Staubsaugerroboter übernehmen den Haushalt, KI überwacht in Kühlschränken Lebensmittel und sorgt für Wohlfühltemperaturen im smarten Heim und in der Waschmaschine. Diese Zukunft wird auf der IFA 2025 in Berlin greifbar und beflügelt den Markt für Consumer Electronics.
Immer mehr Haushaltsgeräte arbeiten heute mit KI-basierten Funktionen und sollen damit den Consumer-Electronics-Markt beflügeln.
Künstliche Intelligenz wird Teil des Alltags. Und genau das will die IFA in diesem Jahr einmal mehr unter Beweis stellen. KI, Computing Power und Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Messe für Consumer Electronics und Home Appliances in Berlin. KI-Funktionen in Unterhaltungselektronik und smarten Küchengeräten sollen selbst in wirtschaftlich unsicheren Zeiten den Markt beleben und für Umsatz sorgen. Positive Anzeichen für eine Erholung im Consumer-Electronics-Markt (CE-Markt) gibt es durchaus.
Positive Entwicklung in der IT
Das anstehende Support-Ende von Windows 10 hat sich mit einer positiven Umsatzentwicklung bei privat genutzter IT bemerkbar gemacht. So haben IT-Kategorien im ersten Halbjahr 2025 um 8 Prozent zugelegt, erklärt Tatjana Wismeth, Head of Distribution & Supply Chain Intelligence bei NIQ. „Neben Hardware-Produkten wurde das Umsatzwachstum abermals von Software-Investments getrieben (mit einem Plus von 25 %)“, erklärt die Analystin. Zudem hätten sich auch Komponenten positiv entwickelt (+5 %). Insgesamt war der CE-Markt im ersten Halbjahr dieses Jahres mit einem Umsatzvolumen von knapp 21 Milliarden Euro leicht rückläufig, aber weiterhin stabil. Dabei stechen laut Wismeth Trends wie Open-Ear-Headsets (Knochenschall-Kopfhörer) mit einem Wachstum von 38 Prozent hervor. Und die Marktforscher von Statista gehen davon aus, dass der CE-Markt 2026 ein Absatzwachstum von 1,1 Prozent erreichen wird (Elektrogroß- und Kleingeräte sind in der Statistik nicht enthalten und bei NIQ fehlen Smartphones und Tablets).
KI spielt bei Smartphones und Notebooks als Kaufargument eine Rolle.
(Bild: gfknewron Consumer)
Tablets im Tief
Gedämpft wird der positive Trend in der Unterhaltungselektronik, wenn privat genutzte Tablets mit berücksichtigt werden. In dem Bereich ist der Umsatz nämlich nicht zuletzt wegen gesunkener Preise um 8,3 Prozent zurückgegangen. Unsicherheiten beim neuen Digitalpakt Schule machen sich da auch bemerkbar. Mehr Umsatz gibt es dagegen bei Monitoren (Stückzahl: +1,7 %, Umsatz: +6,1 %).
Bei Fernsehern ist die verkaufte Stückzahl mit knapp zwei Millionen TV-Geräten auf Vorjahresniveau geblieben. Dabei ist der Umsatz um 6,8 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro zurückgegangen.
Dafür haben sich die Verkäufe in der Fotografie erfreulich positiv entwickelt: 11,2 Prozent mehr Action-Cams, 5,5 Prozent mehr Digitalkameras und 2,5 Prozent mehr Wechselobjektive gingen über die Ladentheken und haben für Umsatzzuwächse mit jeweils gesteigerten Stückzahlen gesorgt. Eine erfreuliche Umsatzentwicklung haben auch Gaming-Konsolen mit einem Umsatzplus von 23,7 Prozent hingelegt (auf rund 321 Millionen Euro).
Smartphone-Absatz sinkt
Weniger rosig sind die Umsätze bei privat genutzter Telekommunikation. In der ersten Hälfte 2025 haben nur 8,2 Millionen Smartphones einen Käufer gefunden. Der Umsatz ist dabei um 3,5 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Gefragter waren dafür aber Wearables. Mit 2,6 Millionen verkauften Stück ist der Absatz um 3,9 Prozent gestiegen. Und auch bei Elektrokleingeräten ist mit einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro Umsatz ein Plus von 2,6 Prozent erreicht worden.
Die Entwicklung im CE-Markt bleibt spannend und die Erwartungen im Vorfeld der IFA sind hoch. „Im Consumer-Electronics-Markt erwarten wir eine stetige Weiterentwicklung in Richtung KI-Integration, Geschwindigkeit, Vernetzung und Produktintelligenz“, erklärt Judith Öchsner, Vertriebsleiterin DexxIT. Sie geht davon aus, dass „vormals getrennte Produktkategorien zunehmend miteinander verschmelzen.“ Was Branchenvertreter und Publikum auf dem Messegelände in Berlin mitverfolgen können: TV-Geräte werden wie etwa bei Samsung zum Smart-Home-Hub oder Smartphones zur Steuerzentrale für das vernetzte Heim. Dabei sollen „Geräte möglichst reibungslos miteinander kommunizieren – sei es im Smart Home, über mobile Endgeräte oder im Office-Bereich“, ergänzt Öchsner.
