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Lünendonk-Studie Die fetten Jahre der Freelancer sind vorerst vorbei

| Autor: Sarah Gandorfer

Personaldienstleister, die IT-Experten vermittelten, konnten sich bisher immer an einem zweistelligen Umsatzwachstum erfreuen. Aufgrund rechtlicher Regelungen und wegen der Coronakrise kommt es dieses Geschäftsjahr erstmals zu einem Einbruch.

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Der Fachkräftemangel kommt derzeit etwas zum Stillstand.
Der Fachkräftemangel kommt derzeit etwas zum Stillstand.
(Bild: nullplus - stock.adobe.com)

Lünendonk hat seine jüngste Liste der „Führende Anbieter für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung von IT-Freelancern in Deutschland“ veröffentlicht. Aus dieser ist nicht nur ersichtlich, wie es den vermittelnden Personaldienstleistern geht, sondern ebenfalls, was auf dem IT-Freelancer-Markt geschieht. Fast eine Dekade lang wuchsen die Umsätze der führenden Personaldienstleister mit der Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung von IT-Freelancern deutlich in zweistelliger Höhe.

Bedingt durch die Neuregelung der Arbeitnehmerüberlassung und die Verunsicherung der Kunden durch rechtliche Risiken verlangsamte sich aber das Wachstum bereits 2018 auf 5,7 Prozent. Die neuen Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 zeigen nun, dass die Umsätze der Unternehmen stagnierten oder sogar rückläufig sind (-1,9 %). Die Prognose des letzten Jahres wurde deutlich verfehlt. Neben der gesetzlichen Unsicherheit macht sich zudem die Eintrübung der Konjunktur in wichtigen Kundenbranchen, wie der Automobilindustrie, im zweiten Halbjahr 2019 bemerkbar.

Die Covid-19-Pandemie kommt nun zusätzlich zu den bereits genannten Aspekten hinzu, weshalb die führenden zehn Personaldienstleister nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Rückgang der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent rechnen. „Es wäre nicht überraschend, wenn die Umsätze 2020 sogar noch stärker schrumpfen“, äußert sich Jonas Lünendonk, Geschäftsführer bei Lünendonk & Hossenfelder, über die Marktsituation. „Teilweise berichten Anbieterunternehmen von einem mehr als dreißigprozentigen Umsatzrückgang im zweiten Quartal 2020.“

Nachfragen nach Skills

Nichtsdestotrotz ergab sich für einzelne Qualifikationen durch die Coronakrise eine besonders hohe Nachfrage. Dazu zählten zum Beispiel Experten für Cloud-Technologien. Das Geschäftsjahr 2021 können IT-Freelancer wieder optimistischer angehen. Denn bei der Befragung von IT-Beratungsunternehmen nach deren Aussichten für das kommende Jahr prognostizierten diese ein Wachstum des Marktes. Digitalisierung, IT-Modernisierung sowie große Cloud und Transformationsprojekte wie die SAP4/HANA-Umstellung sorgen für Umsatz.

Bei den auftraggebenden Firmen kommen die Anfragen nach IT-Freelancern meist aus der IT-Abteilung (49 %) und dem Einkauf (27 %). Vergleicht man die Kundengruppen, werden die höchsten Stundensätze zumeist in mittelständischen Unternehmen (73 %) gezahlt, während bei Start-ups (20 %) und Großkonzernen (67 %) eher die niedrigsten Stundensätze zu finden sind. Betrachtet man die Skills, so finden sich Stundensätze, die tendenziell über 110 Euro die Stunde liegen in den Bereichen Business Consulting, IT-Auditierung in Zusammenhang mit Cybersecurity, SAP-Beratung und im Bereich Big Data/Data Management.

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Weiterhin Fachkräftemangel

Vor der Coronakrise litten viele Kundenunternehmen unter einem Fachkräftemangel, besonders bei IT-Experten. Dieser Mangel ist aktuell zwar geringer, wird sich aber bei einer Rückkehr der Volkswirtschaft auf den Wachstumspfad wieder bemerkbar machen. Nach wie vor ein Problem stellt allerdings die rechtliche Regulierung zur Scheinselbstständigkeit dar. Die Personaldienstleister sehen zwar durchaus das Potenzial für die Überführung von IT-Freelancern in Arbeitnehmerüberlassung, doch zum einen wollen diese Experten oftmals lieber selbstständig arbeiten. Zum anderen verzichten Kunden teilweise ganz auf den Einsatz von Freiberuflern aufgrund der rechtlichen Risiken.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS