Die Refurbishing-Branche nutzt zwar B2B-Geräte als Quelle für die Aufarbeitung, hatte aber bisher primär Consumer als Kunden im Fokus, jedenfalls bei Client-Geräten. Nun setzen einige Refurbisher vermehrt auf das B2B-Geschäft – mit der Nachhaltigkeit als Argument.
Die Wiederaufbereitung gebrauchter IT-Hardware verlängert die Nutzungsdauer und senkt damit die Umweltbelastung.
(Bild: Czintos Ödön - stock.adobe.com)
Etwa 80 Prozent des CO2-Rucksacks bei einem Notebook gehen bei einer Nutzungsdauer von 51 Monaten, das ist üblich bei vielen Firmen, auf das Konto der Produktion des Geräts. Die Nutzung geht nur mit etwa 14 Prozent in die Rechnung ein. Bei Smartphones sieht das Verhältnis ähnlich aus. Allerdings liegt hier die durchschnittliche Nutzungsdauer nur bei drei Jahren. Diese 80 Prozent stellen das Einsparpotenzial dar, wenn ein Notebook oder Smartphone nach der üblichen Nutzungszeit nicht entsorgt und ersetzt, sondern einer weiteren Nutzung zugeführt wird.
Refurbishing als reines B2B-Geschäft
Diese Zahlen nennt Circulee, ein Startup-Unternehmen aus Berlin, das mit aufbereiteten Notebooks, PCs, Monitoren und Smartphones ausschließlich B2B-Kunden adressiert. Hinter Circulee steht allerdings als Investor und als Quelle von Geräten für das Refurbishing das große Leasing-Unternehmen CHG-Meridian, das mit diesem Manöver nun einen weiteren Teil der Wertschöpfungskette selbst übernehmen will. Thomas Gros, CEO von Circulee, erklärt, wie er Firmen vom Einsatz gebrauchter und aufbereiteter Hardware überzeugen will: „Unternehmen haben andere Ansprüche und Anforderungen an ihre IT-Geräte als End-Konsumenten. Als CIO oder IT-Administrator brauche ich professionelle Hardware in teils großer Stückzahl, die in einem Top-Zustand ist und einwandfrei funktioniert, mit hoher Konsistenz. Dabei will ich einen einfachen und effizienten Bestell- / Deployment-Prozess und Service, der mich nicht viel Zeit kostet und mir auch ermöglicht, Remote-Mitarbeitende auszustatten.“
Allerdings räumt Gros ein, dass er mit seiner Firma primär kleinere Unternehmen, die knapp kalkulieren müssen, als Kunden erreichen kann. Ein weiteres Klientel stellen Institutionen dar, die ganz bewusst auf nachhaltige Lösungen setzen, etwa kirchliche Einrichtungen. Der Verkauf der Geräte erfolgt bei Circulee derzeit ausschließlich direkt. Gros setzt dabei auf ein digitales Shop-Konzept in Kombination mit einem technischen Support, der dem bei Neugeräten gleichen soll. Allerdings führt die Firma derzeit erste Gespräche mit Systemhäusern, etwa für das Miet-Geschäft, so der CEO.
Der Refurbishing-Markt aus Sicht etablierter Player
Etablierte Refurbishing-Anbieter wie AfB, BB-Net oder GSD setzen dagegen vor allem auf Privatkunden als Käufer. Allerdings sieht Ralf Schweitzer, Chef von GSD, für seine Firma eine wachsende Nachfrage von Partnern mit B2B-Ausrichtung. Daniel Büchle, Geschäftsführer bei AfB, hatte während der Pandemie mehr Nachfrage von Firmen wegen des Mangels an Neugeräten, die sich allerdings wieder gelegt hat. Hier bräuchte es für eine höhere Nachfrage gesetzliche Regelungen wie in Frankreich, wo bei Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber ein Anteil von 20 Prozent aufbereiteter Gebrauchtgeräte vorgeschrieben ist. Zudem wäre für einen Ausbau des B2B-Geschäfts zusätzliches Fachpersonal notwendig, das schwer zu bekommen ist. AfB verkauft überwiegend direkt und zu einem kleineren Anteil über Partner.
Einschätzung der Refurbisher: GSD
Ralf Schweitzer, Geschäftsführer und Inhaber der GSD
(Bild: Alex Schelbert)
Die Nachfrage unserer Channel-Partner mit B2B Fokus war in 2022 weitestgehend konstant und steigt seit Beginn des Jahres sogar wieder an. Generell sehe ich positive Signale für 2023, denn wir bieten unseren Fachhändlern ein breites Portfolio an professionell aufbereiteter Business-Hardware als umweltverträgliche Alternative zum neuen Billiggerät mit überschaubarer Haltbarkeit. Auch im Ankauf spüren wir, dass lange verzögerte Projekte endlich wieder ausgerollt werden und wir dadurch sehr gute Verfügbarkeiten haben.
