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Was ist Application Performance Management (APM)?

| Autor / Redakteur: Karsten Flott / Sarah Nollau

Grundlagenwissen zum IT-Business
Grundlagenwissen zum IT-Business (Bild: © adiruch na chiangmai - Fotolia.com)

Was ist Application Performance Monitoring? Was ist Application Performance Management? Was ist Application Intelligence? Karsten Flott, CER Sales Engineer Manager, AppDynamics, erklärt den Wert von APM – und beschreibt die verschiedenen Evolutionsstufen.

Die Entstehungsgeschichte des Application Performance Managements (APM) in vier Sätzen: Mit dem Aufkommen von web-, server- und schließlich cloudbasierten Anwendungen tat sich für viele Unternehmen ein Problem auf – die Performance und Verfügbarkeit ihrer Software war plötzlich nicht mehr so leicht zu handhaben wie früher. Gleichzeitig gewannen die Anwendungen jedoch zunehmend an Bedeutung: Fielen sie aus, kamen kritische Geschäftsprozesse zum Erliegen. Als technische Antwort auf diese beiden neuen Herausforderungen entwickelten verschiedene Anbieter Application-Performance-Management-Lösungen, die seither aus den IT-Landschaften von Unternehmen nicht mehr wegzudenken sind.

Überblick über Application Performance Management

Bei APM geht es ganz grundlegend darum, Auffälligkeiten im Verhalten von Anwendungen und ihrer Komponenten aufzudecken. Außerdem helfen entsprechende Lösungen, bei auftretenden Performance-Problemen oder Störungen möglichst schnell die Ursache ausfindig zu machen und zu beseitigen. Das Monitoring umfasst zum Beispiel die Hardware, auf der Anwendungen laufen, virtuelle Maschinen, Container, die Anwendung selbst sowie unterstützende Infrastruktur, etwa Netzwerkkomponenten, Datenbanken, Caches, externe Web-Services und Legacy-Systeme.

Zustand und Verhalten all dieser Komponenten wird in Form unterschiedlichster Metriken erfasst. Zusammengeführt ergeben diese Metriken ein holistisches Bild der Applikation. Um den Kennzahlen zusätzliche Aussagekraft zu verleihen, erfolgt darüber hinaus ein sogenanntes Baselining. Gemeint ist damit ein Abgleich der gegenwärtigen Performance mit historischen Daten. Wenn eine wichtige Transaktion etwa an Freitagen um 9 Uhr morgens typischerweise eine Antwortzeit von vier Sekunden aufweist, eines Tages aber erst nach acht Sekunden antwortet, muss eine APM-Lösung diese Anomalie umgehend erkennen und gegebenenfalls Alarm schlagen. Indem sie alle relevanten Informationen bündelt und bereitstellt, hilft sie dem zuständigen IT-Team, das zugrundeliegende Problem schnellstmöglich zu lösen. Darüber hinaus kann die APM-Lösung in vielen Fällen auch selbst aktiv werden. Geht es etwa um eine Cloud-Anwendung, kann sie bei Lastspitzen automatisiert zusätzliche Server hinzufügen, um für Ausgleich zu sorgen.

APM umfasst also folgende Elemente:

  • Erfassung sämtlicher Performance-Metriken in der gesamten Anwendungsumgebung
  • Zusammenführung, Aufbereitung und Interpretation dieser Metriken
  • Baselining, um Anomalien zuverlässig zu identifizieren
  • Aggregation aller relevanten Informationen, die zur Lösung eines erkannten Problems beitragen können
  • Alarmierung des zuständigen IT-Teams
  • Automatisierte Reaktionen auf vorher festgelegte Szenarien, um dem Auftreten von Performance-Problemen vorzubeugen

Nächster Halt: Application Intelligence

Mitunter ist nicht von Application Performance Management, sondern von Application Performance Monitoring die Rede. Gemeint ist damit die unterste Evolutionsstufe von APM, nämlich das reine Sammeln und Aufbereiten von Daten für den Endnutzer. Application Performance Management geht im Vergleich dazu schon einen Schritt weiter: Es erlaubt Nutzern, aktive Maßnahmen zu ergreifen, etwa einzelne Komponenten neu zu starten, Anpassungen an der Konfiguration vorzunehmen oder Scripts auszuführen, um weitere Informationen zu sammeln. Die aktuell höchste Evolutionsstufe von APM ist aber das, was wir bei AppDynamics als Application Intelligence bezeichnen.

