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#AWSChannelNews Cloud und Digitalisierung gehen Hand in Hand

| Autor / Redakteur: Rene Büst / Michael Hase

Viele deutsche Unternehmen sehen die Cloud als Ziel und nicht als Startpunkt ihrer digitalen Reise an. Dies hält Gartner-Analyst René Büst für den Grund, warum Firmen bei der Cloud-Nutzung im internationalen Vergleich hinterherhinken. Der andere Grund ist unzureichendes Wissen.

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Die Digitale Transformation beginnt mit der Cloud.
Die Digitale Transformation beginnt mit der Cloud.
(Bild: Eisenhans - stock.adobe.com)

Deutschland gilt als die europäische Wirtschaftsmacht. Dennoch erwartet Gartner in Deutschland bis 2022 lediglich ein Public-Cloud-Wachstum von 16 Prozent. Damit gehört Deutschland nach Gartner-Terminologie zu den sogenannten „Cloud Laggards“ und liegt in puncto Cloud-Adaption hinter anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden, Polen und Frankreich. Tatsächlich ist der Cloud-Markt in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Märkten noch verhältnismäßig unreif. Gartners Research zeigt, dass

  • 55 Prozent der Unternehmen, die Cloud-Services nutzen, keine Cloud-first-Strategie haben,
  • 45 Prozent dem Cloud-Enablement beim Kauf neuer IT-Services oder digitaler Services den Vorrang geben,
  • 61 Prozent der Unternehmen interne Private Clouds bevorzugen – im Vergleich zu 43 Prozent, die Public Clouds nutzen.

René Büst ist Analyst bei Gartner Deutschland. Als Senior Research Director deckt er die Themen Infrastructure Services & Digital Operations ab.
René Büst ist Analyst bei Gartner Deutschland. Als Senior Research Director deckt er die Themen Infrastructure Services & Digital Operations ab.
(Bild: Gartner)

Flexibel durch Cloud

Cloud und Digitalisierung:wie es um dieses Thema in deutschen Unternehmen steht, zeigt die Covid-19-Krise leider wieder einmal deutlich auf. Unternehmen, die frühzeitig auf die Cloud gesetzt haben, konnten spontan auf die Herausforderungen durch Covid-19 reagieren. Ungeachtet vieler Vorteile bieten Cloud-Services nämlich vor allem eines: Flexibilität. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, ihre IT dynamischer zu gestalten. Im konkreten Fall wirkt sich das positiv auf die Produktivität von Mitarbeitern aus, da diesen Homeoffice, hinsichtlich der Technik, schnell ermöglicht werden konnte. Auf der anderen Seite wirkt sich die Flexibilität von Cloud-Services auf die Reaktionsfähigkeit von Unternehmen aus. Im Kontext von Wachstum und steigenden Anfragen bieten Cloud-Infrastrukturen die Möglichkeit, die angefragten Ressourcen automatisch zu skalieren. In unsicheren Zeiten wie der Covid-19-Krise ­zeigte sich allerdings, dass man bei sinkender Nachfrage auch von der Skalierbarkeit in die entgegengesetzte Richtung profitieren kann, indem ungenutzte IT-Ressourcen schnell heruntergefahren werden, um laufende Kosten zu reduzieren.

Eine Erklärung für das deutsche „Laggard“-Verhalten ist, dass deutsche Unternehmen die Cloud als das Ziel ihrer Reise betrachten. Dies ist jedoch eine falsche Annahme. Die Cloud ist der Startpunkt, um Unternehmen bei ihren digitalen Initiativen zu unterstützen. Die Herangehensweise an die Cloud muss daher überdacht werden. Dazu muss die Frage gestellt werden, welche digitalen ­Initiativen umgesetzt werden sollen, welche Lösungen dafür benötigt werden und wie die Cloud hierbei unterstützen kann. Grundsätzlich gilt es, zwischen zwei Schwerpunkten digitaler Initiativen zu ­unterscheiden:

