Nutanix: Enterprise Cloud Index Das klassische Rechenzentrum hat ausgedient

Von Dr. Dietmar Müller 7 min Lesedauer

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Auch in diesem Jahr hat Nutanix seinen „Enterprise Cloud Index“ sowohl für Deutschland als auch die Schweiz erhoben und vorgestellt. Die fünfte Ausgabe der Studie zeigt, dass DACH-spezifische Wesenszüge immer mehr verschwimmen. Und in drei Jahren soll die Nutzung der Hybriden Cloud den Tipping-Point erreichen.

Auch 2023 hat Nutanix den „Enterprise Cloud Index“ sowohl für Deutschland als auch die Schweiz vorgestellt. (Bild:  Nutanix)
Auch 2023 hat Nutanix den „Enterprise Cloud Index“ sowohl für Deutschland als auch die Schweiz vorgestellt.
(Bild: Nutanix)

Peter Goldbrunner, Vice President und General Manager Central Europe von Nutanix, hat in einer virtuellen Konferenz die Ergebnisse des fünften Enterprise Cloud Index) (ECI) vorgestellt. Das Wichtigstes davon war wohl, dass 100 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Deutschland erklärten, in den zurückliegenden zwölf Monaten eine oder mehr Anwendungen in eine andere IT-Umgebung verschoben zu haben. In anderen Worten: Das große Migrieren hat begonnen, Public Clouds gewinnen massiv an Bedeutung, während lokale Serverräume immer mehr den Charakter einer Cloud im Privatbesitz annehmen.

„Zwar werden bis in drei Jahren immer noch 18 Prozent der Unternehmen ein eigenes Rechenzentrum nutzen, aber die hybride Multi-Cloud wird dann zum Goldstandard in Sachen Infrastruktur geworden sein“, erklärte Goldbrunner. Aktuell liege der Anteil der Anwender, die ausschließlich auf eine On-Premises-Infrastruktur setzen, noch bei 22 Prozent, der für die hybride Multi-Cloud bei sechs Prozent. Bis 2026 wird nach aus dem ECI abgeleiteten Prognosen die hybride Multi-Cloud jedoch von 50 Prozent der Firmen in Deutschland eingesetzt werden. „Dann haben wir den sogenannten Tipping-Point überschritten“, so Goldbrunner.

Aktuell beschäftigt die Anwender jedoch der Umstieg ganz massiv: „Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die gleiche Anwendung aktuell oft in zwei Modi vorgehalten wird: gehosteten und On-Premises. Dieses Nebeneinander von zwei Infrastrukturen wird stark abnehmen, von aktuell 26 Prozent auf sechs Prozent.“ Ähnlich deutlich soll der Rückgang bei Kombinationen von On-Premises-Infrastrukturen mit einem einzigen Public-Cloud-Angebot ausfallen, nämlich von aktuell 25 Prozent auf neun Prozent.

Peter Goldbrunner zeichnet seit 2018 als Country Manager für das Geschäft von Nutanix in Zentraleuropa verantwortlich.(Bild:  Nutanix)
Peter Goldbrunner zeichnet seit 2018 als Country Manager für das Geschäft von Nutanix in Zentraleuropa verantwortlich.
(Bild: Nutanix)

Die Arbeit wird nicht weniger werden

Das werde aber keineswegs zu einem Rückgang der An- und Herausforderungen für IT-Teams führen, so Goldbrunner, im Gegenteil: „Die Arbeit wird in einem gemischten, also hybriden Modell sogar noch umfangreicher, als wenn nur das eigene Rechenzentrum betrieben wird. Denn auch das Vorhalten von Daten in der Cloud benötigen ein Konzept, allein um sie zu schützen.“ Das verlange nach zusätzlichen Skills und Knowhow. Dennoch werden die Anwender den Schritt hinein in öffentliche Clouds machen, weil sie sich davon laut ECI Verbesserungen in Sachen Sicherheit und Compliance (52 %), schnelleren Datenzugriff (46 %) und eine umfassendere Anwendungskontrolle (40 %) erwarten.

