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Europas erste 5G-Antennen senden aus Berlin

| Autor: Sarah Gandorfer

Die ersten 5G Antennen in Europa senden unter realen Bedingungen im Berliner Telekom-Netz.
Die ersten 5G Antennen in Europa senden unter realen Bedingungen im Berliner Telekom-Netz. (Bild: Pixabay / CC0)

Unter Laborbedingungen wurden bereits einige 5G-Sender genutzt, doch ab sofort senden sechs Antennen unter realen Bedingungen im Telekom-Netz der Hauptstadt. Bis zum Sommer sollen 70 Antennen folgen.

Es ist vollbracht: Europas erste 5G-Antennen haben unter Realbedingungen ihren Dienst aufgenommen. Die Deutsche Telekom legt damit den Grundstein für den Rollout von 5G hierzulande.Je drei Antennen sind in Berlin in der Leipziger Straße und der Winterfeldtstraße installiert und basieren komplett auf dem zukünftigen Standard für die Mobilfunkkomponente 5G New Radio (NR).

Ziel des Konzerns ist es, im Berliner Zentrum ein ganzes w5G-Cluster aufzubauen.

„Wir setzen unseren Weg zur Einführung von 5G in 2020 konsequent fort“, so Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Deutschen Telekom. „Im Herzen von Berlin machen wir heute den nächsten entscheidenden Schritt und zeigen, dass nun bereits kommerzielle 5G-Technik in unser Netz integriert wird und funktioniert. 5G wird liefern, was es in Sachen Mobilität, Geschwindigkeit und niedriger Latenz verspricht.“

Das 5G-Cluster in der Berliner Innenstadt hat im ersten Schritt eine Breite von bis zu fünf Kilometern. Aktuell sind in den Stadtteilen Mitte und Schöneberg die ersten sechs kommerziellen Antennen montiert und im Testbetrieb. Bis zum Sommer sollen 70 Antennen an mehr als 20 Standorten folgen. Damit entsteht in Deutschlands Hauptstadt ein großes 5G-Testfeld, welches dem Provider wichtige Ergebnisse liefern soll.

5G ins 4G-Netz integriert

Aktuell nutzen die Antennen das 3,7-GHz-Spektrum im Rahmen einer Testlizenz. Das 3-GHz-Band gilt als eines der Startbänder für 5G. Basis für das 5G Spektrum und weitere Planungen wird die Lizenz- und Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur sein.

Für das vorkommerzielle Szenario im Zentrum von Berlin wird die 5G-Technik in die Live-Netzinfrastruktur integriert. Das bedeutet, sie interagiert mit der derzeit genutzten 4G-Technologie der Deutschen Telekom. Damit sind Verbindungen und Feldtests künftiger 5G-Services unter realen Bedingungen möglich.

Die 5G-Technik liefert Huawei. Die benutzte Software und die Terminals basieren auf den Standards der 3GPP (3rd Generation Partnership Project) für 5G New Radio in der Non-Standalone-Variante. Die Mobilfunkkomponente von 5G wurde im Dezember 2017 standardisiert.

5G NR sei deshalb laut dem Provider ideal geeignet, den Bedarf im mittleren Frequenzband unterhalb von 6 GHz für 5G-Anwendungen abzudecken. Kernmerkmale in diesem Bereich sind breite Abdeckung, Durchsatzgeschwindigkeiten im Multi-Gigabitbereich und niedrige Latenzen in der Größenordnung von wenigen Millisekunden.

Ein entscheidender Faktor für die Steigerung der Kapazität und der Datenraten bei w5G NR im Vergleich zu 4G ist die Nutzung moderner Antennentechnik: Massive wMIMO (Multiple Input, Multiple Output) ist eine Technologie, bei der die Anzahl der Sende- und Empfangsantennen erhöht wird. Durch die hohe Zahl an Antennenelementen – in einer 5G-Antenne sind das bis zu 64 – kann Massive MIMO eine sehr viel präzisere nutzerspezifische Verbindung erzeugen. Mit Hilfe der Multi-User-Beamforming-Technologie zur optimalen Ausrichtung der Sendeantennen kann die Effizienz des Frequenzspektrums zusätzlich um ein Vielfaches erhöht werden.

Die Telekom will die Entwicklung neuer Anwendungen für 5G beschleunigen. Dazu hat der Anbieter gemeinsam mit ihrem Inkubator hub:raum in Berlin das 5G-Prototyping-Programm auf den Weg gebracht. Ein weiteres Programm zum Thema Low Latency läuft bereits. Beide Programme richten sich an innovative Entwickler von Produkten, die sich die Vorteile von Edge Computing sowie die Netzleistung von 5G zunutze machen. Ihre Ideen können sie zum Beispiel im Berliner 5G Cluster unter Live-Bedingungen testen.

Auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona hat der Konzern zudem angekündigt, das intelligente Management von Energieversorgungsnetzen mithilfe von 5G zu testen. In Dresden wird dafür ein Testfeld für smarte Energiesteuerung aufgebaut. Zudem hat die Telekom mit MobiledgeX eine neue Tochtergesellschaft gegründet, um das Potenzial von Edge Computing mit seinen extrem niedrigen Latenzzeiten weiter auszuschöpfen.

Telefónica und Vodafon

Derzeit arbeitet auch Telefónica daran eine erste 5G-Verbindung aufzubauen. Diese soll in den nächsten drei Jahren zwischen den spanischen Städten Segovia und Talavera de la Reina in Zusammenarbeit mit den Herstellern Nokia und Ericsson entstehen. Zudem tüfteln Telefónica und der Bayerische Rundfunk daran, den 5G-Standard ins Deutsche Fernsehen zu bringen. Von dem Senderstandort Wendelstein in der Nähe Rosenheims sollen noch Ende diesen Jahres erste Test-Ausstrahlungen möglich sein.

Des Weiteren macht Vodafone seine ersten Versuche in Berlin. Der Provider hat sein erstes Hochsicherheitszentrum für Anwendungen des schnellen Funkstandards 5G im März gestartet. Das Berliner „Supercore Center“ sei das erste von insgesamt vier geplanten Rechenzentren in Deutschland, teilte das Unternehmen mit. Künftig sollen Daten aus Mobilfunk, Kabel und Festnetz dort zusammenlaufen und an die Empfänger gehen.

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