Exklusiv Interview mit Oliver Tuszik Computacenter legt das Geld in Managed Services an

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Sarah Maier und Michael Hase / Erwin Goßner

Oliver Tuszik, CEO von Computacenter, berichtet im Gespräch mit IT-BUSINESS, warum sein Unternehmen Lehrgeld zahlen musste und dennoch den richtigen Riecher bei den IT-Trends hatte.

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Oliver Tuszik, Chief Executive Officer und Vorstandsvorsitzender bei Computacenter
Oliver Tuszik, Chief Executive Officer und Vorstandsvorsitzender bei Computacenter

ITB: Was ist in Ihren Augen gerade besonders spannend in der Branche?

Tuszik: Wir kommen aus einem Jahr mit unheimlich viel Wachstum. Dennoch gibt es Unternehmen, die gerade eine Insolvenz durchlaufen. 2012 hat zwar stark begonnen, wird aber nicht an das Wachstum von 2011 heranreichen – Computacenter hat das bereits in seiner Planung berücksichtigt.

ITB: Sind diese Unternehmen vom abgeschwächten Wachstum überrascht worden und haben deshalb Probleme bekommen?

Tuszik: Ich denke, dass die Ursachen der Probleme bei diesen Unternehmen weiter zurückliegen, denn sie haben den Wandel des Geschäfts zu spät realisiert. Wenn ich zuvor in einem Segment sehr stark war und sich dieses Segment radikal verändert, muss ich mich fragen, wann ich mehr oder weniger meinen vorhandenen Profit zerstöre, um dann neue Ideen umzusetzen. Sie dürfen das nicht zu früh machen, denn dann fehlt Ihnen der Cash um zu investieren. Wenn Sie es allerdings zu spät machen, verlieren Sie das Geschäft und den Anschluss.

ITB: Im Bereich UCC und Networking ist Computacenter extrem stark gewachsen. Das Unternehmen ist Cisco-Partner des Jahres geworden und hat gerade alle Master-Zertifizierungen erneuert. Was machen Sie denn besser als andere Unternehmen?

Tuszik: In diesem Fall ist das relativ einfach: Wir hatten vorher keine Ahnung von der klassischen Telefonie. Wir waren vor rund 14 Jahren einer der ersten, die mit Cisco im Bereich UCC zusammengearbeitet haben. Was das Segment im Allgemeinen betrifft, waren wir allerdings nicht von der ersten Stunde an erfolgreich. Wir haben eine Menge Lehrgeld bezahlt. Heute muss man für UCC nicht nur etwas von Telefonie verstehen, sondern auch vom Netzwerk, Endgeräten, Security, Compliance und Rechenzentren. Das kommt natürlich so breit aufgestellten Firmen wie Computacenter entgegen. Ich muss jedoch ehrlich sagen, dass das Wachstum in jedem dieser Bereiche auch für uns eine Herausforderung darstellt.

ITB: Wie sieht denn bisher die Halbjahresbilanz aus?

Tuszik: Unser Gesamtumsatz ist um knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Für uns ist allerdings die Tatsache wichtiger, dass wir beim Service 16 Prozent zulegen konnten. Wir haben vergangenes Jahr viele große Managed Service Deals gewonnen, die fünf bis sieben Jahre laufen. Das stellt uns natürlich vor Herausforderungen. So haben wir 2011 fast 1.000 Mitarbeiter eingestellt, 900 davon im Service. Das ist eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl um 20 Prozent. Diese Menschen müssen in unser Unternehmen erst einmal integriert werden. Wir haben hier zunächst Kosten für die Implementierung der Managed Services, für neue Locations, für ein zusätzliches Callcenter, das wir in Berlin aufgebaut haben, und für die Mitarbeiter. All das zahlt sich erst später aus.

ITB: Die Profitabilität geht also durch die Investitionen ein Stück nach unten?

Tuszik: Wir werden voraussichtlich die Erwartungen, was den Ertrag angeht, dieses Jahr nicht erfüllen. Über die gesamte Gruppe haben wir derzeit geschätzte zehn Millionen Britische Pfund in Mitarbeiter und Tools investiert. Das wird uns dieses Jahr belasten, aber über die Zeit, wie gesagt, wird es sich rechnen.

ITB: Können Sie denn absehen, wann der Gewinn wieder nach oben gehen wird?

Tuszik: Wir werden 2012 keine roten Zahlen schreiben. Ich erwarte zudem, dass wir bereits dieses Jahr einen positiven Trend merken. Richtig auswirken wird es sich allerdings erst 2013. Es ist vorteilhaft, kein amerikanisches Unternehmen zu sein: Bei diesen wird kurzfristig gedacht. Unsere englische Mutter denkt langfristiger und ermöglicht diese für uns wichtigen Investitionen in den Ausbau des Geschäftes.

ITB: Können Sie quantifizieren, wie groß der Anteil an Managed Services am Gesamtgeschäft ist?

Tuszik: 2011 haben wir mit unseren Managed Services einen Umsatz in Höhe von 327 Millionen Euro erzielt. Das sind etwa 24 Prozent unseres Gesamtumsatzes in Höhe von 1,407 Milliarden Euro. Daneben wächst auch das Professional-Services-Geschäft, also die Beratung und der Vor-Ort-Service beim Kunden.

ITB: Managed Services sind ein weites Feld. Was verstehen Sie konkret darunter?

Tuszik: Wir bei Computacenter verstehen darunter Managed Services der moderneren Art. Das heißt, wir arbeiten partnerschaftlich mit dem Kunden und betreiben kein stumpfsinniges Outsourcing. Wenn der Kunde einen Fünfjahresvertrag abschließt, dann möchte er, dass wir die Services transformieren. Sie sollen über die Zeit nicht nur billiger, sondern auch besser werden. Es geht um Flexibilisierung, Standardisierung, Pay-per-Use, und dann sind wir schnell auch schon – oha – beim Thema Cloud. Wir stellen sicher, dass die PCs funktionieren, dass Mitarbeiter drucken können, dass genügend Storage da ist, dass sich SAP starten lässt. Man kann in der Art, wie man diese Commodity-Services liefert, sehr vieles richtig, aber auch sehr vieles falsch machen. Inhaltlich haben wir einen klaren Fokus auf den Arbeitsplatz, also den Desktop, den Drucker, das Telefon und die mobilen Endgeräte. Wir verfügen aber auch im Rechenzentrum und im Bereich Managed LAN über langjährige Erfahrung und bieten ganzheitliches Outsourcing an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wo der Schwerpunkt bei den Professional Services von Computacenter liegt und warum die Medien am Trend von „Bring your own device“ nicht ganz unschuldig sind.

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