Automotive-Zulieferer stellt auf SAP um Gutbrod bringt Ideen in Form

Redakteur: Dr. Andreas Bergler

Als neue ERP-Lösung führte Gutbrod die mySAP-Business-Suite ein. Das mittelständische Automobilzulieferunternehmen erhielt Unterstützung von der Steeb Anwendungssysteme.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Höchste Produktqualität, taggenaue Lieferung und Servicebereitschaft sind die wichtigsten Unternehmensziele in der Automobilzuliefer-Branche. Um unter diesen Umständen zu marktgerechten Preisen produzieren zu können, müssen alle Geschäftsprozesse, von der Planung über die Fertigung bis zur Auslieferung und Rechnungsstellung, weitestgehend automatisiert ablaufen, jederzeit transparent und für das Management nachvollziehbar sein: Nur so sind Über- und Unterkapazitäten zu vermeiden, die Lagerhaltung zu optimieren und Fehler durch zu viele manuelle Eingriffe zu minimieren.

Ziele organisieren

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Die Herausforderungen des modernen Marktes hatte auch die Gutbrod-Gruppe zu bewältigen, die bereits 1963 durch Horst Gutbrod im baden-württembergischen Dettingen/Erms gegründet wurde. Ursprung und Kernkompetenz ist der Werkzeugbau als Vorstufe für die Produktion kundenindividueller Teile. Dazu kommen die Geschäftsbereiche Entwicklung sowie die Vorserien- und Serienproduktion für einbaufertige Stanz- und Umformteile sowie Baugruppen und Sicherheits-/Aufprallschutzkomponenten. 2001 entstand ein weiteres Werk in Schmölln/Thüringen für die Serienproduktion.

Diese Ziele zwingen zu gut funktionierender Organisation: Die kundenspezifische Entwicklung der Werkzeuge, die letztlich die Vorserien- und Serienteile produzieren, basiert in der Konstruktionsabteilung auf einer Entwicklungssoftware und CAD/CAM-Systemen, die durch ein Projektsteuerungssystem unterstützt werden. Die gefertigten Teile werden in der Automobilindustrie in so genannten externen Dienstleistungslagern (EDL) oder Liefer- und Leistungszentren (LLZ) untergebracht. Während die externen Dienstleistungslager die Teile bei Gutbrod abrufen, ist das Unternehmen für das Liefer- und Leistungszentrum zum Beispiel bei Daimler-Benz bestandsverantwortlich. Das heißt, es muss automatisch für Nachschub sorgen. Das bedeutet aber auch, dass genaue Informationen über den Teileabruf aus den Lagern direkt in die Produktionsplanung und -steuerung einfließen müssen. Sobald Teile abgerufen oder in die Automobile eingebaut werden, erfolgt die Rechnungsstellung im Gutschriftverfahren.

Heterogenität behindert

Gutbrod nutzte schon seit 1999 das ERP-System Brain XPPS für die Logistik mit Bestandsführung, Produktionsplanung, -fertigung und -steuerung. Die Kosten und Werteströme wurden aber nur über die Buchhaltung erfasst. Unterschiedliche Hard- und Software-Systeme wie IBM AS/400 für das ERP-System und das alte DOS in der Personabteilung waren zwei weitere Beispiele für die Heterogenität der gewachsenen IT-Struktur. Die Kommunikation zwischen den Systemen funktionierte über Schnittstellen oder gar nicht, die Kunden- und Lieferantendatenstämme wurden in der Buchhaltung auf einem K+H-System und in der Produktion auf Brain XPPS redundant geführt. Die Informationsbeschaffung zum Auftragsbestand und der Produktionsplanung war schwierig, die Informationsverdichtung für das Controlling zeitaufwändig oder unmöglich. Last not least gab es keine aktuellen Daten für die Unternehmenssteuerung – für ein Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz eine unhaltbare Situation.