Was macht eine State-of-the-Art-Lösung aus? Natürlich geht es auch um inkrementelle Verbesserungen der vorhandenen Features. So bedarf es einer größtmöglichen Detailtiefe, um Problemursachen zuverlässig identifizieren zu können, also etwa einer vollständigen Übersicht über Stack-Traces, Datenbankaufrufe und Log-Einträge. Außerdem ist von Bedeutung, dass alle Daten in Echtzeit bereitstehen – denn nur so lassen sich Probleme ohne Zeitverzögerung identifizieren und zeitnah beheben.

Prägend für die neueste Generation von APM-Lösungen ist jedoch der Blick für das große Ganze. Sie können heute nicht mehr nur Anwendungsumgebungen abbilden, sondern vollständige Geschäftsprozesse. Wichtig ist das für alle Unternehmen, deren Geschäftserfolg zentral von der Performance ihrer digitalen Angebote abhängt. Denn angesichts einer solchen Abhängigkeit können Anwendungsleistung und wirtschaftliche Performance nicht mehr getrennt voneinander gedacht werden – und sollten auch nicht mehr getrennt voneinander gemessen werden.

Latenzzeit in Euro umrechnen

Ein Beispiel für einen solchen Geschäftsprozess ist der Bestellvorgang in einem Onlineshop. Er lässt sich in mehrere Einzelschritte unterteilen: Zuerst ruft der Nutzer die Homepage auf, dann sucht er nach Produkten, legt seine Favoriten in den Warenkorb und vollzieht schließlich den Checkout. Händler überwachen diesen Prozess mit Business-Intelligence- und Marketing-Analytics-Werkzeugen – erfasst werden Metriken wie Konversionsrate, Warenkorbgröße und Umsatz. Negative Entwicklungen dieser Kennzahlen lassen sich somit zwar nachvollziehen, Rückschlüsse auf etwaige technische Ursachen einer schlechten Geschäfts-Performance sind jedoch nicht möglich. Ähnlich beschränkt funktionieren veraltete APM-Lösungen – wenn auch in umgekehrter Hinsicht: Sie schlagen zwar Alarm, wenn ein Festplattenschaden den Datenbankserver lahmlegt, aber sie sind nicht in der Lage, diese rein technische Information in den Kontext des betroffenen Geschäftsprozesses zu stellen.

Application-Intelligence-Lösungen leisten genau das: Sie untersuchen nicht nur technische Zusammenhänge, sondern auch inhaltliche und wirtschaftliche. Mit ihnen lassen sich beim genannten Beispiel etwa folgende Fragen beantworten: Wie viele Nutzer konnten ihren Einkauf aufgrund des Datenbankausfalls nicht abschließen? Sind die Namen dieser Nutzer bekannt? Was wollten sie einkaufen? An welchem Teilschritt des Kaufprozesses trat der Fehler auf? Was bedeutet das für die Umsatzentwicklung? Außerdem können solche Lösungen kausal verknüpfte Anwendungs- und Marketing-/Geschäftsmetriken, zum Beispiel Ladezeit und Ausstiegsrate, in einem gemeinsamen Dashboard abbilden.

Das Beispiel und die vorangegangene Schilderung zeigen ganz konkret, welche Potenziale APM und Application Intelligence bergen. APM hilft, eine konsistente Nutzererfahrung und einen reibungsfreien Ablauf kritischer Prozesse zu gewährleisten. Aber wie eingangs beschrieben, nimmt im Rahmen von Geschäftsmodellen, die zunehmend von Software abhängig sind, die Anwendungsleistung maßgeblichen Einfluss auf den Geschäftserfolg. Application Intelligence hilft IT-Verantwortlichen, diesen Zusammenhang transparent zu machen und nicht mehr nur eine bestmögliche technische, sondern auch eine bestmögliche wirtschaftliche Performance zu erreichen. Oder anders gesagt: Mit Application Intelligence wird es endlich möglich, Latenzzeit in Euro umzurechnen.

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