Der Absatz von Druckern und MFPs ist weiter rückläufig. Es wird weniger gedruckt, was mit der fortschreitenden Digitalisierung und der Nachhaltigkeit zu tun hat. Die Hersteller haben aber durchaus Ideen, wie sie sich und ihren Partnern die Zukunft sichern.
Die neue Generation der Drucker und Multifunktionsgeräte wird nachhaltiger bei der Produktion und im Betrieb.
(Bild: Anna - stock.adobe.com / KI-generiert)
Im ersten Quartal 2024 ist der Absatz von Druckern und Multifunktionsgeräten in Westeuropa gegenüber dem Vorjahresquartal um etwa 20 Prozent gesunken, so die Analysten von IDC. Neuere Zahlen haben die Marktforscher bisher nicht veröffentlicht. Damit setzt sich ein Trend fort, der schon mehr als 10 Jahre andauert, unterbrochen nur durch die Corona-Pandemie mit ihrer hohen Nachfrage nach kleineren Geräten für das Homeoffice. Am stärksten ist der Rückgang allerdings im Privatkundengeschäft, wie Zahlen von Statista zeigen. Wurden 2011 noch mehr als 4,5 Millionen Drucker, Multifunktionsgeräte und Scanner in Deutschland verkauft, waren es 2023 nur noch 2,85 Millionen Geräte. Hier schlägt sich sicher die Verlagerung der Nutzung von PCs hin zu Smartphones und zu einer vorwiegend digitalen Kommunikation sowie Content-Erstellung nieder.
Managed Print Services als Gesamtpaket
In Unternehmen wird ebenfalls digitalisiert, aber auch noch viel gedruckt, wie Hartmut Husemann, Channel Director bei HP Deutschland, konstatiert: „Die Mitarbeiter in vielen Unternehmen drucken weiterhin Dokumente wie Verträge oder andere sensible Papiere aus. Viele Mitarbeiter fühlen sich auch wohler, wenn sie einen Vortrag oder eine Präsentation auch ausgedruckt vorliegen haben.“ Er sieht hier eine positive Entwicklung im MPS-Geschäft (Managed Print Services), da MPS für die Kunden bedeutet, dass sie ihre Druckkosten im Blick haben und die eigene IT entlastet wird.
Hartmut Husemann, Channel Director bei HP Deutschland.
(Bild: HP)
Laut Husemann geht es bei MPS auch nicht um das reine Drucken, sondern um ein Gesamtpaket „das Firmen und Mitarbeiter unterstützt“ und den Partnern die Möglichkeit gibt, eigene Anwendungen und Services mit herein zu packen. Für die Kunden biete das MPS-Modell den Vorteil, dass sie einen Überblick über die Druckkosten haben, sich aber nicht um Verbrauchsmaterial und Wartung kümmern müssen. „Es geht bei MPS nicht um das reine Drucken von Dokumenten, es geht um ein Gesamtpaket, das Firmen und Mitarbeiter unterstützt.“ Für Dietmar Nick, CEO von Kyocera Document Solutions Deutschland, bietet der Markt auch bei sinkendem Druckvolumen viele Chancen. „Die Integration von Softwarelösungen und die Cloud spielen dabei eine zentrale Rolle“, stellt der Manager fest und verweist auf digitale Dokumentenmanagement-Systeme, mit denen die Kunden ihre Geschäftsprozesse optimieren. Flottenmanagement in der Cloud ermögliche eine Echtzeit-Überwachung der Geräte mit proaktiver Wartung und Remote-Zugriff für die Reduzierung von Ausfallzeiten.
Für Hajo Soldan, Channel Director Digital Printing & Solutions bei Canon Deutschland, ist das Geschäft mit der Hardware nur noch ein Einstiegspunkt, für profitables Wachstum brauche es umfassende Konzepte, die „über die Systeme hinaus Services, Software und Scanclicks kombinieren. Besonders Scanclicks bergen oft ungenutztes Potenzial“. Die Canon-eigene Software Therefore soll Dokumentenworkflows erleichtern, ohne dass die Anwender komplexe Schulungen durchlaufen müssen, erklärt Sodan.
Hajo Soldan, Channel Director Digital Printing & Solutions bei Canon Deutschland.