Neuanfang

Die Unzulänglichkeiten waren also klar – nun brauchte das Unternehmen eine gute Lösung, um die wichtigsten strategischen Ziele zu erreichen: Ein integriertes System mit zentraler Datenhaltung sollte die Insellösungen beenden und über Standardschnittstellen mit den Subsystemen verbunden werden. Das neue ERP-System musste eine hohe Funktionalität im Projektsystem aufweisen und die Integration von Produktion und Lager ermöglichen, standardisierte Geschäftsprozesse für die Automotive-Branche sowie ein mächtiges und flexibles Controlling-Modul mitbringen. Wichtig war auch eine hohe Abdeckung der benötigten Standardfunktionalitäten sowie die Zukunftssicherheit.

Unter den im Rahmen einer Ausschreibung begutachteten Systemen Brain XPPS, Baan (heute Infor) und mySAP Business Suite hinterließ der Walldorfer Anbieter den besten Eindruck hinsichtlich Funktionalität, Brancheneignung sowie Zukunfts- und Investitionssicherheit.

100 Prozent Mittelstand

Jedes SAP-System ist nur so gut wie seine Planung und Einführung. Und genau die erfordert erfahrungsgemäß die Unterstützung durch ein kompetentes Systemhaus. Hier machte die Steeb Anwendungssysteme das Rennen. Als SAP-Tochterunternehmen und eines der führenden SAP-Systemhäuser in Deutschland brachte sie nicht nur das nötige Wissen rund um das ERP-Programm, sondern auch das notwendige Consulting- und Branchen-Know-how aus dem Automobilsektor mit. Ein großes Plus war das Commitment zum Mittelstand des seit 30 Jahren erfolgreichen IT-Partners aus dem Schwabenland, der heute rund 255 Mitarbeiter beschäftigt.

Um die Einführung zu vereinfachen, wurde das Projekt in zwei Teilen geplant und durchgeführt. Die Fachkonzepte erarbeitete Gutbrod mit Steeb zusammen innerhalb von zwei Monaten, dann erfolgte die Überprüfung und Überarbeitung der Konzepte durch die Geschäftsleitung und Key-User. Innerhalb dieser Vorbereitung wurde in eintägigen Integrationsmeetings jeweils ein Prozess durch die Key-User aus neun Fachbereichen analysiert, der dann durch Steeb in der mySAP Business Suite abgebildet werden sollte. Von Gutbrod waren in das Projekt insgesamt 29 Mitarbeiter eingebunden, von Steeb zwölf Berater und aus einem externen Consulting-Partner von Steeb ein weiterer Mitarbeiter. Der Lenkungsausschuss bestand aus der kaufmännischen Geschäftsführung von Gutbrod und zwei Steeb-Beratern.

Die größten Bedenken vor dem komplexen Projekt, das Unternehmen könne wie bei der Brain-Einführung fast zum Stillstand kommen, haben sich nicht bestätigt. Um böse Überraschungen zu vermeiden, führte Gutbrod zusammen mit dem Beraterteam innerhalb von drei Monaten drei große Integrationstests durch, bevor zwischen Weihnachten und Neujahr in den produktionsfreien Tagen das Going Live erfolgte.

Der entscheidende Schlüsselprozess war die Anbindung des Materialfluss-Controllers und damit des Hochregallagers, die aber völlig reibungslos funktionierte. Das Unternehmen war damit immer lieferfähig. Allerdings wurde vor allem gegen Ende des zweiten Projektes deutlich, dass die Zeit für die Anwenderschulungen ein wenig kurz bemessen war. Obwohl alle Module nach der „Golden Live Sitzung“ die Erwartungen erfüllten, erweitert Gutbrod mit der Unterstützung durch Steeb Anwendungssysteme die Lösung: Zu den teilweise bereits begonnenen Projekten gehören auch die Einführung des SAP BIW (Business Information Warehouse) sowie die Erweiterung des Projekt- und Qualitätsmanagements.

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