Die IT-Branche gilt noch immer als Männerdomäne – ein veraltetes Klischee, das wir dringend überwinden müssen! Wir haben uns umgehört, was Unternehmen tatsächlich dagegen tun und wie künftig noch mehr Frauen für die IT begeistert werden können.
Der Frauenanteil in der IT stagniert. Das liegt auch an veralteten Rollenbildern.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die IT-Branche – ein dynamisches, innovatives Umfeld – ist noch immer von alten Klischees geprägt. Frauen sehen sich hier häufig mit Hindernissen konfrontiert, die tief in traditionellen Rollenbildern verankert sind. Gerade mal knapp 20 Prozent der IT-Stellen sind in Deutschland aktuell von Frauen besetzt. Umso wichtiger ist es, nicht nur die bestehenden Barrieren abzubauen, sondern auch proaktiv neue Wege zu gehen, die Frauen den Zugang zu IT-Berufen erleichtern. Ein Blick auf aktuelle Initiativen und Geschichten aus der Praxis zeigt: Der Wandel ist möglich – wenn Bildung, Unternehmen und Gesellschaft an einem Strang ziehen.
Frauenanteil stagniert
Laut einer Bitkom-Umfrage empfinden 64 Prozent der Befragten traditionelle Rollenbilder in IT-Unternehmen als die zweitgrößte Hürde, um in der Branche Fuß zu fassen. Dies verdeutlicht, wie sehr gesellschaftliche Stereotype nach wie vor die berufliche Entwicklung von Frauen in der IT beeinflussen. Ein zentraler Hebel für mehr Frauen in der Branche liegt daher in der frühzeitigen Förderung von MINT-Fächern. Bereits in der Schulzeit sollte die Begeisterung für Technik und Informatik geweckt werden, um zukünftige Generationen von Frauen für die IT zu gewinnen.
Zentrale Hebel für mehr Frauen in der IT sind frühzeitiges Fördern von MINT-Fächern und Rollenbilder.
(Bild: Bitkom)
Doch es reicht nicht aus, nur Interessen zu fördern. Auch die Arbeitsumgebung muss stimmen. Frauen brauchen Arbeitsplätze, an denen sie sich wohlfühlen und die ihre berufliche Entwicklung aktiv unterstützen. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Angebote zur Kinderbetreuung und Mentorinnen, die als Vorbilder fungieren und den Austausch zwischen den Generationen ermöglichen. Doch trotz bekannter Lösungsansätze stagniert der Frauenanteil in der IT-Branche leider noch immer.
Jill Brennan, VP Ecosystems DACH, IBM
(Bild: IBM)
Ein positives Beispiel, wie Unternehmen gegen diese Stagnation ankämpfen, ist IBM. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Mentoring-Programme, um Frauen den Aufstieg in Führungspositionen zu erleichtern. „Mentoring spielt eine zentrale Rolle bei der Stärkung weiblicher Führungskräfte im KI-Umfeld. Ich persönlich habe mehrere Mentees und gebe ihnen Tipps und Hilfestellungen für ihre weitere Karriere bei IBM“, erklärt Jill Brennan, Vice President Ecosystems DACH bei IBM. Im KI-Umfeld ein sehr wichtiger Punkt, denn um Vorurteile in KI-Modellen zu minimieren, wird es essenziell sein, dass Entwicklungsteams selbst divers aufgestellt sind. Nur so lassen sich bestehende Rollenklischees hinterfragen und vermeiden, anstatt sie in KI-Modellen zu reproduzieren. Neben Mentoring bietet IBM auch gezielte Weiterbildungsprogramme, um für Mitarbeiterinnen einen klaren Aktionsplan zu entwickeln und ihre Netzwerke zu erweitern. Dies erleichtert den Übergang in Führungsrollen und fördert eine nachhaltige Karriereentwicklung.
Frühzeitige Förderung
Auch die neue Strato-CEO Aisha Petter berichtet Positives:
Aisha Petters, CEO Strato
(Bild: STRATO)
„Mit mehr als 30 Prozent liegen wir bereits über dem innerhalb der Branche recht gleichbleibenden Frauenanteil von knapp über 20 Prozent, und auch bei den Frauen in Führungspositionen sind wir gut aufgestellt: Bereits ein Viertel dieser Stellen nehmen Frauen ein – diesen Anteil wollen wir in den kommenden fünf Jahren nochmals auf 28 Prozent steigern.“ Doch der Weg dorthin ist steinig. „Trotz engagierter Maßnahmen von Unternehmen wie diesen erhöht sich der Frauenanteil in der IT aber nur sehr langsam – hier muss auch an entsprechenden Stellschrauben im Bildungs- und Ausbildungssystem gedreht werden“, fordert Petter.
