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CHANNEL FOKUS: USV, Kühlung & Klimatisierung

USV: Das erste Layer der IT-Security

| Autor: Dr. Andreas Bergler

Bernd Dürr, Geschäftsführer von Dürr/ RZ
Bernd Dürr, Geschäftsführer von Dürr/ RZ (Bild: Bernd Dürr)

Der Schutz von Daten reicht bis auf die physische Ebene, die Stromversorgung und den reibungslosen Betrieb. Bernd Dürr von Dürr/ RZ zeigt, warum die Sicherheit von Rechenzentren großes Geschäftspotenzial für den Channel birgt.

In einer Zeit, in der die Cloud immer mehr den Ton angibt, sind Rechenzentren doch auf dem Rückzug. Lohnt es sich für mittelständische Systemhäuser da überhaupt noch, sich in Planung, Design und Absicherung von Rechenzentren schlau zu machen?

Dürr: Ja auf jeden Fall. Die Cloud ist ja nicht irgendwas, sondern auch diese Daten müssen in Rechenzentren gespeichert und verarbeitet werden. Dies geschieht meist noch in den größeren Rechenzentren. Aber auch die kleineren IT-Räume und Rechenzentren haben Ihre Berechtigung. Speziell meine Landsleute aus dem schwäbischen Raum tun sich aus gutem Grund schwer damit, ihre Daten großen Unternehmen zu übermitteln und nicht zu wissen, wo sie lagern und was mit ihnen passiert. Da fühlt sich ein Unternehmer doch wesentlich wohler, wenn er weiß, welchem Systemhaus beispielsweise er seine Daten anvertraut. Zudem stellt man gerade fest, dass die Verteilung der Daten auf viele kleine Rechenzentren ähnlich eines Raid-Systems viel verfügbarer ist, als alles in einem Rechenzentrum zu sammeln.

Viele große Hersteller bieten mittlerweile Rechenzentren oder Server-Verbundsysteme als Container-Lösungen an. Wie sehen Sie den Markt hierfür?

Dürr: Wenn’s passt sind Container-Lösungen ideal. Jedes Rechenzentrum ist jedoch ein Unikat, und so kommt es auf die Gegebenheiten und Schwerpunkte an, ob ein Container-Rechenzentrum besser und wirtschaftlicher ist oder doch die konventionelle Bauweise. Der Markt ist auf jeden Fall da, aber eine pauschale Antwort lässt sich hier nicht geben.

Wie beurteilen Sie den Reifegrad von Lithium-Ionen-Akkus in USVs?

Dürr: Lithium-Ionen-Akkus haben meiner Meinung nach im Rechenzentrum keine wirklichen Vorteile wie wir sie aus anderen Bereichen kennen, sondern teilweise sogar Nachteile. Die Gefahren, die nach wie vor von den wesentlich teureren Lithium-Ionen-Akkus ausgehen, sind nicht unerheblich. Speichersysteme in Rechenzentren müssen nicht in Rekordzeit geladen werden können, da in der Regel eine Netzersatzanlage Stromausfälle überbrückt. Außerdem muss man die höheren Energien beim Schnellladen auch erst mal aufbringen und die gesamte Installation unter Umständen größer dimensionieren. Der reduzierte Platzbedarf um den Faktor 2 und die Gewichtsreduktion um den Faktor 3, sowie die mögliche höhere Betriebstemperatur bis 40°Celsius sind sicherlich Vorteile, die jedoch wirtschaftlich den höheren Invest keinesfalls auffangen. Fängt ein Lithium-Ionen-Akku aufgrund des aus dem Ruder gelaufenen Lade- und Entladevorganges zu brennen an, ist ein Löschen kaum noch möglich. Der Reifegrad ist also noch nicht so, dass ich sie im Rechenzentrum einsetzen würde.

Eine USV ist ein wichtiges Element zur Absicherung von IT-Equipment. Wieviel Prozent der gesamten Investitionssumme für ein Rechenzentrum sollten Unternehmen für USVs ausgeben?

