Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Das ist einerseits die Zeit, das vergangene Jahr zu reflektieren, aber auch, den Blick nach vorn zu richten. Was erwartet uns 2026? Wird es dann endlich mal besser? Was sind die Kernthemen? Welche Prognosen gibt es? Und wie müssen Unternehmen ihre Segel setzen?
Wie sollte man im IT-Channel die Segel setzen, um auch 2026 erfolgreich zu sein?
Die Wirtschaftsleistung steigt 2026 um 1,3 Prozent. Die Fiskalimpulse betragen 2026 voraussichtlich 38 Milliarden Euro. Die Regierung hat dem Gold Plating bei der Umsetzung von EU-Vorgaben eine Absage erteilt. Das NIS2-Gesetz ist in Kraft. Halleluja, könnte man jubeln. Es gab schon durchaus schlechtere Voraussetzungen, unter denen man in ein neues Jahr startete. Ist nun also die lange Flaute zu Ende? Kann man das Boot wenden und mit geblähten Segeln losrauschen? Und wenn ja, welches Ziel steuert man an? Wir haben uns in der IT-Branche umgehört, um herauszufinden, welchen Kurs sich Unternehmen für 2026 vornehmen.
Die gesamtwirtschaftliche Ausgangslage
Doch zunächst ein Blick auf die Großwetterlage der Gesamtwirtschaft. Laut ifo Institut steckt die deutsche Wirtschaft weiterhin in der Krise. Nach einer Stagnation in der ersten Jahreshälfte 2025 wird im laufenden Jahr ein Wachstum des preisbereinigten BIP von lediglich 0,2 Prozent erwartet. Für die beiden kommenden Jahre allerdings wird dann ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,3 und 1,6 Prozent prognostiziert. Zur Erholung, so heißt es, „trägt die Bundesregierung bei, sofern sie ihre Vorhaben, die sich aus der neuen Finanzverfassung für Infrastruktur und Verteidigung ergeben, entschlossen umsetzt.“ Die IT-Branche ist zwar im Vergleich zur Gesamtwirtschaft noch immer eine Insel der Glückseligen, doch ihre Kunden leiden weiterhin unter einer anhaltend schwachen Nachfrage bezüglich Waren und Dienstleistungen sowie unter einer Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsposition. Das Exportgeschäft wird zudem durch die US-Importzölle belastet. Hier versucht die Regierung gegenzusteuern. Lagen die Fiskalimpulse 2025 bei 9 Milliarden Euro, steigen sie 2026 laut Plan auf 38 Milliarden und 2027 auf 19 Milliarden Euro. Wenn das konsequent umgesetzt wird und dadurch die hohe Unsicherheit weicht, könnte die Finanzpolitik die deutsche Wirtschaft aus der Krise hieven.
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Statt vieler gleichzeitiger Projekte rücken Lösungen in den Vordergrund, die Abläufe vereinfachen oder Modernisierungsschritte ermöglichen.
Dr. Oliver Charles, Managing Director bei ITscope
IT-Channel: weiterhin positive Aussichten
Die Entwicklung im IT-Channel sieht wesentlich positiver aus. Der Druck, dass Unternehmen und die öffentliche Verwaltung digitalisieren müssen, spielt ihm in die Karten. Die Distribution verzeichnete so beispielsweise in den ersten zehn Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr werden gar 10 Prozent vorausgesagt, so die Marktforscher von GfK/NielsenIQ.
Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind laut Distributionsexpertin Tatjana Wismeth:
das Support-Ende von Windows 10,
der Erneuerungszyklus nach der Corona-Pandemie
und der Software-Bereich.
Dabei konnten vor allem kleine und mittlere Systemhäuser von der gestiegenen Nachfrage profitieren. Im Vergleich zum Vorjahr haben sie ein Umsatzplus von 6 Prozent erzielt. Das Geschäft mit größeren Systemhäusern hingegen habe sich nicht so stark entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr war es, Wismeth zufolge, sogar leicht rückläufig (minus 1 Prozent).
