Der neue Netgo-CEO Jacques Diaz hat einiges zu tun. Prozessharmonisierung auf der einen Seite, Wachstum auf der anderen. Ihm hilft, dass der Dienstleister „etwas Sensationelles hat, womit sich viele andere Systemhäuser schwer tun.“
Jacques Diaz, CEO Netgo
(Bild: Netgo)
Ein Zukauf nach dem anderen prägte in den vergangenen Jahren Netgo. Die Gruppe, die 2019 noch rund 300 Mitarbeiter hatte, wuchs bis heute auf 1.500 Mitarbeiter. Auch der Umsatz hat sich vervielfacht. Und damit die Herausforderungen. Vor diesen steht seit Anfang September der neue CEO Jacques Diaz, der die Nachfolge von Oliver Mauss angetreten hat.
Im Gespräch mit IT-BUSINESS merkt man dem Manager die Freude über die Herausforderung an, vor der er steht: „Wir wollen weiter wachsen, aber wir müssen auf das Geschäft aufpassen. Wir wollen die Leute behalten und mit auf die Reise nehmen. Und wir benötigen eine Hand voll Schlüsselsysteme, um das Potenzial für Automatisierung, Prozessoptimierung und Skalierung heben zu können. Da jeder zugekaufte Partner aber auf einer anderen Evolutionsstufe steht, ist das komplex. Die Herausforderung ist, das auszubalancieren. „Das sei ein ganz „normaler evolutionärer Prozess“, schmunzelt Diaz, der das Wort ‚Transformation‘ nicht so gerne in den Mund nimmt, da dieses inflationär verwendet werde und eher einen einmaligen Vorgang beschreibt. „Unternehmen müssen sich aber kontinuierlich verändern, um gesund zu bleiben. Und das ist Netgo. Die Substanz ist gut.“
Die Gruppe habe ein „riesiges Portfolio mit sehr viel Potenzial. Und dieses müssen wir jetzt in Form bringen und sauber ausrichten. Und das kann ich. Denn diese Themen hatte ich auch in meinem vorherigen Betätigungsumfeld.“
Wir haben bei Netgo etwas Sensationelles, womit sich viele Systemhäuser schwer tun.
Jacques Diaz, CEO-Netgo
Automatisierung ist hoch attraktiv
Bei Netgo gilt es jetzt, gemeinsame Services für alle zu etablieren. „Ein auf das operative Geschäft und die regionalen Märkte ausgerichtetes, spezialisiertes System“, formuliert Diaz. Es gelte, die Erlösgruppen zu mischen, Systeme zu planen, beim Kunden zu bauen und in Teilen oder ganz selbst zu betreiben. „Das ist unser Geschäftsmodell. Und im Betrieb liegt durch die Automatisierung und die vertraglichen Bindefristen der Kunden, Schlagwort Managed ServiceCloud, rein betriebswirtschaftlich eine hohe Attraktivität.“ Höchste Priorität hat die Prozessharmonisierung, „sodass die ganze Gruppe am Ende des Tages mit einem Herzschlag tickt.“
Parallel dazu möchte Diaz dafür sorgen, dass Netgo weiter anorganisch wächst. Als Entscheidungsgrundlage für Zukäufe nennt er vier Bausteine: geografische Lage präferiert im süddeutschen Raum, Ausrichtung auf Security und wiederkehrendes Geschäft sowie spezifisches Branchen-Knowhow.
Vertikales Knowhow wird immer wichtiger
In letzterem sieht Diaz ein klares Alleinstellungsmerkmal. „Wir haben bei Netgo etwas Sensationelles, womit sich viele Systemhäuser schwer tun. Wir haben eine geographische Coverage, und können mit unseren Vertriebs- und Servicetruppen unsere Kunden deutschlandweit bedienen. Wir haben aber auch einen vertikalen Ansatz. Systemhäuser brauchen Prozess-Knowhow und vertikales Wissen. Das haben wir zum Beispiel im Bereich Steuern, Schlagwort Datev. Denn Systemhäuser müssen sich ja fragen, wie bekomme ich mich im Wettbewerb so ausgerichtet, dass ich für bestimmte Kundengruppen der präferierte Partner bin. Und das ist uns hier gelungen.“
Aber auch der öffentliche Sektor sei ein starkes Vertical bei Netgo und die Gruppe hat sich beispielsweise darauf spezialisiert, Ausschreibungen im öffentlichen Bereich für Kunden zu bearbeiten.
Zudem könne man auf eine große Software-Entwicklungstruppe zugreifen. „Welches Systemhaus hat das schon“, fragt Diaz mit ein wenig Stolz in der Stimme. Dank dieser Power kann Netgo Kunden bei der Prozess-Entwicklung helfen, mit Blick auf Schnittstellen und das Customizing. „Wir sind in der Lage, die Prozesse des Kunden zu verstehen.“
Klare Buy-and-Build-Strategie
Die Buy-and-Build-Strategie der Netgo Group mit dem Investor Waterland wird durch einen Blick auf das vergangene Jahr deutlich: 2023 vergrößerte der IT-Dienstleister unter anderem die Netgo Tax durch den Zukauf des Neu-Ulmer IT-Dienstleisters Glöckler & Lauer sowie der Nitsche Gruppe aus Kaufering. In diesem Jahr geht es damit unbeirrt weiter mit der Akquisition von Msystems, einem IT-Dienstleister für Steuerberatungs-, Anwalts- und Wirtschaftsprüfungskanzleien sowie mittelständische Unternehmen. Aber nicht nur die Netgo Tax wächst anorganisch. Ebenfalls wurde der Managed Cloud Service Provider ITgration Ende 2023 durch die Group übernommen und damit das Portfolio um Cloud-Technologien erweitert.
Unternehmen müssen es wieder leichter haben
Auch der Blick auf die momentane wirtschaftliche Schwäche in Deutschland macht Diaz nicht wirklich Sorgen. „Wir haben momentan eine zyklische Marktschwäche. Das wird vorübergehen. Es geht darum, Altlasten loszuwerden. Viele Unternehmen haben sich ausgeruht, weil es lief. Jetzt hat man einen Rücksetzer und jetzt wird man wach und muss etwas tun. Und das passiert ja auch.“ Auf politischer Ebene nennt Diaz Themen wie Überregulierung, unternehmerische Regulierung, Lieferkettengesetz und Compliance-Themen, die man angehen müsse, um es für Unternehmen wieder leichter zu machen.
Stand: 08.12.2025
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Manche Projekte verzögern sich dadurch im Moment, da viele ihre Systeme lieber noch ein Jahr länger laufen lassen, als sie zu aktualisieren. „Die Welt bricht nicht zusammen, wenn man jetzt nicht sofort etwas macht. Doch wir versuchen gerade jetzt, den Kunden verstärkt dort zu helfen, wo es Potenzial gibt, gestärkt aus der Krise rauszukommen. Dafür brauchen die Kunden die richtigen Angebote.“ Sie würden smarte Modelle suchen, um aus Abhängigkeiten herauszukommen. Netgo könne hier mit einem Workplace-as-a-Service-Modell punkten, das dem Kunden die Wahl bei der Bezugsart, der Skalierung, aber auch beim Servicemanagement lasse.