Business Critical Solutions: Summer Report 2021 Rechenzentrumsbranche ist optimistisch

Autor: Ulrike Ostler

Die Rechenzentrumsbranche bleibt weiterhin auf Wachstumskurs. Das belegt die aktuelle Studie von Business Critical Solutions (BCS), einem Dienstleister für die IT-Infrastruktur-Branche. Die Macher finden aber auch das Haar in der Suppe.

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Keine Chance für schlechte Stimmung. Die aktuelle Studie von Business Critical Solutions (BCS), belegt, dass Bauunternehmen, Investoren und Betreiber auch nach über einem Jahr Covid-19-Pandemie eine ungebrochen starke Nachfrage für Datacenter jeder Art sehen.
Keine Chance für schlechte Stimmung. Die aktuelle Studie von Business Critical Solutions (BCS), belegt, dass Bauunternehmen, Investoren und Betreiber auch nach über einem Jahr Covid-19-Pandemie eine ungebrochen starke Nachfrage für Datacenter jeder Art sehen.
(Bild: Gerd Altmann auf Pixabay)

Bauunternehmen, Investoren und Betreiber von Rechenzentren sehen auch nach über einem Jahr COVID-19-Pandemie eine ungebrochen starke Nachfrage und prognostizieren für die Zukunft weiteres Wachstum. Das geht aus dem Summer Report 2021 von BCS hervor. Engpässe in der Energieversorgung machen die Befragten als wichtigste Herausforderung aus, die es zu überwinden gilt, um den steigenden Bedarf zu decken.

Alexandra Thorer, General Manager der BCS, glaubt, dass „Investitionen in neue Rechen-, Speicher- und Klimatechnologien erforderlich sind, damit der wachsende Bedarf gedeckt werden kann – ohne den Einfluss der Branche auf das Klima zu steigern.“

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Über die Studie

Den „Summer Report 2021“ von BCS gibt es bereits das 22. Mal.
Den „Summer Report 2021“ von BCS gibt es bereits das 22. Mal.
( Bild: BCS: Technology & Power: The Energy Conundrum – Summer 2021 )

Für die Studie „Technology & Power: The Energy Conundrum – Summer 2021“ wurden Experten in Unternehmen befragt, die insgesamt 4,5 Millionen Quadratmeter an Rechenzentrumsfläche in 38 europäischen Ländern besitzen, betreiben oder nutzen. Es ist die dritte unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und die 22. überhaupt. Das macht die Untersuchung zu einer der am längsten existierenden ihrer Art und zu einer der umfangreichsten.

Die wichtigsten Ergebnisse in der Übersicht

  • 71 Prozent der Befragten prognostizieren eine Nachfragesteigerung für Rechenzentrumsdienste im kommenden Jahr. Vor sechs Monaten zeigten sich lediglich 64 Prozent der Befragten derart optimistisch.
  • Aktuell gehen nur 2 Prozent der Rechenzentrums-Experten von einer sinkenden Nachfrage in den kommenden zwölf Monaten aus.
  • Die Betreiber von Co-Location-Rechenzentren erweisen sich als die größten Optimisten der Branche. 93 Prozent von ihnen erwarten für das kommende Jahr eine steigende Nachfrage, gefolgt von Netzwerbetreibern und Integratoren, unter denen 90 Prozent von einem Wachstum im kommenden Jahr ausgehen. Vor sechs Monaten waren lediglich 75 Prozent so optimistisch.
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  • Die Befragten aus dem Bereich der Entwickler und Investoren sehen weiterhin die potenzielle Nachfrage nach Rechenzentrumsflächen am positivsten; wobei alle bestätigen, dass sie in den kommenden zwölf Monaten Wachstum erwarten.
  • Co-Location-Anbieter sagen zu 93 Prozent eine steigende Nachfrage für das nächste Jahr voraus.
  • Auch Netzwerk-Carrier und Integratoren sind optimistischer als noch vor sechs Monaten; rund 90 Prozent erwarten einen Anstieg der Nachfrage.
  • Etwa vier Fünftel der Befragten sehen den Markt durch steigende Nachfrage und ein sinkendes Angebot gekennzeichnet. Vor sechs Monaten haben 44 Prozent die Ansicht geteilt, dass eine stabile Nachfrage mit einem sinkenden Angebot einhergehe. Jetzt sehen 11 Prozent sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite Stabilität. Allerdings sehen auch 6 Prozent ein steigendes Angebot mit einer sinkenden Nachfrage.