IBM investiert zum Beispiel in die frühzeitige Förderung von Frauen in MINT-Berufen. Das P-TECH.org-Programm ist eine Initiative, die Schülerinnen einen Abschluss in angewandter Wissenschaft, Technik oder Informatik ermöglicht. Ergänzt wird dies durch IBM Skillsbuild, ein Programm, das digitale Lernmöglichkeiten bietet. Diese Initiativen tragen dazu bei, langfristig mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern und ihnen den Einstieg in die IT-Branche zu erleichtern. „Unzureichende digitale Bildung im Schulalter ist ein großes Problem. Laut einer internationalen Studie, die IBM im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat, sind nur 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Lage, sich ein solides Wissen über Technik und Informatik anzueignen – dies kann ein echtes Hindernis für eine spätere erfolgreiche Karriere in der Tech-Branche sein, unabhängig davon, ob es sich um Männer oder Frauen handelt.“
Stand: 08.12.2025
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Quereinstieg als Chance
Ähnlich sieht es auch Liane Artmann, Sector Service Director International Accounts bei Computacenter, und bilanziert: „Für die digitale Bildung in den Schulen sowie für Berufsorientierung, Ausbildungs- und Studienangebote für Frauen fehlt immer noch ein übergreifender Plan. Hinzu kommt, dass Frauen sich oft nicht zutrauen, als Quereinsteigerinnen in die IT-Branche zu wechseln. Die Situation ändert sich, aber wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten.“ Computacenter bietet seit vier Jahren ein Quereinstiegsprogramm im Consultancy-Bereich an.
Unternehmen erkennen zunehmend die Bedeutung von Quereinsteigerprogrammen, um dem IT-Fachkräftemangel zu begegnen. „Für Unternehmen empfiehlt sich ein breites Angebot an Weiterbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten für Quereinsteiger, mit möglichst großer Praxisorientierung der Inhalte und Vermittlung von technischen Grundlagen“, so Strato-CEO Petter. Voraussetzung sei natürlich ein Interesse an der IT-Branche und die Motivation, sich in dieses dynamische Arbeitsumfeld einzuarbeiten. „Unterschiedliche berufliche Hintergründe können eine Bereicherung für das eigene Unternehmen darstellen und dabei helfen, neue Perspektiven in Teams zu bringen, um innovative Lösungen zu finden.“
Ein gelungenes Beispiel dafür ist Dorottya Bene-Heredi, die einst Kindergärtnerin war. Durch eine zufällige Begegnung entdeckte sie ihre Leidenschaft für IT und nahm am Programm „She Goes Digital“ teil, wo sie Microsoft-Zertifizierungen erwarb. Heute arbeitet sie als Data Engineering Analystin beim globalen IT-Dienstleister Avanade. „Ich war ein wenig in der Festlegung meines Ichs gefangen und kam lange gar nicht auf die Idee, dass mir ein technischer Beruf gefallen könnte“, berichtet Bene-Heredi. „Ich möchte mit Menschen arbeiten und nicht am Computer sitzen – das war meine festgefahrene Überzeugung.“ Ihr Tipp an andere Frauen: „Sei, was du sein kannst, und nicht, was du andere über dich sagen hörst. Begib dich engagiert aus der Komfortzone. Wer nur nach Work-Life-Balance fragt oder darauf wartet, dass ihn jemand zu so einem Schritt einlädt … das wird nicht klappen.“
Avanade zeigt, wie ein unterstützendes Umfeld dazu beitragen kann, solche Überzeugungen zu überwinden. Um Vorurteile abzubauen und Führungskräfte für unbewusste Denkmuster zu sensibilisieren, verpflichtet das Unternehmen alle Führungskräfte zu Unconscious-Bias-Trainings. Der Dienstleister strebt eine Geschlechterparität von 50:50 in allen Teams an und hat 2022 den Gender Pay Gap geschlossen. Die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen bleibt ein altbekanntes Problem. Frauen ohne Personalverantwortung verdienen mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 40.359 Euro pro Jahr, Männer 43.636 Euro. Ab zehn Jahren Berufserfahrung steigt der Unterschied auf 49.313 Euro bei Frauen und 57.387 Euro bei Männern. In Führungspositionen beträgt der Unterschied sogar 18,1 Prozent. „Unsere Zahlen zeigen, dass nach wie vor keine Gehaltsgerechtigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt existiert. Ein wesentlicher Grund dafür ist die nach wie vor fehlende Gehaltstransparenz, die Beschäftigten deutlich mehr Orientierung bieten würde“, erklärt Kununu-CEO Nina Zimmermann.