Die durch Corona ausgelöste Nachfrage nach mobilen Geräten mit Webcam hält weiterhin an und wir sehen Mobile Devices als den Wachstumstreiber im ITK-Markt. Gefragt sind Smartphones, Tablets, 2-in-1 Hybrid-Geräte und ultraleichte Notebooks.
Die reinen Hardwareanforderungen von Windows 11 würden nahezu alle Geräte erfüllen, die wir aktuell aufbereiten. Microsoft sorgt durch die Liste der kompatiblen Prozessoren dafür, dass Windows 11 erst mit Prozessoren der 8. Generation von Intel oder äquivalenten AMD CPUs ausgeliefert werden darf.
Trotz mehrfacher Appelle an Microsoft und entsprechender Hinweise auf die Konsequenzen, liegen den Microsoft Authorized Refurbisher Partnern keine Informationen über geplante Anpassungen vor. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass eine Lösung gefunden wird.
Marco Kuhn, Leiter IT Remarketing und Prokurist beim Schweinfurter Refurbisher BB-Net, hat ebenfalls ein Problem mit fehlenden Fachkräften, allerdings nicht nur im Vertrieb, sondern auch in der Produktion. Viele Geräte seien durch die Pandemie länger im Einsatz geblieben, was den Aufbereitungsaufwand spürbar erhöht, so Kuhn. Zudem seien die Kosten in allen Bereichen gestiegen. Neben höheren Löhnen machen sich die gestiegenen Preise für Transport und Verpackung bemerkbar. Seine Firma nutzt eigenes, nachhaltig produziertes Verpackungsmaterial mit TecXL-Design, dem Brand für Geräte mit sehr gutem Erhaltungszustand. Das 2020 gestartete Mietmodell, bei dem der Refurbisher kommerzielle Kunden direkt mit aufbereiteter IT-Hardware versorgt hat, wurde gestoppt. Es läuft nun komplett indirekt über die BB-Net-Partner, denen bisher die Vermietung von Geräten an Privatkunden vorbehalten war.
Einschätzung der Refurbisher: BB-Net
Marco Kuhn, Leiter IT Remarketing bei BB-Net.
(Bild: BB-Net)
Im ersten Quartal dieses Jahres war das Geschäft im Refurbishing-Markt durchweg solide, obwohl die allgemeine Marktsituation durchwachsen ist und unter der Kaufzurückhaltung leidet. Die Lieferketten haben sich inzwischen allgemein deutlich erholt, was dazu geführt hat, dass wieder mehr Ware getauscht wird und die Mengen an verfügbarer Hardware deutlich angestiegen sind.
Trotz des soliden Geschäfts im Refurbishing-Markt stellen sich aktuell verschiedene Herausforderungen. Eine wesentliche Herausforderung ist die Kostensteigerung in nahezu allen Bereichen, die wir kaum weitergeben können, so dass die Marge sinkt. Eine weitere Herausforderung ist der allgemein präsente Personalmangel.
Stand: 08.12.2025
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Höhere Anforderungen von Windows 11: Keine Krisenstimmung
Windows 11, das im letzten Jahr durch die fehlende Unterstützung älterer Prozessoren für die Refurbisher noch als Menetekel an der Wand stand, hat sich inzwischen als nur noch kleines Problem entpuppt. GSD-Chef Schweitzer beklagt zwar noch eine fehlende Kooperation durch Microsoft, um auch älteren Rechnern noch ein längeres Leben mit Windows-Betriebssystem zu verschaffen, seine Mitbewerber sehen die Situation entspannter. „Die fehlende Unterstützung von Windows 11 für ältere Prozessoren stellt für das IT Remarketing und Refurbishing im Moment kein großes Problem dar. Zum einen sind bereits jetzt 60 Prozent der Geräte Windows-11-fähig und die Tendenz ist stark steigend. Zum anderen wird der Wechsel zu verfügbaren Windows-11-fähigen Geräten deutlich schneller stattfinden als prognostiziert“, erklärt Kuhn von BB-Net dazu, ist allerdings schon gespannt, ob das kommende Windows 12 weitere Einschränkungen bringen wird. Der AfB-Chef Büchle sieht das ähnlich: „Wir spüren natürlich, dass die Kunden verstärkt nach Windows-11-fähigen Geräten fragen. Aber da wir sehr viele Geräte der 8. Generation und neuer anbieten können, ist das kein Problem für uns. Trotzdem greifen immer noch viele Menschen zu Geräten der 7. Generation, weil diese natürlich deutlich günstiger angeboten werden können und der Microsoft-Support ja noch etwa 2,5 Jahre gesichert ist.“
Einschätzung der Refurbisher: AfB
Daniel Büchle, Geschäftsführer bei AfB.