(Bild: Alex Schelbert)
Lexmark hat mit MPS Express bereits im vergangenen Jahr ein neues Programm für die Partner aufgelegt, das mit einem Pakt von Dienstleistungen kleine und mittlere Kunden adressieren soll, „auf Grundlage einer schlüsselfertigen, Cloud-basierten Lösung“, so Michael Lang, Geschäftsführer von Lexmark Deutschland. Das Lexmark-MPS in der Cloud ermögliche mit integrierten KI- und IoT-Funktionen überdies einen vorausschauenden technischen Support. 70 Prozent aller potenziellen Druckunterbrechungen können so vermieden werden, verspricht der Lexmark-Geschäftsführer Michael Lang.
Christian Weber, Sales Manager Channel bei Brother International, setzt auf Entwicklungen in der KI, die etwa zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten schaffen könnten. Wertvoll für die Entwicklung neuer sowie die Optimierung bestehender MPS-Angebote ist für ihn das Feedback der Partner und Anwender. „Wir stehen hier in einem regelmäßigen und konstruktiven Austausch“, so Weber.
Christian Weber, Sales Manager Channel bei Brother.
(Bild: Brother)
MPS in der Cloud
Managed Print Services wandern zunehmend in die Cloud. Für Daniel Gleixner, Vertriebsdirektor bei Utax, bietet die Cloud hier ein „großes Potenzial für die digitale Wertschöpfung“ mit entsprechendem Interesse der Partner. Die Utax-Partner können ihren Kunden ein Freemium-Modell für die digitale Dokumentenverwaltung Utax Cloud Information Manager (UCIM) anbieten, bei den ein Gigabyte Cloud-Speicher gratis ist. Wird mehr Speicherplatz benötigt, dann kann der Partner die gebührenpflichtige Pay-Per-Use-Variante anbieten. So unterstütze der Hersteller die Partner dabei, die Potentiale des SaaS-Geschäfts zu nutzen. „Die Kunden wiederum profitieren durch eine hochsichere und DSGVO-konforme digitale Dokumentenverwaltung“, erklärt Gleixner.
Das Scannen spielt zukünftig im MPS-Geschäft eine größere Rolle, etwa durch Scanclicks, die zusätzlich zu gedruckten Seiten abgerechnet werden.
(Bild: A Stockphoto - stock.adobe.com)
Stand: 08.12.2025
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Nachhaltigkeit im Fokus
Ein eminent wichtiges Thema für die Drucker-Branche ist das der Nachhaltigkeit. Drucken gilt bei vielen Menschen als Verschwendung wertvoller Ressourcen, da hier der ökologische Fußabdruck sichtbarer ist, als bei rein digitalen Diensten, deren Energieverbrauch eher im Dunkeln bleibt. Daher geben sich die Hersteller von Druckern und MFPs (Multifunction Printer) viel Mühe, ihre Produkte und Services nachhaltiger zu gestalten und das auch zu kommunizieren. Besonders engagiert ist hier der Hersteller Epson, der ausschließlich auf den konstruktionsbedingt sparsamen Tintendruck setzt und zusätzlich auf Geräte mit Tintentanks oder für das MPS-Geschäft auf Tintenbeutel. Aber auch bei Geräten mit Laser- oder LED-Drucktechnik tut sich hier einiges, von neuen Tonern mit niedrigem Schmelzpunkt für einen geringeren Energieverbrauch, über einen höheren Nutzungsgrad von Recyclingmaterial bei der Produktion der Geräte, bis hin zu umfassenden Recycling- und Refill-Programmen für die Tonerkartuschen. So sagt etwa Weber über Brother: „Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil unserer DNA. Das beinhaltet nicht nur den Ressourcenschonenden Betrieb der Geräte, sondern alle 7 Phasen des Product-Lifecycles – von der Entwicklung bis zum Nutzungsende.“ Der Hersteller betreibt bereits seit 17 Jahren im slowakischen Krupina ein Werk für die Wiederverwertung leerer Tonerkartuschen und hat vor kurzem im britischen Wrexham zusätzlich zum Reycling von Tonerkartuschen noch eine Wiederaufbereitungsanlage für Tintenpatronen in Betrieb genommen. Die Kooperation mit dem Dienstleister Circular Planet soll den MSP-Partnern und Fachhändlern die Rückgabe erleichtern: „Sie können sämtliches Verbrauchsmaterial gemischt an eine Adresse zurücksenden.“
Bei Lexmark ist man stolz darauf, den Anteil an Recycling-Kunststoff in den A3-Geräten der Serie 9 auf bis zu 73 Prozent gesteigert zu haben. Zudem sei die Lebensdauer mit mindestens sieben Jahren länger als üblich. Das spare Geld und schone die Umwelt, da so die Frequenz für Refurbishing, Recycling oder Entsorgung der Geräte sinke. Auch die Tonerkartuschen können bis zu zehn Mal wiederaufbereitet werden. „In der Branche ist das bisher nur zwei bis drei Mal der Fall“, erklärt Lang.
