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Professional Services
ITB: Wo liegt der Schwerpunkt von Computacenter im Bereich der Professional Services?
Tuszik: Das sind nach wie vor Windows-7-Projekte, denn viele Firmen sind noch nicht migriert. Wir sind der größte Deployment-Partner von Microsoft. Zwei andere Themen, die wir seit Jahren predigen, sind Security und Compliance.
ITB: Warten die Kunden nicht lieber auf Windows 8?
Tuszik: Windows 8 kommt im Oktober, und wir sehen den Mehrwert des neuen Betriebssystems momentan eher bei mobilen Geräten mit Touch-Screen. Die meisten Unternehmen werden nicht gleich auf die erste Windows-8-Welle aufspringen, denn Windows 7 ist ein stabiles, bekanntes System.
ITB: Der Markt der Smartphones und Tablets wird derzeit, was die Plattformen angeht, von Apple und Googles Android dominiert. Sind die Kräfteverhältnisse damit auf Dauer festgelegt, oder werden die Karten mit Windows 8 neu gemischt?
Tuszik: Eine belastbare Prognose ist sehr schwierig. Dazu eine Überlegung: Apple ist so erfolgreich, weil sich der Anbieter mit keinen Hardware- oder Software-Lieferanten abgleichen muss. Apple liefert ein Komplett-System aus einer Hand. Das hat für den Endanwender einige Vorteile, bringt aber bei der Integration in die Unternehmens- IT einige Herausforderungen mit sich. Wenn das, was wir von Windows 8 und den ersten Geräten dazu mitbekommen haben, stimmt, dann sind diese sehr viel einfacher in das Unternehmensnetzwerk einzubinden.
ITB: Bring Your Own Device (BYOD) ist derzeit ein Trend, dem sich Unternehmen nicht mehr verschließen können. Wie geht Computacenter das Thema an. Welche Lösungen halten Sie für Kunden bereit?
Tuszik: Die Medien sind an diesem Trend nicht ganz unschuldig, die Analysten aber auch nicht. Eigentlich reden wir dabei über Bring Your Own Mobile. Größtenteils ist das Thema iOS-getrieben. Von der Bedeutung her wird es ein wenig zu hoch bewertet. Ohne Frage ist es ein Trend, dass Unternehmen immer mehr IT-affine Mitarbeiter beschäftigen. Und diese Leute wollen die Art und Weise, wie sie IT privat nutzen, ins Unternehmen mitnehmen. Sie wünschen sich eine größere Vielfalt und mehr Individualisierung. Das läuft allerdings der Idee eines effizienten IT-Betriebs zuwider, bei dem Einheitlichkeit und Standardisierung angestrebt werden. Es beschäftigen sich zwar viele Kunden mit BYOD, aber nur wenige machen es tatsächlich.
ITB: Ein anderes Buzzword ist Cloud. Sie haben auf dem Hosting & Service Provider Summit in einem Vortrag gesagt, Sie hätten noch keinen Kunden gehabt, der zu Ihnen gekommen wäre und verlangte: Gib mir Cloud! Inwiefern klaffen Realität und der Wunsch auf Geschäft auseinander?
Tuszik: Cloud ist ein Endzustand: Der Kunde möchte einen flexiblen Service beziehen, der sicher und kostengünstig ist und bei dem er über nichts mehr nachdenken muss. Die Idee der Cloud ist also die richtige, und wir beraten unsere Kunden auf dem Weg dorthin. Nur, wenn wir bei Computacenter über Cloud reden, dann meinen wir nicht die großen Public-Cloud-Lösungen von Google, Apple oder Microsoft. Diese sind für Unternehmen nach wie vor ungeeignet, da sie hochstandisiert sind. Viele Unternehmen brauchen allerdings individuelle Dienste und wünschen sich flexible Service Level Agreements. Außerdem ist bei den großen Anbietern völlig unklar, wie ich meine Daten wieder aus der Cloud bekomme, wenn ich wechseln möchte. Grundsätzlich finde ich das Cloud-Modell sehr gut, denn vielleicht hat sich bereits jemand anderes schon einmal Gedanken über ein bestimmtes Problem gemacht und hierzu eine Applikation geschrieben, die ich nun als Cloud-Service über Schnittstellen zur Dateneingabe nutzen kann. Letztendlich hat aber jedes Unternehmen unterschiedliche Wünsche und Anforderungen, und wir unterstützen Kunden mit Hilfe unseres Reifegrad-Modells (siehe Kasten Seite 29) bei ihrem individuellen Weg in die Cloud.
ITB: Ist es denkbar, dass Computacenter in Zukunft als Service Provider auftritt und Cloud-Dienste hostet?
Tuszik: Langfristig sieht sich Computacenter als Cloud-Integrator. Bereits heute nutzen wir Hoster, wenn wir Rechenzentrumsbetrieb anbieten. Wir setzen die Server auf und tragen die Verantwortung für das Management, stellen sie dann jedoch in die Rechenzentren, wo sich um Kühlung, Ausfallsicherheit et cetera der Hoster kümmert. Unsere Kernkompetenz ist nicht der Rechenzentrumsbetrieb, sondern unserem Kunden eine Service-Lösung anzubieten. Es gibt einen Markt zwischen den Amazons, Microsofts und Googles und den beim Kunden betriebenen Lösungen, den internen Private Clouds. Dazwischen ist noch viel Platz für alle Spielarten von Hosting und Managed Services.
ITB: Das sagen ja auch die Analysten von Experton in ihrem aktuellen Cloud Vendor Benchmarks. Sie definieren zwischen Private und Public Cloud einen Bereich Managed Cloud. Das ist ein Modell, bei dem es flexible Service Level Agreements gibt und der Kunde mehr Einblick hat, was mit seinen Daten passiert. Lösungen werden demnächst auch immer häufiger individuell gehostet.
Tuszik: Cloud wird langsam inhaltlich konkret. Anfangs war alles ein bisschen nach dem Motto „I have a dream“. Vieles klang überzogen und abgedreht. Jetzt sind wir an dem Punkt „Cloud meets reality“. Wir sehen Lösungen, die einen konkreten Mehrwert für Kunden bedeuten. Man darf allerdings eines nicht vergessen: Viele Unternehmen bremst auf dem Weg in die Cloud, dass sie in ihrer IT eine große Vergangenheit mit sich herumtragen. Wenn ich dagegen morgen ein Start-up gründen würde, dann würde ich sämtliche Services aus der Cloud beziehen: Faktura, Warenwirtschaft, Planung – einfach alles. Denn ich habe nichts aus der Vergangenheit, was meine Wertschöpfung ausgemacht hat, keine Mitarbeiter, die auf alte Prozesse und Strukturen eingeschworen sind, und keine Compliance-Altlasten.
Lesen Sie auf der nächsten Seite einen Kommentar der IT-BUSINESS-Redakteurin Sarah Maier
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