KI ante portas SoftwareOne will dem deutschen Mittelstand helfen

Von Michael Matzer 7 min Lesedauer

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Brian Duffy, der neue CEO von SoftwareOne, hat sein Amt im Mai 2023 von Dieter Schlosser übernommen. Brian Duffy war zuletzt als President of Cloud bei SAP tätig. Er sprach mit IT-BUSINESS über Digitale Transformation im Mittelstand, die Rolle von KI und die Bedeutung von Partnern.

Brian Duffy ist seit Mai 2023 der CEO von SoftwareOne, eines Anbieters von Daten-, Cloud- und KI-Technologielösungen. (Bild:  SoftwareOne)
Brian Duffy ist seit Mai 2023 der CEO von SoftwareOne, eines Anbieters von Daten-, Cloud- und KI-Technologielösungen.
(Bild: SoftwareOne)

SoftwareOne hat sich in den letzten Jahren ebenso rasch gewandelt wie der Mittelstand. „Unternehmen im DACH-Raum stehen, wie übrigens die Großzahl der Organisationen weltweit, in einer ständigen Transformation“, erläutert Duffy. „Sie sind permanent in Bewegung. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man dabei den Fokus nicht aus den Augen verliert.“

Duffy weiter: „Auch wir bei SoftwareOne haben permanent mit Change zu tun, bei unseren Kunden, die wir auf ihrem Veränderungsweg begleiten, aber auch bei uns intern: Wir haben uns in den letzten Jahren signifikant umstrukturiert. Wir haben Strukturen geschaffen, um unseren Kunden dabei helfen zu können, das Maximum aus ihren Technologieinvestments herauszuholen.“

Kontinuität

Duffy ist es „wichtig zu betonen, dass wir den Wert unseres Vermächtnisses als Lizenzierungsanbieter kennen und angenommen haben – aber wir sind heute so viel mehr: Wir sind einer der führenden Anbieter in den Bereichen Daten und Künstliche Intelligenz, Cloud-Services und digitale Arbeitsplatzlösungen und haben uns dort etabliert. Mit unseren diversifizierten Services sind wir in der Lage, unsere Kunden an jedem Punkt ihrer digitalen Transformation zu unterstützen – egal, wo diese gerade stehen oder welche Größe oder Organisationsform diese haben.“

Die prekäre Lage des Mittelstands

Dabei spielt der Wandel für den Mittelstand eine besondere Rolle. „Unserer Erfahrung nach leiden gerade mittelgroße Unternehmen am meisten unter dem Zwang zum Wandel“, so der CEO. „In großen Corporations gibt es häufig bereits Change- oder Transformationsstrukturen und -Kulturen, die sich herausgebildet haben. Mittelständische Unternehmen dagegen haben häufig weder die Breite noch die Tiefe an Erfahrung und Ressourcen für eine erfolgreiche Transformation.“ Sie seien zudem wesentlich anfälliger für eine Entscheidungsparalyse, bei der die Führungskräfte nicht über das erforderliche Maß an Unterstützung und Wissen verfügen, um die richtigen strategischen Technologieentscheidungen zu treffen. Hinzukomme, dass gerade auch mittelständische Unternehmen auf eine sehr Individuelle Digitalisierungsreise zurückblicken, die Entscheidungen für die Zukunft prägt. „Hier kann SoftwareOne andocken: Wir sind als Partner in dem Moment da, wenn es wichtig ist, gemeinsam einen profitablen und zukunftssicheren weg zu definieren.“

Niederschmetternde Umfrageergebnisse

Wie SoftwareOne Organisationen helfen könne, die in der DACH-Region an der Adaption neuer Geschäftsmodelle scheitern, vor allem wegen des Mangels an Fachkräften, an Knowhow und wegen Finanzierungshürden, wird Duffy häufig gefragt. „In den deutschsprachigen Ländern beobachten ich und meine Kollegen vor allem eine Wissens- und Kompetenzlücke. Nehmen wir beispielsweise das Mainstream-IT-Thema ‚Cloud‘. Wir haben erst kürzlich Unternehmen zu ihren In-house-Kompetenzen in Sachen Cloud befragt, und 98 Prozent der Befragten mussten zugeben, dass sie keine ausreichenden Kompetenzen in ihren IT-Teams haben“, berichtet der CEO.

