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5G-Monetarisierung

5G ermöglicht As-a-Service-Geschäftsmodelle

| Autor / Redakteur: Filipe Martins / Sarah Böttcher

Für die ITK-Branche entsteht mit der 5G-gestützten IoT-isierung der Wirtschaft ein fruchtbarer Boden für neue As-a-Service-Geschäftsmodelle.
Für die ITK-Branche entsteht mit der 5G-gestützten IoT-isierung der Wirtschaft ein fruchtbarer Boden für neue As-a-Service-Geschäftsmodelle. (Bild: Sikov - stock.adobe.com)

Der neue Mobilfunkstandard 5G schafft für den ITK-Channel neue wirtschaftliche Spielräume. Doch erst Network Slicing macht M2M-Kommunikation erschwinglich und IoT-basierte As-a-Service-Angebote tragfähig.

Mobilfunkstandards bis einschließlich 4G haben den Massenmarkt für mobile Telekommunikation – Telefonie und Daten – erschlossen. 5G hat jetzt zum Ziel, M2M-Konnektivität und damit IoT-Anwendungen in B2B- und B2C-Szenarien erschwinglich zu machen.

Der Branchenverband GSMA schätzt, dass sich die Netzbetreiber alleine in Europa den Rollout von 5G satte 500 Milliarden Euro kosten lassen werden. Die Frage, wie sie das investierte Geld wieder hinein holen können, liegt da natürlich nahe.

Sicherlich nicht aus dem Verbrauchermarkt. Denn die Kommunikationsbranche steht „allerseits unter Druck“, warnen Analystenhäuser wie Accenture. Das Umsatzwachstum ist ins Stottern geraten. Die Endbenutzer hätten neue Wege des digitalen Engagements gefunden. Disruptive Neuzugänge im Kommunikationsmarkt würden traditionelle Dienstleistungen „untergraben“, heißt es. Anwendungen der Verbraucherklasse reichen auf lange Sicht nicht aus, um die enormen Investitionen in 5G zu rechtfertigen.

Der Wert eines Bits

Für den 5G-Mobilfunk haben seine Erfinder drei primäre Nutzungsszenarien ersonnen:

  • erweitertes mobiles Breitband oder eMBB (kurz für Enhanced Mobile Broadband): Anwendungen mit hohen Bandbreitenanforderungen und einer hohen Toleranz für kurzzeitige Ausfälle, darunter Streaming von 3D-Video, 360-Grad-Video und virtueller Realität
  • massives IoT oder mMTC (Massive Machine-Type Communications): Anwendungen mit Bedarf an kostengünstiger drahtloser Konnektivität zum Übersenden von nicht-zeitkritischen Sensormesswerten
  • latenzsensible Kommunikation mit missionskritischer Bedeutung oder URLLC (Ultra-Reliable Low-Latency Communications): Anwendungen mit Latenzanforderungen von weniger als 1 Millisekunde und Zeitstempelfähigkeiten, darunter Fernchirurgie, Fabrikautomation, autonomes Fahren und dergleichen

Der Wert eines Bits in diesen drei Nutzungsszenarien ist keinesfalls identisch.

Für die Telekommunikationsanbieter besteht jetzt die größte Herausforderung darin, den Wert der Konnektivität in der Wertschöpfungskette zu maximieren, um das Netzwerk intelligent monetarisieren zu können. Mit diesem Ziel im Auge werden die Kommunikationsanbieter bestrebt sein, die Preise anwendungsfallbezogen zu differenzieren. Network Slicing kommt da wie gerufen.

Mit Network-Slicing in 5G steht den Mobilfunkanbietern erstmals die Möglichkeit der softwaregesteuerten Partitionierung der Mobilfunkbandbreite offen. 5G-Mobilfunkanbieter können erstmals ganz unterschiedliche Zielgruppen mit bedarfsgerechten und individuellen Mobilfunkdiensten in einem und demselben Frequenzband versorgen.

