Laut Peter Fuchs, Partner & Alliances Lead DACH bei AWS, ergeben sich mit dem Plattform-Wechsel bereits Kostenvorteile, das größte Potenzial bringt die Cloud jedoch vor allem dann, wenn neue Services ermöglicht und bestehende Dienste optimiert werden. AWS sieht hier Managed Service Provider (MSP) in der Pflicht, denn ein reines „lift and shift“ in die Cloud sei heutzutage zu wenig.
Managed Service Provider (MSPs) helfen Unternehmen bei ihrem Weg in die Cloud.
(Bild: bagotaj - stock.adobe.com)
Welche Mehrwerte können MSP-Partner ihren Kunden liefern, wenn sie ihr Knowhow in puncto Cloud-native (Container-Technologie, Microservices etc.) erweitern?
Peter Fuchs zeichnet als Partner & Alliances Lead für den Channel von AWS in der DACH-Region verantwortlich. Der Manager arbeitet seit Ende 2011 bei dem Hyperscaler und war zuvor bei Nokia Siemens Networks und Siemens tätig.
(Bild: AWS)
Fuchs: Grundsätzlich ist es vorteilhaft für MSPs, ihren Kunden hochflexible, skalierbare und sichere IT-Umgebungen zur Verfügung zu stellen, die in einem Pay-as-you-Go-Modell bezahlt werden. Wir sehen, dass das klassische Outsourcing beziehungsweise Hosting wegen der oft fehlenden Flexibilität in den Verträgen nicht mehr so stark gefragt ist. In Zeiten von Cloud Computing ist das verständlich. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Partner PlusServer. Er kann auch kleineren Kunden hoch-elastische Lösungen anbieten. Etwa dem 1.FC Köln, dessen Server an Spieltagen an die Grenzen ihrer Auslastung kommen, aber ansonsten nur moderaten Traffic haben. In einem klassischen Modell wäre es kaum möglich, einem solchen Kunden ein attraktives Angebot zu machen, da eben viel Hardware benötigt wird, die dann die meiste Zeit nur sehr wenig beansprucht würde. Das Thema Kostenoptimierung spielt hier allgemein eine große Rolle: Im On-Premises-Modell gelten stets Verträge mit langer Laufzeit, deren Konditionen sich möglichst nicht ändern sollen. Durch das wechseln auf AWS-Services, die es womöglich zu Zeiten des Vertragsabschlusses mit einem klassischen Hosting-Provider noch gar nicht gab, könnten nun laufende Kosten gesenkt werden. Dadurch wird Budget für neue Projekte frei. Vom generellen Mehrwert technologischer Innovationen dabei noch gar nicht gesprochen. Außerdem spielt Business Continuity eine große Rolle. Medizinfuchs ist ein Kunde unseres Partners TecRacer. Medizinfuchs betreibt auf AWS ein Vergleichsportal für Medikamente, das von Apotheken genutzt wird. Das Geschäft zeichnet sich normalerweise durch relativ konstante Steady-State-Workloads aus. Durch die Coronakrise ist die Nachfrage jetzt aber auf ein Vielfaches gestiegen. Unser MSP-Partner TecRacer hilft dem Kunden, dass dieser trotz der Ausnahmesituation weiter seine Aufgabe erfüllen kann. Ein drittes Beispiel sind die zahlreichen Kunden, die Software zwar nicht mehr selbst betreiben und verwalten möchten, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht die SaaS-Angebote der jeweiligen Anbieter nutzen wollen. Mit Automatisierung können MSPs hier auf Knopfdruck Lösungen in der Cloud bereitstellen, die den Komfort von SaaS mit der Sicherheit und Kontrollmöglichkeit eines Managed Service verbinden. Das zeigt sich beispielsweise bei Atlassian, einem der meistgenutzten Devops-Tools derzeit. Atlassian bietet seine Software as-a-Service an und kümmert sich dabei um Hosting und Management. Wenn Kunden wie Orderbird, ein Hersteller von Kassensystemen, dabei mehr Flexibilität und Kontrolle wünschen, bekommen sie über die Cloud und unseren MSP Kreuzwerker das Beste aus beiden Welten. Also eine gehostete und gemanagte Lösung, die trotzdem zu 100 Prozent ihre individuellen Anforderungen erfüllt. Grundsätzlich übernehmen in Fällen wie diesen MSPs auch die Optimierung der Prozesse und Services. Das ist schließlich einer der generellen Vorteile einer Cloud-Umgebung. In ihr können solche Verbesserungen permanent ausgeführt werden. Ein reines „lift and shift“ ist heute einfach zu wenig. Bei MSP in der Cloud geht es in der Regel um eine optimierte Infrastruktur. MSPs können in dieser Hinsicht viele Kunden mit einer überschaubaren Anzahl an Mitarbeitern handlen. Schließlich lässt sich über Code viel automatisieren. Neue Services werden dann auch wieder über Code geskriptet und automatisiert, was als positiven Nebeneffekt auch die Sicherheit erhöht. Schließlich werden dadurch zugleich viele menschliche Fehler ausgeschlossen. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Auch „Serverless“ ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange in der Entwicklung. Dabei ist es die Aufgabe des MSPs, den Kunden zu beraten, welche Technologien ihm einen wirklichen Mehrwert liefern.
In letzter Zeit hört man immer wieder das Argument, Cloud sei (zu) teuer. Und tatsächlich gibt es Migrationsprojekte, bei denen im Anschluss bei den Kunden die Kosten aus dem Ruder laufen. Ist das tatsächlich so? Wie sieht das AWS?