Alles unter Kontrolle

Sozusagen naturgemäß wollen die Befragten die Auslastung ihrer Rechenzentrumsflächen sicherstellen. Das sei, so die Studie, ein konstantes Merkmal seit Beginn der Umfragen vor zwölf Jahren. Diese Effizienzbewertung ist eine sorgfältige Abwägung zwischen der Notwendigkeit, die Flexibilität für künftige Geschäftsanforderungen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Ausgaben für `Flex-Space´ minimiert und die Kosten begrenzt werden.

Dabei übertreffen die durchschnittlichen Auslastungsquoten von fremdverwalteten Flächen die von intern verwalteten. Der Anteil derer, die eine Auslastung von extern verwalteten Lösungen von 80 Prozent oder mehr haben, beträgt 71 Prozent.

Das führt insbesondere bei den Datacenter-Dienstleistern zu einer relativ hohen Auslastung von rund 76 Prozent. Die durchschnittliche Auslastung der eigenen Einrichtungen liegt hingegen mit 61 Prozent tendenziell niedriger, steigert somit die Flexibilität, um schnell auf neue Nachfragen zu reagieren.

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Die Kontrolle über die eigenen Einrichtungen zu behalten, ist für die befragten Co-Location-Betreiber aber auch für die IT-Integratoren und Webhoster nach wie vor eine wichtige Anforderung. Fast vier Fünftel gaben an, dass 80 Prozent oder mehr ihres Rechenzentrumsportfolios intern verwaltet werden, ein Anteil, der dem langfristigen Durchschnitt entspricht.

Der Grund: Der Betrieb auf diesem Kontrollniveau ermöglicht diesen Anbietern die Flexibilität und Schnelligkeit bei der Entscheidungsfindung, um den sich ändernden Kundenanforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die Effizienz ihrer Umgebungen ohne die potenziellen Einschränkungen eines Drittanbieters weiter zu steigern.

Während dieser selbstverwaltete Ansatz für das Geschäftsmodell von Service Providern nach wie vor beliebt ist, ist der Kontrast zu den Anforderungen der meisten befragten Unternehmen offensichtlich. Ein Großteil der befragten Endanwender halten Outsourcing für eine attraktive Option: vier Fünftel der Endanwender gaben an, dass mindestens 80 Prozent oder mehr ihres Portfolios über einen Drittanbieter verwaltet wird.

Kein Abbau

Übrigens: Obwohl Analysten seit Jahren ein großes Sterben von Enterprise Datacenter vorhersagen, spiegeln zumindest die BCS-Zahlen diese Orakel nicht wider. In der Studie heißt es: „Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Befragten, die ihren Rechenzentrumsbestand reduzieren wollen, weiterhin relativ gering ist und nahe am Zehnjahresdurchschnitt liegt, der sowohl für intern als auch für extern verwaltete Flächen beobachtet wurde.“

So liegt der Anteil der Befragten, die beabsichtigen, ihre interne Fläche zu reduzieren, bei 7 Prozent im Vergleich zu den 10 Prozent, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 verzeichnet wurden. Der Anteil der Befragten, die ihre extern verwaltete Fläche reduzieren wollen, liegt bei 3 Prozent.

Die positive Stimmung bewirkt offenbar auch, dass die befragten Bauträger einen geringeren Grad an Vorvermietung als notwendig erachten. Die Anzahl der Befragten, die mindestens 75 Prozent oder mehr ihres Vorhabens vorab vermietet haben wollen, ist von etwa zwei Dritteln auf etwa 59 Prozent gesunken.

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Zugleich bemerken die Studienmacher eine Polarisierung. So ist der Prozentsatz derer, die eine 100prozentige Vorvermietung verlangen würden, bevor sie grünes Licht für den Bau geben, um 5 Prozent auf 15 Prozent gestiegen.

