Eset über Cyberpsychologie IT-Security ist Charaktersache

Autor: Heidi Schuster

Als das größte Sicherheitsrisiko in einem Unternehmen gilt der Mensch. Aber warum ist das so? Der IT-Security-Hersteller Eset und das Unternehmen für Geschäftspsychologie, Myers-Briggs, sind der Frage aus verhaltenspsychologischer Sicht nachgegangen.

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Welches IT-Sicherheitsrisiko von einem Menschen ausgeht, hängt von seiner Psyche ab.
Welches IT-Sicherheitsrisiko von einem Menschen ausgeht, hängt von seiner Psyche ab.
(Bild: Julien Tromeur - stock.adobe.com)

Warum klicken manche Mitarbeiter auf Links, laden Daten herunter oder nutzen privates Equipment, obwohl Compliance und Schulungen genau dies verbieten? Eset und Myers-Briggs haben dazu mehr als 100 IT-Sicherheitsverantwortliche während der Covid-19-Pandemie befragt und deren Einstellungen und Erfahrungen ausgewertet. Und die Ergebnisse überraschten: Offensichtlich spielt der Charakter des Angestellten eine entscheidende Rolle, ob es zu einem Security-Vorfall kommen wird oder nicht.

Der Zusammenhang von Stress und IT-Sicherheit

In der Studie kristallisierten sich acht Charaktere (der Aktive, Entdecker, Anführer, Emotionale, Bewahrer, Visionär, Analyst und Gewissenhafte) heraus, die unterschiedlich mit Stress umgehen und ein prägnantes Verhalten in Security-Fragen zeigten. Beispielsweise ist der „Aktive“ analytisch, kontaktfreudig, logisch denkend und einfallsreich. Ihn stressen theoretisch abstrakte Aufgaben ohne aktuelle, praktische Anwendungen. Dies führt später zu einem übermütigen, gefährlichen Verhalten und einer Selbstüberschätzung.

Im Gegensatz dazu ist der „Gewissenhafte“ meistens kooperativ, bescheiden und anpassungsfähig sowie sanft und loyal. Er gerät unter Stress, wenn er mit unflexiblen und unreflektierten Menschen zusammenarbeiten soll. Unter Druck ignoriert der Gewissenhafte dann Fakten und Regeln, die nicht in das selbst entworfene Bild passen und arbeitet zwanghaft an der für ihn optimalen Lösung – im schlimmsten Fall auf Kosten der Sicherheit.

Der Zusammenhang von Malware und dem Charakter

Die überwiegende Zahl von Cyberangriffen ist nicht wegen der Fähigkeiten der Hacker erfolgreich, sondern aufgrund menschlicher Fehler oder Versehen. Gemäß der Studie könnten Persönlichkeitstypen, denen Entscheidungsfreudigkeit, Realitätsnähe und Klarheit zugeschrieben werden, anfälliger für bösartige Downloads sein. Gleiches gilt für Menschen mit ausgeprägtem Organisationstalent und auch diejenigen, die mit eigenwilligen oder phantasievollen Arbeitsweisen auffallen. Während diese Mitarbeiter gewöhnlich das Sicherheitsprotokoll Schritt für Schritt abarbeiten, könnten Zeitdruck und Stress dazu führen, dass sie um der Effizienz Willen eine schnelle Entscheidung fällen. Abhilfe schafft die strikte Fokussierung auf relevante Informationen, bevor sie Entscheidungen treffen.

Phishing zielt auf selbstbewusste, positive Menschen ab

Phishing-Mails zählen zu den gefährlichsten Angriffsvektoren – und zu den erfolgreichsten. Inzwischen sind die fingierten Nachrichten so täuschend echt gestaltet, dass selbst Experten mehrfach hinschauen müssen, um sie zu entlarven. Für den Betrug per Phishing scheinen insbesondere die Persönlichkeitstypen empfänglich zu sein, die selbstbewusst, positiv denkend und mutig durch das Leben gehen. Auch enthusiastische und kreative Menschen, denen eine hohe Begeisterungsfähigkeit zugeschrieben wird, müssen besonders vorsichtig sein. Diese Charaktere sollten sich in puncto IT-Sicherheit ausreichend Zeit nehmen, um die Vertrauenswürdigkeit von eingehenden Nachrichten zu überprüfen, bevor sie sie öffnen, Anhänge herunterladen oder beantworten. Besondere Vorsicht sollten sie bei E-Mails mit interessantem Inhalt oder emotionaler Aufmachung walten lassen, mahnt Eset.

Das Internet der Dinge gefährdet Pragmatiker

Gerade im Umgang mit IoT zeigt sich: Persönlichkeitstypen, die praktisch veranlagt sind und denen zudem Direktheit sowie Offenheit und Überlegtheit zugeschrieben werden, könnten anfällig sein, wenn sie das Einstellen verbundener Geräte selbst in die Hand nehmen. Auch Menschen mit hoher Problemlösungskompetenz und Hang zur Unabhängigkeit sind in Gefahr. Dies gilt auch dann, wenn sie normalerweise die Regeln befolgen. Die beste Herangehensweise für diese Persönlichkeitstypen ist es, nicht immer anzunehmen, man wüsste es am besten. Zudem sollten sie sicherstellen, dass keine Regeln oder Vorschriften ignoriert werden.

Fazit von Eset

Cyberangriffe sind eine kontinuierliche Bedrohung für Unternehmen. Das Verständnis von individuellen Persönlichkeiten kann eine Schlüsselrolle in der IT-Sicherheitsstrategie von Unternehmen spielen. So lassen sich effektivere Schulungskonzepte entwickeln und Angestellte dazu motivieren, sich mehr auf ihre Selbstreflektion und ihre Fähigkeiten zu konzentrieren. Das Verständnis dafür, dass der Faktor Mensch für die IT-Sicherheit genauso wichtig ist wie die technischen Aspekte, ist der erste Schritt, um ganzheitliche IT-Sicherheitskonzepte für Unternehmen zu entwickeln.

Die Studie steht kostenlos zum Download bereit.

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Über den Autor

 Heidi Schuster

Heidi Schuster

Redakteurin, Online CvD, Vogel IT-Medien