IDC-Report zum deutschen Cloud-Markt In den Wolken wenig Überraschungen

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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IDC präsentierte Daten aus seiner jüngsten Erhebung zum Thema „Cloud in Deutschland“. Fazit: Der Siegeszug der Cloud rollt weiter. Der Fachkräftemangel ist die größte Bremse. Aber mehr als 80 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen inzwischen die Cloud in irgendeiner Weise.

Aufgrund wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit, instabiler Lieferketten, hoher Energiepreise und permanenter Cyberbedrohungen nutzen immer mehr Unternehmen Cloud-Modelle für geschäftskritische Anwendungen.(Bild:  JustSuper - stock.adobe.com)
Aufgrund wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit, instabiler Lieferketten, hoher Energiepreise und permanenter Cyberbedrohungen nutzen immer mehr Unternehmen Cloud-Modelle für geschäftskritische Anwendungen.
(Bild: JustSuper - stock.adobe.com)

Dabei gliedern sich diese 82 Prozent in 38 Prozent, die begrenzte Nutzung betreiben, und 44 Prozent, die umfassend die Cloud nutzen. Die begrenzte Cloud-Nutzung wurde so definiert, dass ein Unternehmen mindestens zwei Workloads dorthin verlagert hat oder aber mindestens zwei Fachabteilungen Cloud-Services verwenden. Matthias Zacher, Senior Consulting Manager bei IDC: Die Cloud wird nicht mehr in Frage gestellt.“

Die Cloud profiliert sich als erstrangiges Digitalisierungs-Tool.(Bild:  IDC)
Die Cloud profiliert sich als erstrangiges Digitalisierungs-Tool.
(Bild: IDC)

Durchschnittliche Werte für die Erhebung wollte der Referent nicht nennen. „Die unterscheiden sich von Branche zu Branche und von Unternehmensgröße zu Unternehmensgröße zu sehr.“ Uwe Müller, bei Cisco als Leader Cloud Infrastructure und Software Deutschland fürs RZ-Geschäft zuständig, ergänzte: „Wir sehen viele Mittelständler, die tatsächlich ein bis zwei Dienste von Providern nutzen. Wer aber in die große Cloud geht, verwendet viel mehr Services, die durchaus nach Hunderten zählen.“

Industrie- und Finanzunternehmen überrepräsentiert

Tatsächlich hatte IDC wie üblich alle Unternehmensgrößen einbezogen. Die Unternehmen über 5.000 Mitarbeiter und die mit 500 bis 999 Mitarbeitern mit je 21 Prozent der Befragten waren leicht überrepräsentiert. Befragt wurden 200 IT- und Fachspezialisten. Unter den Branchen waren Industrie (29 %) und Finanzwesen (18 %) besonders stark vertreten, die übrigen teilnehmenden Unternehmen kamen aus Handel, Transport und Logistik, Gesundheits- und Sozialwesen, der öffentlichen Verwaltung, Informationstechnik, Bildung und anderen.

Nur noch zwei Prozent wollen von Cloud noch nichts wissen. 16 Prozent nutzen sie noch nicht, planen das aber und haben Piloten oder Tests in Betrieb. Die Frage nach den verwendeten Infrastrukturen erbringt eine bunte Mixtur unterschiedlicher Zusammensetzungen zwischen Managed-, Hosted-, Cloud- und On-Premises-Komponenten, wobei es außer reinen On-Premises-Umgebungen keine eindeutigen Gewinner oder Verlierer gibt.

Cloud: Für Digitalisierung unentbehrlich

Welche Vorteile bietet die Nutzung der Cloud? Die Antworten auf diese Frage bargen keine Überraschung: Ganz vorn stand mit 33 Prozent Nennungen die umfassende Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Das sei, so Zacher, die Basis, um überhaupt innovative Geschäftsideen umsetzen zu können.