Herausforderungen bei der doppelten Datenhaltung betreffen laut Studie allen voran die Datensynchronisierung, also die Fähigkeit, Datensätze über alle verschiedenen Umgebungen hinweg konsistent und frei von Fehlern zu halten, sowie die Datenanalyse und -orchestrierung. Hier sei die verblüffende Aussage rund der Hälfte der IT-Verantwortlichen in Deutschland angeführt, wonach sie nicht vollumfänglich wissen, wo ihre Daten liegen.

Goldbrunner gab zudem zu bedenken, dass die Public Cloud, ähnlich wie viele andere neuen Technologien, angetreten war, Daten-Silos aufzulösen. „Nun läuft sie Gefahr, selbst zu einer Art von Silo zu werden, weil PaaS-Dienste in der Regel an bestimmte Public-Cloud-Umgebungen gebunden sind.“ Um diesen „Lock-in“ zu vermeiden, müssten für die Daten in der Public Cloud dieselben Regeln wie die im eigenen Rechenzentrum gelten – dies ließe sich eigentlich nur über eine zentrale Plattform für das umgebungsübergreifende Management von Anwendungen und Daten bewerkstelligen. Das sähen mit 94 Prozent auch die für den ECI Befragten aus Deutschland so.

Lösung: Einheitlicher Layer für Daten

Goldbrunner stellt klar: „Die Frage, vor der die IT-Verantwortlichen hierzulande immer stehen, lautet: Wie und wo bekomme ich einen einheitlichen Layer für die Daten her, um sie zwischen den verschiedenen Bereitstellungsmodellen portieren zu können?“ Er sieht Nutanix – wie könnte es anders sein? – als den besten Layer, um Daten zu sammeln und zu teilen. Wie schon zu seinem Amtsantritt vor rund vier Jahren erläutert er: „Wir bei Nutanix sind als Pionier im Bereich hyperkonvergenter Infrastrukturen zuallererst Software-defined, die darunter liegende Hardware ist uns eigentlich egal. Es geht also um die Entkopplung von Anwendungen und ihrer Daten von der zugrundeliegenden Infrastruktur.“

Genau dieses Ziel verfolgt das „Project Beacon“, das Nutanix kürzlich auf seiner „.Next“-Konferenz in Boston vorgestellt hat. „Das Project ist noch in einer ganz frühen Phase, aber ja, das ist eines unserer Top-Themen“, so Goldbrunner gegenüber unserem Partnerportal CloudComputing-Insider. „Mit dem Project Beacon sollen Entwickler Anwendungen nur noch einmal schreiben müssen, sie lassen sich dann überall betreiben. Dafür liefern wir datengesteuerte PaaS-Dienste, die nicht mehr länger an einen einzigen Infrastrukturanbieter gebunden sind.“

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Die Plattformdienste sollen über eine zentrale Schnittstelle inklusive Management-Konsole mit integrierter Kubernetes-Container-Orchestrierung zur Verfügung gestellt werden. Den Anfang macht als Fundament aller Anwendungen der Nutanix Database Service (NDB), im Anschluss sollen Dienste für Streaming, Caching und Suche folgen.

Kubernetes dominiert die Cloud

Der Enterprise Cloud Index zeige, dass beinahe alle befragten Unternehmen mittlerweile Kubernetes für ihre containerisierten Anwendungen einsetzen. Entwickler und Administratoren bei Stateful-Kubernetes-Apps sähen sich aber mit Lücken und Komplexitäten konfrontiert, sodass für die Anwendungs- und Namespaces-Ebenen mehrere Tools von Drittanbietern oder komplexe Do-it-yourself-Projekte erforderlich sind.

Auf der .Next kündigte Nutanix daher als Teil seiner Nutanix Cloud Infrastructure (NCI) die „Nutanix Data Services for Kubernetes“ (NDK) an. Die Anwender erhalten damit Self-Service-Funktionalitäten, um Speicher- und Datendienste zu managen, inklusive Kontrolle über Ressourcenverbrauch und Governance. NDK ist auch für die Nutzung mit Red Hat OpenShift konzipiert.

Nutanix hatte darüber hinaus die „Multicloud Snapshot Technology“ (MST) vorgestellt, auch sie soll für cloud-übergreifende Datenmobilität sorgen, indem sie Snapshots direkt in nativen Cloud-Objektspeichern, beginnend mit AWS S3, ermöglichen. Zusätzlich bietet Nutanix Objects Storage nun eine Integration mit der Snowflake Data Cloud, um Daten lokal, also direkt im Nutanix Objects Storage, analysieren zu können.

