In den vergangenen Jahren hat sich die Preisgestaltung für Speicherkapazität erheblich verändert. Um ihren Kunden eine größere Auswahl zu bieten, haben die Anbieter Cloud-ähnliche Pay-as-you-go-Modelle als Alternative zu ihrer bewährten Preisgestaltung eingeführt.
Man stelle sich vor, die Storage-Kapazität wäre so einfach zu handhaben wie Strom. Geht das auch im Indikativ?
Es gibt aber durchaus noch Raum für Verbesserungen. Die COVID-19-Pandemie hat zu finanziellen Problemen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geführt. Diese haben Unternehmen dazu veranlasst, ihren Infrastrukturbedarf und insbesondere den Speicherbedarf regelmäßig neu zu bewerten. Alle Ausgaben werden plötzlich unter die Lupe genommen. Die Fünfjahresplanung ist im Eimer. Einige kurzfristige Projekte werden vorangetrieben, bei anderen ist alles ungewiss.
Kunden wollen mehr Agilität, mehr Flexibilität und mehr Auswahl bei der Erfüllung ihrer Speicheranforderungen. Anstatt sich auf ein finanzielles Modell festzulegen – Investitionskosten oder Betriebsausgaben –, wollen sie beide nach Bedarf kombinieren. Je nach den Randbedingungen eines Projekts oder einer Workload wollen sie das eine oder andere Modell nutzen. So können leicht unerwünschte Silos vor Ort entstehen, je nachdem, ob ein System lang- oder kurzfristig genutzt werden soll, ob es teuer oder eher preiswert ist. Warum also nicht ein Preismodell schaffen, das wichtige Vorteile aller Modelle kombiniert?
Kunden können von einem neuen Preismodell für ihre Speicherinfrastruktur profitieren, das auf Elastizität beruht und sie dabei unterstützt, diese Krisenperiode zu bewältigen. Sie können die gleichen Entscheidungen treffen, die sie früher getroffen haben – beispielsweise langfristig Kapazität zu niedrigen Preisen kaufen oder kurzfristig Kapazität für Zeiten hoher Auslastung mieten. Aber mit der „elastischen Preisgestaltung“ können sie dynamisch von einer Art Vereinbarung zur anderen wechseln, ohne einen Aufschlag oder eine Strafe zahlen zu müssen und ohne dabei Daten physisch bewegen zu müssen. Auf diese Weise erhalten Kunden Zugriff auf die Kapazität, die sie benötigen, und das Risiko einer langfristigen Investition zur Befriedigung kurzfristiger Speicherbedürfnisse entfällt.
Neue und alte Modelle kombinieren
Einige Unternehmen, die niedrige Kapitalkosten haben, werden am traditionellen Investitionsmodell festhalten. Sie erzielen die niedrigsten Gesamtbetriebskosten, indem sie langfristig im Voraus zahlen. Beispielsweise planen Unternehmen in kapitalintensiven Branchen wie Energie, Versorgung und Telekommunikation ihre Anschaffungen langfristig und schreiben diese im Laufe der Zeit ab. Sie verfügen meist auch über leistungsfähige Beschaffungsabteilungen, die unter anderem kontinuierlich mit Lieferanten verhandeln, wie dies zu traditionellen Lebenszyklen von Speichersystemen passt. Tatsächlich kann es Kosteneinsparungen bringen und Gewinnmargen sichern, wenn ein Unternehmen für gut berechenbare Projekte preiswerten Speicher langfristig kauft.
Diese Branchen stellen allerdings Ausnahmen dar. Um im heutigen Wettbewerb bestehen zu können, müssen Unternehmen mehr tun, als sich auf das langfristige Ergebnis unterm Strich zu konzentrieren. Sie müssen die Kosten einer verpassten Chance gegen die Einsparungen abwägen, die sie erzielen können, wenn sie langfristige Investitionen tätigen.
