Partnerkongress 2023 Starface und Estos: „Synergy creates Energy“

Von David Binnig 5 min Lesedauer

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Auf dem Partnerkongress in Rust schärften die beiden Schwesterunternehmen der SF Technologies Group ihre Zweimarkenstrategie. Auch langfristige Pläne zur Internationalisierung sowie die Nutzbarkeit von KI standen auf der Agenda.

Alexander Seyferth, neuer Geschäftsführer bei Estos, und Starface-CEO Florian Buzin (v.l.) sprechen auf dem gemeinsamen Partnerkongress mit mehr als 500 Teilnehmenden über die Zweimarkenstrategie der Gruppe.(Bild:  Harald Peter Fotografie)
Alexander Seyferth, neuer Geschäftsführer bei Estos, und Starface-CEO Florian Buzin (v.l.) sprechen auf dem gemeinsamen Partnerkongress mit mehr als 500 Teilnehmenden über die Zweimarkenstrategie der Gruppe.
(Bild: Harald Peter Fotografie)

Im Jahr 2019 machte der Karlsruher UCC-Hersteller Starface noch rund 60 Prozent seines Umsatzes mit Appliances, während 30 Prozent des Umsatzes auf die Cloud und 10 Prozent auf VM-Lizenzen entfielen. Drei Jahre und eine Sonderkonjunktur später hat sich das Blatt gewendet, wie Florian Buzin, CEO von Starface, erklärt: „Für uns gesehen ist es heute ein 50-50-Geschäft bei Neukunden. Die eine Hälfte will in die Cloud, die andere nicht. Wir kommen aber aus einer Zeit, in der wir von 30, 20 ,15 Prozent Cloud gesprochen haben. Da hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren ein unglaublicher Schritt nach vorne getan.“

Marktpotenziale erkennen und gemeinsam nutzen

Die Gruppe, welche dieses Jahr nach eigenen Angaben erstmals einen Umsatz von über 40 Millionen Euro erreichen wird, stellt sich nach der pandemiebedingten Sonderkonjunktur in den vergangenen Jahren auf eine etwas schwierigere Marktlage ein. Buzin macht den Mitgliedern und Partnern der Gruppe jedoch Mut: Das Thema Veränderung in der Telekommunikation werde auch weiterhin viele Unternehmen beschäftigen. Der Wandel zugunsten von Cloud-Telefonie biete zudem eine Chance, den Markt aktiv mitzugestalten und zu transformieren. „Wenn wir es richtig angehen, sind die nächsten Jahre in der Telekommunikation die Goldenen Zwanziger“, so Buzin in seiner Eröffnungs-Keynote.

Cloud-Telefonie im Europa-Vergleich

Das Potenzial dazu ist auf jeden Fall vorhanden. Laut einem Marktreport der Cavell Group nutzten im Jahr 2023 lediglich 12,9 Prozent der deutschen Unternehmen Telefonie aus der Cloud. Damit liegt die Bundesrepublik in Europa auf den hinteren Rängen. Andere Länder wie Spanien mit 40,4 Prozent oder UK mit 38,9 Prozent sind hier weiter.

Gerade deshalb prognostizieren die Analysten von Cavell, dass das Wachstum im deutschen Cloud-PBX-Markt in den kommenden Jahren rasant zunehmen wird. Ihrer Prognose zufolge soll der Cloud-Anteil im deutschen TK-Markt im Jahr 2027 bei beeindruckenden rund 87 Prozent liegen. Eine Zahl, die für Buzin etwas zu hoch gegriffen ist. Er stellt eine konservativere Prognose auf und geht davon aus, dass Cloud-Telefonie in den nächsten fünf Jahre einen Anteil von 45 Prozent am deutschen Gesamtmarkt ausmacht. „Der Markt ist da, wir müssen ihn nur bedienen“, fügt Buzin hinzu.

Umbau gen Recurring-Business

Fest steht aber: Die Cloud und die daraus emergierenden Elemente bringen Veränderungen mit sich. Das zeigte sich auch erst kürzlich innerhalb der Gruppe. Vor dem Hintergrund der strategischen Ausrichtung in Richtung Cloud und wiederkehrende Umsätze für das komplette Produktportfolio verließ die Geschäftsführung von Estos im April dieses Jahres kurzfristig das Unternehmen. Diese war nicht restlos von der strategischen Neuausrichtung überzeugt gewesen. Um das Tempo der Gruppe nicht zu bremsen sei die Trennung ein notwendiger, aber auch logischer Schritt gewesen, so Buzin.

Nach einer Übergangsphase in der Führungsetage gab nun der neue Estos-CEO Alexander Seyferth auf dem Partnerkongress in Rust sein Debüt. Die Ernennung von Seyferth signalisiert einen klaren Fokus auf die Weiterentwicklung der Mission der Gruppe. Der studierte Militärhistoriker war in der Vergangenheit unter anderem in der Softwarebranche tätig und hatte sich vor seiner Zeit im Interimsmanagement intensiv mit SaaS-Produkten auseinandergesetzt. Er kennt die Vorteile sowie Tücken des Geschäftsmodells und weiß worauf es ankommt, wenn es darum geht neue Möglichkeiten in einem sich wandelnden Marktumfeld zu erschließen.