Technologisch brilliert die Cloud vor allem durch die Chance, Kosten zu sparen.(Bild:  IDC)
Technologisch brilliert die Cloud vor allem durch die Chance, Kosten zu sparen.
(Bild: IDC)

Mit 32 Prozent nahezu genauso wichtig ist den Anwendern die Steigerung der Effektivität in Fachabteilungen und IT. Etwas weniger Gewicht haben die genauere Datenanalyse und bessere Entscheidungsgrundlagen, die durch Cloud-Nutzung möglich werden und die Fokussierung auf das Kerngeschäft statt auf den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur- und Applikationslandschaften intern (jeweils 22 %). Schließlich spielt auch noch die bessere Kundenerfahrung eine Rolle.

„Heute gibt es keine statische IT mehr, die fünf Jahre stehenbleibt. Die Cloud macht es den Unternehmen möglich, sich bei der IT und den Geschäftsprozessen ständig weiterzuentwickeln. Damit können sie sich besser den ständigen Veränderungen ihrer Geschäftsumwelt anpassen“, fasste Zacher zusammen.

Technologische Nutzeffekte und Hindernisse

Auch technologisch sind die Nutzeffekte der Cloud relativ klar darstellbar. 36 Prozent sehen durch die Cloud sinkende Kosten, 29 Prozent die einfachere Modernisierbarkeit von Anwendungen. 28 Prozent erhoffen sich mehr ökologische Nachhaltigkeit, 26 Prozent sehen ihre Innovationsfähigkeit besser unterstützt und 25 Prozent freuen sich über bessere Skalierungsmöglichkeiten.

Die Hindernisse gegen die Cloud-Nutzung sind ebenfalls sattsam bekannt, haben jedoch ihre Reihenfolge geändert: Während lange Zeit Sicherheits- und Compliance-Bedenken in Diskurs und Befragungen die Liste anführten, tut dies inzwischen eindeutig der immer deutlicher werdende Fachkräftemangel. 27 Prozent sehen darin und in der fehlenden Weiterbildung den größten Hemmschuh für eine intensivere Nutzung der Cloud-Technologie.

Kritisch: Regulierung, Compliance, Sicherheit

Der Fachkräftemangel wird zum wichtigsten Cloud-Hindernis.(Bild:  IDC)
Der Fachkräftemangel wird zum wichtigsten Cloud-Hindernis.
(Bild: IDC)

Gleich danach kommen dann auch schon das Thema Regulierung und Compliance (26 %) sowie Sicherheitsbedenken (23 %). Sie könnten beide in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen als gerade den Hyperscalern lieb sein dürfte. Denn beispielsweise entpuppt sich deren Geschäftsmodell als durchaus nicht immer überzeugend gerade für sensitive Regierungsorganisationen, aber auch für Unternehmen, die ihre Daten wirksam schützen wollen. So verabschiedete sich Microsoft im vergangenen Jahr von dem Vorhaben, für den australischen Geheimdienst eine Private Cloud aufzubauen: Man konnte augenscheinlich die sehr hohen Sicherheitserwartungen nicht erfüllen.

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Das Uptime-Institut warnte in seiner jüngsten Ausfallanalyse, man möge die Verfügbarkeitszusicherungen von Cloud-Providern bitte nicht zu ernst nehmen. Es werde Zeit, dass diese auf breiter Front mit wirksamen Strafmaßnahmen bei Nichteinhaltung unterfüttert werden.

Viele wollen eine „souveräne Cloud“

Dass Sicherheitsbedingungen doch noch eine gewichtige Rolle spielen, zeigte sich auch an der Frage nach der „souveränen Cloud“: Immerhin 38 Prozent der Befragten gaben an, eine solche zu nutzen, weitere 32 Prozent, dies zu planen. 18 Prozent nutzten und planten nichts dergleichen, der Rest kennt das Konzept nicht.

