Wirtschaft generell optimistischer Zweijahreshoch beim Geschäftsklima in der IT-Branche

Autor: Sarah Gandorfer

Die Stimmung in der Wirtschaft ist optimistisch. Vor allem in der ITK-Branche ist sie so gut wie zuletzt vor der Coronakrise. Das kann aber am Zeitraum der Befragungen liegen, denn Anfang März war die Hoffnung auf den Impfstoff AstraZeneca groß und die Infektionszahlen niedrig.

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Ist ein Ende der Wirtschaftsmisere in Sicht?
Ist ein Ende der Wirtschaftsmisere in Sicht?
(Bild: Orlando Florin Rosu - stock.adobe.com)

Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt deutlich.
Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt deutlich.
(Bild: ifo)

Laut ifo hat sich die Stimmung in der Wirtschaft hierzulande merklich verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im März auf 96,6 Punkte gestiegen, nach 92,7 Punkten (saisonbereinigt korrigiert) im Februar. Das ist der höchste Wert seit Juni 2019. Die Unternehmen waren spürbar zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zudem ist der Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate zurückgekehrt. Trotz steigender Infektionszahlen startet die deutsche Wirtschaft zuversichtlich in den Frühling.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator ebenfalls gestiegen. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Lage nahm zu. Zudem zeigte sich bei den Erwartungen erstmals seit Herbst wieder ein vorsichtiger Optimismus. Bei den IT-Dienstleistern liefen die Geschäfte besonders gut. Im Gastgewerbe und der Tourismusbranche ist die Lage aufgrund der Pandemieverordnungen weiterhin sehr schlecht.

Im Handel hat der Geschäftsklimaindex einen Sprung nach oben gemacht. Die Indikatoren für die aktuelle Lage und die Erwartungen sind beide merklich gestiegen. Im Einzelhandel ist die Situation aber weiterhin schlecht, wenn auch etwas weniger stark als im Vormonat. Positive Ausnahmen waren neben den Supermärkten die Fahrradhändler und die Floristen. Im Bauhauptgewerbe ist das Geschäftsklima wieder im positiven Bereich angekommen. Der Indikator zur aktuellen Lage stieg auf den höchsten Wert seit einem Jahr. Auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich verbessert.

Digitalbranche rechnet mit steigenden Preisen

Der Bitkom-Digitalindex sieht dem ifo-Index ähnlich.
Der Bitkom-Digitalindex sieht dem ifo-Index ähnlich.
(Bild: Bitkom)

Wie der Bitkom bekannt gibt, hat sich das Geschäftsklima in der Digitalbranche gleichfalls verbessert und ist auf den höchsten Stand seit zwei Jahren geklettert. Im März legte der Index für die aktuelle Geschäftslage um 4,5 Zähler auf 31,9 Punkte zu. Noch stärker ging es bei den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate nach oben – plus 11,0 auf 21,2 Punkte. Der Bitkom-ifo-Digitalindex, der sich aus der Einschätzung von Geschäftslage und Geschäftserwartungen berechnet, stieg im Vergleich zum Vormonat deutlich um 7,8 auf 26,5 Punkte. Höher lag der Digitalindex zuletzt im Mai 2019.

„Während die dritte Infektionswelle Deutschland in Atem hält, herrscht in der Digitalbranche große Zuversicht. Mit der Beschleunigung der Impfkampagne und dem Ausblick auf sinkende Infektionszahlen erwarten die Bitkom-Unternehmen starke konjunkturelle Impulse“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Aktuell laufen die Geschäfte so gut wie noch nie in der Coronakrise. Die Einschätzung der Geschäftslage hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nahezu durchgehend gesteigert. Die ITK-Unternehmen helfen mit ihren Lösungen anderen Branchen, Privatverbrauchern und Verwaltungen, besser durch die Krise zu kommen. Entsprechend stabil ist die Nachfrage trotz der pandemiebedingten Einschränkungen.“

Mit der guten Konjunktur geht auch eine wachsende Nachfrage nach Arbeitskräften einher. Die Beschäftigungserwartungen legten deutlich zu, um 4,5 Zähler auf 23,3 Punkte. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Unternehmen in den kommenden drei Monaten zusätzliche Arbeitskräfte einstellen will. Zugleich gehen viele Unternehmen für das kommende Quartal von steigenden Preisen aus. Der Preisindex legte gegenüber dem Vormonat kräftig um 8,0 auf 14,4 Punkte zu.

E-Commerce

Wie der E-Commerce-Verband bevh mitteilt, verzeichnete die E-Commerce-Branche zwischen Januar und März 2021 ein Wachstum um plus 28 Prozent mit einem Waren-Umsatz von 21.090 Millionen Euro (1. Q. 2020: 16.482 Mio. EUR). Das außerordentliche Wachstum resultiert aus der Stagnation des E-Commerce im ersten Quartal 2020 (+1,5 Prozent) im ersten Corona-Lockdown.

Hätte sich das Vorjahresquartal wie im langjährigen Mittel von 11 Prozent entwickelt, wäre im 1. Quartal 2021 ein erhöhtes Wachstum von rund 17 Prozent erreicht worden. Bei den digitalen Dienstleistungen erfolgte im ersten Quartal 2021 ein dramatischer Einbruch um mehr als 70 Prozent; vor Jahresfrist lag der Rückgang nur bei 13,4 Prozent. Zu den digitalen Dienstleistungen zählt der bevh Onlinebuchungen für Reisen, Veranstaltungen oder Flug-, Bus- und Bahn-Tickets, welche von den Einschränkungen der Lockdown-Regelungen besonders betroffen sind.

