Immer effizientere Produkte Neues Energielabel mit weniger A-Produkten

Autor: Sarah Gandorfer

Ein bis dato mit dem Energielabel A ausgezeichnetes Gerät ist nun möglicherweise eines der Klasse E. Grund ist die überarbeitete Einstufung. Einerseits schön für die Umwelt und übersichtlicher für den Verbraucher, andererseits problematisch bei TV-Geräten und Monitoren.

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Seit 1. März 2021 gilt ein neues Energielabel.
Seit 1. März 2021 gilt ein neues Energielabel.
(Bild: viperagp – stock.adobe.com)

Seit Monatsbeginn gibt es neue Effizienzlabel für große Haushaltsgeräte, Fernseher und Monitore. Das kann dazu führen, dass ein erst kürzlich mit gutem Gewissen gekauftes Gerät der Klasse A, dessen Effizienz in den grünen Bereichen angesiedelt war, plötzlich in den Bereichen Hellgrün bis Rot landet.

Grund für die Überarbeitung der Labels war die nach Ansicht der EU-Kommission, fehlende Vergleichbarkeit und Aussagekraft. Oftmals waren Produkte nämlich nicht allein in Klasse A angesiedelt. Das A wurde zusätzlich mit bis zu drei Pluszeichen ergänzt. Außerdem gab es noch die Zusatzinformation, um wie viel Prozent ein Gerät „A+++“ unterbieten würde. Die Anstrengungen der Hersteller, immer effizientere Produkte zu entwickeln, haben die Aussagekraft des Labels verwässert.

Der Mehrwert des neuen Labels

Auch in Zukunft wird die Einstufung auf der gewohnten Skala von A bis G sowie der Ampel-Farbeinstufung von Grün bis Rot stattfinden. Jedoch wurden die Richtwerte für die Energieeffizienz angepasst. Dies führt dazu, dass die Einstufung A vorerst die Ausnahme sein wird. Somit werden also viele Geräte, die bisher im grünen Bereich angesiedelt waren, nun in die Bereiche Hellgrün bis Rot fallen. Beispielsweise werden viele Kühlschränke, die sich bisher mit einem „A+++“ und Grün schmücken durften, nun in der Klasse D (Hellgrün) oder E (Orange) landen, nur die besonders energieeffizienten Modelle werden voraussichtlich ein C, und somit weiterhin Grün, erreichen.

Das neue Label informiert nicht nur über den Energieverbrauch. Je nach Gerätekategorie finden sich weitere Informationen: Bei Waschmaschinen beispielsweise über den Wasserverbrauch sowie die Dauer eines Waschzyklus. Und auch über die Geräuschemissionen der Produkte gibt das Label Auskunft. Das ist hilfreich, wenn der Aufstellort die offene Wohnküche und nicht der abgeschiedene Kellerraum ist.

Neben der breiteren Verteilung der Effizienzklassen, bringt die Überarbeitung zudem unter anderem auch Änderungen bei den Berechnungsgrundlagen für die Energieeffizienz mit sich. Bis dato wurden beispielsweise der Berechnung des Jahresenergieverbrauchs unterschiedliche Zyklen zugrunde gelegt. Bei Spülmaschinen waren es 280 Durchgänge pro Jahr, bei Waschmaschinen 220 Waschladungen. Nun wird der Energieverbrauch einheitlich auf 100 Durchgänge bezogen, um eine einfache Umrechnung auf die persönlichen Nutzungsgewohnheiten zu ermöglichen.

Ähnliche mathematische Vereinfachungen gibt es bei TV-Geräten und Monitoren. Bisher wurde von vier Stunden täglicher Nutzung ausgegangen. Jetzt gibt das Label den Energiehunger eines Gerätes über 1.000 Stunden gemittelt an. Neu ist auch die separate Ausweisung der Effizienzklasse beim Einsatz der Technologie zur Kontraststeigerung, High Dynamic Range (HDR), die aufgrund größerer Spitzenhelligkeit mehr Energie benötigt.

Problem: Mehr Pixel, mehr Energieverbrauch

Wie sich die hinter dem neuen Label stehenden Ökodesign-Richtlinien auf die Weiterentwicklung der Bildqualität von Fernsehern auswirken werden, kann zukünftig spannend werden. Die jüngste Generation von Displays hat eine 8K-Auflösung, also viermal mehr Bildpunkte als die aktuell verkauften Ultra-HD-TVs. Je mehr Pixel ein Display hat, umso mehr Fläche beanspruchen die Zwischenräume um die Pixel herum. Und diese Zwischenräume schlucken Licht, also Energie. Deshalb besteht eine gewisse Gefahr, dass die von ihrer Detailauflösung her hochwertigsten Displays den Vorgaben des Ökodesigns nicht mehr entsprechen. Würde ein Gerät die G-Kategorie verfehlen, müsste es gemäß der aktuellen Regelung vom Markt genommen werden.

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Über den Autor

 Sarah Gandorfer

Sarah Gandorfer

Redakteurin bei IT-BUSINESS