Fraud Prevention als Chance für den Channel Betrugsrisiken erhöhen das Umsatzpotenzial

Von Oliver Schonschek, News-Analyst in Bad Ems

Viele B2B-Unternehmen sehen einen Anstieg der Betrugsversuche und wollen sich stärker auf den Nachweis digitaler Identitäten von Mitarbeitern und Kunden konzentrieren. Der Bedarf an Lösungen zur Identitätsprüfung bietet dem Security-Channel gute Chancen.

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Lösungen zum Identitätsnachweis können klassischen Service Providern im Security-Umfeld, aber auch Dienstleistern im E-Commerce, Finanzwesen und Gesundheitsbereich viel Umsatz bringen.
Lösungen zum Identitätsnachweis können klassischen Service Providern im Security-Umfeld, aber auch Dienstleistern im E-Commerce, Finanzwesen und Gesundheitsbereich viel Umsatz bringen.
(Bild: Onfido)

Traditionell bestand der Identitätsnachweis darin, die Identität einer Person physisch durch Vorlage eines behördlich ausgestellten Ausweises zu überprüfen. Verfahren zur Überprüfung der Identität aus der Ferne müssen Personen identifizieren, ohne eine physische Anwesenheit und einen greifbaren Ausweis nutzen zu können. Die Remote-Identitätsnachweise haben in letzter Zeit aufgrund der Covid-19-Pandemie stark an Bedeutung gewonnen.

Identitätsprüfungen aus der Ferne erfolgen in der Regel über eine Webcam oder das Mobiltelefon eines Kunden, bei dem sich der Kunde zusammen mit seinem behördlich ausgestellten Dokument zeigt. Remote-Identitätsnachweise können in einer Vielzahl von Kontexten eingesetzt werden, in denen das Vertrauen in die Identität einer Person unerlässlich ist, wie Finanzdienstleistungen, E-Commerce, öffentliche Verwaltungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Mit den heute verwendeten Methoden zur Fernidentifizierung kann beispielsweise aus der Ferne ein Bankkonto eröffnet werden. So ist es nicht überraschend, dass Cyberkriminelle nach Schwachstellen bei Fernidentifizierungen suchen.

Angreifer nutzen Schwachstellen der ID-Verfahren

Heutzutage sind die meisten Remote-ID-Angriffe „Low-Tech-Angriffe“, bei denen Angreifer gefälschte IDs präsentieren oder das Gesicht eines anderen auf einem Display präsentieren, sogenannte Replay-Angriffe, wie die EU-Agentur für Cybersicherheit ENISA berichtet. Die Agentur erwartet jedoch, dass intelligente Attacken wie Deepfake-Videoinjektion, Einsatz hochwertiger 3D-Silikonmasken oder die Videomanipulation eines Ausweisdokuments immer häufiger erfolgen.

Folglich müssen auch intelligentere Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Zukünftig werden aktive Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel den Benutzer aufzufordern, zufällige Zahlenreihen zu lesen, eingesetzt werden müssen. Aber auch passive Sicherheitskontrollen wie Gesichtstexturanalysen werden eine wichtige Rolle spielen. Synergien zwischen KI und menschlichen Expertinnen und Experten müssen weiterentwickelt werden, um die Fälschungen zu erkennen und den Betrug zu verhindern, so ENISA.

Unternehmen suchen nach Lösungen zur Identitätsprüfung

„Die Zunahme der Betrugsfälle im B2B-Handel zwingt Händler dazu, ihre Prozesse zur Prüfung der digitalen Identität zu optimieren. So findet zwar seit der Coronakrise eine verstärkte Bonitätsprüfung in der Mehrheit der Unternehmen statt, gleichzeitig fehlt aber eine nachhaltige Lösung. Unser B2BEST Barometer offenbart den Wunsch der Unternehmen: eine von vertrauenswürdigen Dritten vorverifizierte und wiederverwendbare Identitätsprüfung, über verschiedene Kanäle hinweg, die ein Höchstmaß an Sicherheit bietet“, erklärt Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, auf Basis der Ergebnisse des aktuellen B2BEST Barometers.

