Mobilfunk und Gesundheit Ist 5G eine Gefahr für die Gesundheit?

Redakteur: Jürgen Schreier

Wie gefährlich ist Handystrahlung? So titelte vor ein paar Jahren eine der auflagenstärksten deutschen Zeitschriften – die „Apotheken-Umschau“. Eine Analyse der Verbraucherorganisation Stiftung Warentest gibt Entwarnung – auch für 5G.

Firmen zum Thema

Auf den Komfort eines Mobiltelefons möchte heute niemand mehr verzichten. Power User allerdings können die Strahlenbelastung durch die Nutzung eines Headsets reduzieren.
Auf den Komfort eines Mobiltelefons möchte heute niemand mehr verzichten. Power User allerdings können die Strahlenbelastung durch die Nutzung eines Headsets reduzieren.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Frage, ob Handystrahlung und vor allem 5G gesundheitsschädlich sind, hat die Stiftung Warentest untersucht. Die unabhängige Verbraucherorganisation hat verschiedene Studien zur Mobilfunkstrahlung und Gesundheit in die Betrachtung einbezogen. Außerdem wurden die Fragen und Einschätzungen in einer Expertenrunde diskutiert. Daran nahmen Wissenschaftler und Ärzte – auch kritische – sowie Behördenvertreter teil.

Fazit: Die Forschungsergebnisse liefern kaum Grund zur Sorge. Nachzulesen in der Zeitschrift "test 9/2019".

Panikmache darf Zukunftsinvestitionen nicht verhindern

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) in Köln, der die Interessen von Festnetzanbietern, Mobilfunkunternehmen, Service-Providern sowie Mehrwertdiensteanbietern vertritt, begrüßt aktuelle Bewertung vorhandener Studien durch Stiftung Warentest. „Endlich eine sachliche Analyse statt Panikmache“, sagt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Wissenschaftlich gebe es keinen Anlass zur Sorge durch die Nutzung von Handys. Auch der neue Mobilfunkstandard 5G werde daran nichts ändern.

„Diese wichtige Untersuchung kommt zur richtigen Zeit“, so der Verbandsgeschäftsführer: „Aktuell stößt der geplante Ausbau von Mobilfunkmasten in vielen Kommunen auf Bedenken. Die Angst der Bürger vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Strahlung ist groß – zum Glück aber unbegründet, wie die Analysen zeigen.“ Vielmehr zeige die Studie sogar, dass gerade ein gut ausgebautes Netz von Mobilmasten die Sendeleistung der einzelnen Handys reduziere.

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner: "Endlich eine sachliche Analyse statt Panikmache."
VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner: "Endlich eine sachliche Analyse statt Panikmache."
(Bild: VATM)

„Je schlechter das Netz, desto stärker muss die Funkverbindung des Handys sein“, so der VATM-Geschäftsführer. Zudem trage die Mobilfunkstrahlung nur einen Bruchteil zu der ohnehin vorhandenen Strahlung bei, denen die Menschen heute ausgesetzt seien. Eine weitere deutliche Reduzierung von Strahlung gerade unmittelbar am Kopf ist durch die Verwendung von Kopfhörern, die ohnehin von vielen Vieltelefonierern gerne genutzt werden, leicht möglich.

„5G ist der Schlüssel für eine Vielzahl neuer technologischer Möglichkeiten, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sein wird, von Smart Cars über Smart Energy bis zur gesamten vernetzten Welt der Dinge. Ohne 5G werden selbst eine Energiewende und zentrale Klimaschutz-Ziele nicht zu realisieren sein“, erläutert Grützner. „Panikmache sollte in unserem Land wichtige Zukunftsinnovationen und Investitionen nicht verhindern.“

EMV-Studien sind größtenteils auf 5G übertragbar

Grundsätzlich könnten Studien, in denen mögliche Gesundheitswirkungen elektromagnetischer Felder des Mobilfunks untersucht wurden, zu einem großen Teil auch auf 5G übertragen werden, ist man beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) überzeugt. So war beispielsweise das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm (DMF) so angelegt, dass dessen Erkenntnisse auch Aussagekraft für zukünftige technische Entwicklungen haben sollten.

Der Frequenzbereich wurde bewusst breit gefasst und ging in einigen Studien über die aktuell für den Mobilfunk genutzten Bereiche hinaus. Innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen und bei Einhaltung der im Rahmen der Produktsicherheit an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gebe es demnach keine bestätigten Belege für eine schädigende Wirkung des Mobilfunks.

So soll 5G zunächst in Frequenzbereichen eingesetzt werden, in denen bereits heute Mobilfunk betrieben wird (2-GHz-Band), die für vergleichbare Nutzungen vergeben sind (3,6-GHz-Band) oder die solchen Frequenzbändern benachbart sind (700-MHz-Band).

Forschungsbedarf bei Milli- oder Zentimeterwellen

In einem weiteren Ausbauschritt sind für 5G allerdings auch höhere Frequenzbänder im Milli- oder Zentimeterwellenbereich vorgesehen, zum Beispiel im 26-GHz-, 40-GHz-Band oder bei bis zu 86 GHz. Zwar ist laut BfS davon auszugehen, dass auch in diesen Bereichen unterhalb der bestehenden Grenzwerte keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Da für diesen Bereich aber bisher nur wenige Untersuchungsergebnisse vorliegen, sieht man bei der Behörde noch Forschungsbedarf.

Die Absorption der hochfrequenten elektromagnetischen Felder findet im Milli- oder Zentimeterwellenbereich sehr nahe an der Körperoberfläche statt. Mögliche Auswirkungen betreffen also primär Haut und Augen. Direkte Wirkungen auf innere Organe seien aber nicht zu erwarten.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf unserem Partnerportal Bandbreite.

(ID:46114366)