Nachhaltigkeit der IT wird zum Entscheidungskriterium Umweltbewusstsein lockt Tech-Investoren und Kunden an

Von Elke Witmer-Goßner

Für europäische Tech-Investoren wird das Innovationskriterium „Nachhaltigkeit“ immer bedeutsamer. Nachhaltigkeit als Teil einer Unternehmensstrategie macht diese Unternehmen für Geldanleger also interessanter.

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Gesellschaftliche und ökologische Themen werden – über das rein Geschäftliche hinaus – die Kaufentscheidung bei IT-Lösungen, aber auch die Investitionsfreude beeinflussen.
Gesellschaftliche und ökologische Themen werden – über das rein Geschäftliche hinaus – die Kaufentscheidung bei IT-Lösungen, aber auch die Investitionsfreude beeinflussen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der von Impact House in Zusammenarbeit mit Rendit, tech2impact und der Greentech Alliance veröffentlichte Bericht „Sustainability for Tech“ zeigt einen offensichtlichen Trend zu mehr Investitionen in nachhaltige Unternehmen. So gab knapp ein Drittel der befragten Investoren an, zukünftig den größten Teil ihrer Gesamtinvestitionen in nachhaltige Unternehmen tätigen zu wollen. 20 Prozent wollen in Zukunft mindestens die Hälfte ihrer Investitionen generell nachhaltiger gestalten. 68 Prozent sind sich einig, dass Nachhaltigkeit als Teil einer Unternehmensstrategie die Attraktivität eines Unternehmens für Investitionen erhöht.

Darüber hinaus können Kriterien der Environmental Social Governance (ESG) und Sustainable Development Goals (SDG) Investoren dabei helfen, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen von anderen zu unterscheiden. Neben der Nachhaltigkeit sind das Wertversprechen eines Start-ups, Skalierbarkeit und das Gründerteam weitere maßgebliche Faktoren, die externe Geldgeber laut den Umfrageergebnissen bei ihren Investitionen berücksichtigen.

74 Prozent der Befragten nannten „persönliche Vorlieben“ als Hauptgrund für Investitionen in nachhaltige Unternehmen. Neben Nachhaltigkeit sind vor allem höhere Renditen (36 %) und ein geringeres Investitionsrisiko (25 %) wichtig, aber auch leichtere Mittelbeschaffung (16 %) oder bessere Möglichkeiten für den Zugang zu öffentlichen Mitteln (15 %). Der „Sustainability for Tech“-Bericht enthält außerdem Erkenntnisse über die gängigsten Prozesse zur Messung und Verfolgung von Nachhaltigkeit und die größten Herausforderungen, mit welchen sich die Investorengemeinschaft konfrontiert sieht.

Die aus dem Bericht gezogenen Schlussfolgerungen beruhen auf einer Umfrage bei über 200 europäischen Tech-Investoren. Diese sind mehrheitlich in VC-Fonds oder Acceleratoren in ganz Europa tätig – Mitteleuropa ist dabei mit 15 Prozent der stärkste Markt, gefolgt von, Osteuropa (12 Prozent), den baltischen (16 Prozent) und nördlichen (20 Prozent) Märkten. Der „Sustainability for Tech“-Report wurde von Impact House veröffentlicht, einer Nachhaltigkeitsberatung für schnell wachsende Technologieunternehmen. Die Umfrage entstand in Zusammenarbeit mit der GreenTech Alliance, einem Bündnis zur Unterstützung der Greentech-Gemeinschaft, Rundit, Software für Portfoliomanagement und tech2impact.com, einer globalen digitalen Drehscheibe für Impact Tech.

Anwender werden „Green Clouds“ bevorzugen

Doch nicht nur für Investoren sind nachhaltig wirtschaftende Unternehmen von Interesse. Auch die Kunden werden in Zukunft genauer hinschauen, wenn es um Kaufentscheidungen geht. Das Analystenhaus Gartner prognostiziert, dass die Kohlenstoffemissionen der Hyperscaler die Kaufentscheidungen für Cloud-Lösungen bis 2025 beeinflussen werden.

Da Umwelt-, Sozial- und Governance-Prioritäten (ESG) sowie die Berichterstattung in den Unternehmen immer mehr Beachtung finden, haben mehr als 90 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen in Nachhaltigkeitsprogramme seit Beginn der Pandemie im Vergleich zu 2017 erhöht. Umso aufmerksamer werden sie Anbieter und Partner beobachten und vergleichen, wie diese sich beim Umwelt- und Klimaschutz positionieren.

Laut Gartner entfallen 70 Prozent aller IT-Ausgaben für Cloud-Infrastrukturen, -Plattformen und -Anwendungen auf die zehn größten Cloud-Anbieter (nach Umsatz). Daher werden Nachhaltigkeitsinitiativen für die Cloud auch bei den führenden Cloud-Anbietern beginnen, die zu den weltweit größten Betreibern von Rechenzentren gehören und für die Reduzierung der IT-bedingten Kohlenstoffemissionen von entscheidender Bedeutung sind.

„Obwohl im Grunde alle Cloud-Anbieter über Nachhaltigkeitsinitiativen verfügen, variieren ihre Fortschritte bei der Erreichung von Zielen zur Kohlenstoffreduzierung und Strategien zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen stark“, sagt Ed Anderson, Distinguished Research Vice President bei Gartner. Im Moment seien aber Nachhaltigkeitsmetriken und Tools zur Platzierung von Workloads noch unausgereift und nicht immer transparent, so dass es für Unternehmen schwierig sei, die tatsächlichen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Cloud-Nutzung vollständig und genau zu bewerten.

Die Hyperscaler würden aber „aggressiv“ in den nachhaltigen Betrieb und die Bereitstellung von Cloud-Diensten investieren, um innerhalb des nächsten Jahrzehnts oder sogar noch früher Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Anderson erwartet daher „eine zunehmende Verfügbarkeit von Tools, die Unternehmen dabei helfen, ihre Kohlenstoffemissionen durch die effektive Nutzung von Cloud-Services zu berechnen und zu reduzieren, so wie Tools, die bei der Optimierung der Cloud-Ausgaben heute helfen.“ Der Druck der Stakeholder werde sie zunehmend veranlassen, ihre Nachhaltigkeitsinformationen öffentlich zu machen.

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