Partnermodell für kleinere MSPs Datagroup schärft das Profil als souveräner Cloud-Anbieter

Von Michael Hase 6 min Lesedauer

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Der Dienstleister Datagroup bildet mit seinen Managed Services die Bereitstellungsmodelle von On-Premises bis Public Cloud ab. Jetzt positioniert sich das Unternehmen dezidiert als souveräner Cloud Provider. Dabei plant es ein Partnermodell für kleinere MSPs.

Andreas Baresel, Vorstandsvorsitzender bei Datagroup, bezeichnet den Dienstleister als geeigneten Cloud-Partner des Mittelstands.(Bild:  Datagroup)
Andreas Baresel, Vorstandsvorsitzender bei Datagroup, bezeichnet den Dienstleister als geeigneten Cloud-Partner des Mittelstands.
(Bild: Datagroup)

Der Cloud-Shift schreitet voran. IDC zufolge planen 60 Prozent der europäischen Unternehmen, ihre Anwendungen mithilfe der Cloud zu modernisieren. Doch die Umsetzung verläuft nicht immer geradlinig. Während neue, containerisierte Applikationen meist für den Betrieb in der Public Cloud entwickelt werden, ist die Situation bei hergebrachten Workloads komplexer. Wegen des Modernisierungsaufwands, aber auch aus Compliance- oder aus Sicherheitsgründen scheuen Anwender mitunter vor einer Migration zurück. Analysten von IDC sehen daher Private-Cloud-Modelle – wie Colocation-based, Hosted oder Managed Private Cloud – als „Brücke zwischen Legacy IT und Public Cloud“. In der Folge entstehen hybride Umgebungen, was bei 80 Prozent der europäischen Cloud-Nutzer der Fall ist.

Dadurch erhöht sich jedoch die Komplexität. Zahlreiche Unternehmen greifen deshalb bei der Cloud-Transformation auf externe Unterstützung zurück. Dienstleister wiederum brauchen, wenn sie Kunden ganzheitlich betreuen wollen, laut IDC „ein breites Set an Cloud-Fähigkeiten“ und müssen in der Lage sein, Leistungen für verschiedene Bereitstellungsmodelle zu erbringen. Zu den Service Providern, die sich auf diese Anforderung eingestellt haben, zählt Datagroup mit Hauptsitz in Pliezhausen bei Reutlingen. Das schwäbische Unternehmen, das mit gut 30 Standorten bundesweit präsent ist, stellt unter dem Label „Corbox“ etliche Managed Services aus Feldern wie Infrastruktur, Communication & Collaboration, Security oder Application Management bereit. Dieses Portfolio habe der MSP „inzwischen Cloud-ready gemacht“, berichtet Andreas Baresel, Vorstandsvorsitzender bei Datagroup.

„Cloud-ready“ bedeutet konkret, dass es die Corbox-Services heute sowohl klassisch als auch in einer Cloud-Variante gibt. Dadurch haben Kunden die Wahl, ob der Dienstleister ihre Backup-Daten in der Private oder in der Public Cloud sichert oder ob er SAP bei ihnen vor Ort, in einem Colocation-Rechenzentrum, auf Azure oder hybrid betreibt. Üblicherweise enthalten Service-Verträge, die Datagroup mit Kunden vereinbart, immer auch Public-Cloud-Anteile.

Zum Unternehmen

Datagroup zählt zu den führenden deutschen IT-Service-Anbietern. Das Unternehmen mit Hauptsitz im schwäbischen Pliezhausen wurde 1983 gegründet und ist heute bundesweit mit gut 30 Standorten präsent. Mit 3.500 Mitarbeitern erzielte es im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 500 Millionen Euro. Unter dem Label „Corbox“ stellt der Dienstleister ein modulares Portfolio an Managed Services bereit, das die wesentlichen IT-Felder abdeckt. Etwa 70 Prozent des Datagroup-Geschäfts stammen aus wiederkehrenden Erlösen. Auf Kundenseite adressiert der Dienstleister vor allem Unternehmen aus dem gehobenen Mittelstand mit 250 bis 5.000 IT-Arbeitsplätzen sowie größere Behörden und öffentliche Einrichtungen. Vorstandsvorsitzender von Datagroup ist Andreas Baresel, der diese Funktion im März 2022 von Mitgründer Max H.-H. Schaber übernahm.

Cloud-Strategien werden differenzierter

Aktuell schärft der MSP aber auch sein Profil als Cloud-Anbieter. Damit reagiert das Unternehmen auf aktuelle Entwicklungen, wie Baresel ausführt. Die vergangenen drei Jahre waren nach seinen Worten stark vom Cloud-Shift geprägt. Kunden haben viele Workloads zu den Hyperscalern migriert. „Die Cloud ist als Bereitstellungsform gesetzt“, so der Manager weiter. „Wir beobachten aber seit sechs bis zwölf Monaten, dass die Kunden differenzierter an das Thema herangehen.“ So seien Unternehmen bei der Wahl des Cloud-Anbieters heute mehr darauf bedacht, wie sie Abhängigkeiten („Lock-in-Effekte“) vermeiden. Außerdem spiele das Thema Datensouveränität für die Anwender eine größere Rolle. So würden sie Daten genauer klassifizieren, bevor sie sich für eine Cloud entscheiden. Einen Grund dafür sieht der Experte darin, dass sich die Regulatorik in Europa weiterentwickelt und sich Unternehmen mit neuen Richtlinien wie etwa der „Network and Information Security Directive 2.0“ (NIS2) auseinandersetzen müssen.