Im Fokus: Zweimarkenstrategie vorantreiben

Bei den beiden Schwestergesellschaften soll es nun vor allem darum gehen, voneinander zu lernen und gemeinsam klug im Markt zu agieren. Dabei sind die Rollen der beiden Marken relativ klar verteilt. Bei Starface geht es um den Wechsel von On-Prem zur Cloud, also von analog zu IP-Telefonie. Estos kann mit allen Anlagen im TK-Markt sprechen, entweder über die alten Protokolle oder die neue Welt. Dabei gibt Estos als USP die Themen Multisite und Multivendor an. Die Starnberger sind damit - wenn man so will - das Schweizer Taschenmesser in der TK-Welt. Starface setzt einen klaren Schnitt und möchte jene adressieren, die zeitnah zu 100 Prozent in die Cloud migrieren möchten.

Dadurch soll jedes Kundenszenario bedient werden. Sorgen darum, dass die Marken durch die engere Verschmelzung an Profil verlieren, gibt es laut Buzin nicht. Seyferth führt zudem aus: „Die Partnervertriebe sind intensiv im Kontakt mit den Kunden. Sie müssen gemeinsam mit dem Vertriebskollegen individuelle Szenarien entwickeln.“ Starface adressiert primär Kunden aus dem KMU-Sektor, während Estos traditionell im Enterprise-Geschäft zuhause ist.

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Als paneuropäischer Player etablieren

Auf der Agenda für die kommenden Jahre steht außerdem das Thema der Internationalisierung mit einem Fokus auf europäische Märkte. Hier gäbe es laut Buzin seit fünf bis sieben Jahren einen verstärktes Bestreben von Unternehmen, sich als paneuropäischer Player zu etablieren. Kein einfaches Unterfangen, berücksichtigt man die Hürden, welche durch unterschiedliche Sprachen, Ländergrenzen und Provider in Europa auftreten. „Ich teile inzwischen die Vision, dass es Europa guttun würde, einen oder mehrere solcher Player zu haben. Und hier wollen auch wir langfristig hin“, erklärt der Starface-CEO.

Fusionen und Übernahmen sind eine wichtige Säule für alle UCaaS-Anbieter, um sich ein einem konsolidierenden Markt behaupten zu können. Es ist deshalb zu erwarten, dass sich die Gruppe im Rahmen ihrer langfristigen Roadmap um weitere Schwesterunternehmen erweitert. Verkündet wurde auf dem diesjährigen Kongress zwar noch nichts, jedoch dürfte es hier in Zukunft spannend bleiben.

KI in TK-Welten

Nicht weniger spannend ist das Thema der generativen künstliche Intelligenz (GenAI). Buzin und Seyferth sind sich sicher, dass KI auch die TK-Branche verändern wird. Für Starface, Estos und Partner sollen sich künftig spannende Chancen ergeben.

Estos zeigte beispielsweise auf, dass ChatGPT nun direkt in den Estos-Chat integriert ist. Dies ermöglicht es Unternehmen, ihre Hausdokumentation direkt über ChatGPT zu konsultieren und eine wertvolle Unterstützung für unversierte Mitarbeiter zu bieten. Laut Seyferth müsse es dabei vor allem darum gehen, den Ease-of-Use zu erhöhen um möglichst viel Erfahrung im Umgang mit KI-Tools und deren Potenzial zu sammeln. „Es gibt immer noch erstaunlich viele, die dort Hemmschwellen haben. Wenn man dies direkt in die Applikation einbindet, profitiert man insofern, dass Vorgänge verdichtet und so schneller genutzt werden.“

Starface 8 und Apple Car Play

Auf dem Partnerkongress gab es wie in jedem Jahr auch Updates aus der Starface-Produktküche. So steht ab sofort Usern die neue Starface-App für macOS als Early-Access-Version zur Verfügung. Diese bietet ein smartes neues Workspace-Konzept, mit dem de digitale Arbeitsplatz in Unternehmen individuell gestaltet werden kann.

Das neue Release Starface 8.1 bietet eine Reihe praktischer Neuerungen für den Alltag von Usern sowie für die Installation und Administration von Starface-Anlagen. Vor Ort wurde die neue Version im Detail vorgestellt. Zu den Highlights zählen individuell anpassbare Workspaces, ein Floating Call Manager und ein Fokusbereich. Ein weiteres Feature der App ist die sogenannte Quick-Access-Bar. Hier kann die Anwendung zu einer schmalen Leiste am Bildschirmrand minimiert werden, die weiterhin Zugriff auf die wichtigsten Features erlaubt.

Ein weiteres Highlight war die Präsentation von Starface im Zusammenspiel mit Apple CarPlay. Die Starface App für iOS lässt sich nun nahtlos in Apple CarPlay integrieren, was es Vielfahrern ermöglicht, Anrufe über das Display ihres Fahrzeugs zu initiieren, Anruflisten einzusehen und auf das Starface-Adressbuch zuzugreifen.

Der kommende Starface-Kongress findet vom 25. bis 26. September 2024 erneut unter dem Motto „VoIP your World“ im Europapark Rust statt.

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