Der Faktor Stromversorgung

Die Verfügbarkeit von Strom ist seit geraumer Zeit einer der wichtigsten Kriterien bei der Standortwahl. Die jüngste BCS-Umfrage deutet darauf hin, dass sich dieser Faktor jedoch deutlich nach vorne verschoben hat im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen.

In der aktuellen Befragung geben fast drei Viertel der Befragten den Faktor Stromversorgung als wichtigstes Kriterium an. Dies stellt eine Steigerung von 62 Prozent gegenüber den Ergebnissen im vergangenen Winter dar.

Nach den befragten Gruppen unterschieden liegen die Bauunternehmen und Investoren vorne: Für 85 Prozent bildet eine adäquate Energieversorgung den wichtigsten Faktor für der Entscheidung, ob und wo sie in neue Rechenzentren investieren.

Zudem zeigt sich, dass ein effizienterer Betrieb der Rechenzentren die gestiegene Nachfrage nicht komplett auffangen kann. Dieser Befund stimmt mit den Erwartungen der EU-Kommission überein. Sie geht davon aus, dass Rechenzentren 2030 rund 500 Terawattstunden an Elektrizität verbrauchen werden, zirka 3 Prozent des gesamten globalen Energiebedarfs.

Die Studie folgert: Diese Situation erfordert Initiativen der Kommunen mit der größten Rechenzentrumsdichte, um ein nachhaltiges Wachstum sicherzustellen. Städte wie Amsterdam, Dublin und Frankfurt am Main haben bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen.

Der Fachkräftemangel

Ein Faktor, der an Bedeutung gewonnen hat, ist die Verfügbarkeit von Fachkräften für den Bau von Rechenzentren. Insgesamt nennt eine Gruppe von 7 Prozent dieses als den wichtigsten Faktor, mehr als doppelt so viele wie sechs Monate zuvor, als der Prozentsatz noch 3 gewesen ist. Laut Studienmacher ist das der „Hinweis auf eine potenzielle Qualifikationslücke“ in der Branche.

Für Bauunternehmen und Investoren ist die Verfügbarkeit von Fachkräften nach der von Strom der am zweithöchsten bewertete Faktor und liegt noch vor den Gesamtausbaukosten und dem Grundstückspreis.

Außerdem befürchten offenbar rund 90 Prozent der Befragten, dass es im kommenden Jahr zu einem Rückgang des Personalangebots kommen wird. Die gleiche Anzahl (93 %) hat das im Winter 2020 angegeben, auf dem Höhepunkt der Covid-19-Krise in ganz Europa. Zugleich erwarten 70 Prozent, dass mit einem Anstieg der Nachfrage nach solchen Mitarbeitern zu rechnen ist.

So sind sich Bauunternehmen und Investoren schon zum zweiten Mal in Folge einig, dass in den kommenden zwölf Monaten das Angebot an Mitarbeitern sinken wird, während die Nachfrage nach diesen Qualifikationen steigt; das ist der höchste Grad an Zustimmung unter allen Befragten.

Während die Befragten aus dem Bereichen Design, Engineering und Konstruktion ein fast identisches Antwortprofil zeigen, haben die Colocation-Anbieter seit der vergangenen Umfrage den gleichen Grad an Besorgnis beibehalten. Fast 90 Prozent sagen für die nächsten 12 Monate eine steigende Nachfrage nach Fachkräften bei gleichzeitig sinkendem Angebot voraus, wie auch Integratoren und Carrier.

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Über BCS

Die BCS Business Critical Solutions GmbH unterstützt Technologieunternehmen, Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber bei der Planung und dem Bau geeigneter Immobilien. Das privat geführte Unternehmen agiert seit über 30 Jahren im Markt.

Zu den Kunden gehören führende Unternehmen im Bereich Co-Location und Wholesale Rechenzentren, global agierende Technologie-Unternehmen, Finanzinstitute, Technologieinvestoren, Vermieter und Betreiber von Rechenzentren sowie zwei der weltweit größten Rechenzentrumsentwickler. BCS betreut seine deutschen Kunden lokal vor Ort aus der Niederlassung in Frankfurt am Main heraus.

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