Fuchs: Dass die Cloud zu teuer wäre und bei Migrationsprojekten Kosten aus dem Ruder laufen, deckt sich nicht mit unserer Erfahrung. Das Gegenteil ist der Fall: Die AWS Cloud bietet in allen Segmenten einen sehr hohen Mehrwert und spart vielen Unternehmen eine Menge Geld. Das betrifft erfolgreiche und schnell wachsende Start-Ups wie Airbnb, Pinterest und SmugMug, aber auch klassische Industrieunternehmen. All diesen Kunden ermöglicht die Cloud die nötige Skalierbarkeit bei vergleichsweise geringer Komplexität, auch beim Betrieb in großem Maßstab. Weitere wichtige Faktoren sind die große Zuverlässigkeit und die operativen Vorteile. Schon allein deshalb ist es sehr kosteneffizient, die Cloud zu nutzen. Hinzu kommen Preissenkungen, die in der Vergangenheit beständig vorgenommen wurden. So hat AWS seit dem Start 2006 80-mal die Preise reduziert. Weitere wichtige Vorteile ergeben sich durch den Einsatz von Serverless- und Cloud-Native-Architekturen. On-Premises lassen sich viele dieser Vorteile nicht abbilden. Vor allem profitieren Unternehmen aber von der konstanten Weiterentwicklung des Angebots und müssen dadurch weniger eigene Ressourcen auf diesem Gebiet verschwenden. Grundsätzlich aber würden MSP ihrer Rolle nicht gerecht, wenn sie einfach nur einen „lift and shift“ in die Cloud ausführen würden. Mit einem Wechsel der Plattform allein mögen sich zwar bereits einzelne Kostenvorteile ergeben. Das größte Potenzial bringt die Cloud jedoch vor allem dann, wenn neue Services ermöglicht und bestehende Dienste erheblich optimiert werden.
Den neuen Service „Amazon Lightsail“ könnte man als Angriff auf klassische Hosting-Anbieter interpretieren. Ist das so? Und: Was steckt hinter dem Service?
Fuchs: Wer „Amazon Lightsail“ als ein sich gegen Hosting-Anbieter richtendes Angebot interpretiert, erliegt einem Irrtum. Es handelt sich dabei um eine einfach zu bedienende Cloud-Plattform, die Kunden für eine günstige monatliche Pauschale bereitsteht. Sie bietet ihnen in Form von virtuellen privaten Servern (VPS) alles, was sie zum Erstellen einer Anwendung oder Webseite benötigen. Dabei können Kunden zwischen verschiedenen Betriebssystemen wählen. Außerdem gibt es vorkonfigurierte Anwendungsvorlagen für den Einsatz von WordPress, Magento, Drupal, Joomla, Redmine und Plesk.
Passgenauere und flexiblere Lösungen – auch und gerade – für den Mittelstand sollen für viele Hoster den entscheidenden Vorteil bei der Positionierung gegenüber den großen Hyperscalern bringen. Welche Position bezieht hier AWS?
Fuchs: Zahlreiche unserer Partner fokussieren sich traditionell stark auf den Mittelstand, und wir helfen Ihnen, ein auf diese Zielgruppe zugeschnittenes Angebot zu entwickeln, sich zu vertikalisieren und ihr Profil zu schärfen. Wir fördern das und unterstützen sie dabei, ein genau auf die Anforderungen der Kunden ausgerichtetes Portfolio an Dienstleistungen aufzubauen. So haben wir beispielsweise das AWS-Kompetenzprogramm dafür entwickelt, um APN-Partner „hervorzuheben“, die technischen Sachverstand und nachprüfbare Erfolge in spezialisierten Lösungsbereichen unter Beweis gestellt haben. Gerade durch ihre AWS-Kompetenz können Partner sich für Kunden besonders positionieren, da sie über Fachwissen in einem bestimmten Lösungsbereich verfügen. Durch diesen Ansatz decken wir mit unseren Partnern das meiste ab, was Hoster offerieren, und bieten darüber hinaus mit mehr als 175 eigenständigen Diensten von virtuellen Instanzen bis Speicherung, von Datenbanken bis Analytics, von Machine Learning bis IoT ein breites und tiefes Cloud-Portfolio am Markt, was Kunden einen signifikanten Mehrwert liefert.
Stand: 08.12.2025
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Und wie unterstützt AWS seine Service-Provider-Partner über die Technologie hinaus?
Fuchs: Grundsätzlich bieten wir ein umfangreiches Spektrum an Trainings, Bootcamps, Workshops, Events und Marketingmaßnamen. Wichtiger ist jedoch, dass wir dabei helfen, das Angebot und Profil des Partners schärfer herausarbeiten und zu definieren, welchen Teil der Wertschöpfungskette er übernimmt. Wir wissen von unseren Kunden, worauf es bei der Wahl eines passenden Partners ankommt und unterstützen dabei, ein konkretes Angebot auszugestalten. Dabei kommen unsere Partner Solutions Architects ins Spiel. Sie helfen außerdem dabei, dass alle neuen Partner-Services den technischen AWS-Standards entsprechen. Auch hier arbeiten wir mit dem bewährten Working-Backwards-Ansatz. Dabei orientieren wir uns am idealen Endzustand aus der Perspektive des Kunden und arbeiten uns von dort zur Lösung vor. Eine Methode dabei ist beispielsweise das Schreiben einer (fiktiven) Pressemitteilung. Sie enthält Informationen über das Problem, wie aktuelle Lösungen versagen und warum das neue Produkt dieses Problem lösen wird. Wenn nicht das gesamte Team beim Lesen begeistert ist, gibt es noch einen Haken beim Produkt und bestimmte Punkte müssen nochmal neu angegangen werden. Auf diese Weise haben wir beispielsweise bei einem sehr großen deutschen Systemhaus eine entsprechende Cloud-Initiative angestoßen und erfolgreich begleitet.
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