„Index Digitale Souveränität“ von Adesso Digitale Souveränität: Vier von fünf Unternehmen ohne Strategie

Von Bernhard Lück 3 min Lesedauer

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Die deutsche Wirtschaft glaubt, bei Digitaler Souveränität gut gerüstet zu sein – ist aber weiterhin von digitalen Lösungen außereuropäischer Anbieter abhängig. Das zeigt der von Adesso und Handelsblatt Research Institute erhobene „Index Digitale Souveränität“.

Adesso-Vorstandsvorsitzender Mark Lohweber: „Digitale Souveränität verhilft zu mehr Handlungsfreiheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Ihre strategische Relevanz wird von  der deutschen Wirtschaft jedoch meist unterschätzt.“(Bild:  Adesso)
Adesso-Vorstandsvorsitzender Mark Lohweber: „Digitale Souveränität verhilft zu mehr Handlungsfreiheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Ihre strategische Relevanz wird von der deutschen Wirtschaft jedoch meist unterschätzt.“
(Bild: Adesso)

Digitale Souveränität wird für die deutsche Wirtschaft zum Erfolgsfaktor – doch eine Strategie dafür hat kaum ein Unternehmen entwickelt. Zu diesem Ergebnis kommt der erstmals erhobene „Index Digitale Souveränität“ (IDS). Basierend auf einer deutschlandweiten, branchenübergreifenden Umfrage unter knapp 500 Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und Organisationen der öffentlichen Hand, ermittelt der Index den aktuellen Reifegrad in Sachen Digitaler Souveränität. Dieser setzt sich zusammen aus einer Bewertung der sechs Aspekte Hardware, Software, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz, Cloud und Datenmanagement.

Viele Worte, kaum Taten

Laut Studie halten 92 Prozent der Befragten das Thema Digitale Souveränität zwar für wichtig. Doch das ist offenbar nur ein Lippenbekenntnis: Denn nur 21 Prozent der befragten Unternehmen haben bisher eine dezidierte Strategie für ihre Digitale Souveränität entwickelt. Nur in 25 Prozent der befragten Unternehmen ist die Verantwortung für das Thema beim Vorstand angesiedelt. Und bei lediglich 13 Prozent ist Digitale Souveränität in die Unternehmensstrategie integriert. 46 Prozent der Unternehmen überlassen das Thema der IT-Abteilung, die große Mehrheit reduziert es auf die Aspekte Cloud (72 %) und Sicherheit (91 %). Ebenfalls von Digitaler Souveränität berührte Aspekte wie Recht und Regulierung, Weiterbildung und Kompetenzaufbau sowie Einkauf oder Supply Chain Management bleiben vielfach unbeachtet.

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Reifegrad bei knapp 66 Prozent – kleine Unternehmen vorn

Im Schnitt liegt der Reifegrad der deutschen Wirtschaft über alle Organisationsformen und -größen laut Index bei 65,8 Prozent. Unternehmen schneiden mit 67 Prozent insgesamt etwas besser ab als die öffentliche Verwaltung mit 64 Prozent. Und kleinere Unternehmen (unter 2.500 Mitarbeitende) mit 68,9 Prozent wiederum besser als Großunternehmen (ab 2.500 Mitarbeitende) mit 64,2 Prozent. Vollkommene Souveränität ist bei einem Wert von 100 Prozent erreicht.

Hohe Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern

Der Index zeigt, dass die befragten Unternehmen und Organisationen gerade bei Schlüsseltechnologien wie Cloud, Software und KI stark von nicht europäischen Anbietern abhängig sind. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen räumen ein, dass sie hier auf Lösungen aus dem Ausland angewiesen sind. Und im Bereich KI bewerten 63 Prozent ihren Grad an digitaler Souveränität nur als „ausreichend“.

Umsetzung stockt – aber Investitionsbereitschaft ist vorhanden

Bisher bremsen vor allem fehlende Kompetenzen, Fachkräftemangel und hohe Kosten vielerorts noch den Ausbau der Digitalen Souveränität. Aber der Ernst der Lage scheint erkannt – denn die Bereitschaft ist hoch, künftig in Digitale Souveränität zu investieren: 80 Prozent der Unternehmen würden für souveräne Lösungen einen Aufpreis zahlen, im Schnitt in Höhe von 17 Prozent. Bei größeren Unternehmen liegt dieser Wert bei knapp 30 Prozent.

Unternehmen verschenken Wachstumspotenzial

„Unser Index Digitale Souveränität macht erstmals deutlich, wie sehr die große Mehrheit der deutschen Wirtschaft die strategische Relevanz der Digitalen Souveränität unterschätzt“, sagt Mark Lohweber, CEO von Adesso. „Dabei verhilft sie Unternehmen zu mehr Handlungsfreiheit, Innovation und damit Wettbewerbsfähigkeit. Diese wichtigen Hebel für Wachstum und Wertschöpfung bleiben noch weitestgehend ungenutzt.“

Gesucht: optimale Balance statt kompletter Autarkie

Welches Maß an digitaler Unabhängigkeit für ein Unternehmen sinnvoll ist, hängt vom Anwendungsbereich und der Sensibilität der Daten ab. Daher streben Unternehmen und öffentliche Hand laut Umfrage auch keine komplette Autarkie an, sondern einen durchschnittlichen Souveränitätsgrad von 77,8 Prozent.

„Digitale Souveränität bedeutet in einer global vernetzten Wirtschaft und Politik nicht Abschottung, sondern Selbstbestimmung, Partnerschaft und Resilienz“, unterstreicht Lohweber. „Es gilt, den richtigen Weg zu einer passgenauen Digitalen Souveränität zu finden – mit der optimalen Balance zwischen Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.“

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