Umsatzchance neue Technologien Grüner Wind weht durch die Serverlandschaft

Redakteur: Tim Wolfinger

Im Geschäft mit Servern können jetzt neue Akzente gesetzt werden. Der Trend zur »Green IT« sowie die sich allmählich durchsetzenden Virtualisierungstechnologien sorgen für frische Verkaufsargumente.

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Rechenzentren, die Wert auf Energieeffizienz legen, setzen gerne spezielle Server ein, die für diesen Gesichtspunkt optimiert sind.
Rechenzentren, die Wert auf Energieeffizienz legen, setzen gerne spezielle Server ein, die für diesen Gesichtspunkt optimiert sind.
( Archiv: Vogel Business Media )

Schon lange sind x86-Server des Kunden Lieblingsstück, nehmen diese den hochpreisigeren RISC-Servern doch allmählich immer mehr Aufgaben ab. »Der Trend zu x86-Servern«, so beobachtet es auch Rainer Staudter, Produktmanager bei Acer, »spiegelt sich im Produktangebot der Hersteller wieder, die in den letzten Jahren massiv in den Ausbau des x86-Geschäfts investiert haben«. Dabei ist das Geschäft nicht immer lukrativ: Aufgrund von Austauschbarkeit und Preisverfall lassen sich ausreichende Gewinne alleine mit Servern nur mehr bei großen Stückzahlen erreichen.

Ralf Zerres, Geschäftsführer des Systemhauses Networkx, ist dennoch motiviert: »Trotz gelegentlicher Daumenschrauben bietet der Handel mit Servern immer noch Gewinnchancen für Reseller. Und zwar dann, wenn es gelingt, zusätzlich Software und Dienstleistungen zu verkaufen.« Beliebt ist zum Beispiel der gemeinsame Verkauf von Servern, Virtualisierungsssoftware, Applikationen und einer integrierten Managementlösung.

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Marktdaten

Die Zahl der verkauften x86-Server wächst laut IDC weiter rasant. Im zweiten Quartal wurden rund 16 Prozent mehr solcher Geräte verkauft als im selben Quartal des Vorjahres. Blades liegen sehr gut im Rennen, repräsentieren jedoch nur fünf Prozent des Gesamtserverumsatzes. Im zweiten Quartal lief der Bladeverkauf in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 42 Prozent besser. Im Zielmarkt Small-Business sorgten laut IDC vor allem Bundles aus Servern mit Management- und Security-Software für eine gute Nachfrage nach Low-End-Servern. Hewlett-Packard, mit herausragenden 23 Prozent Wachstum im zweiten Quartal 2007, genießt gute Verkaufszahlen sowohl bei den Itanium-Systemen als auch bei seinen x86-Standard-Servern. Umsatzmäßig ist IBM Spitzenreiter unter den Anbietern, obwohl das Unternehmen laut IDC weniger P- und I-Systeme verkauft hat und beim Z-System-Verkauf stagniert.

Virtualisierung spart Kosten

Die bessere Auslastung der in den Unternehmen eingesetzten Server steht unter dem Stichwort Konsolidierung schon lange auf der Agenda von Anwendern. Hierfür rückt im x86-Segment die Servervirtualisierung zunehmend zum Mittel der Wahl auf. Virtualisierungsspezialist SWsoft wirbt aktuell damit, bereits rund 17.000 Kunden-Server virtualisiert zu haben, die Gastgeber für rund 700.000 virtuelle Maschinen sind. Da stellt sich die Frage, ob Serverhersteller befürchten müssen, künftig weniger Server zu verkaufen. Die verbreitete Meinung der Hersteller dazu ist, dass lediglich das Wachstum bei den Stückzahlen ein wenig abflache, der Umsatz aber gleich bliebe. Das Interesse soll sich vielmehr auf besser ausgestattete und somit teurere Server verlagern.

Energieeffizienz im Trend

Hersteller entwickeln schon seit geraumer Zeit energieeffiziente Server. Sie verwenden dafür unter anderem optimierte Netzteile, die bis zu 25 Prozent weniger Energieverlust mit sich bringen. Mit Niederspannungs-Prozessoren, die rund 25 Watt weniger Strom verbrauchen sowie dem bevorzugten Einsatz von 2,5- statt 3,5-Zoll-Festplatten lässt sich ebenfalls an der Stromverbrauchsschraube drehen.

Und die Anwender? Im Zuge des Green-IT-Marketings der Hersteller und der steigenden Energiekosten wächst zwar das Interesse an energieeffizienten Servern und Blades. Momentan werden aber weiterhin bevorzugt die herkömmlichen Server gekauft. Denn oft liegt die Budgetverantwortung für die Energiekosten nicht in der IT-Abteilung. Wenn IT-Verantwortliche zu energieeffizienten Servern greifen, dann aufgrund eines anderen Problems: Sie sind am Ende ihrer Klimatisierung und können gar nicht anders, als Komponenten einzubauen, die weniger Strom verbrauchen.

IT-BUSINESS bat drei Insider um Stellungnahme zur aktuellen Marktentwicklung und den Chancen für die Reseller im Umfeld von Server und Blades.

Michael Garri (Hewlett-Packard)

»Itanium-basierte Server sind auf dem Vormarsch. IDC geht davon aus, dass der Markt für diese Systeme in der Region EMEA bis 2009 von 2,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf 6,6 Milliarden wachsen wird. Da HP mit den Integrity- und Integrity-Nonstop-Servern hier Marktführer ist (IDC, Q2 2007), gehen wir davon aus, dass wir an diesem Wachstum überproportional teilhaben werden. Davon können auch unsere Channel-Partner mit Value-Added-Services profitieren.«

Barbara Koch (IBM)

»Wir erwarten im Servermarkt und insbesondere bei den Blade-Servern ein enorm hohes Wachstum. Dies wird getrieben von den Faktoren einer Vereinfachung des System-Managements, von Konsolidierungsbestrebungen sowie dem Thema Green IT, bei dem das Blade-Konzept zahlreiche Vorteile aufzuweisen hat. Insbesondere lassen sich durch die Einsparung von Bauteilen wie Lüftern und Netzteilen enorme Verbesserungen in der Energiebilanz erreichen.«

Matthias Schindler (Fujitsu Siemens)

»Windows und Linux legen an Enterprise-Funktionalität zu und gewinnen Marktanteile. Bei den Unix-Derivaten behauptet Solaris die Führungsposition. Die Leistungssteigerung der Prozessoren verstärkt den Druck, die Serversysteme besser auszulasten. Damit schlägt die Stunde der Virtualisierung. Auch wenn sich dabei der Trend zu Standardkomponenten fortsetzt, bietet die Entwicklung große Chancen für Händler, da diese Lösungen eben nicht von der Stange zu haben sind.«

(ID:2008471)