72 Prozent der B2B-Unternehmen bemerken durch den starken Anstieg ihres Onlinegeschäfts auch einen Anstieg an Betrugsversuchen. Der Nachweis digitaler Identitäten ist damit relevanter denn je, so das „B2BEST Barometer“ von ECC KÖLN und Creditreform.
72 Prozent der B2B-Unternehmen bemerken durch den starken Anstieg ihres Onlinegeschäfts auch einen Anstieg an Betrugsversuchen. Der Nachweis digitaler Identitäten ist damit relevanter denn je, so das „B2BEST Barometer“ von ECC KÖLN und Creditreform.
(Bild: ECC Köln)

Für drei Viertel der Unternehmen fehlt bis heute eine nachhaltige Lösung für den Identitätsnachweis im Onlinehandel. „Die Herausforderung besteht darin, kundenfreundliche Prozesse anzubieten und entsprechende Risikoprüfungen und Validierungen nicht außer Acht zu lassen. Bei der Abwicklung medienbruchfreier und vollständig digitaler Antragsstrecken wird eine vorverifizierte und wiederverwertbare Identität große Vorteile bieten“, so Christian Kramer, Branchenmanager Groß- und Außenhandel bei Creditreform, zu den Ergebnissen des B2BEST Barometers.

Die Chance: Identitätsprüfung als Dienstleistung

Auch Marktforscher wie Forrester Research sehen den steigenden Bedarf für „vorverifizierte Identitäten“, also für Lösungen und Dienste, die die Identitätsprüfung den Betreibern von Online-Shops, Online-Banking oder Online-Gesundheitsdiensten abnehmen können. Laut Forrester werden 74 Prozent der Unternehmen die Identitätsprüfung wahrscheinlich an Dritte auslagern.

Diesen Bedarf spüren auch Anbieter für Identitätsüberprüfung und Authentifizierung wie Onfido. Onfido Face Authenticate bietet ein 3D-Face-Liveness-Detection-System zur Authentifizierung von vertrauenswürdigen Benutzern. Nutzer nehmen ein Selfie-Video auf, das Onfido dann mit ihrer bei der Registrierung festgestellten, echten Identität vergleicht. Die Lösung ist kompatibel mit iOS- und Android-Geräten, Tablets und PCs. Authentifizierte Benutzer erhalten innerhalb von drei Sekunden Zugang zu ihrem Konto, so der Anbieter.

Im zweiten Quartal 2021 stieg der weltweite Umsatz von Onfido um über 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Dynamik wurde laut Onfido durch eine Marktexpansion in der DACH-Region unterstützt, mit einem Anstieg von 25 Prozent bei den Neukunden und einem Wachstum von acht Prozent bei den Dienstleistungen für bestehende Kunden in der ersten Jahreshälfte.

Die Funktionsweise von Onfido stellt sicher, dass die Person, die ein Ausweisdokument vorlegt, ihr rechtmäßiger Eigentümer und physisch anwesend ist, so der Anbieter. Die Technologie hinter der Betrugserkennung wurde von Organisationen wie Metropolitan Police oder ANSSI (Französische Agentur für Sicherheit der Informationssysteme) getestet.
Die Funktionsweise von Onfido stellt sicher, dass die Person, die ein Ausweisdokument vorlegt, ihr rechtmäßiger Eigentümer und physisch anwesend ist, so der Anbieter. Die Technologie hinter der Betrugserkennung wurde von Organisationen wie Metropolitan Police oder ANSSI (Französische Agentur für Sicherheit der Informationssysteme) getestet.
(Bild: Onfido)

„Vor allem Finanzdienstleister fragen unsere Lösungen für ihre Digital-First- und Digital-Only-Kundenstrategien an. Dies machte einen Großteil des Wachstums in der DACH-Region in der ersten Jahreshälfte aus. Wir beobachten nach wie vor eine Verlagerung der Verbraucher von der physischen zur digitalen Welt“, so Oliver Krebs, Vice President EMEA bei Onfido. „Unternehmen stellen sich darauf ein, dass sie die Identität ihrer Kunden zuverlässig online verifizieren müssen und gleichzeitig Betrug verhindern und Kundendaten so gut wie möglich schützen müssen. Gerade Letzteres ist für deutsche Verbraucher ein wichtiges Kriterium“, sagt Oliver Krebs.