„Die E-Commerce-Branche setzt auch ohne Pandemie-bedingten Schub ihr nachhaltiges Wachstum fort. Sie erweist sich weiterhin als verlässlicher und solider Versorger und hat ihr Leistungsversprechen gehalten. Dies belegt auch die anhaltend sehr hohe Zufriedenheit der Verbraucher mit 98 Prozent. An diesem Wachstum nehmen alle Vertriebswege im Onlinehandel vergleichbar teil“, erläutert Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh.

Konsumklima stimuliert

Die Anfang März begonnene Lockerung des harten Lockdowns sowie die zum Zeitpunkt der Befragung sinkenden Infektionszahlen haben die Konsumstimmung beflügelt. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung verbessern sich zum Teil spürbar. So prognostiziert die GfK für das Konsumklima für April 2021 einen Wert von minus 6,2 Punkten und damit 6,5 Punkte mehr als im März dieses Jahres (revidiert minus 12,7 Punkte). Das sind die Ergebnisse der GfK-Konsumklimastudie für März 2021. Dieser zunehmende Optimismus mag auf den ersten Blick überraschen. Da die Befragung im Zeitraum vom 3. bis 15. März stattfand, sind die Ereignisse um den Impfstoff AstraZeneca sowie die deutliche Zunahme der Infektionszahlen der letzten Tage nicht berücksichtigt.

Einen wesentlichen Beitrag zum sprunghaften Anstieg des Konsumklimas leistet zudem die Einkommenserwartung. Der Indikator gewinnt 15,8 Punkte hinzu und klettert damit auf 22,3 Zähler. Ein höherer Wert wurde vor genau einem Jahr, im März 2020, mit 27,8 Punkten gemessen. Mit der Wiedereröffnung weiter Teile des Handels steigt offenbar auch bei vielen dort Beschäftigten die Erwartung, dass die Kurzarbeit zurückgefahren wird und sie wieder mit einer besseren Einkommensentwicklung rechnen können. Zudem dürfte die Angst vor Jobverlust dadurch etwas gemindert worden sein.

Im Sog deutlich steigender Einkommenserwartungen gewinnt auch die Anschaffungsneigung im März hinzu. Allerdings sind die Zuwächse mit einem Plus von 4,9 Punkten wesentlich bescheidener. Aktuell weist der Indikator 12,3 Punkte auf und liegt damit noch gut 19 Zähler unter Vorjahresniveau.

Doch warnt der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl: „Der erneute harte Lockdown wird dem Konsumklima schwer schaden und die aktuelle Verbesserung ein Strohfeuer bleiben. Eine nachhaltige Erholung der Konsumstimmung wird demnach weiter auf sich warten lassen – für Händler und Hersteller bedeutet das weiterhin schwierige Zeiten.“

Insolvenzen nur verschleppt?

Noch halten sich die Zahlen der Insolvenzen in Maßen.
Noch halten sich die Zahlen der Insolvenzen in Maßen.
(Bild: creditsafe)

Nach dem Anstieg der Insolvenzen im Oktober 2020, welcher auf die teilweise Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht zurückgeführt werden kann, sind sie zum Jahresende wieder rückläufig. Im Januar 2021 sinkt die Insolvenzrate auf den niedrigsten Wert der vergangenen drei Jahre. Die weitere Entwicklung verläuft flach. Die vom Bund eingeführte Insolvenzaussetzung, welche ursprünglich bis zum 31. Januar 2021 galt, wurde bis Ende April 2021 verlängert.

„Die Aussetzung oder die nun eintretenden Sonderregelungen der Insolvenzantragspflicht verzerrt natürlich die reale Situation der deutschen Unternehmenslandschaft und lässt den zu erwartenden Anstieg in Gänze nur erahnen. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich dennoch Rückschlüsse auf regionale Unterschiede ziehen oder welche Branchen stärker betroffen sind und langfristig sein werden. Spannend wird in den kommenden Monaten und Jahren, inwiefern sich die Einflussnahme gelohnt hat, denn Insolvenzen sind bis zu einem gewissen Grad für einen gesunden Markt erforderlich. Sie stärken gesunde Unternehmen und unterstützen die Transformation der Wirtschaft, wobei ineffiziente Unternehmen eigentlich vom Markt verschwinden“, erläutert Peer Hitschke, Senior Data Scientist bei Creditsafe.

Der erneute Rückgang der Insolvenzen lässt sich laut der Wirtschaftsauskunft Creditsafe nur schwer auf einzelne Faktoren zurückführen. Im Zuge des weiteren Shutdown wurde der Maßnahmenplan „November- und Dezemberhilfen“ der Bundesregierung für die letzten zwei Monate des Jahres auf den Weg gebracht. Trotz der auch dort enthaltenen Sofortmaßnahmen, die eine direkte monetäre Unterstützung beinhalten, dürfte dies nur zu einer marginalen Auswirkung auf die Insolvenzen im selben Monat geführt haben, unter anderem da die Hilfen in vielen Fällen zeitverzögert bei den Berechtigten ankommen.

Noch ist es zu früh, ein genaues Bild zu zeigen, welche Maßnahmen tatsächlich gewirkt haben und welche lediglich Herausforderungen verschoben haben. Die weiteren Monate werden zeigen, inwieweit diese Überbrückungsmaßnahmen marktbereinigende Effekte aufschieben oder doch die Zugpferde für den Wirtschaftsaufschwung durch die Krise waren. Auch die Maßnahmen, die im November beschlossen wurden, stehen in den kommenden Monaten auf dem Prüfstand.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS