IT-BUSINESS Aktion:

#ITfightsCorona

Licht und Schatten in Hüllhorst

Wortmann 2014: Umsatzrekord trotz Rückschlag

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Siegbert Wortmann, Vorstandsvorsitzender der Wortmann AG
Siegbert Wortmann, Vorstandsvorsitzender der Wortmann AG (Bild Wortmann)

Die letzten Spuren eines Brandes bei der Wortmann AG im August werden wohl erst Ende Februar beseitigt sein. Siegbert Wortmann berichtet von seinen Eindrücken.

2014 war ein ereignisreiches Jahr für die Wortmann AG. Beispielsweise brach im August ein Feuer in der PC-Montage aus. Wie haben Sie persönlich diesen schlimmen Zwischenfall erlebt?

An einem Samstag im August brach das Feuer bei Wortmann aus.
An einem Samstag im August brach das Feuer bei Wortmann aus. (Bild: Wortmann)

Ich war an diesem Samstag geschäftlich unterwegs. Nachdem ich am frühen Morgen die Nachricht über den Brand bekam, trat ich umgehend die Rückreise an. Der Anblick des zerstörten Gebäudes hat mich und meine Frau sehr schockiert. Ich war froh und dankbar, dass die Freiwillige Feuerwehr so schnell vor Ort war und ein Ausbreiten der Flammen auf weitere Gebäudeteile verhindern konnte. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Am Abend stand ich mit meiner Familie und einigen Mitarbeitern vor der ausgebrannten Produktionshalle. Da sagte jemand: „Es hilft nichts, es ist Realität!“ Ich konnte dem nur beipflichten und fügte hinzu: „Wir haben in unserer Vergangenheit schon viele Rückschläge gemeistert. Wir werden auch das hier gemeinsam schaffen!“

Und wie haben Sie‘s geschafft?

Unser Webshop war bereits nach wenigen Stunden wieder online! Hierzu musste zum Beispiel die Energieversorgung unseres Serverraums direkt aus unserem Trafohaus neu verlegt werden. Am nächsten Tag (Sonntag) saßen der Abteilungsleiter Produktion und der Administrator mit mir zusammen, und wir erörterten die Lage. Uns gelang es, unsere räumlichen Kapazitäten so aufzuteilen und vorzubereiten, dass nach nur einem einzigen Werktag des Stillstands am folgenden Dienstag der erste Rechner wieder vom Band lief. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im wahrsten Sinne des Wortes enger zusammengerückt. Ich bin sehr stolz auf die Belegschaft, die es trotz eines solchen Rückschlages schaffte, den Umsatz der Wortmann AG auf sehr gute 660 Millionen Euro zu steigern. Ich habe es bereits mehrfach öffentlich gesagt, und wiederhole es gerne erneut: Die Wiederaufnahme der Produktion unter diesen Umständen hätte kein anderes Unternehmen innerhalb dieser kurzen Zeit geschafft.

Sie haben es angesprochen: Wortmann steigerte den Umsatz trotz Preisdruck in der Branche um rund 20 Prozent von 550 Millionen Euro 2013 auf 660 Millionen Euro im Jahr 2014, und es wurden 40 neue Mitarbeiter eingestellt. In welchen Segmenten konnte das Unternehmen das Wachstum erzielen?

Wir konnten in allen Bereichen ein deutliches Wachstum erzielen. Das gilt für sämtliche Produktfamilien unserer Eigenmarke Terra und geht über die Distribution bis hin zum Servicegeschäft. Dies funktioniert aber auch nur, weil wir ein ausgezeichnetes und gut qualifiziertes Fachhändlernetz haben.

Welche Bereiche liefen denn vom Umsatz her nicht so gut, und was sind die Gründe dafür?

Es gab keine Geschäftsbereiche, die im Jahr 2014 nicht gut liefen.

Unter der Eigenmarke „Terra“ vertreibt die Wortmann AG PCs, Notebooks, Monitore und Server, die in Hüllhorst gefertigt werden. Über den Produktionsstandort Deutschland wird viel diskutiert. Was sind die größten Herausforderungen: Lohnstückkosten, die langen Transportwege von Komponenten aus dem asiatischen Raum, die internationalen Währungsschwankungen bei deren Einkauf, oder spielen ganz andere Schwierigkeiten im Tagesgeschäft eine Rolle?

Die Wortmann AG ist fest verwurzelt mit dem Standort Ostwestfalen. Wir haben uns bewusst für die Produktion unter dem Motto „IT – Made in Germany“ entschieden. Zwar gibt es hier vor Ort ohne Zweifel einige besondere Herausforderungen, denen viele Mitbewerber lieber aus dem Weg gehen wollen. Doch bieten sie auch Chancen, und wir schaffen den Menschen hier in Ostwestfalen dadurch Arbeitsplätze. Die Lohnstückkosten in Deutschland sind sicherlich höher als in Asien. Doch können wir durch unser Build-to-Order-Prinzip auf Kundenwünsche direkt eingehen. Das wäre bei einer outgesourcten Produktion in dieser Form nicht möglich. Der Komponentenimport ist somit ein echter Vorteil im Vergleich zum fertigen Import-PC. Lange Transportwege sind dabei in der Tat nachteilig, aber unvermeidbar. Im Bedarfsfall kann man Komponenten auch mal einfliegen lassen. Bei ganzen PCs geht das nicht so ohne Weiteres. Mit Währungsschwankungen muss man in beiden Fällen zurechtkommen. Sie spielen also keine entscheidende Rolle.

Welche konkreten Vorteile ziehen Sie aus einer Produktion und Logistik in Deutschland?

Wir haben bei der Wortmann AG eine sehr flache Hierarchie. Alle Führungskräfte sind seit vielen Jahren im Unternehmen beschäftigt und wissen auch genau, was um sie herum passiert. Das macht das Zusammenarbeiten sehr effizient und vereinfacht das Tagesgeschäft. Wir können jederzeit sehr schnell und sehr flexibel auf Situationen reagieren. Das ist bei einer „verlängerten Werkbank“ nicht so ohne Weiteres möglich. Auch das Prinzip „heute bestellt – morgen da“ ist bei einer Fertigung in Übersee nicht zu realisieren.

Gibt es anstehende Änderungen im Wortmann-Geschäft, auf die sich Partner einstellen sollten?

Wir werden unsere Strategie nicht verändern und an Bewährtem grundsätzlich festhalten. Natürlich wird an der ein oder anderen Schraube zur Verbesserung unserer Prozesse oder Strukturen gedreht, aber unsere Kunden und Partner können sich weiter auf die Wortmann AG verlassen. Es wird keine (negativen) Überraschungen geben.

Welche Ratschläge würden Sie einem Geschäftsführer eines IT-Systemhauses geben, der mit sein Unternehmen in den kommenden Jahren erfolgreich wirtschaften will?

1. Die Kosten im Griff behalten. 2. Bodenständig bleiben. 3. Auf das Wesentliche konzentrieren.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 43136803 / Technologien & Lösungen)