Gemeint ist hier mit diesem Begriff eine Cloud, die dem Kunden vollständige Datensouveränität sichert. Weiter sollen ihre Abläufe transparent und kontrollierbar, die technische Basis standardisierte Hardware und Open-Source-Technologien sein.

Schutz geschäftskritischer Daten besonders wichtig

Als Nutzungsgründe standen der Schutz geschäftskritischer Daten, eine geplante internationale Geschäftsausweitung, mehr Cloud-Nutzung, etwa durch Telearbeit, der Schutz vor exterritorialen Datenanfragen und schließlich Compliance-Themen im Vordergrund.

Die wichtigsten Gründe, eine souveräne Cloud zu nutzen, sind Datenschutz, Expansion und Compliance.(Bild:  IDC)
Die wichtigsten Gründe, eine souveräne Cloud zu nutzen, sind Datenschutz, Expansion und Compliance.
(Bild: IDC)

Wie groß der Souvernitätsbedarf ist, scheint stark anwendungsabhängig zu sein. Dr. Frank Fehler, Senior Vice President und Geschäftsführer Deutschland von HCLTech: „Einige Daten lagern irgendwo, Entwicklungsdaten werden oft nur im eigenen Rechenzentrum gespeichert.“ – Horst Landauer, Managing Director Cloud ERP All for One: „Der Mittelstand legt Wert auf Sicherheit seiner SAP-Daten, sie sollen in Deutschland lagern.“ Um Sicherheit zu erhalten, komme es darauf an, sich das Geschäftsmodell der Provider, ihren Betrieb und ihre Infrastruktur genau anzusehen.

Widersprüchliche Haltung zur Sicherheit

Patrik Schaudel, beim Cloud-Provider Ionos Head of Product, verwies auf die Widersprüchlichkeit des Themas: „Immer mehr Convenience-Tools werden genutzt, ohne an die Daten zu denken. Das beste Beispiel ist ChatGPT.“

Weitere Hürden: 22 Prozent bemängeln die unzureichende Verknüpfung von Cloud-Services und Business-KPIs, genauso viele die schwierige Migration von Legacy- und Nicht-Cloud-Apps. Dennoch, so ergänzte Zacher, nehme der Anteil von Apps, die in der Cloud verfügbar sind, stetig zu. Viele Apps sind sogar nur noch in der Public Cloud zu haben.

Nutzen von Cloud-ERP und FinOps

Das Beispiel ERP aus der Cloud zeigt, welche Vorteile die Verlagerung bringt: 29 Prozent freuen sich über eine schnelle, einfache Einführung, 28 Prozent können Standorte einfacher anbinden, 27 Prozent loben Kostentransparenz durch wegfallende eigene Infrastruktur und 26 Prozent betonen den höheren Grad an Datensicherheit und Datenschutz durch die Service-Spezialisten.

Auch im unternehmensintenen Finanzwesen eröffnen Cloud-Services neue Chancen. FinOps wird inzwischen von 47 Prozent der Befragten genutzt. Die Technologie respektive entsprechende Applikationen ermöglichen die Fachbereichs-übergreifende Kalkulation und vereinfachen das Cloud Billing. Nur 18 Prozent kennen entsprechende Technologien bislang nicht.

Schließlich ging es auch um die Frage, wo die Anwender geschäftskritische Apps betreiben und wie tief sie in die Legacy-Software einzugreifen bereit sind. Hier zeigt sich: Heilige Kühe gibt es immer seltener. Inzwischen verwenden für diese Applikationen noch 29 Prozent das eigene Rechenzentrum. 19 Prozent führen ein Rehosting durch, verlagern die Apps also weitgehend unverändert auf die neue Plattform Cloud. Inzwischen wagen 33 Prozent mit Refactoring und Rewriting an eine umfassende, Cloud-gemäße Umgestaltung. Und 19 Prozent ersetzen die eigene Applikation gleich durch einen kompletten Softwaredienst.

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