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Günther Schiller: Mehr als nur ein Zahlenhandwerker

| Autor: Michael Hase

ACP-Chef Günther Schiller erschließt neue Horizonte für das Systemhaus.
ACP-Chef Günther Schiller erschließt neue Horizonte für das Systemhaus. (Bilder: ACP)

Günther Schiller führt seit zehn Jahren die Geschäfte von ACP in Deutschland. Dabei formte der ausgebildete Buchhalter das Systemhaus mit österreichischen Wurzeln zu einem der führenden Datacenter-Spezialisten. Jetzt richtet er das Geschäft auf die Digitalisierung aus.

Ebenso gut könnte Günther Schiller heute Finanzchef eines ITK-Unternehmens sein. Schließlich wurde er zum Bilanzbuchhalter ausgebildet. Dass der 51-Jährige trotzdem nicht die Zahlen eines der größten Systemhäuser im deutschsprachigen Raum verwaltet, sondern als Spitzenmanager für dessen Strategie und Deutschlandgeschäft verantwortlich zeichnet, ist kein Zufall. „Ich habe mich nie für die Zahlen allein interessiert, sondern wollte schon immer die Zusammenhänge dahinter verstehen.“

Mit dieser Haltung hat Schiller das IT-Geschäft inzwischen tief durchdrungen. Hierzulande formte er ACP von einem regionalen Systemhaus zu einem bundesweit präsenten Dienstleister. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg der Umsatz von rund 65 Millionen auf 180 Millionen Euro. Ins Unternehmen kam der Chiemgauer im Jahr 2003, als das österreichische Systemhaus mit der Akquisition von Networks & More (Sitz in Kolbermoor bei Rosenheim) in den deutschen Markt eintrat. Zunächst leitete er die Geschäftsstelle Oberbayern, bis er 2008 die Geschäftsführung der ACP Holding Deutschland übernahm. 2013 rückte Schiller in den Vorstand der Gruppe auf, in dem er heute neben Rainer Kalkbrener gleichberechtigtes Mitglied ist.

Zukäufe gehören zur Wachstumsstrategie von ACP. Dabei kommt Schiller zugute, dass er das Zahlenhandwerk von der ­Pike auf gelernt hat. „Wenn man sich, wie wir das von Zeit zu Zeit tun, an Unternehmen beteiligt, ist es hilfreich, sich mit kaufmännischen Themen auszukennen.“ Die letzte größere Transaktion war 2016 der Einstieg bei Janz IT (Paderborn), durch den Standorte in Hamburg, Hannover, Jena und Oldenburg hinzukamen. Aktuell hat Schiller neue Ziele im Auge und rechnet damit, noch in diesem Jahr „die ein oder andere Akquisition“ vermelden zu können.

Unternehmer-Company

Eine Besonderheit der Gruppe besteht darin, dass Gründer übernommener Häuser eine Minderheitsbeteiligung behalten können. Diese Option macht es Schiller zufolge für manchen Systemhauschef einfacher, die Eigenständigkeit aufzugeben. Denn bei ACP sei es möglich, nach dem Verkauf weiterhin Unternehmer zu bleiben. „Wir sind eine Unternehmer-Company: Das ist in unserer DNA angelegt, und damit sind wir groß geworden.“

Im eigenen Job versteht sich Schiller gleichfalls nicht als Manager, sondern als Entrepreneur. De facto gehört er seit 2013, als rund 100 Mitarbeiter das Systemhaus vom Schweizer Investor Capvis zurückkauften, zu dessen Gesellschaftern. Um nach anstrengenden Arbeitswochen den Kopf frei zu bekommen, geht der IT-Profi, dessen Lebensmittelpunkt sich im Raum Rosenheim befindet, in seiner Freizeit mit dem Mountainbike oder den Wanderschuhen in die nahe gelegenen Berge.

Dezentrale Struktur

Mit dem Unternehmertum gehen bei ACP ein hoher Freiheitsgrad und große Entscheidungskompetenz der Tochtergesellschaften einher. Für Außenstehende mag das so scheinen, als integriere die Gruppe ihre Zukäufe nicht. Schiller sieht in der dezentralen Struktur aber gerade eine Stärke, weil sie nach seiner Überzeugung zu großer Kundennähe führt. „Wir müssen ein erfolgreiches Haus nicht umkrempeln.“

Freilich nutzt man bei ACP die Synergien, die sich in der Gruppe ergeben. So haben sich einzelne Gesellschaften zu Kompetenzzentren für bestimmte Themen entwickelt, auf deren Expertise die anderen zugreifen. Darüber hinaus werden Einrichtungen wie eine Support-Hotline oder ein Security Operations Center (SOC) ebenso wie eine automatisierte Service-Plattform nur einmal aufgebaut. „Seit etwa anderthalb Jahren gewinnen Themen, die wir überregional abbilden, für uns zunehmend an Bedeutung“, beobachtet Schiller.

Digitalisierung

Fachlich richtet der ACP-Chef das Unternehmen, dessen Kernkompetenz bei Lösungen für Rechenzentren liegt, auf Digitalisierungsthemen wie IoT und Künstliche Intelligenz aus. „Darauf werden wir einen verstärkten Fokus legen.“ Dabei übernehmen die Töchter Cubido (Linz) und Godyo (Jena), die sich mit Analytics und Business Solutions befassen, eine Schlüsselrolle. Ob Schiller damit den nächsten Wachstumsschub des Systemhauses auslöst? Immerhin attestiert ihm ein Wegbegleiter wie Ulrich Seibold, Channel-Verantwortlicher beim Herstellerpartner HPE, „ein untrügliches Gespür dafür, zum richtigen Zeitpunkt in die richtigen Themen zu investieren“.

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