Michael Lang, Geschäftsführer bei Lexmark Deutschland.
(Bild: Lexmark)
Kyocera baut die Verwendung von Recycling-Kunststoff ebenfalls weiter aus. Der Hersteller nutzt nun die PET-Folie, die bei der Herstellung von Keramik-Vielschichtkondensatoren anfällt (ein anderer Geschäftszweig des Unternehmens), als Material für Komponenten der Drucker und MFPs. In den Ecosys-Geräten kommen zudem besonders langlebige Bauteile zum Einsatz, was die Abfallmenge reduziere, so Nick. Im Normalfall wird nur eine kompakte Tonerkartusche eingesetzt. Bildtrommel, Entwickler- und Fixiereinheit verbleiben über die gesamte Lebensdauer des Systems hinweg im Gerät. Bei Cartridge-Systemen werden sie beim Tonerwechsel mit ausgetauscht und müssen dann wiederaufbereitet oder entsorgt werden.
Dietmar Nick, CEO von Kyocera Document Solutions Deutschland.
(Bild: Kyocera)
Bei HP geht die Entwicklung ebenfalls hin zu energieeffizienteren Geräten mit einem höheren Prozentsatz an recyceltem Kunststoff. Auch die „Aufbereitung von Tintenpatronen und Tonerkartuschen in einem geschlossenen Kreislauf “ wir ausgebaut, betont Husemann. So wurde etwa bei den Geräten der HP-Color-Laserjet-Pro-3000-Serie der Anteil an neuem Kunststoff um 28 Prozent reduziert und zusätzlich ein energiesparender Toner eingesetzt. Mit Amplify Impact hat HP zudem ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm für die Partner aufgesetzt, das unter anderem Schulungen und Trainings beinhaltet. „Wir werden unser Nachhaltigkeitsprogramm HP Amplify Impact weiter ausbauen – die Rückmeldung unserer Partner ist durchweg positiv und sie sind sehr engagiert“, ergänzt der Channel Director.
Energiesparend Drucken
Ein Manko bei Laserdruckern und MFPs gegenüber Geräten mit Tintentechnologie ist der deutlich höhere Energieverbrauch während des Druckvorgangs, der durch das Fixieren des Toners auf dem Papier mittels Hitze entsteht. Bei neueren Tonern bestehen die winzigen Partikel, die als Träger für die Farbpigmente dienen, aus Kunststoffen oder Wachsen, die bei einer niedrigeren Temperatur schmelzen, aber trotzdem gut auf dem Papier haften. So muss die Fixiereinheit, also die Heißwalze hinter der Bildtrommel, nicht mehr so stark aufgeheizt werden, was den Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent verringern soll.
Toner mit niedrigem Schmelzpunkt senken den Energieverbrauch von Lasergeräten.
(Bild: Destina - stock.adobe.com)
Für Canon weist Sodan auf die hohe Energieeffizienz und die Langlebigkeit der Druck- und Multifunktionssysteme hin. „Die Qualität unserer Produkte erlaubt es, Systeme auch im zweiten und dritten Lebenszyklus effizient einzusetzen. Der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2025 in der Kategorie Informationstechnologie zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Canon bietet mit Imagerunner Advance ES eine eigene Serie von Multifunktionssystemen an, die aus bis zu 90 Prozent aus aufbereiteten Gebrauchtteilen hergestellt wird. Das Kürzel „ES” steht dabei für „Environmental Series”. Die Geräte kommen mit aktualisierter Firmware und Garantie zum Kunden.
Utax hat im vergangenen Jahr neue A4-Systeme mit einem Wachs-basierten Toner eingeführt, der einen niedrigeren Schmelzpunkt aufweist und den recyclingfähigen Anteil im Systemgehäuse erhöht. Zudem seien die Geräte langlebig. Laut Gleixner ermöglicht die Software Utax Smart zudem den Kunden, „den Energieverbrauch ihrer Systeme gezielt im Blick zu behalten und zu reduzieren.“