„Weshalb? Zum einen fehlen schlicht Fachkräfte, um die Workloads abzuarbeiten, zum anderen sind IT-Spezialisten meist mit dem Tagesgeschäft ausgelastet und können wenig Zeit für Digitalisierungsprojekte aufbringen. Infolgedessen können sie wichtige geschäftsfördernde Funktionen ihrer Cloud nicht nutzen.“ 43 Prozent konnten Sicherheits- und Compliance-Vorgaben nicht einhalten und 41 Prozent ihre IT-Performance nicht aufrechterhalten und hatten deshalb mit Ausfällen zu kämpfen.

Die Frage, welche Konsequenz diese Bestandsaufnahme hat, beantwortet Duffy selbst: „Über ein Drittel Unternehmen haben die Bereitstellung von innovativen Lösungen verpasst, und die digitale Transformation verzögert sich im Schnitt um bis zu fünf Monate. So können natürlich auch finanzielle Ziele, die mit der Transformation erschlossen werden sollen, nicht mehr oder nicht rechtzeitig erreicht werden.“

Vielfältige Hilfsmaßnahmen

Nun sei Not am Mann, aber die Hilfsmaßnahmen seien vielfältig. „Wir als Unternehmen unterstützen an dieser Stelle, aber nicht nur mit simpler Manpower. Wir haben Wege und Strategien entwickelt, mit denen Technologieinvestitionen über Einsparungen und Rationalisierungen in der bestehenden IT-Infrastrukturlandschaft finanziert werden können. Wir ermöglichen unserem Klienten, die aktuelle Landschaft zu rationalisieren und die daraus resultierenden Einsparungen in andere und effektivere Tools umzuleiten.“ Dieses Potential habe der Markt ebenfalls erkannt, beispielsweise in puncto Cloud: „93 Prozent der Befragten Entscheidungsträger werden im nächsten Jahr in IT-Dienstleister wie uns investieren, um ihre Fachkräftelücke dauerhaft zu schließen.“

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Die Rolle der Partner

Daraus ergibt sich: „In einer Zeit, in der die Budgets mehr denn je unter Druck stehen und die Notwendigkeit, schneller zu werden, noch nie so groß war, könnte ein Partner, der dieses Ziel ohne Erhöhung der Kostenlast unterstützen kann, genau das sein, wonach viele, gerade auch mittelständische, Unternehmen suchen.“

Die Rolle der Partner ist also sowohl in vertrieblicher als auch technologischer Hinsicht von zentraler Bedeutung. „SoftwareOne arbeitet mit allen Hyperscalern wie AWS, Google und Microsoft zusammen“, so Duffy. „Microsoft ist jedoch traditionell unser wichtigster Partner. Wir verkaufen und verwalten Microsoft-Lizenzen im Wert von mehr als 22 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen ist ein wichtiger Partner für uns.

Allerdings wäre es zu kurz gesprungen, wenn wir allein mit Microsoft in Verbindung gebracht würden. Wir haben mittlerweile florierende Partnerschaften mit Google und AWS. Mit AWS haben wir kürzlich eine Partnerschaft abgeschlossen, um die Initiative „Ready for RISE on AWS“ realisieren zu können, und eine weitere Partnerschaft für die Cloud-Migration von Oracle-Kunden. Wir sind heute in der glücklichen Lage, unsere Kunden anbieterunabhängig beraten zu können – unsere Konkurrenz kann das nicht.“

Das Dienstleistungs- und Beratungsgeschäft von SoftwareOne ziele vornehmlich darauf ab, Kunden durch den gesamten Transformationsprozess zu navigieren und sie bei den richtigen Entscheidungen zu unterstützen. Duffy: „Dabei hilft uns unsere breite Erfahrung mit allen Plattformen und unsere Neutralität. Für uns ist die Suche nach der besten Lösung für unsere Kunden die wichtigste Triebfeder. Die Frage der Implementierung, die Definition des Konzepts, die Planung, der Rollout – all das sind Fragen, die sich beantworten, nachdem wir das richtige Angebot gefunden haben.“

KI - Allheilmittel oder Fass ohne Boden?

Die Einführung von KI-Assistenten wie ChatGPT ist seit November 2022 ein dauerhaftes und dringendes Thema bei Unternehmen. Unternehmen fragen sich mittlerweile, wie sie von der Expertise, Erfahrung und Arbeitskraft von IT-Dienstleistern wie SoftwareOne profitieren können, um sich mit KI zukunftssicher aufzustellen. „Nach dem anfänglichen Hype sind aktuelle KI-Tools wie der Microsoft Copilot oder Google Bard deutlich ausgereifter als noch vor zwei Jahren“, urteilt der CEO und berichtet: „Wir sehen den höheren Reifegrad auch daran, dass KI-gestützte Produktivitäts-Tools momentan Einzug in viele Organisationen halten. Dieser Moment könnte sich für viele Unternehmen in der Rückschau als ein echter Game Changer erweisen.“

