Druckertechnologien - Teil 2 Drucken mit voller Breitseite

Autor: Klaus Länger

Sowohl HPs Pagewide als auch Okis LED-Druck sind Verfahren, bei denen ein Druckkopf die volle Papierbreite abdeckt. Allerdings ­arbeitet Pagewide mit Tinte und LED-Druck mit Toner.

Firmen zum Thema

Pagewide- und LED-Drucker feuern mit voller Breitseite: Die festen Druckköpfe sind genauso breit, wie das zu bedruckende Papier.
Pagewide- und LED-Drucker feuern mit voller Breitseite: Die festen Druckköpfe sind genauso breit, wie das zu bedruckende Papier.
(Bild: Michael Rosskothen_Fotolia.com)

Die meisten Druckverfahren bei Businessdruckern und Geräten für Heimanwender funktionieren im Prinzip immer noch wie die gute alte Kugelkopf-Schreibmaschine: Ein Druckkopf wird horizontal über das ­Papier beziehungsweise ein Laserstrahl über eine Bildtrommel bewegt. HP und Oki haben dagegen auch Verfahren im Einsatz, bei denen ein Druckkopf die komplette Breite des Papiers abdeckt. Die horizon­tale Bewegung im Drucker fällt damit weg, was mehr Geschwindigkeit und Präzision bringen soll. Der Unterschied der beiden Verfahren von HP und Oki: Pagewide nutzt Tinte, um Texte und Grafiken auf das Papier zu bringen, LED-Drucker arbeiten mit Toner und Bildtrommel.

HP Pagewide: 42.240 Düsen in einem Druckkopf

Das Pagewide-Druckverfahren setzte HP zunächst in Latexdrucksystemen und ­Color-Inkjet-Druckmaschinen ein. 2006 startete die Technik mit 10,8 cm breiten Druckköpfen, von denen mehrere in einer Reihe nebeneinander montiert werden. Dieselbe Technik verwendet HP seit 2014 auch bei den Pagewide-XL-Druckern für A1-Ausdrucke. Bei den ersten Business-­Pagewide-Druckern deckt der Druckkopf dagegen eine komplette Seite ab: In den 2013 präsentierten Officejet-Pro-X-MFPs steckt eine 21,8 cm breite Einheit.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Der seitenbreite Druckkopf eines Pagewide-Office-Druckers von HP besteht aus insgesamt zehn Dies mit jeweils 1.056 Düsen für jede der vier Druckfarben. Die Dies überlagern sich an Ihren Rändern um jeweils 30 Düsen, um eine streifenfreie Ausgabe zu ermöglichen. Sie sind in Edelstahl eingefasst und bestehen aus zwei Spalten mit Tropfenformern auf jeder Seite eines Tintenzuführschlitzes, der sich durch den Die zieht. Die Tropfenformer arbeiten mit einem thermischen Verfahren und verschießen acht Picoliter große Tintentropfen mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde. Damit drucken die 1.200-dpi-Geräte bis zu 75 Seiten pro Minute.

Juristische Hindernisse beseitigt

Die breiten Druckköpfe brachten HP aber zunächst einmal einen Rechtsstreit ein, der auch die Einführung weiterer Pagewide-Geräte behinderte: Die Firma Memjet sah durch die Pagewide-Technik von HP Patente der eigenen seitenbreiten Waterfall-Technik verletzt und reichte 2015 eine ­Patentklage gegen HP ein. Memjet-Köpfe werden unter anderem von Canon Océ und RTI für Großformatdrucker eingesetzt.

Anfang Juli dieses Jahres haben HP und Memjet den Streit durch einen Vergleich beigelegt. Damit war auch der Weg für die eigene Pagewide-Familie aus Druckern und MFPs endgültig frei. Die bildet neben Officejet und Laserjet das dritte Standbein von HPs Druckersparte.

OKI: LED-Zeile statt Laserstrahl

Die Business-Drucker von Oki arbeiten ­ausschließlich mit dem LED-Druckverfahren. Daneben stellt Oki noch Nadeldrucker und seit dem Kauf der Druckersparte von Seiko vor einem Jahr auch Inkjet-Großformatdrucker her. Es gibt zwar noch eine ganze Reihe weiterer Druckerhersteller, die LED-Printer im Programm haben. Aber das japanische Unternehmen setzt seit mehr als 20 Jahren primär auf das LED-Verfahren und hat dessen Entwicklung auch maßgeblich vorangetrieben.

Im Gegensatz zum Laserdrucker, bei dem ein rotierender achteckiger Spiegel einen Laserstrahl über ein Linsensystem auf die Bildtrommel wirft, kommt im LED-Drucker ein seitenbreites Array aus Licht emittierenden Dioden zum Einsatz, das Zeile für Zeile die Bereiche der photoelektrisch beschichteten Bildtrommel belichtet, an denen der Toner haften soll, der auf das Papier übertragen wird. Ansonsten ist das Druckverfahren identisch: Der Toner wird ebenfalls thermisch fixiert.

Weniger bewegliche Teile

Die Vorteile gegenüber Laserdruckern ­liegen vor allem in der kompakten Bauweise, da die LED-Zeilen deutlich weniger Platz benötigen, als das aufwändige System aus Spiegeln und Linsen in einem Laserdrucker. Das trifft vor allem auf die neueren Oki-Modelle zu. Denn hier kommt eine vom Hersteller erstmals bei Druckköpfen eingesetzte Technik mit dem Namen „Epitaxial (Epi) Film Bonding“ zum Einsatz. Sie ermöglicht den Bau kleinerer LEDs, die zudem noch mehr Licht abstrahlen. Damit sind LED-Zeilen möglich, die nur noch einen Zentimeter breit sind. In einem A3-Drucker mit 1.200 dpi sitzen laut Oki insgesamt 61.440 digitale LEDs, die für die Belichtung der Bildtrommel zuständig sind. Bei Oki-Druckern wird pro Druckfarbe eine eigene Trommel mit LED-Zeile verwendet. Dieses Single-Pass-Druckverfahren mit geradem Papierweg ermöglicht auch das Bedrucken von schweren und langen Medien. Im Vergleich mit Laserdruckern kommen LED-Drucker mit weniger beweglichen Teilen aus, was sie prinzipiell weniger ­anfällig für Störungen macht.

Oki führt als weitere Pluspunkte die höhere Druckqualität durch die geringe Punktgröße von nur 25 Mikrometern an. Bei den meisten 1.200-dpi-Lasern soll diese bei 65 Mikrometern liegen. Allerdings können Laser dafür mit variablen Punktgrößen drucken. Ein weiterer Vorteil der Oki-eigenen LED-Technik soll in der ProQ Multilevel-Technologie liegen, die mit 32 unterschiedlichen Helligkeitsstufen arbeitet. Das erlaubt Halbtonzellen mit mehr Graustufen oder Farbschattierungen. Bei Laserdruckern können nur extrem teure Vollfarbsysteme einen ähnlichen Effekt erzeugen.

(ID:44207020)

Über den Autor

 Klaus Länger

Klaus Länger

Redakteur