Dr. Oliver Charles, Managing Director bei ITscope
(Bild: ITscope)
Dass vor allem kleine und mittlere IT-Dienstleister 2025 gute Umsätze machen konnten, zeigen auch die Quartalszahlen der Synaxon. Die IT-Verbundgruppe verzeichnete zum Abschluss des dritten Quartals 2025 das bisher beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Bei der Comteam zeigt sich ein ähnliches Bild. Das spricht dafür, dass es den jeweils angeschlossenen Mitgliedsunternehmen gut geht. Dr. Oliver Charles, Managing Director bei ITscope, belegt diese Annahme: „Die Nachfrage ist weiter hoch. Zudem erkennen wir eine stärkere Ausrichtung hin zu Beratungs- und Serviceorientierung – weg vom reinen Produktverkauf, hin zum strategischen Partner. Statt vieler gleichzeitiger Projekte rücken Lösungen in den Vordergrund, die Abläufe vereinfachen oder Modernisierungsschritte ermöglichen. Investitionen folgen dabei klaren Business-Cases.“
Und diese spiegeln meist die großen Themen wider, die auch 2026 für Umsatz sorgen werden:
Cybersecurity, insbesondere NIS2,
Hybrid-Cloud-Szenarien, um Digitale Souveränität zu gewährleisten,
und natürlich KI.
Andreas Bichlmeir, Vorstand von Online USV-Systeme
(Bild: Gudrun Kaiser)
„Security wird ein Wachstumstreiber. Der Sicherheitsbedarf steigt rasant, gerade im Umfeld von KI, sensiblen Daten und kritischen Infrastrukturen“, ist Andreas Bichlmeir, Vorstand Online USV-Systeme, überzeugt. Zudem ist NIS2 nun endlich in Kraft und muss ohne Übergangsfrist auch umgesetzt werden. Unternehmen, die unter den erweiterten Anwendungsbereich fallen, müssen sich kurzfristig mit der Umsetzung und laufenden NIS2-Compliance-Projekten befassen und sich – je nach Einstufung – innerhalb von drei bzw. sechs Monaten beim BSI registrieren. Niclas Kunz, Senior Business Development Manager bei Arrow ECS: „Die neuen Meldefristen, wie die 24-Stunden-Erstmeldung bei Sicherheitsvorfällen, sowie organisatorische und technische Sicherheitsanforderungen gelten ab Inkrafttreten.“
Parallel dazu sieht Peter Neumeier, Channel Sales Director DACH bei Eset, dass der Bedarf an externen Security-Dienstleistern weiter steigt. Denn KMU haben oft nicht die nötigen Ressourcen oder das Knowhow im eigenen Haus. „Hier sehen wir großes Potenzial für vertrauenswürdige Anbieter mit klarer Herkunft und hohen Datenschutzstandards. ‚Made in EU‘ wird bei der Lösungsauswahl ein immer wichtigeres Kriterium.“ Und Michael Martens, CEO von Riedel Networks, ergänzt: „2026 wird das Jahr, in dem integrierte Sicherheit, Automatisierung und Digitale Souveränität nicht nur strategische Leitlinien, sondern betriebliche Notwendigkeit werden.“
Stand: 08.12.2025
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‚Made in EU‘ wird bei der Lösungsauswahl ein immer wichtigeres Kriterium.
Peter Neumeier, Channel Sales Director DACH bei Eset
KI wird Herzstück operativer IT
Markus Fritz, General Manager Acronis
(Bild: @Alessandro Castiglioni)
Nicht nur bei Security, sondern in fast jedem IT-affinen Umfeld spielt auch im kommenden Jahr KI eine entscheidende Rolle. Markus Fritz, General Manager bei Acronis: „Im Best Case setzt sich die aktuelle KI-Welle fort, in der Unternehmen Cybersicherheit und Datenschutz in integrierten Plattformen konsolidieren. Automatisierung, integrierte Wiederherstellung und gemeinsam verwaltete Bereitstellungen werden zum Standard und verbessern die Resilienz sowie die Margen für Partner und Kunden gleichermaßen.“ KI wird aber auch zum Herzstück der operativen IT, wie Jörg Karpinski, Sales & Marketing Director Germany bei Huawei, erläutert: „KI wird als ‚KI-Inside‘ integrativer Bestandteil von Hardware und somit auch Chancen für Partner und Kunden öffnen, die sich nicht mit Machine Learning, LLMs und Co. dediziert beschäftigen können. Der KI-Nutzen kommt quasi frei Haus.“
Und Michael Neuhold, Head of Channel Germany & Austria bei Lenovo, ergänzt: „Im Best Case sprechen wir Ende 2026 nicht mehr über das Potenzial von KI, sondern über konkrete Ergebnisse. KI ist dann fester Bestandteil der Geschäftsprozesse. Gleichzeitig verschiebt sich der Markt klar von reinen Geräteverkäufen hin zu serviceorientierten Nutzungsmodellen. Besonders im Channel sehen wir dafür enormes Potenzial: Der indirekte Vertrieb wird zum Katalysator, um KI-Lösungen skalierbar, profitabel und flächendeckend in den Markt zu tragen.“
Der indirekte Vertrieb wird zum Katalysator, um KI-Lösungen skalierbar, profitabel und flächendeckend in den Markt zu tragen.