Allerdings gibt Duffy hierbei zu bedenken, dass die Anschaffung und Bereitstellung von KI-Assistenz nicht ausreiche, um bereits Mehrwerte zu generieren. „Wir haben in diesem Bereich durch unsere Unabhängigkeit den Vorteil, die Breite des Lösungsmarktes zu kennen und so individuell die Lösungen zu identifizieren, die wirklich einen Einfluss auf den Geschäftserfolg versprechen.“

Der Microsoft Copilot

Als Beispiel für diesen Prozess nennt Duffy die Implementierung des Microsoft Copilots. Der Großteil der Unternehmen setze bereits auf die Office-Lösung Microsoft 365. Nun stellten sich viele davon die Frage, ob und wie sich die Erweiterung mit generativen KI-Funktionen durch MS Copilot lohne. „Plakativ vorgetragene Business Cases, die eine signifikante Produktivitätssteigerung versprechen, habe ich bereits viele gesehen, allerdings ist jedes Unternehmen einzigartig und hat eine individuelle Digitalisierungsgeschichte.“

Der Ansatz von SoftwareOne sei daher maßgeschneidert: „Unsere Berater stellen im ersten Schritt in einem Audit fest, ob das Unternehmen bereit für einen KI-Assistenten ist – sowohl auf technischer als auch lizenzrechtlicher und organisatorischer Ebene.“ Während sich technische Hürden meist einfach ausräumen lassen, sei nämlich die Lage bei lizenzrechtlichen Fragestellungen komplizierter: „Unternehmen sind mit sechs verschiedenen Lizenzmodellen konfrontiert, die sich teilweise nur in Feinheiten unterscheiden. Unser Berater-Team gibt basierend auf ihrer branchenspezifischen Erfahrung Empfehlungen ab und hilft bei der Auswahl der passenden und gewinnbringendsten Lizenz.“

Im zweiten Schritt identifizieren Berater von SoftwareOne gemeinsam mit dem Klienten spezifische Anwendungsfälle, um die KI zu testen und Produktivitäts- und Effizienzgewinne zu prüfen. Seien beide Parteien mit dem Ergebnis zufrieden, stelle SoftwareOne einen Implementierungsfahrplan auf und beginne mit der Integration in die vorhandene Office-Umgebung. Später im Produktlebenszyklus bestehe die Aufgabe darin, den Erfolg der Lösung zu messen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Letzteres sei gerade bei einer vergleichsweise jungen Technologie sehr wichtig, weil die Weiterentwicklung der Tools in den frühen Produkt-Lebensphasen rasant verlaufe. Hier gelte es, den Anschluss zu behalten.

Wider die große Desillusion

Inzwischen hat eine vielfach zu beobachtende Ernüchterung hinsichtlich der Nutzung generativer KI eingesetzt. SoftwareOne will helfen, die große Desillusion zu verhindern und Kunden und Partnern helfen, hohe Investitionen in den Sand zu setzen. Duffy meint dazu: „Künstliche Intelligenz ist ein Trend, der in Unternehmen vor allem zwei Entwicklungen angestoßen hat. Zum einen die Angst, von anderen Unternehmen abgehängt zu werden, die bereits auf die Technologie setzten („fear of missing out“, kurz FOMO).

Und zum anderen die Vorstellung, dass KI viele interne Probleme lösen wird – ganz gleich, ob diese strukturell, personell oder kapazitär sind. Das Resultat dieser Mischung aus Furcht und Hoffnung sind meist übereilte Tests oder sogar Anschaffungen von KI-Tools gewesen, die sich nicht oder nur geringfügig bezahlt gemacht haben. Die Ernüchterung ist eine vorhersehbare menschliche Reaktion.“

Ein guter Rat

Duffy hat eine Empfehlung an Kunden und Partner: „Allerdings sollte man an diesem Punkt nicht stehenbleiben. Wir greifen hier erneut zu unserem Ansatz der selbstfinanzierten Technologieinvestitionen: Wir identifizieren auf kaufmännischer Ebene, wo Kosten eingespart und reinvestiert werden können. Und auf praktischer Ebene identifizieren wir, ob noch Potenziale zu heben sind, die bislang noch nicht adressiert oder gar nicht identifiziert wurden.“

Um erhebliche Fehlinvestitionen zu verhindern, seien Unternehmensverantwortliche allerdings angehalten, sich frühzeitig einen kompetenten Evaluierungspartner an die Seite zu holen, der sie dazu befähigte die richtigen Technologien und Angebote zu wählen, um das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.

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