Judith Öchsner , Vertriebsleiterin bei DexxIT KI ist in vielen CE-Produkten bereits Realität – oft unbemerkt vom Nutzer. Sie hilft, Prozesse zu optimieren und Funktionen zu personalisieren.
Bildquelle: DexxIT
Künstliche Intelligenz als Kaufkriterium
Zudem beobachtet der Distributor, dass auch die technische Weiterentwicklung etwa bei privat genutzter IT zu Anreizen für Kaufentscheidungen werden. Und die Integration von Künstlicher Intelligenz markiert die nächste Evolutionsstufe für smarte Produkte, sind die Veranstalter der IFA überzeugt. Zwar sei KI nicht das ausschlaggebende Kaufkriterium. Doch sehen Verbraucher, dass KI entscheidende Funktionen verbessere. Dazu gehören laut GFU bessere Leistung, optimierte Energieeinsparungen und personalisierte Routinen. Das gelte aber nicht nur für PCs und Smartphones, sondern auch für Geräte wie Staubsaugerroboter oder Waschmaschinen. „KI hilft, Prozesse zu optimieren und Funktionen zu personalisieren“, ist die DexxIT-Vertriebschefin überzeugt. Dabei agiere KI meist unbemerkt im Hintergrund, führt Öchsner aus. So nutzen Smartphones KI zur Bildoptimierung oder für das Akkumanagement. Und Staubsaugerroboter lernen durch KI individuelles Verhalten der Nutzer und passen ihre Abläufe entsprechend an.
Auch in Haushaltsgeräten etwa von Miele, Samsung oder LG steckt immer mehr KI. Schließlich ist für den deutschen Traditionshersteller KI der Schlüssel, um Technik intuitiv, zugänglich und persönlich relevant zu machen. Auf der IFA will der Hausgerätehersteller unter anderem die neuen MasterCool-Kühlgeräte mit integrierten Kameras vorstellen. Sie sollen für mehr Übersicht und weniger Lebensmittelverschwendung sorgen und ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit sein.
Stand: 08.12.2025
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Tatjana Wismeth, Head of Distribution & Supply Chain Intelligence bei NIQ KI hat bisher nur eine geringe Bedeutung bei CE-Produkten und ist bislang kein wesentlicher Innovationstreiber.
Bildquelle: NIQ
KI-Funktionen mit Mehrwert
Wismeth ist ebenso der Ansicht, dass „Produktinnovationen eine entscheidende Rolle spielen. Sie könnten Konsumenten dazu motivieren, neue Produkte auszuprobieren, Upgrades vorzunehmen oder Ersatzkäufe früher einzuplanen“. Dabei hebt die NIQ-Expertin hervor: „Vor allem KI-basierte Features mit erkennbarem Mehrwert könnten diesen Effekt zusätzlich verstärken.“
Von der positiven Entwicklung profitiert auch die Distribution, ist Wismeth überzeugt. Zwar sei der Umsatz mit Retailern um 3 Prozent zurückgegangen, „dafür konnten deutsche Distributoren vermehrt auf die Zusammenarbeit mit Resellern setzen“, führt Wismeth aus. Das habe zu einem Wachstum von 6 Prozent geführt. „Insgesamt wickeln deutsche Distributoren mittlerweile 53 Prozent ihres Umsatzes mit Systemhäusern ab“, weiß die NIQ-Analystin. Dabei hätten kleine und mittlere Systemhäuser ihren Umsatzanteil bei den Distributoren auf 28 Prozent gesteigert, was einem Allzeithoch entspreche.
Herausforderungen im CE-Markt
Dennoch gibt es Herausforderungen im CE-Markt. So „erwarten Kunden heute flexible, schnelle und zuverlässige Lieferoptionen – Distributoren müssen diesem Anspruch gerecht werden“, erläutert Judith Öchsner. „Parallel dazu gewinnen After-Sales-Services wie technischer Support, Rücknahme- und Reparaturabwicklung sowie Schulungen an Bedeutung“, führt die Vertrieblerin aus. Zudem zeige sich ein klarer Trend zur Spezialisierung und Beratung. „Gerade bei komplexeren Produktlösungen ist fachliche Unterstützung durch den Distributor ein klarer Mehrwert“, resümiert Öchsner.
Die Marktbeobachter von NIQ sehen hingegen im Consumer-Electronics-Markt eine zunehmende Zurückhaltung. „Wirtschaftlicher Druck, geopolitische Spannungen und Kriege und die Unsicherheit im Hinblick auf mögliche Zollfolgen führen dazu, dass Verbraucher ihre Ausgaben stärker priorisieren: Lebensnotwendige Güter gewinnen an Bedeutung, während freiwillige Konsumausgaben zurückgehen“, gibt Wismeth zu bedenken. Ein geändertes Kaufverhalten sei die Folge davon. „Verbraucher achten zunehmend auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Aspekte wie Langlebigkeit, Komfort und insbesondere Erschwinglichkeit rücken stärker in den Fokus – der Preis gewinnt an Relevanz“, folgert die Analystin.