Juniper Analysis prognostiziert, dass der Markt für digitale Identitätsüberprüfung bis 2026 ein Volumen von rund 14 Milliarden Euro erreichen wird, wobei sich die Gesamtzahl der Identitätsüberprüfungen allein im Jahr 2021 mehr als verdoppeln wird.

Offen für Partner im Kampf gegen Betrugsrisiken

Im Bereich der Identitätsprüfung und Betrugserkennung entstehen fortlaufend neue Lösungen, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden und Hersteller suchen Partner für den Vertrieb und die Implementierung.

Auf dem Web Summit 2021 in Lissabon waren zum Beispiel Anbieter für Identity-Prüfung und Fraud Prevention wie Arkose Labs, Neo4j, TrustCerts und Nect vertreten.

Identitäten werden bei Nect mittels vom Nutzer aufgenommener Videos von Gesicht und Ausweisdokument mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz verifiziert. Mittels App wird auf dem mobilen Endgerät des Nutzers eine Videoaufnahme vom Ausweis und vom eigenen Gesicht erstellt.

Die App führt den Nutzer durch das gesamte Verfahren, prüft dabei die Echtheit des Ausweisdokuments anhand der Sicherheitsmerkmale und die Lebendigkeit des Nutzers anhand der Muskelbewegungen im Gesicht. Dabei wurde bereits ein Patent für ein innovatives Feature der Nect-App zur Sicherstellung des Aufnahmezeitpunkts einer Videoaufnahme vom Europäischen Patentamt erteilt.

Gemeinsam mit Partnern will Nect weitere Kunden und Anwendungsbereiche angehen. So gewann der Hersteller gemeinsam mit dem Kooperationspartner IBM Deutschland einen Managed Service Provider für gesetzliche Krankenversicherungen namens Bitmarck als Kunden.

Ob zur Registrierung für die elektronische Patientenakte (ePA) oder die Aktivierung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), die für die Nutzung des E-Rezepts notwendig ist: Bevor Versicherte diese digitalen Dienstleistungen ihrer Krankenkasse nutzen können, müssen sie ihre Identität bestätigen. Dieser Vorgang ist nun für Versicherte der bei Bitmarck angeschlossenen deutschen gesetzlichen Krankenkassen mit dem Selfie-Ident-Verfahren von Nect möglich.

Andreas Strausfeld, Vorsitzender der Bitmarck-Geschäftsführung, erklärte dazu: „Wir haben mit der Nect-Lösung ein umfangreiches Paket für die Registrierung an der ePA geschnürt. Mit dem Einsatz des Selfie-Ident-Verfahrens setzen wir im Sinne der Nutzer auf moderne Technologien und Lösungen und freuen uns, auf diese Weise dazu beizutragen, die Versorgung der Versicherten weiter zu verbessern und zugleich den Zugang zu digitalen Angeboten zu erleichtern.“

Und auch CSO und Mitgründer von Nect, Carlo Ulbrich, sieht einen langfristigen Effekt: „Durch die Zusammenarbeit mit Bitmarck wird die Nect-Technologie nun einem Großteil der deutschen gesetzlichen Krankenkassen zugänglich gemacht. Wir sind zuversichtlich, dass wir so einen entscheidenden Beitrag zur Digitalisierung der Krankenversicherungen in Deutschland leisten und den veränderten Kundenbedarf optimal bedienen können.“

Carlo Ulbrich zeigte sich auf dem Web Summit offen für weitere Partner, die die Lösung zur Identitätsprüfung vertreiben oder in andere Lösungen integrieren wollen. Ein gutes Beispiel dafür, wie aus den steigenden Betrugsrisiken ein spannendes Geschäftsfeld im Channel entstehen kann, für Security-Dienstleister genauso wie für Service-Provider im E-Commerce, Finanzwesen und Gesundheitsbereich.

(ID:47829214)