Snowflake ist bereits verfügbar, NDK und MST befinden sich noch in der Entwicklung genauso wie das ebenfalls in Boston als Teil der regulären NCI-Lizenz vorgestellte „Nutanix Central“. Die neue, einheitliche Cloud-to-Edge-Managementlösung soll gebündelt Management und Reporting für die gesamte Nutanix-Umgebung in der Cloud bereitstellen – über private, öffentliche und Edge-Clouds hinweg, inklusive Identity und Access Management (IAM).

Der Vollständigkeit halber seien noch neue Funktionalitäten auf der Nutanix Cloud Platform erwähnt, die für eine unabhängige Skalierung von reinen Serverknoten, auf denen Datenbanken als virtuelle Maschinen entweder auf AHV oder ESXi laufen, sorgen sollen. Zudem ermöglichen sie die Einführung von Hochleistungsknoten ausschließlich für Speicherzwecke. Nutanix will darüber hinaus mittels neuer Funktionalitäten in Flow Virtual Networking (FVN) sowie Flow Network Security (FNS) Software-defined Networking und vereinfachte Mikrosegmentierung über Kunden-, Partner- und Hyperscaler-Netzwerke hinweg bieten.

Souveränität, Security und Kosten

Goldbrunner berichtete zudem aus dem Nähkästchen des neuen ECI, dass Unternehmen in Deutschland tatsächlich und explizit Datensouveränität nachfragen: „Das steht hierzulande ganz oben auf der Prioritätenliste der Verantwortlichen, das Thema wird ja auch durch die öffentlich-rechtlichen Instanzen vorangetrieben“, so der Geschäftsführer für Zentraleuropa. Je nach Branche sei die Nachfrage aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Und damit war er auch schon mittendrin im Thema Security, das nach wie vor das Topthema der IT sei – auch beim Gang in die Cloud: „Sowohl bei Lift&Shift von Anwendungen als auch bei Cloud-nativen Apps sollte die IT die volle Kontrolle behalten. Dafür müssen bestehende Sicherheitslevels vom Rechenzentrum in die Cloud mit hinübergenommen werden.“

Gleich nach der Security seien für IT-Leiter naturgemäß die Ausgaben ein großes Thema. 84 Prozent der Unternehmen aus Deutschland bezeichneten die Fähigkeit, ihre Kosten in der Cloud kontrollieren zu können, als „Herausforderung“. Gemischte Infrastrukturen vergrößern diese: „Public-Cloud-Angebote, ihre Preismodelle und Gebühren ändern sich ständig. Das macht es schwer für die Unternehmen, die in gemischten Infrastrukturen anfallenden Gesamtbetriebskosten realistisch einzuschätzen und in ihren Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen, bevor sie Anwendungen und insbesondere große Datenmengen verlagern“, berichtete Goldbrunner. „Neben einem vereinfachten, das heißt umgebungsübergreifenden und automatisierten Management gemischter Infrastrukturen ist das Thema Kostenkontrolle ein weiterer zentraler Grund für die Attraktivität und den konkreten Nutzen hybrider Multi-Cloud-Umgebungen.“

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass der neueste ECI belegt, dass Anwendungsdaten in der Regel die Infrastrukturentscheidungen von Unternehmen definieren. Die Daten bilden in vielen Fällen eine von der zugrundeliegenden Infrastruktur getrennte IT-Schicht, egal ob wie bislang oft on-premises oder zunehmend in der Public Cloud. Nutanix baut daher an einem universellen Cloud-Modell mit Datendiensten für zunehmend containerisierte Anwendungen, in dem Data-Governance-Richtlinien über Cloud-Grenzen hinweg gelten.

Zur Studie:
Für den fünften Enterprise Cloud Index hat das Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne im Auftrag von Nutanix im Dezember 2022 sowie Januar 2023 weltweit 1450 IT-Entscheider, darunter 100 aus Deutschland, befragt. Die Teilnehmer kamen aus Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe aus Nord- und Südamerika, Europa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika (EMEA) und aus dem asiatisch-pazifischen Raum einschließlich Japan (APJ).

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