5G-Monetarisierung anwendungsbezogen gestalten

Ende 2033 sollen sämtliche 5G-Frequenzen in Deutschland zugeteilt sein.
Ende 2033 sollen sämtliche 5G-Frequenzen in Deutschland zugeteilt sein. (Bild: Bundesnetzagentur)

Experten zufolge soll die dominierende Erlösquelle in der ersten Phase des 5G-Rollouts eMBB und damit der Verbrauchermarkt darstellen. Hier rücken bestehende Kundenbeziehungen in den Vordergrund, glaubt das Beratungshaus Accenture. In dieser Phase müssten sich die 5G-Anbieter verstärkt auf die Datenintelligenz über ihre Kunden stürzen.

Demnach sei davon auszugehen, dass die Mobilfunkanbieter mit steigender Akzeptanz von 5G-Netzen andere Einsatzszenarien, darunter B2B und B2B2X, erschließen müssen. Diese Anwendungen würden dann auf lange Sicht überwiegen, glaubt unter anderem Michael Fireman, Director of Product Management bei Ericsson.

„Die letzte Meile des Internets“ wird auf lange Sicht von M2M-Kommunikation dominiert werden. Das betrifft etwa Anwendungen wie Track-and-Tracing in der Logistik, die Echtzeit-Überwachung kritischer Infrastrukturen, Echtzeit-Konnektivität autonomer Fahrzeuge und dergleichen anderen. Um diesen Markt zu erreichen müssen die Telekommunikationsanbieter und deren Channel-Partner gemeinsam völlig neue Wege beschreiten.

„Aktuell nutzen die Unternehmen weniger als fünf Prozent ihrer IoT-Daten“, enthüllt Rami Avidan, SVP IoT Deutsche Telekom. IoT sei aber eine Voraussetzung für einen erfolgreichen Wandel hin zu einer „kreislauforientierten Wirtschaft“. Zuverlässige Konnektivität sei wiederum „für jede IoT-Lösung unabdingbar“, glaubt Avidan.

Skepsis und Zurückhaltung

Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Accenture müssen die ITK-Anbieter erst noch die Schulbank drücken, um zu lernen, wie sie Enterprise-Kunden am besten ansprechen. Accenture hatte für die Studie über 1.800 Führungskräfte in mittelständischen Firmen und Großunternehmen in zehn Ländern befragt. Die zentrale Erkenntnis läuft darauf hinaus, dass die vorherrschende Grundhaltung von tiefer Skepsis geprägt ist.

Als die größten Hindernisse auf dem Weg zu 5G nannten die Befragten hohe Vorabinvestitionen (36 %), Herausforderungen rund um die Sicherheit (32 %) und die fehlende Akzeptanz seitens der eigenen Belegschaft (29 %).

Die negativen Auswirkungen hoher Investitionskosten auf die Bilanz und die steuerlichen Belastungen treffen den Mittelstand besonders hart. In der Vergangenheit konnten KMU die Situation mit Hilfe von Leasing-Verträgen entschärfen, da sie beim sogenannten Operating-Leasing nur die laufenden Kosten buchen durften und nicht die Gesamtverbindlichkeiten aus dem Leasing-Vertrag. Damit ist jetzt grundsätzlich Schluss.

IFRS 16 verändert das Kaufverhalten

Gemäß dem neuen Standard IFRS 16 ist diese sogenannte bilanzneutrale Darstellung von Leasing-Verträgen seit Anfang 2019 nicht mehr erlaubt. In Deutschland findet IFRS 16 im Übrigen auch in Bezug auf alle KMU Anwendung. Der alternative, entschärfte Standard IFRS for SMEs ist in der EU nicht erlaubt. Leasing von Sachwerten verändert somit wichtige Kennzahlen der Unternehmensbilanz und dürfte sich im kommenden Jahr auf die Nachfrage auswirken.

Allein in Europa sollen die Off-Balance-Sheet-Leasingverträge im letzten Geschäftsjahr vor der Veröffentlichung des Standards IFRS 16 eine Gesamtsumme von 0,71 Billionen US-Dollar erreicht haben, berichtet der IFRS. Damit lag Europa zu jenem Zeitpunkt auf Platz Zwei hinter Nordamerika (0,97 Billionen US-Dollar).

Eine Ausnahmeregelung kann Abhilfe schaffen. Das Leasing von Sachwerten mit einem Einkaufspreis in Höhe von weniger als 5.000 US-Dollar pro Leasing-Objekt kann beim Leasingnehmer weiterhin bilanzneutral gebucht werden.

