: Ohne ausreichende Fachkräfte sind Kosten-Nutzen-Analysen ungenau und ohne Investitionen die Rekrutierung dieser Fachkräfte nicht.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Wie groß die Diskrepanz zwischen Bedarf und Realität bereits ist, zeigt die repräsentative „State of Privacy 2026“-Studie von ISACA. Sie macht deutlich, dass über die Hälfte (51 %) der technischen Datenschutz-Positionen in Europa unbesetzt sind, während 44 Prozent der Teams sich als unterfinanziert bezeichnen. „Dieser Mangel an Ressourcen ist das direkte Ergebnis eines Henne-Ei-Problems. Ohne die richtigen Teams wird die Kosten-Nutzen-Analyse ungenau sein, und ohne Investitionen kann man nicht die richtigen Teams für diese Aufgabe zusammenstellen“, sagt Dimitriadis.

In Kompetenz statt in Krisen investieren

Durch die steigende Arbeitslosigkeit im IT-Sektor verschärft sich der Wettbewerb um attraktive Positionen. Arbeitgeber können es sich leisten, wählerischer zu sein und suchen vermehrt nach Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch strategisches Verständnis und zertifizierte Expertise nachweisen können. „Führungskräfte müssen verstehen, dass die Stärkung der eigenen Teams der nachhaltigste Weg ist, um digitale Resilienz zu schaffen“, sagt Dimitriadis.

Die entscheidende Frage für jedes Unternehmen lautet: Investieren wir jetzt gezielt in die Fähigkeiten unserer Teams oder später in die Bewältigung von Krisen?

Chris Dimitriadis, Chief Global Strategy Officer bei ISACA

Dimitriadis macht abschließend klar: „Die aktuelle Lage am IT-Arbeitsmarkt bietet die strategische Chance, genau hier die richtigen Weichen zu stellen. Anstatt einfach Personal abzubauen, sollten vorausschauende Unternehmen jetzt die Spezialisten an sich binden und eigene Mitarbeitende qualifizieren, die für den Schutz vor Cyberrisiken und die Einhaltung neuer Regularien unerlässlich sind. Wer diese Gelegenheit nutzt, begreift Sicherheit nicht als Kostenfaktor, sondern als Wettbewerbsvorteil und Basis für vertrauensvolle Kundenbeziehungen und Partnerschaften.“

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