(Bild: AfB)
Das Angebot an gebrauchten PCs, Notebooks und Monitoren, die bei Unternehmen und Behörden getauscht werden, ist seit über einem halben Jahr enorm hoch. Wir mussten unsere Kapazitäten deutlich aufstocken, um die stark gestiegenen Mengen bearbeiten zu können. Bei diesen Geräten ist aktuell eher der Verkauf die Herausforderung, da sich viele Menschen während der Pandemie gut ausgestattet haben und die Inflation zu einer gewissen Kaufzurückhaltung führt.
Auch Smartphones und Tablets sind in großen Mengen verfügbar, allerdings könnten es hier gerne noch mehr sein, da eine enorme Nachfrage nach diesen Produkten besteht.
Ein positives Signal für die Refurbishing-Branche ist das Recht auf Reparatur. Im November 2022 haben sich die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission bereits auf Ökodesign-Regeln für Smartphones, Tablets, Mobiltelefone und schnurlose Telefone geeinigt, mit denen unter anderem die Reparierbarkeit und die Vorhaltung von Ersatzteilen geregelt sind. Die Rechte der Refurbisher, etwa den Zugriff auf Originalersatzteile, werden damit ebenfalls gestärkt. Die EU-Kommission hat im März einen Vorschlag für ein Recht auf Reparatur vorgelegt, das eine breitere Zahl von Produktgruppen umfasst. Mit dazu beigetragen hat die European Refurbishment Association (EUREFAS), der vor allem Unternehmen angehören, die sich mit dem Refurbishing von Smartphones beschäftigen, wie etwa Foxway, Reware, Tech2com, Back Market, Refurbed und auch AfB. Kuhn von BB-Net würde einen solchen Interessenverband auch gerne bei den Refurbishern von Notebooks und PCs sehen, auch um eine bessere Position gegenüber den Herstellern einnehmen zu können, sieht hier aber noch viel Klärungsbedarf unter den verschiedenen Spielern im Markt.
Deren Zahl wächst beständig. Neben den reinen Refurbishern, meist mittelständischen Betrieben, Spezialdistributoren für aufbereitete Produkte und Brokern für gebrauchte IT, gibt es in dem Sektor eine ganze Reihe von Unternehmen, bei denen die Aufbereitung und Vermarktung gebrauchter IT-Hardware nur einen Teilbereich des eigentlichen Geschäfts darstellt. Zu ihnen zählen etwa Recycling-Unternehmen, Hersteller wie Dell oder HPE, Distributoren wie Also, große Systemhäuser wie Bechtle oder Firmen, die sich sonst mit Rollouts und Demogeräten beschäftigen, wie etwa CDS Service. AfB-Chef Büchele sieht den Zuwachs an weiteren Firmen im Refurbishing-Sektor entspannt. Er habe hier schon etliche Firmen kommen und wieder gehen sehen. Zudem gingen immer noch zu viele Geräte ins Recycling statt aufbereitet in den nächsten Kreislauf und „der Kuchen ist auch noch groß genug“ für weitere Teilnehmer in diesem Markt.
Neue Spieler im Markt
Einer dieser neuen Player ist das Joint Venture Interzero Tech Cycle (ICT), das Business-Kunden mit aufbereiteter Server- und Netzwerktechnik versorgen soll. „Im Schnitt werden Enterprise-Server alle drei bis sechs Jahre ausgetauscht – durch unsere professionelle Demontage und Aufbereitung können wir den einzelnen Gerätekomponenten ein zweites Leben schenken. Damit sparen wir wertvolle Ressourcen ein und schützen unsere Umwelt“, erklärt dazu Benedikt Konrad, Geschäftsführer bei ICT. Die beiden Firmen hinter ICT sind allerdings schon länger im Markt unterwegs: Globecom, beheimatet im dänischen Aalborg, beschäftigt sich bereits seit 2019 mit der Wiederverwertung gebrauchter Datacenter- und Medizintechnik. Interzero kommt ursprünglich aus dem Kunststoffrecycling und ist seit 2017 im Refurbishing von Client-Hardware aktiv, seit 2022 auch mit einem Shop für Privatkunden. Unternehmen, die gebrauchte Server und Netzwerkgeräte abgeben, werden durch ein Smart-Selling-Konzept am Verkaufserlös beteiligt. Dabei bringt das Zerlegen der Geräte und der Verkauf in Form von Ersatzteilen oft mehr ein, als der Verkauf kompletter aufbereiteter Systeme.