Die steuerliche Hebelwirkung der aktuellen Ausnahmeregelung hat gerade aus Sicht des deutschen Mittelstands eine enorme Tragweite.

Würde beispielsweise ein mittelständisches Unternehmen seine tausend Mitarbeiter mit 5G-fähiger Hardware im Wert von unter 5.000 US-Dollar pro Exemplar ausstatten und über die Gesamtsumme einen Leasing-Vertrag mit einer Laufzeit von über einem Jahr abschließen, käme da schon eine ansehnliche Summe in einstelliger Millionenhöhe zusammen; dieser Betrag taucht dann auch nach IFRS 16 in den Aktiva und Passiva des Lizenznehmers nicht auf. Würde jedoch der Kaufpreis der Ausstattung den Schwellenwert von 5.000 US-Dollar pro Stück überschreiten, käme das Leasing für das betroffene Unternehmen möglicherweise erst gar nicht in Frage.

Nur ein einziges Unternehmen im Dax hat die IFRS 16-Regelung freiwillig vorzeitig angewendet: die Deutsche Post.

IoT-isierte As-a-Service-Geschäftsmodelle auf dem Vormarsch

Für die Anbieter im ITK-Channel ist es an der Zeit, die Beziehungen mit ihren B2B-Kunden und möglicherweise die eigenen Geschäftsmodelle vor dem Hintergrund der IFRS 16 gründlich zu überdenken.

„Durch die geänderte Bilanzierung beim Leasingnehmer gewinnt die Unterscheidung zwischen Leasing- und Serviceverträgen an Bedeutung“, kommentierte den Standard Christian Landgraf, Partner bei Rödl & Partner. Ein Leasingvertrag liege gemäß der IFRS 16 vor, wenn seine Erfüllung von der Nutzung eines konkret identifizierbaren Vermögenswertes abhänge und die Kontrolle über diesen konkret identifizierbaren Vertragsgegenstand während der Vertragsdauer übertragen werde.

Die Bilanzierung nach IFRS 16 beeinflusst wichtige Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote und damit indirekt die Liquidität. Dieser Effekt werde „durch den degressiven Verlauf der Aufwandserfassung beim Leasingnehmer noch verstärkt“, so Landgraf.

Die Bilanzierung beim Leasinggeber richtet sich im Übrigen wie auch bisher danach, welche Partei die wesentlichen Vorteile und Risiken im Zusammenhang mit dem Leasinggegenstand trägt.

Ausrüster im ITK-Channel können ihren Unternehmenskunden die nötige 5G-Ausstattung weiterhin per Leasing-Vertrag mit günstigen steuerlichen Implikationen anbieten, wenn sie in ihrer Produkt- und Preispolitik den neuen Bilanzierungsstandard IFRS 16 samt der Ausnahmeregelung berücksichtigen.

Der neue Standard geht in die Implementierungsphase zu einem Zeitpunkt über, in dem die Umsetzung neuer As-a-Service-Geschäftsmodelle auf dem technischen Unterbau einer IoT-Plattform in die Reichweite technischer wie auch wirtschaftlicher Machbarkeit geraten ist – mit 5G eben.

Die fortschreitende IoT-isierung der Wirtschaft erlaubt erstmals die Implementierung nutzungsgerechter Service-Angebote, die sich nach der tatsächlichen Belastung der betreffenden Sachwerte richten. Hierzu müssen die betreffenden Sachwerte mit Hilfe geeigneter Sensorik relevante Metriken erfassen und diese als Rohdaten zur Auswertung an die Analytics-Plattform des Serviceanbieters übertragen. Bisher scheiterte die Umsetzung an den hohen Kosten drahtloser Konnektivität. Erst Network Slicing in 5G macht M2M-Kommunikation erschwinglich und IoT-isierte As-a-Service-Angebote tragfähig. Avidan von der Deutschen Telekom fordert hierzu eine breite Harmonisierung von IoT-Standards und -Ökosystemen.

Fazit

Für die ITK-Branche entsteht mit der 5G-gestützten IoT-isierung der Wirtschaft – und unter dem Zwang der IFRS 16 – ein fruchtbarer Boden für neue As-a-Service-Geschäftsmodelle. Darauf findet die IFRS-16-Regelung interessanterweise keine Anwendung.

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