  • Enterprise IT – die interne IT
  • Digital Business – die externe IT

Viele Unternehmen arbeiten derzeit an der Umsetzung digitaler Enterprise-IT-Initiativen. Das bedeutet, sie nutzen die Cloud, um beispielsweise den Vernetzungsgrad der Mitarbeiter zu erhöhen und damit die Produktivität zu verbessern. Hierzu gehört auch mehr Flexibilität wie Homeoffice oder weltweit verteiltes Arbeiten sowie der schnellere Zugriff auf neue Applikationen via SaaS oder die Entwicklung neuer interner Applikationen. Diese und andere Vorteile fallen unter das Stichwort „Digital Workplace“. Keine Frage, die Enterprise-IT ist wichtig und sie wird wichtig bleiben, damit Organisationen in der Lage sind zu arbeiten. Schließlich müssen E-Mails weiterhin gesendet und empfangen werden. Und unser Gehalt wollen wir auch pünktlich bekommen. Allerdings liefert der reine Cloud-Fokus auf die Enterprise-IT keinen echten Wertbeitrag für Unternehmen. Dabei handelt es sich schlichtweg um die Pflichtübung beim Cloud-Einsatz.

Digital Touchpoints

Die Kür besteht hingegen darin, die Cloud für Digital-Business-Initiativen zu nutzen, um zum Beispiel über Digital Touchpoints interaktiver mit Kunden in Kontakt zu kommen, sie besser zu erreichen und zu verstehen. Als Antrieb für die digitale Wirtschaft sind Digital Touchpoints allgegenwärtig. Ein Digital Touchpoint wird durch die Umgebung definiert, in der die Endverbraucher direkt mit den Dienstleistungen eines digitalen Unternehmens interagieren. Ein Touchpoint kann jede Art von Inter­aktion mit einem digitalen Gerät, Produkt oder einer Dienstleistung sein. Der Digital Touchpoint ist der Ort, an dem die Wertschöpfung digitaler Unternehmen stattfindet und sie ihre Umsätze erzielen – entweder direkt oder indirekt durch die Erhebung von Daten. Im Kontext von ­Digital-Touchpoint-Lösungen zeigt sich die eigentliche Stärke der Cloud als Grundlage für neue Technologien – wie Internet of Things, Künstliche Intelligenz, Edge Computing, VR, AR oder Blockchain – da diese für Digital Touchpoints benötigt werden. Unternehmen, die nach neuen Chancen und Wachstum suchen, sollten ihre Reise daher mit der Definition eines Digital Touchpoints beginnen und anschließend evaluieren, welche Möglichkeiten die Cloud als technischer Startpunkt zur ­Umsetzung bietet.

Eine weitere Erklärung für das „Laggard“-Verhalten deutscher Unternehmen liegt in dem immer noch fehlenden Cloud-Wissen von Mitarbeitern und der Komplexität, welche die Cloud mit sich bringt. Insbesondere das fehlende Verständnis für die Public Cloud und die Herausforderungen, die mit dem Aufbau und Betrieb von Cloud- und Multicloud-Umgebungen einhergehen, dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Der Vorteil, der von der Nutzung von Cloud-Infrastrukturen, -Plattformen und -Services ausgeht, wird oft teuer bezahlt: Es entstehen Kosten hinsichtlich der ­Komplexität, des Aufbaus, der Integration, des Managements und des notwendigen Betriebs. Sowohl das Cloud- und Multicloud-Management als auch eine grundsätzlich mangelnde Cloud-Erfahrung gehören derzeit in vielen Unternehmen zu den zentralen Herausforderungen.

Support durch Dienstleister

Potenzielle Unterstützung kommt hier von Anbietern von Cloud Professional and ­Managed Services. Diese entwickeln und ­betreiben die Systeme, Applikationen und virtuellen Umgebungen ihrer Kunden – und das sowohl in der Public Cloud als auch in Multicloud-Umgebungen in einem ­Managed-Cloud-Service-Modell.

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