Hintergrund und Meinung Forcam-Chef: „Die erste Industrie-4.0-Initiative ist gescheitert.“

Autor / Redakteur: dpa / Katrin Hofmann

Verliert Deutschland beim Thema Industrie 4.0 den Anschluss an die Weltelite? Der Chef des IT-Dienstleisters Forcam, Franz Gruber, jedenfalls warnt.

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„Industrie 4.0“ gilt als die vierte industrielle Revolution.
„Industrie 4.0“ gilt als die vierte industrielle Revolution.
(Bild: fotohansel - Fotolia.com)

Heinz Jörg Fuhrmann muss kurz schmunzeln bei der Frage, ob denn sein Stahlunternehmen auch schon vernetzt produziere in intelligenten Fabriken. „Mit Industrie 4.0 sind wir bei uns schon seit langem unterwegs“, sagte der Chef des Salzgitter-Konzerns. „Etwa wenn es darum geht, sich mit Zulieferern und Kunden zu vernetzen oder darum, dass Bauteile ihre Bearbeitungsinformationen mitbringen.“

Herkunft des Begriffs

Solche intelligenten Maschinenparks und smarte Anlagen gelten als die vierte industrielle Revolution nach Dampfmaschine, Massenproduktion und Automation - daher „Industrie 4.0“ als Kunstname. Sie trifft die Produktion nicht mit der Wucht eines Umsturzes, aber sie fließt als wachsender Strom in den Fabrikalltag. „Auch die old-fashioned anmutende Stahlindustrie ist High-Tech“, sagt Fuhrmann. „Für jedes Band, das wir walzen, werden tausende Daten benötigt.“

Auf der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe (13. bis 17. April) ist Industrie 4.0 aufs Neue das Thema. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und die Granden der Verbände nutzen den globalen Branchentreff als 4.0-Kompass. Und da hat die Industrienation Deutschland noch Orientierungsbedarf. „Deutschland verliert den Anschluss an die Weltelite“, warnte Industrielobby-Chef Ulrich Grillo vom BDI vor einem Jahr. Elektrotechnik-Präsident Friedhelm Loh gestand: „Wir wissen, dass die Amerikaner uns bei der technischen Software überlegen sind.“ Und Merkel riet den Akteuren: „Hängen Sie nicht zu sehr an Ihren alten einzelnen Branchen.“

„Befürchtungen bewahrheiten sich“

Und nun, ein Jahr später? Franz Gruber, Chef des 4.0-Pioniers Forcam, sagt: „Die Befürchtungen bewahrheiten sich. Die USA entwickeln bei Industrie 4.0 deutlich mehr Geschwindigkeit als Europa. Und das, obwohl unsere Unternehmen in vielen Branchen führend sind in der Fertigungstechnik.“ Forcam ist ein Beispiel für die Kraft vernetzter Produktion. Die Forcam-Software hilft in der Produktion etwa beim Turbolader-Spezialisten Mahle oder beim Autobauer Audi. Es geht um viel Geld, um Maschinenlaufzeiten, Flexibilität und Fehlervermeidung.

Innovationen wie diese zur Digitalisierung der Industrie sind für Deutschland, großer Maschinenbauer der Welt, ein Wohlstandsgarant - da sind sich Politiker und Funktionäre einig. Fast ein Viertel der Wirtschaftskraft hängt hierzulande direkt an der Industrie. „Doch unsere Politik und Verbände hängen fest in einem Gestrüpp aus Regeln, Kompetenzgerangel und Provinzdenken“, schimpft Forcam-Chef Gruber.

Ganz anders als der Forcam-Chef bewertet der Bitkom die Lage:

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