In einer zunehmend digitalen Welt geht die Verantwortung der Eltern und Schulen über die traditionellen Themen hinaus. Kinder verbringen immer mehr Zeit online, der Diskurs über Cybersicherheit wird zu einem entscheidenden Element der modernen Erziehung.
Wer sich mit den Endgeräten und Präsentationsmedien nicht sicher fühlt, wird einen digitalen Unterricht nicht sicher gestalten können. Hier liegt also ein maßgeblicher Hebel für moderne Unterrichtsformen.
(Bild: Mitch Shark - stock.adobe.com)
Der „Parental Practices Report“ von Keeper Security beleuchtet, dass ein Drittel der Eltern nicht über Cybersicherheit mit den Kindern spricht. Und mehr als zwei von fünf Eltern geben zu, dass sie nicht wissen, wie man sichere Passwörter erstellt, geben ihren Kindern trotzdem Zugang zu ihren Mobiltelefonen und Computern. Eine stärkere Sensibilisierung und mehr Aufklärung zum Thema IT-Sicherheit sind notwendig.
Auch regional gibt es laut Keeper-Studie im internationalen Vergleich Unterschiede: In Frankreich war der Anteil der Gespräche über Cybersicherheit mit 34 Prozent am geringsten, während er in Deutschland bei immerhin 73 Prozent liegt. Im Vereinigten Königreich verlassen sich Eltern am meisten auf die Schulen (40 %), um die Kinder über Sicherheit aufzuklären, während die Eltern in den USA am wenigsten auf die Schulen vertrauen (21 %).
Regionale Unterschiede bei digitalen Schulen
Wie ist der Stand bei Digitalisierung in Schulen, wo ist noch Handlungsbedarf, wo gibt es Fortschritte? Die Schere geht hierbei auseinander und hängt von der Region und Bildungseinrichtung ab.
„Das ist von Bundesland zu Bundesland, aber auch je nach Schulträger unterschiedlich. Viele Schulen besitzen WLAN und Präsentationsmedien, aber nicht in jedem Klassenraum. Hinzu kommen fehlende Endgeräte, um einen digitalen Unterricht sinnvoll umzusetzen. Nicht alle Kommunen können die Ausstattung an Schulen selbst stemmen“, sagt Tobias Furmaniak, Leiter Geschäftsfeld Schulen, Public Sector, Bechtle.
„Ich sehe viele Fortschritte, aber es gibt immer noch Handlungsbedarf. Das ist gerade bei der Bereitstellung von Technologien und Schulungen für die Lehrer und Schüler der Fall“, Hendrik Flierman, VP Global Sales & Marketing bei G Data. „Wir beobachten hier eine Entwicklung, in der sich Fördervereine, Sponsoren oder auch Eltern an dem Kauf der Endgeräte beteiligen. Ein weiterer großer Aspekt ist die Weiterbildung der Lehrer im Umgang mit den digitalen Möglichkeiten“, ergänzt Furmaniak. Schließlich können nur die Lehrkräfte, die sich im Umgang mit Endgeräten sicher fühlen, auch einen digitalen Unterricht sicher gestalten.
„In einigen Schulen werden aber bereits digitale Lernmittel und Online-Ressourcen intensiv genutzt, da haben einige Städte und Kreise als Träger gut in Lösungen investiert. Fortschritte sehe ich auch bei der Integration von digitalen Elementen im Unterricht, aber auch hier gibt es noch Raum für eine umfassende Umstellung“, führt Flierman weiter aus.
Digitales Lernen sollte generell ein Bestandteil aller Schulfächer sein.
Hendrik Flierman, G Data
Sicherheitslösungen für Schulen
Für den zentralen Schutz im Schulnetzwerk „ist der Einsatz einer UTM-Firewall ein Muss“, erläutert Michael Sünder Projektteam eGov & Education bei Securepoint. Ein speziell auf den Jugendschutz zugeschnittener Content-Filter sei für Schulen ein wichtiges, sensibles Thema. „Es gilt, eine strikte Netzwerktrennung umzusetzen, Tablets mit einer Sicherheitslösung für mobile Geräte zu schützen sowie Computer und Notebooks mit einer Antiviren-Suite abzusichern. Außerdem empfiehlt sich für Schulen der Einsatz einer Backup-Lösung mit einem klaren Disaster-Recovery-Plan“, erklärt Sünder weiter.
