Exklusivinterview mit Christian Milde und Waldemar Bergstreiser Kaspersky: So geht es in Deutschland weiter

Von Sylvia Lösel

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Seit der Warnung des BSI hat sich bei Kaspersky einiges verändert, anderes auch gar nicht. Umso interessanter ist die Frage, wo der Security-Spezialist heute steht und welche Strategie es für die Zukunft gibt. Eines wird deutlich: globale Player können derartige Ereignisse besser verkraften als regionale.

Christian Milde (r.), General Manager und Waldemar Bergstreiser, Head of Channel Germany bei Kaspersky
Christian Milde (r.), General Manager und Waldemar Bergstreiser, Head of Channel Germany bei Kaspersky
(Bild: Kaspersky )

ITB: Am 15. März 2022 warnte das BSI vor Kaspersky-Virenschutz. Was bedeutet das für Ihre Kunden und Partner hier in Deutschland?

Milde: Seit Kriegsbeginn machen wir ein wöchentliches Update für Partner und stehen für alle Fragen Rede und Antwort. Das hat bis heute Bestand. Zudem können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass alle Prozesse und Abläufe weiterhin unverändert fortbestehen. Unser Geschäftsbetrieb ist stabil und wir sind nicht von Sanktionen betroffen. An einigen Ausschreibungen der Öffentlichen Hand, die einen bestimmten Betrag übersteigen, dürfen wir zwar nicht mehr teilnehmen, aber das trifft uns nicht wirklich.

ITB: Das klingt jetzt fast so, als ob das Geschäft wie üblich weiterläuft?

Milde: Es schaut sich vor allem ein Kundentypus nach Alternativen um, nämlich Großkunden, die einen Geschäftsführer haben, der nicht gleichzeitig IT-Leiter ist.

ITB: Warum ausgerechnet diese?

Milde: Der IT-Leiter liest auch die letzte Seite der BSI-Warnung und sagt: Kaspersky ist und bleibt für ihn die sicherste Wahl. Aber sein Geschäftsführer hat eine Sorgfaltspflicht und blickt nur auf die Überschrift ‚BSI-Warnung‘. Zudem hat er meist noch ein Thema mit seiner Cyberversicherung. Und dann wird ihm das zu viel und er entscheidet, in eine Alternativlösung zu investieren. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen haben wir tatsächlich konstante Kundenzahlen, da läuft es ganz gut weiter. Genauso bei den Großunternehmen, die nicht unsere Endpoint-Lösung einsetzen, sondern eine unserer Threat-Intelligence- oder anderen Service.

ITB: Die Kunden sind das eine, das andere die Partner. Hat Kaspersky Partner verloren?

Bergstreiser: Ja, wir haben Partner verloren, denn da entsteht Druck. Als Systemhaus muss man ja jedes Mal mit den Kunden diskutieren. Im Sinne von: Ja, das ist ein globales Unternehmen, und ja, die Prozesse sind diversifiziert. Das macht man einige Mal, aber irgendwann wird man schwach. Und bietet eine Alternative an, bevor man einen Kunden verliert. Das beobachten wir sehr stark. Zudem bieten einige andere Hersteller hohe Nachlässe und Laufzeitübernahmen für ihre Lösungen an. Das sorgt ebenso für Druck. Genauso wie die BSI-Warnung, die mit dem Wort ‚Vertrauen‘ spielt. Eine Antivirus-Software hat nun einmal Möglichkeiten, tief ins System einzugreifen – aber das gilt für alle Lösungen am Markt. Letztendlich geht es deshalb um Vertrauen. Und wir haben transparente Prozesse, die wir schon seit Jahren integriert haben. Wir sind einer der Vorreiter unserer Branche, wenn es um Transparenz und Sicherheit geht.

ITB: Was bedeutet der Rückgang des Geschäfts in Deutschland für Kaspersky?

Milde: Wir haben eine solide finanzielle Position und sind global gut diversifiziert. Unser Geschäftsbetrieb ist stabil. Kaspersky ist ja ein globales Unternehmen, und die Situation, wie wir sie im deutschen Markt haben, ist weltweit einzigartig. In Frankreich, Österreich und Italien findet man nichts Verwerfliches an Kaspersky. Diese solide Situation führt auch dazu, dass wir an allen Mitarbeitern hier in Deutschland festhalten. Es gibt keine Stellenkürzungen von unserer Seite.