Michael Neuhold, Head of Channel Germany & Austria bei Lenovo
Digitale Souveränität treibt Veränderung
Und dann ist da noch das Thema Digitale Souveränität, das vor einem Jahr noch niemand auf dem Radar hatte, um das sich aber auch künftig sehr viel drehen wird und auf das sich der Channel in Deutschland einstellen sollte. Hier liegt viel Geschäftspotenzial. Und natürlich hat das direkte Auswirkungen auf die Cloud-Strategie. Arno Schäfer, CEO von UpCloud, bringt es auf den Punkt: „Die Hybrid-Cloud wird zur Pflicht: Unternehmen müssen flexibel und nahtlos zwischen Private sowie Public Clouds wechseln können, ohne ihre Datenhoheit zu verlieren.“ Viele Unternehmen machen sich jetzt wahrscheinlich erstmals wirklich Gedanken über eine Cloud-Strategie und stellen sich Fragen wie: Wo liegen meine Daten? Welche Cloud verwende ich wofür? Und das wird zu einem riesigen Markt für Beratung und Orchestrierung – ein Markt, bei dem viele Themen zusammenkommen. Deutlich wird das bei folgendem Kommentar von Neumeier: „Im besten Fall setzen Unternehmen weiterhin verstärkt auf europäische Lösungen und investieren aktiv in ihre IT-Sicherheit. In diesem Umfeld erwarten wir ein zweistelliges Wachstum im B2B-Channel in der DACH-Region. Davon profitieren auch unsere Partner, die sich klar auf IT-Sicherheit fokussieren.“ Auch Online USV hat die Weichen gestellt: „Fachhändler müssen sich stärker auf ihr Kerngeschäft fokussieren. Wir investieren deutlich in unseren Support: Unser Serviceteam ist bereits personell verstärkt, und unser Schulungsangebot wächst 2026 weiter, damit Partner ihren Servicegrad erhöhen und Projekte schneller umsetzen können.“
2026 wird ein Jahr der Ausrichtung und Strukturierung. Dabei spielen Reseller in ihrer neuen Rolle als Motivator und Enabler von Wachstum und Transformation eine zentrale Rolle.
Joerg Karpinski, Sales Director Gemany bei Huawei
Spezialisierung wird wichtiger
Emily Raidt, Channel Sales DACH bei Ionos
(Bild: Ionos)
Wohin also segelt der Channel im kommenden Jahr? Ein Beispiel einer zukunftsfähigen Business-Strategie sieht Emily Raidt, Team Lead Channel bei Ionos: „Im nächsten Jahr wird es enorm wichtig sein, sich zu spezialisieren und Lösungen für einzelne Branchen entlang konkreter Use Cases zu bauen. Punkten werden die Partner mit wirklich speziellen Lösungen.“ Auch Karpinski ist verhalten optimistisch: „2026 wird ein Jahr der Ausrichtung und Strukturierung. Eine Stagnation in der Geschäftsentwicklung ist demnach nicht zu erwarten. Der deutsche Markt hat eine realistische Chance, zu neuer Bedeutung zu gelangen. Dabei spielen Reseller in ihrer neuen Rolle als Motivator und Enabler von Wachstum und Transformation eine zentrale Rolle.“ Und Charles von ITscope ergänzt: „Für 2026 rechnen wir nicht mit großen Sprüngen, sondern mit einer kontinuierlichen Entwicklung und klaren Schwerpunkten. Der Markt bleibt aktiv, aber selektiver. Investiert wird dort, wo der Mehrwert sichtbar ist – in Infrastruktur, Mobilität und modernisierte Arbeitsumgebungen. 2026 wird ein Jahr kluger Entscheidungen und gezielter Technologieeinsätze.“
Der Wind scheint also günstig zu stehen. Die Ziele sind definiert, die nötigen Tools an Bord. Wenn die Branche jetzt noch ihre Mannschaft weiterhin mit auf die Reise nehmen kann und in Weiterbildung und Schulungen investiert, ist 2026 Land in Sicht.