Im Zuge dieser Veränderungen sei „auf Kundenseite ein Bedarf an alternativen Cloud Providern entstanden, deren Services man ebenfalls Consumption-based nutzen kann, die aber nicht aus den USA stammen“, fasst Baresel zusammen. Dadurch habe sich eine Marktlücke geöffnet, in die bereits einige Anbieter gestoßen seien. Dazu zählen europäische Provider wie Exoscale (A1 Digital), Ionos, Plusserver oder OVHcloud, die sich unterhalb der Hyperscaler als souveräne Alternativen in Stellung gebracht haben. In diesem Segment möchte sich auch Datagroup behaupten, wie der CEO betont. „Wir werden konsequent daran arbeiten, Corbox Cloud als souveräne Cloud aus Deutschland zu positionieren.“ Technologisch basiert die Plattform auf dem Virtualisierungs-Stack von VMware. Der Dienstleister betreibt sie in vier Colocation-Rechenzentren, von denen sich je zwei im Raum Frankfurt / Main und im Raum Düsseldorf befinden.

Je stärker sich diese zweite Riege an Cloud-Anbietern im Markt etabliert, desto schwieriger werde das Geschäft für kleinere MSPs, die ebenfalls Infrastruktur- und Plattformdienste anbieten, erwartet Baresel. „Sie werden deshalb Probleme bekommen, weil sie das notwendige Sicherheitsniveau nicht mehr halten können.“ Ein Provider mit eigener Infrastruktur müsse heute zwingend ein Security Operations Center (SOC) betreiben, mit dem er das Netzwerk und die Systeme rund um die Uhr überwacht. Diese Leistung sei personalintensiv und erfordere den Einsatz kostspieliger Technologien. Für kleinere MSPs rechne sich der Aufwand nicht, weil ihrem Geschäft die kritische Masse fehle. „Wir öffnen daher unsere Cloud mit einem Partnermodell für diese Unternehmen.“

Automatisierung und Managed Cloud

Dass Datagroup selbst über diese kritische Masse verfügt, daran zweifelt Baresel nicht. Immerhin beschäftigt der Dienstleister rund 3.500 Mitarbeiter und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von insgesamt 500 Millionen Euro. „Wir wollen zu denjenigen gehören, die auf der Ebene der Infrastruktur die sicherheitstechnischen und regulatorischen Anforderungen für eine souveräne Cloud erfüllen können.“ Doch selbst für ein Unternehmen dieser Größenordnung sei die Bereitstellung von Cloud-Diensten ein herausfordernder Prozess, räumt der Manager ein. So müsse auch Datagroup um Fachkräfte kämpfen, die obendrein nicht günstig sind. Um dem „Engpass Mitarbeiter“ entgegenzuwirken, befasst sich der Provider intensiv mit „Artificial Intelligence for IT Operations", kurz „AIOps“, und entwickelt Technologien, mit denen sich der Betrieb stärker automatisieren lässt.

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Auch wenn Datagroup somit künftig mehr Profil als Cloud-Anbieter zeigt, versteht sich das Unternehmen nicht als Konkurrenz zu AWS, Google und Microsoft. „Es liegt uns fern, uns als bessere Alternative zu den Hyperscalern zu bezeichnen.“ Schließlich arbeitet der Dienstleister ebenso mit Microsoft und AWS zusammen und bietet Managed Cloud Services für deren Plattformen an. Worin Baresel neben der Bereitstellung einer souveränen Cloud aber den Mehrwert von Corbox sieht, ist die homogene Betriebsumgebung für alle Cloud-Modelle. Demnach lassen sich Anwendungen unabhängig davon, ob sie in der Private Cloud, in einer Public Cloud oder hybrid laufen, über einen einzigen Kontrollpunkt managen. Dadurch verringere sich für Kunden die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, weil Datagroup es ihnen vergleichsweise einfach mache, Workloads von einer Public Cloud in die Private Cloud zu verschieben.

Dieser Managed-Cloud-Ansatz werde von mittelständischen Unternehmen wegen seiner Robustheit geschätzt. Vor dem Hintergrund der nicht abschließend geklärten Frage, ob sich die Verarbeitung kritischer Daten bei den Hyperscalern mit europäischem Datenschutz vereinbaren lässt und ob das aktuelle Data Privacy Framework dafür als Rechtsrahmen ausreicht, biete der Dienstleister ihnen Optionen. „Wir sind der geeignete Partner für einen Mittelständler, der die Public Cloud nutzen möchte, der sich aber nicht die Kompetenz leisten kann, mit solchen rechtlichen Fragestellungen zu jonglieren“, resümiert der CEO. „Denn wir nehmen ihm seine Sorgen ab.“ Falls sich die Rechtslage ändert, könne der Kunden die betreffenden Workloads in die Corbox Cloud migrieren, ohne sich einen neuen Provider suchen zu müssen.

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