Prävention beugt Ängsten und Depressionen vor Burnout-Syndrom bedroht die IT-Branche
Software-Spezialisten leiden deutlich häufiger an chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden als Beschäftigte anderer Branchen. Gleichzeitig leiden immer mehr IT-Angestellte am Burnout-Syndrom. Einmal aus der Firma ausgeschieden, ist der Weg zurück oft langwierig, und dem Arbeitgeber geht wertvolles Know-how verloren. Präventivmaßnahmen beugen diesem Szenario vor.
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Wenn das Klicken der Tastatur schmerzhaft auf jeden einzelnen Nerv schlägt, im Halbschlaf Programmierbefehle durchs Gehirn schwirren, und der Job das Privatleben erdrückt, ist es höchste Zeit, etwas zu ändern. Denn, wenn der Arzt einen Burnout diagnostiziert, steht das Berufsleben auf der Kippe, was auch den Arbeitgeber wertvolles Wissen kostet.
Laut dem Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) der Universität Duisburg-Essen, das in einem bis 2010 angelegten Forschungsprojekt Strategien gegen den Burnout in der IT-Branche entwickelt, leiden mehr und mehr Mitarbeiter unter der modernen Volkskrankheit. Schon 2006 hatte das Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen in einer Studie herausgearbeitet, dass viermal mehr Mitarbeiter in Softwareentwicklungs- und Softwareberatungsprojekten auf Burnout hindeutende Symptome zeigen als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland.
Wie der Betrieb vorbeugen kann
Die Managementberaterin Beate Reisinger, Inhaberin von BMR Management Solutions, rät IT-Unternehmen unter anderem zu Verhaltenstrainings zur Konfliktfähigkeit. Daneben könnten Anti-Stress-Seminare oder individuelle Coachings das Risiko für die Angestellten reduzieren. Durch solche vorbeugenden Maßnahmen lasse sich die Kreativität und Motivation der Mitarbeiter erhöhen, Fehlzeiten würden gesenkt. »Auch die Firmen selbst profitieren von einer Burnout-Prävention, zum Beispiel im Rahmen eines gesamten Gesundheitsmanagement-Ansatzes«, so Reisinger.
Laut einem kürzlich vom RISP vorgelegten Arbeitspapier (PDF) kann mit kleineren Änderungen von Abläufen begonnen werden, bevor eine komplexe Strategie umgesetzt wird. Dazu gehöre, auf regelmäßige Erholungszeiten zu achten, anstatt Auszeiten nach mehreren Monaten der Überarbeitung zu gewähren. Rituale, wie eine gemeinsame Kaffeepause, sollten ebenso heilig sein wie zeitnahe Pausen nach besonders intensive Betätigung. Verbindliche Regeln zu Wochenendarbeit und Arbeitszeitkonten helfen demnach, ausufernde Arbeitzeiten zu verhindern. Zudem sei neben zahlreichen weiteren vorbeugenden Maßnahmen, die das RISP vorschlägt, eine offene Kommunikation ein zentraler Hebel, um negative Belastungen in den Griff zu bekommen.
Individuelle Maßnahmen
Auch jeder einzelne Mitarbeiter könne selbst seine Gesundheit schützen. Puffer im Terminkalender einzuplanen sei ebenso wichtig, wie regelmäßige Pausen. Das RISP schlägt vor, nach etwa anderthalb Stunden Arbeit fünf bis zehn Minuten Erholung einzuplanen, sich am besten an der frischen Luft zu bewegen. Daneben sollten die »privaten Inseln« vor Arbeit, beispielsweise vor »Überfällen« durch Kunden geschützt werden. Fest eingeplante Entspannungsphasen, beispielsweise zweimal pro Woche immer zur selben Zeit, in denen dem Hobby nachgegangen wird, seien ebenso förderlich wie die Kommunikation der Sorgen, um sich Luft zu verschaffen.
Beate Reisinger betont, dass es zu lernen gelte, in sich hineinzuhören, sich um seinen Körper zu kümmern und ihn wie einen guten Freund zu behandeln. Es müsse gelernt werden, nein zu sagen und zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen. Neue Werte geben und das Ausrichten der Lebensumstände danach seien wesentlich.
Wer besonders gefährdet ist und wie man einen drohenden Burnout erkennt, erfahren Sie auf der nächsten Seite.
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