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Auf den Verantwortlichen für die Infrastruktur einer Einzelhandelskette tritt ein enthusiastischer Abteilungsleiter heran mit der Idee für eine Initiative, die später im Jahr großvolumige Verkäufe generieren wird. Es handelt sich um ein datenintensives Projekt, das zusätzliche 100 Terabyte an Speicherkapazität erfordert. Kann der IT-Verantwortliche genug Speicherkapazität bereitstellen, um das Projekt zu starten?
Stolpersteine bei der Bereitstellung der Kapazität
Falls sich die gesamte Infrastruktur in der Public Cloud befindet und die IT Automatisierungs-Tools effektiv zu nutzen weiß, mag das der Fall sein. Dann allerdings bezahlt das Unternehmen einen deftigen Zuschlag für die gewonnene Elastizität. Falls sich die Infrastruktur allerdings im eigenen Rechenzentrum befindet, wird die IT-Abteilung die Anforderung wahrscheinlich nicht erfüllen können. Vielleicht kann sie Extrakapazität für Spitzenzeiten anmieten, falls der Lieferant diese Option bietet.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich die IT-Abteilung um zusätzliche Hardware bemühen muss. Und es kann Wochen oder Monate dauern, bis diese im Unternehmen ankommt, insbesondere wenn die globalen Lieferketten, wie aktuell, wenig zuverlässig sind. Auch ist wahrscheinlich eine Extraverhandlung mit der Finanzabteilung notwendig: „Oh, Sie haben die Kosten für dieses Projekt, das bis vor kurzem gar nicht existierte, nicht in Ihrem Jahresbudget vorgesehen?“
Stand: 08.12.2025
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All dies wird einfacher mit einem elastischen Preismodell. Das Unternehmen könnte die Kapazität für die dreimonatige Projektdauer sofort nutzen, in dem sicheren Wissen, dass keine Lieferungen erforderlich sind und es eine monatliche Betriebskostenrechnung zu einem vorab ausgehandelten Preis erhält. Am Ende des Projekts kann das Unternehmen die Betriebskosten wieder herunterfahren, genau wie bei Nutzung der Public Cloud. Sollte sich herausstellen, dass der Bedarf doch längerfristig besteht und das Unternehmen lieber nicht mit der Zahlung von Betriebskosten fortfahren möchte, kann die Kapazität im Nachhinein mit Zahlung einer Summe in Form von Investitionsausgaben „ausgekauft“ werden. So oder so, die IT-Verantwortlichen haben auf den Bedarf der Abteilung reagiert und zusammen die Chance beim Schopfe gepackt.
Szenarien
In zahlreichen weiteren Szenarien können Unternehmen von einem elastischen Preismodell profitieren. Beispielsweise bei DevOps-Tests für temporäre Umgebungen: Diese Projekte tauchen schnell und unvorhersehbar auf. Das betrifft sowohl die benötigte Kapazität wie ihre Dauer. Sie könnten Hunderte von Terabyte für Stunden oder Wochen benötigen – aber danach sind sie erledigt. Unternehmen verschaffen sich einen strategischen Vorteil, wenn sie vorhersehbare Workloads als Investitionsausgaben zahlen, den Speicherplatz für die Testphase kurzfristigen aufstocken und dann wieder auf den ursprünglichen Zustand zurückzufahren. Übrigens kann eine effiziente Snapshot-Technologie dieses Szenario weiter vereinfachen, unabhängig vom Geschäftsmodell.
Datenwiederherstellung: Manchmal ist es erforderlich, ein altes Backup einer Datenbank vorübergehend wiederherstellen – zum Beispiel aufgrund eines externen Audits –, und dieser Wiederherstellungsprozess erfordert mehr Kapazität, als im Moment zur Verfügung steht. Es ergibt wenig Sinn, für diese vorübergehende Wiederherstellung Investitionskosten zu verursachen. Die Kapazität für einen Tag hochschrauben, die Wiederherstellung abschließen und innerhalb von Sekunden die Kapazität wieder herunterzufahren, ergibt dagegen eine Menge Sinn.