Diverse Teams sind innovativer
Dabei sind gemischte Teams nachweislich innovativer und leistungsfähiger. Laut einer Bitkom-Umfrage ist die Mehrheit der Befragten überzeugt, dass diverse Teams neue Ideen fördern (73 %) und das Betriebsklima verbessern (78 %). Allerdings befürchten 42 Prozent, dass Diversitätsförderung oftmals nur dem Eigenmarketing des Unternehmens dient und keine Veränderungen bewirkt.
#SheTransformsIT
#SheTransformsIT ist eine Initiative, die seit 2020 Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vereint, um mehr Frauen für die Digitalisierung zu gewinnen und ihre Rolle in der Digitalen Transformation zu stärken. Der Fokus liegt auf drei zentralen Bereichen: Transformation, indem Bildung, Weiterbildung und die digitale Arbeitswelt verändert sowie gesellschaftliche Rollenbilder hinterfragt werden; Vernetzung, indem als zusammengebracht werden, um den Austausch zu fördern; und Awareness & Sichtbarkeit, indem Frauen in der Digitalisierung durch Rolemodels, Kampagnen und Veranstaltungen sichtbarer gemacht werden. Ziel ist es, sektorübergreifend Lösungen zu entwickeln, um einen nachhaltigen Wandel hin zu mehr Frauen in der Digitalisierung voranzutreiben.
Liane Artmann, Sector Service Director International Accounts, Mitglied der Geschäftsleitung bei Computacenter sowie Mitglied im Beirat von #SheTransformsIT
(Bild: Computacenter)
Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich Liane Artmann von Computacenter im Beirat des interdisziplinären Bündnisses #SheTransformsIT. „Wir fördern Programme und Initiativen, die Frauen ermutigen, in die IT und unsere Kolleginnen ermutigen, in Managementrollen zu gehen. Der Anteil an Kolleginnen im Unternehmen steigt bei uns stetig. Diese Bemühungen werden wir fortsetzen, um weiterhin Frauen für unsere Branche zu begeistern und diese im Unternehmen zu fördern“, gibt sich Artmann zielstrebig.
Die geschilderten Beispiele verdeutlichen, dass zur wirklichen Veränderung der Branche ein langfristiger Wandel nötig ist. Doch der IT-Channel hat sich in der Vergangenheit stets durch seine Anpassungsfähigkeit ausgezeichnet – sei es an neue Technologien wie Cloud und KI oder bei der Überwindung wirtschaftlich schwieriger Phasen. Da wäre es doch gelacht, wenn es nicht gelänge, flächendeckend eine Unternehmenskultur zu formen, die Frauen stärkt – und damit auch dem Fachkräftemangel ein Stück weit das Handwerk legt.
Kommentar: Nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit
Frauen und Männer müssen gleichermaßen an der Gestaltung der IT-Branche mitwirken, um Antworten auf die Fragen der digitalen Gestaltung der Gesellschaft zu finden. Dies ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern ein entscheidender Schritt, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern. Die erforderlichen Rahmenbedingungen müssen sowohl von politischen Entscheidungsträgern als auch von den Unternehmen selbst geschaffen werden. Diversität ist eine gemeinsame Verantwortung, die von jeder und jedem Einzelnen getragen wird. Mentoring-Programme, flexible Arbeitsmodelle und eine gezielte Ansprache von Frauen können entscheidend dazu beitragen, mehr Chancengleichheit zu schaffen. Ohne eine Erhöhung des Frauenanteils in der IT-Branche wird es kaum möglich sein, den ohnehin schon besorgniserregenden Fachkräftemangel zu bewältigen.