Dürr: Die USV hat ja nicht nur die Aufgabe, bei Stromausfall die Energieversorgung aufrechtzuerhalten, sondern sie hat auch eine Filterfunktion. Online-USV-Anlagen filtern durch ihre Doppelwandlertechnik sämtliche Netzunreinheiten vor der USV-Anlage heraus und liefern einen sehr guten Sinus am Ausgang. Daher ist die USV-Anlage eines der wichtigsten und elementarsten Teile zur Versorgung des IT-Equipments auf allen Versorgungspfaden. Je nach Verfügbarkeitslevel gibt es hier schon Unterschiede (zwischen 1 USV-Anlage und 2 (N+1)-USV-Systeme). Kostentreiber bei den USV-Anlagen sind zudem die Autonomiezeit (Überbrückungszeit bei Netzausfall). Sofern eine Netzersatzanlage bei Stromausfall binnen Sekunden die Stromversorgung wieder herstellt, reichen bei der USV-Anlage wenige Minuten Autonomiezeit. Ist keine Netzersatzanlage im Versorgungsnetz vorhanden, benötigt es eine Autonomiezeit, die sicherstellt, dass IT-Systeme noch geregelt heruntergefahren werden können. Dies Zeit kann oft sehr lange sein, sofern die System manuell heruntergefahren werden müssen und nachts und am Wochenende noch die Anfahrt der Administratoren berücksichtigt werden muss. Aus oben genannten Gründen lässt sich auch nicht beziffern, wie viel Prozent der Gesamtinvestition in die USV-Technik gesteckt werden sollte, da es doch sehr von den Anforderungen abhängt.

Welche Argumente sprechen für eine Erweiterung der physischen Absicherung von IT-Equipment über die sichere Stromversorgung hinaus? Und wie viel sollte in Kühlung und Klimatisierung investiert werden?

Dürr: Die Kühlung hat den gleichen Stellenwert, wie die Stromversorgung. Was bringt eine sichere Stromversorgung, wenn das IT-Equipment aufgrund Überhitzung abschaltet? Während jedoch eine Stromversorgung nie ausfallen darf, darf eine Klimatisierung für kurze Zeit ausfallen. Je nach Packungsdichte reichen jedoch Sekunden, bis das IT-Equipment überhitzen kann. Da ein Ausfall im Sekundenbereich tolerierbar ist, wird die Klimatechnik auch nicht über USV versorgt, aber zumindest über eine Netzersatzanlage, die in der Regel nach spätestens 15 Sekunden die Stromversorgung wieder sicherstellt. Und auch bei der Kühlung hängt es vom Verfügbarkeitslevel ab, wie viele Redundanzen vorgesehen werden müssen und somit was investiert werden muss.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach umfassenden Monitoring-Lösungen für die Absicherung der IT-Infrastruktur?

Dürr: Monitoring ist heute wichtiger denn je, auch weil es eine Vielzahl von bezahlbaren Systemen mittlerweile am Markt gibt. Die beste Anlage und Redundanz bringt nicht viel, wenn ein Fehler oder Ausfall nicht bemerkt wird. Da ist die ganze Verfügbarkeit wieder dahin. Daher ist es sehr wichtig, die Anlagen in ein Monitoring einzubinden und Warnungen, Alarme oder auch Grenzwertüberschreitungen so zu melden, dass deren Ursache auch schnell behoben werden kann. Heutzutage gibt es bereits einfache Lösungen zu bezahlbaren Kosten, weshalb die Nachfrage selbstverständlich dadurch auch steigt.

Wie hat sich die Unterstützung seitens der Hersteller und Distributoren im Umfeld von USV, Kühlung & Klimatisierung verbessert?

Dürr: Das ist allgemein nicht zu beantworten, da es immer stark von den handelnden Personen abhängt. Ich habe da meine Quellen, die mich immer sehr gut unterstützen. Selbstverständlich empfehle ich dann auch meinen Kunden, genau diese Hersteller und Distributoren einzusetzen. Es kann immer mal was schiefgehen. Entscheidend ist jedoch, dass trotzdem an der Problemlösung schnell und professionell gearbeitet wird und die Ansprechpartner kompetent sind. Das macht für mich neben der Produktqualität einen guten Hersteller und Distributor aus. Da die Unterstützung bei mir jedoch schon immer gut war, kann ich keine Verbesserung erkennen. Was will man noch groß verbessern ,wenn man eh schon gut ist?

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