Entwicklung neuer Apps: Manchmal beginnen Entwicklerteams mit einem Projekt und wissen nicht, wie sich ihre Anforderungen an Speicherkapazität entwickeln werden. Die App kann sich als rasend beliebt herausstellen, und die Speicheranforderungen werden dramatisch wachsen. Doch wenn der Ansturm vorbei ist, will man nicht mit einem Haufen voll bezahlter, aber ungenutzter Kapazität dastehen.
Wichtige Erwägungen zur Preisgestaltung
Bei der Abwägung der Speicherbedürfnisse und der Wahl eines Preismodells gilt es einige Faktoren zu beachten:
Die Präferenzen des Unternehmens beziehungsweise der Finanzabteilung: Wann sind Investitionsausgaben und wann Betriebskosten sinnvoll?
Kalkulation der versteckten Kosten, die das Unternehmen heutzutage für Flexibilität zahlt. Hierbei sind folgende Aspekte zu bedenken:
Kontrolle der ungenutzten Speicherkapazität im Unternehmen. Berechnung der Vorabkosten für zusätzliche Kapazität, die gegebenenfalls schnell zur Verfügung stehen soll – für alle „Silos“ oder „Inseln“ im Unternehmen.
Wie lange dauert es, bis neue Kapazität vom Anbieter geliefert wird? Sind die Lieferzeiten auch in Krisenzeiten garantiert? Die Lieferzeit stellt jedenfalls die Minimalzeit dar, für die ein Unternehmen ungenutzte Kapazität vorhalten muss.
Kontrolle früherer Kapazitätsplanungen: Wie sehr lagen die Erwartungen in der Vergangenheit daneben?
Überprüfung der Garantien des Lieferanten, inklusive der Rechtsmittel. Marketingdokumente können sich von den tatsächlichen Verträgen unterscheiden. Berücksichtigung der wirtschaftlichen und der technischen Aspekte: Systemverfügbarkeit, künftige Upgrades, Unterhaltskosten.
Ist der Storage-Lieferant bereit, Hardware bereitzustellen, bevor diese tatsächlich benötigt wird? Wie sieht die Software-Architektur aus? Ist sie in der Lage, unbezahlte Hardware zur Verbesserung der Leistung, der Widerstandsfähigkeit oder anderer wichtiger Parameter zu nutzen, bevor die entsprechende Kapazität bezahlt werden muss?
Möglichst genaue Einschätzung der Minimalanforderungen sowie der künftigen Entwicklungen.
Möglichst genaue Einschätzung des Unternehmenswachstums. Geht es eher um stetes Kapazitätswachstum, oder sind häufige Spitzenzeiten zu erwarten?
Berthold Höflich, Sales Director für Deutschland und Österreich bei Infinidat.
(Bild: Infinidat)
Ein Blick voraus: Die Zukunft ist elastisch
IT-Verantwortliche sind mit einem Dilemma konfrontiert. Sie stehen unter Druck, schnell zu agieren und zusätzliche Speicherkapazitäten praktisch ohne Vorwarnung zur Verfügung zu stellen. Dabei wird erwartet, dass sie das Budget einhalten oder gar unterschreiten. Sie können nicht alle Anforderungen erfüllen. Sie benötigen Flexibilität, nicht nur bei der Wahl der Speicherumgebungen, sondern auch bei der Entscheidung, wie sie das bezahlen, was sie benötigen. Neue, flexible Modelle wie die elastische Preisgestaltung helfen der IT-Abteilung dabei, die Anforderungen ihrer Arbeitgeber zu erfüllen, ohne die Kosten explodieren zu lassen.
*Der Autor: Berthold Höflich, Sales Director für Deutschland und Österreich bei Infinidat