Auch „sollten dringend Lösungen für eine Multi-Faktor-Authentifizierung etabliert werden“, sagt Michael Schröder, Manager Security Business Strategy, Eset Deutschland. „Darüber hinaus sehe ich oft noch ungesicherte Microsoft-365-Umgebungen, sofern diese von den Schulen genutzt werden. Hier ist eine externe Bedrohungsabsicherung dringend notwendig. Da kommen auch externe Managed Detection und Response Services in Frage“, so Schröder weiter.
Sicheres Lernen beginnt bei digitalen Endgeräten: sei es ein Laptop, ein Tablet oder auch das private Handy, mit dem Vokabeln gelernt oder Übungsaufgaben bearbeitet werden.
Michael Schröder, Eset
Schulen sind für den Channel lukrativ
„Ich bin der festen Überzeugung, dass vor allem die dauerhafte Betreuung und Beratung – also das Servicegeschäft – für beide Seiten, Schulen sowie Hersteller und Systemhäuser, großes Potenzial bieten“, meint Schröder. Bildungseinrichtungen seien nicht in der Lage, genügend Fachkräfte auszubilden oder mit dem vorhandenen Budget zu rekrutieren.
Schröder empfiehlt Systemhäusern in der Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, nicht nur reaktiv, sondern proaktiv zu agieren. „Der Einsatz von EDR-Systemen wird gerade bei größeren Anlagen in Zukunft eine größere Rolle spielen. So ist beispielsweise die Anomalieerkennung für heutige Sicherheitskonzepte und die dringend notwendige Risikominimierung unabdingbar. Umsetzungsmodelle wie Managed Services in Verbindung mit zentralen Diensten (nicht nur in der Cloud) bieten aus unserer Sicht nicht nur viel Flexibilität für beide Seiten, sondern auch kalkulierbare und monatlich überschaubare Kosten.“
Stand: 08.12.2025
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Zuständigkeiten bei Schul-Digitalisierung
Die Frage nach der Verantwortlichkeit für die Umsetzung stellt sich in der Öffentlichkeit und Politik schon länger. Meistens liegt diese bei den Ländern. Wenn es um Budgets geht, spielt die Haushaltslage der jeweiligen Städte und Gemeinden eine Rolle.
Aber auch die Schulen sind hier nicht auszuschließen. „In der Pflicht sehe ich aber auch die Schulträger, die durch die Bundesländer und den Bund finanziell unterstützt werden müssen“, ergänzt Flierman. So könne man Lehrkräfte durch ansprechende und interaktive Lernmittel für den (sicheren) Einsatz digitaler Medien im Unterricht begeistern.
„Kommunen und IT-Dienstleister teilen sich die Aufgabe, eine stabilen Lernumgebung zu schaffen“, führt Furmaniak aus. Wäre da nicht der IT-Personal- und auch Lehrkräftemangel. Noch immer setzen viele Kommunen auf die Unterstützung der Lehrkräfte beim Support von Endgeräten. Eine zusätzlich belastende Aufgabe. Eine mögliche Lösung: „Die Schulen könnten verstärkt auf externe Dienstleister setzen, um ihre begrenzten IT-Ressourcen effizienter zu nutzen. Auch Cloud-Dienste können den Bedarf von IT-Personal und lokal zu administrierender Hardware reduzieren. Eine Möglichkeit sind auch Partnerschaften zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Firmen können Fachwissen und Ressourcen bereitstellen, um IT-Herausforderungen zu bewältigen“, schildert Flierman.
Bechtle bietet in diesem Fall beispielsweise gezielte Dienstleistungen an, wie Remote- oder Vor-Ort-Support für Schulen. „Wir bieten spezielle Schulungen und ganzheitliche Lösungen für Anwender und Schulen. Unser Ziel ist es, sensible Daten zu schützen und parallel modernes Lernen zu ermöglichen“, erläutert Furmaniak. „Die richtige Konfiguration und die Abstimmung der einzelnen IT-Komponenten untereinander sind ein wichtiger Bestandteil der Gesamtlösung – das ist Teil unserer Aufgabe.“