ITB: Aber es sind Mitarbeiter gegangen?

Milde: Natürlich haben uns ein paar Mitarbeiter verlassen – das war aber deren Entscheidung.

ITB: Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Distribution aus?

Bergstreiser: Wir arbeiten mit allen Distributoren weiterhin zusammen. Wir haben gemeinsam vieles aufgebaut, dieses Vertrauen ist beidseitig da. Natürlich nehmen wir Anpassungen vor, denn wenn der Umsatz zurückgeht, muss man das Team verkleinern. Aber wir haben weiterhin bei allen Distributoren eine Business Unit. Und es gibt von deren Seite keinerlei Druck, dass man irgendjemanden aus dem Geschäft drängen wollte.

ITB: Stabilisiert sich das Geschäft langsam wieder?

Milde: Die Umsatzkurve, die anfangs nach unten ging, hat sich gefestigt und weist nun sogar einen leichten Aufwärtstrend auf. Wir hoffen, dass dieser anhält. Und: wir müssen und wollen ja mit dem BSI eine Lösung finden, denn letztendlich haben wir dasselbe Ziel: Cybersicherheit in Deutschland, Europa und der ganzen Welt für die Wirtschaft und die Verbraucher. Dahingehend suchen wir weiterhin das Gespräch und die Zusammenarbeit mit dem BSI.

ITB: Wenn es in einem Land schwierig wird, hilft es da, ein globaler Player zu sein?

Milde: Für uns ist es gut, dass wir global aufgestellt sind und, weltweit gesehen, sehr gute Wachstumszahlen haben. Gerade, wenn es hier in Zentraleuropa eine kleine Delle gibt.

ITB: Dann ist es nicht nur Deutschland, wo das Geschäft schwieriger ist. Woran liegt das?

Milde: Das liegt am Krieg. Deshalb verzeichnen wir eine Umsatzreduktion in der nordwestlichen Hemisphäre und in Nordamerika. In Lateinamerika, im Mittleren Osten, in den asiatischen Ländern und in Russland haben wir richtig starkes Wachstum, das sich auf 20 bis 25 Prozent beläuft. So wie es hierzulande auch im Januar und Februar noch war. Interessant ist ja, dass das große Wachstum mit den B2B-Lösungen kam und bis zum Kriegsbeginn mehr Umsatz abgeworfen hat als das Consumer-Segment. Nun ist es andersherum. Wir machen auf unserer Website gute Umsätze mit Kunden, die ohne den Händler entscheiden. Hier sind wir fast wieder auf Normalniveau. Im B2B-Segment dagegen sind wir auf Vorjahresniveau zurückgefallen und im einstelligen Prozentbereich beim Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Global ist das aber verkraftbar.

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ITB: Wie hoch ist denn der Anteil von Kaspersky im Consumer-Segment?

Milde: Über 50 Prozent.

ITB: Und im B2B-Segment, Herr Bergstreiser?

Bergstreiser: Nicht so hoch. Doch das Geschäft stabilisiert sich nun auch bei den Partnern. Das merken wir überall: bei Verlängerungen, beim Neugeschäft, bei kaufenden Kunden und Partnern.

ITB: Gibt es Neukundengeschäft?

Bergstreiser: Ja.

ITB: Ist es weniger?

Bergstreiser: Ja.

ITB: Wie geht es nun weiter?

Milde: Wir haben gerade erst ein IoT-Gateway gelauncht. Für den B2B-Markt wird es eine neue Endpoint-Lösung geben, ein hybrides Produkt, das sowohl in der Cloud als auch On-Prem eingesetzt werden kann mit einer Single-Management-Plattform.

Bergstreiser: Unsere Roadmap ist voll und sie ist für die Partner auch einsehbar. Im September starten wir wieder mit zwei Touren, bei denen wir rund 50 Partner besuchen werden. Und im Oktober freuen wir uns auf die It-sa.

Milde: Wir sind mit einem Stand vertreten und auch unsere wichtigsten Partner sind mit dabei. Außerdem probieren wir dort etwas Neues aus. Man darf also also gespannt sein.

ITB: Dann viel Erfolg und herzlichen Dank für das offene Gespräch.

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