KI-Boom oder Millionengrab? Jedes zweite KI-Projekt soll scheitern, laut MIT-Studie sogar 95 Prozent. Florian Lauck-Wunderlich, Global Director Business Excellence bei Pegasystems, hält dagegen – mit einem sechsstufigen Fahrplan zum KI-Erfolg.
Glaubt man aktuellen Studien, gleicht die KI-Landschaft in vielen Unternehmen eher einem Friedhof als einem blühenden Garten. Die Erfolgsaussichten sind oft gering: Viele Initiativen sterben einen frühen Tod im Experimentierstadium.
(Bild: Gemini / KI-generiert)
Glaubt man Studien und Behauptungen im Internet, sind die Erfolgsaussichten von KI-Projekten eher gering. Oft heißt es, jedes Zweite scheitere, komme nicht über das Experimentierstadium hinaus oder bringe keinen relevanten Nutzen. Einer MIT-Untersuchung zufolge haben KI-Projekte sogar eine Fehlschlagquote von 95 Prozent, und die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass bis Ende 2027 mehr als 40 Prozent der Projekte mit Agentic AI eingestellt werden. Doch scheitern KI-Projekte wirklich so oft, wie Studien behaupten? Florian Lauck-Wunderlich, Global Director Business Excellence bei Pegasystems, hat eine andere Erfahrung gemacht:
Florian Lauck-Wunderlich ist Global Director Business Excellence bei Pegasystems.
(Bild: Pegasystems)
„Dass viele KI-Projekte per se scheitern, können wir in der Praxis nicht beobachten. Natürlich kann eine KI-Anwendung sich verzögern, das Budget überschreiten oder zunächst weniger Funktionalität haben, als ursprünglich geplant. Doch dass die Arbeiten komplett eingestellt werden und eine Anwendungsruine zurückbleibt, ist äußerst selten“, berichtet der Global Director Business Excellence bei Pegasystems
Nach Erfahrung von Pegasystems lassen sich Risiken wie gerissene Deadlines oder aus dem Ruder laufende Kosten vor allem durch ein methodisches Vorgehen vermeiden. Entsprechend sieht Lauck-Wunderlich den „Schlüssel für KI-Erfolge“ in einem „strukturierten Vorgehen“, das „von der Auswahl des Use Case bis zur Umsetzung der Lösung“ reichen und folgende sechs Schritte umfassen sollte.
Wer nichts überstürzt und Zeit in eine sorgfältige Vorbereitung investiert, kann Risiken minimieren und sicherstellen, dass KI-Anwendungen einen messbaren Business Value generieren.
Florian Lauck-Wunderlich, Global Director Business Excellence bei Pegasystems
Im ersten Schritt empfiehlt Lauck-Wunderlich, dass Unternehmen von konkreten Business-Problemen ausgehen sollten, deren Lösung regelmäßigen Mehrwert bringt . Diese können in etwa kürzere Bearbeitungszeiten, geringere Kosten oder bessere Entscheidungen sein. Erst danach sollten Unternehmen prüfen, ob und welche KI-Form wirklich das richtige Werkzeug ist, denn manchmal genügen auch klassische Regeln oder Kombinationen. Bei mehreren möglichen Use Cases empfiehlt er, nicht mit dem komplexesten, sondern mit einem einfachen, nutzenstarken Fall zu starten. Auf diese Weise können Unternehmen schnell Erfahrung und Erfolge für weitere Projekte sammeln.
Wichtig ist es, Probleme zu identifizieren, deren Lösung einen geschäftlichen Mehrwert bietet, etwa kürzere Bearbeitungszeiten, geringere Kosten oder bessere Entscheidungen, und das regelmäßig und nicht nur im Einzelfall.
Florian Lauck-Wunderlich, Global Director Business Excellence bei Pegasystems
Schritt 2: Anforderungen ableiten
Als zweiten Schritt empfiehlt er, aus dem Problem die Anforderungen an die künftige Anwendung abzuleiten. Neben funktionalen Anforderungen, die sich meist recht leicht ableiten lassen, sollten auch nicht-funktionale Anforderungen eine wichtige Rolle spielen. Diese können von der Genauigkeit und Auditierbarkeit der KI-Ergebnisse über die Verfügbarkeit und Antwortzeit der Anwendung bis hin zur Skalierung und Sicherheit reichen. Idealerweise legen Unternehmen dabei auch KPIs fest, um den Nutzen messbar zu machen. Denn ohne KPIs lassen sich spätere Probleme kaum erkennen und die KI-Anwendung schwer verbessern.
Schritt 3: Lösungsarchitektur entwickeln
Auf Basis der Anforderungen sollten Unternehmen im dritten Schritt eine Lösungsarchitektur entwickeln. Eine wichtige Frage, die sich Unternehmen dabei stellen sollten, ist: Welche KI-Technologien kommen zum Einsatz, welche Daten werden benötigt – und sind diese aktuell, ausgewogen und vollständig? Denn schlechte Datenqualität führt auch bei bester KI zu schwachen Ergebnissen. Weitere Architekturentscheidungen sollten die Governance betreffen: Wo werden personenbezogene und sensible Daten verarbeitet und gespeichert, ist eine Anonymisierung nötig? Zudem braucht es Zugriffskontrollen, Verschlüsselung für Übertragung und Speicherung sowie Guardrails, die die KI vor Angriffen wie Prompt Injection schützen und fachfremde Antworten oder Halluzinationen verhindern.
Erst wenn alle drei Schritte abgeschlossen sind, sollte die Umsetzung der Anwendung im vierten Schritt tatsächlich starten. Um schnell eine Rückmeldung von den künftigen Anwendern zu erhalten, sollte zunächst ein MVP (Minimum Viable Product) oder MLP (Minimum Lovable Product) entwickelt werden, das sich dann kontinuierlich anpassen und verbessern lässt. Eine moderne Plattform, die die Wiederverwendung von Software-Bausteinen wie Programmlogiken, KI-Modellen, User Interfaces erlaubt, kann den Entwicklungsprozess deutlich beschleunigen, weil Unternehmen nicht für jede Anwendung und Anwendungskomponente bei null anfangen müssen. Zudem können die einzelnen Bausteine gut zentral gepflegt werden, ohne jede Anwendung für Änderungen einzeln anzufassen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Schritt 5: Change Management nicht vergessen
Im vorletzten Schritt sollten Unternehmen Fachbereichs-Anwender frühzeitig einbinden, um echte Business-Probleme zu finden, Anforderungen richtig zu definieren und die Akzeptanz zu steigern – ohne dabei nur die alte, lieb gewonnene Anwendung zu kopieren. Oft übersehen wird die durch Human-in-the-Loop verursachte Verzerrung: Aus Angst vor Ersetzung bewerten Mitarbeiter KI-Ergebnisse schlechter, oder sie nicken bei durchweg guten Ergebnissen irgendwann unkritisch alles ab. Unternehmen sollten Anwender dafür sensibilisieren und bereits im Anwendungsdesign Monitoringfunktionen einplanen, die solche Trends – etwa immer weniger Korrekturen – frühzeitig sichtbar machen.
Schritt 6: Lernschleifen implentieren
Unternehmen sollten im letzten Schritt daran denken, dass KI-Anwendungen nie fertig sind. Die bedingt sich dadurch, dass KI sich stetig verbessern kann – sei es durch rekursive Selbstverbesserung oder menschlich Anpassung. In beiden Fällen sollten Feedback-Schleifen implementiert werden, die Kennzahlen erfassen und Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.