Interview mit Heribert Fritz, CEO bei Fritz & Macziol „Spezialisierung ist ein wichtiger Baustein im Generalistentum“

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Sarah Maier / Sarah Gandorfer

Auch für Trendthemen wie Big Data oder Cloud braucht es ein gutes Hardware-Fundament. Heribert Fritz, Mitbegründer und CEO von Fritz & Macziol, erklärt, wie das Ulmer Systemhaus diese Basis schafft und wie sich der IT-Dienstleister auf künftige Herausforderungen vorbereitet.

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Heribert Fritz, Geschäftsführer bei Fritz & Macziol
Heribert Fritz, Geschäftsführer bei Fritz & Macziol
(Foto: visuelle kommunikation – paqui garcía-arias)

ITB: Fritz & Macziol (F&M) behauptet von sich, sowohl Generalist wie auch Spezialist zu sein. Können Sie dies bitte etwas näher erläutern?

Fritz: Wir sind in Ulm gestartet, in einer wirtschaftlich gesunden, sehr mittelständisch geprägten Region – das gilt sowohl für den bayerischen als auch für den baden-württembergischen Teil Schwabens. Und der mittelständische Unternehmenskunde möchte keinen 20 Leuten gegenübersitzen, von denen jeder ein anderes Aufgabengebiet vertritt, sondern er will einen einzigen Verantwortlichen. Zu unserer Gründungszeit waren die Anbieter von Hardware, Software und Consulting zumeist separiert. Fritz & Macziol war damals eines der ersten Systemhäuser, das alles aus einer Hand anbot. Was die Spezialisierung betrifft, so haben wir tiefes Fachwissen in bestimmten IT-Bereichen. Das zeigt sich durch den höchsten Partnerstatus beispielsweise bei Cisco, EMC, IBM, Microsoft oder SAP. Spezialisierung ist ein wichtiger Baustein im Generalistentum.

ITB: Da die Definition eines mittelständischen Unternehmens vielfach unterschiedlich ausfällt –wieviele IT-Arbeitsplätze fallen bei Ihnen darunter?

Fritz: Wir sprechen ab 500 IT-Arbeitsplätzen von Mittelstand und bis zu 15.000 von gehobenem Mittelstand.

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ITB: Fritz & Macziol gehört zum niederländischen Imtech-Konzern. Welche Auswirkungen hat dies auf das IT-Geschäft in Deutschland?

Fritz: 2006 übernahm Imtech Anteile an Fritz & Macziol. Dabei forciert Imtech eine dezentrale Konzernstruktur. Jede der dazugehörigen Firmen kann weitestgehend unabhängig arbeiten und gleichzeitig Synergien nutzen. Im gesamten Imtech-Konzern sind rund 29.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die F&M-Gruppe macht mit circa 1.000 Mitarbeitern gerade einmal den neunundzwanzigsten Teil davon aus. Auf der Ergebnisseite ist unser Anteil jedoch höher. Wir sind der größte Part der ICT-Division. Als Konzernmitglied können wir von Synergien mit anderen Divisionen, wie zum Beispiel dem Netzwerk-Know-how der englischen Tochter oder dem Data-Center-Bereich der Imtech Deutschland, profitieren. Es ist ein gegenseitiges Befruchten: Für ein Projekt mit der New Castle University brauchten die Engländer beispielsweise unsere Hilfe, denn diese Universität hat Außenstellen in Malaysia und Singapur. Mit unserer Tochter Fritz & Macziol Asia, konnten wir dort unsere Dienste anbieten und das Projekt absichern.

ITB: Die Zugehörigkeit zu einem so großen Konzern mag viele Vorteile haben, aber was passiert, wenn die Dachorganisation in Turbulenzen gerät? Erst vor kurzem musste die Imtech Betrugsfälle in Polen und Deutschland bekanntgeben. Der Schaden belief sich eigenen Angaben zufolge auf 370 Millionen Euro. Hatte das Auswirkungen auf die F&M?

Fritz: Diese Betrugsfälle hatten nichts mit der F&M direkt zu tun, da es sich um den Bau-Bereich handelte. Das Ganze schlug sich allerdings massiv auf den Aktienkurs der Imtech nieder, so dass wir kurz vor unserem Kickoff für das erste Quartal 2013 einen Schreck bekommen haben. Doch es wirkte sich nicht finanziell auf die F&M aus. Mittlerweile sind die Fälle geklärt und die dadurch entstandene Finanzierungslücke ist behoben.

ITB: Das dürfte auch Folgen für das Jahresergebnis haben. Im Geschäftsjahr 2012 konnte F&M sich mit 364 Millionen Euro Umsatz um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Wie sieht es nach einem in der IT-Branche allgemein schwachen ersten Quartal und den Problemen der Muttergesellschaft im Moment aus?

Fritz: Nach einem schwachen ersten Quartal sind wir im ersten Halbjahr gut unterwegs. Mit einer 30-prozentigen Steigerung gegenüber dem Vorjahr ist allerdings diesmal nicht zu rechnen – wir haben uns realistische Ziele gesetzt. Wir sind im 27sten Geschäftsjahr und konnten uns in den vergangenen 17 in Folge durchschnittlich um circa 30 Prozent beim Umsatz und im Ergebnis verbessern. Selbst im Krisenjahr 2009 – darauf waren wir immer besonders stolz. Das liegt daran, dass wir ein bisschen eine eigene Konjunktur, ein gutes Portfolio, ein gutes Team aber auch sehr gute Kunden haben.

ITB: Hat der Weggang der kompletten kölner F&M-Microsoft-Mannschaft hin zum IT-Dienstleister ACP auch eine Rolle bei dem Ergebnis für das erste Quartal gespielt?

Fritz: Das spielt natürlich auch ein wenig in die Zahlen hinein.

ITB: Andererseits hat F&M gleichzeitig ein ganzes Team der Comparex in Leipzig abgeworben und wurde gerade vom CRF-Institut in Deutschland als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. Wie kommt es dann dazu, dass eine ganze Abteilung einfach geht?

Fritz: Die Auszeichnung freut mich natürlich sehr. Das CRF-Institut nimmt dazu verschiedene Bereiche wie Karrieremöglichkeiten, Unternehmenskultur Work-Life-Balance sowie Training und Entwicklungsmöglichkeiten unter die Lupe. Alles in allem haben wir es unter die Top 10 geschafft, im Segment Training und Entwicklung kamen wir sogar auf den zweiten Platz. Das macht das Unternehmen zum attraktiven Arbeitgeber. Hinsichtlich des Weggangs unseres Microsoft-Teams muss man jedoch auch selbstkritisch sein. Wir wollen jeden Mitarbeiter auf unseren Weg mitnehmen und haben die Zeichen in Köln nicht erkannt. Andererseits, wenn eine ganze Mannschaft geht, liegt das auch an der fehlenden Loyalität der Führungskräfte.

ITB: Herr Fritz, Sie sind neben der Tätigkeit als CEO bei F&M auch Mitglied der IHK Ulm und im Hauptvorstand des Bitkom vertreten. Sie schauen demnach durchaus über den Tellerrand, was das Geschäft angeht. Der Bitkom hat kürzlich die zehn wichtigsten Themen in der IT definiert. Inwiefern hat F&M dazu beigetragen?

Fritz: Der Bitkom überlegt, welche Bereiche von Belang sein könnten. Wir bei F&M sprechen außerdem mit unseren Kunden, ob sie diese Themen als ebenso wichtig sehen. All das spiegelt sich in der Definition wieder.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum F&M nur acht von zehn vom BITKOM als wichtig definierte Bereiche abdeckt.

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