Breko Marktanalyse 21 Glasfaserausbau nimmt in Deutschland Fahrt auf

Autor: Ann-Marie Struck

Eine stabile und schnelle Internetverbindung verspricht die Glasfaser. Der Netzausbau schreitet in Deutschland mit Vollgas voran. So das Ergebnis der Breko-Marktanalyse 2021. Doch der Turbo beim Glasfaserausbau wird durch aktuelle Lieferengpässe gedrückt.

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Der Glasfaseraubsau läuft in Deutschland auf Hochtouren und Breko-Präsident Norbert Westfal ist sich sicher: „Wir gehen beim Ausbau auch weiterhin nicht vom Gaspedal!“
Der Glasfaseraubsau läuft in Deutschland auf Hochtouren und Breko-Präsident Norbert Westfal ist sich sicher: „Wir gehen beim Ausbau auch weiterhin nicht vom Gaspedal!“
(Bild: David Mathieu-stock.adobe.com)

Filme in HD ohne Störungen schauen und riesige Datenmengen hoch- und runterladen, dafür wird eine stabile und schnelle Leitung benötigt. Die Lösung ist Glasfaser. Seit Jahren wird ein deutschlandweiter Ausbau gepredigt. Endlich stimmen Nachfragen und Ausbau überein, wie die Breko-Marktanalyse 2021 bestätigt. „Der Glasfaserausbau in Deutschland beschleunigt sich – fast zwei Millionen neue Glasfaseranschlüsse treffen auf eine rege Nachfrage,“ fasst Prof. Dr. Jens Böcker von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg die Ergebnisse zusammen.

Die Investitionen in den Ausbau scheinen sich auszuzahlen. So kommentiert Norbert Westfal, Präsident des Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation e.V.) den Stand der Dinge optimistisch: „Der Glasfaserausbau in Deutschland läuft auf Hochtouren. Und wir gehen beim Ausbau auch weiterhin nicht vom Gaspedal. Auch wenn die Glasfaserquote doppelt so stark gestiegen ist wie im Vorjahr, werden wir uns darauf nicht ausruhen. Wir wollen und werden das Tempo weiter erhöhen.“ Außerdem ist der Marktanalyse zufolge Deutschlands Wachstumsrate bei Glasfaser auch im europäischen Vergleich sehr gut. Hier belegt Deutschland Platz drei. Platz eins bekommt Frankreich, Platz zwei Italien.

Der rosige Blick in die Zukunft wird leider von den aktuellen Halbleiter-Engpässen verdunkelt. Die Chip-Knappheit belastet auch den TK-Markt. Nicht nur, dass Westfal zufolge im vergangenen Jahr die Endgeräte gefehlt haben, sondern auch Netzelemente waren zwischenzeitlich schlecht verfügbar. Den weiteren Ausbau erschweren vor allem die steigenden Preise sowie die Knappheit der Tiefbaumaterialien.

Datenverbrauch und Breitbandnachfrage steigt

Nichtsdestotrotz zeigt die Studie eine positive Entwicklung des Breitbandausbaus in Deutschland. Insbesondere das starke Wachstum beim Datenverbrauch fördert den Ausbau von Glasfasernetzen. Im vergangenen Jahr erhöhte sich das durchschnittlich pro Anschluss und Monat übertragene Festnetz-Datenvolumen um 41 Prozent.

Brauchte ein Haushalt 2019 noch durchschnittlich 142 Gigabyte, waren es 2020 bereits 200 Gigabyte. Für das Jahr 2025 wird mit einem Anstieg auf 876 Gigabyte pro Anschluss gerechnet. Das Verhältnis zwischen Festnetz- und Mobilfunk-Datenvolumen bleibt jedoch stabil. Obwohl mobiles Internet weit verbreitet ist, wurden auch 2020 knapp 99 Prozent aller Daten pro Anschluss über das Festnetz übertragen. Nur drei Prozent der deutschen Haushalte verzichten auf einen Festnetzanschluss.

Laut Böcker beschleunigen im Privaten vor allem Streaming und Gaming den Bedarf an ein besseres Netz. Bei Unternehmen seien es Cloud-Architekturen. Dieser Trend spiegelt sich in der steigenden Nachfrage nach „hochbitratigen“ Anschlüssen wider. 32 Prozent aller Kunden buchten 2020 Internetanschlüsse mit einer Datenrate über 100 Mbit / s. 2019 waren es nur 26 Prozent. Das macht ein Plus von 2,3 Millionen Anschlüssen. Zudem entscheiden sich mehr als eine Millionen Kunden bereits für Anschlüsse mit Datenraten von 1 Gbit / s oder mehr. Das entspricht drei Prozent aller Vertragskunden. Parallel fiel die Nachfrage nach Anschlüssen mit Bitraten unter 30 Mbit / s. Nur noch 22 Prozent entschieden sich 2020 für eine Bitrate von 10 bis 30 Mbit / s. Das ist ein Rückgang von 1,5 Millionen Anschlüssen. Bitraten unter 10 Mbit / s buchten nur noch sechs Prozent der Kunden. Zum Vergleich: 2014 lag der Anteil noch bei 43 Prozent.

Und die Nachfrage sowie das Volumen steigen weiter an. Folglich soll sich in den nächsten fünf Jahren die Breitbandnachfrage um das Fünf- bis Sechsfache erhöhen. Bei Privatkunden bedeutet das einen Anstieg auf 845 Mbit / s Download und 302 Mbit / s Upload. Bei Geschäftskunden liegt die nachgefragte Bandbreite 2026 demnach bei 1,5 Gbit t/ s Download und 922 Mbit / s Upload.

Anzahl der Glasfaseranschlüsse

Insgesamt ist die Glasfaserquote der Analyse zufolge 2020 auf 17,7 Prozent gestiegen. 2019 lag sie noch bei 13,5 Prozent. Die Quote umfasst die Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Haushalte und Unternehmen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,9 Millionen auf insgesamt 8,3 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit. Für das kommende Jahr prognostiziert die Marktanalyse einen Anstieg auf knapp 11,5 Millionen Glasfaseranschlüsse. Davon sollen 7,9 Millionen durch alternative Netzbetreiber realisiert werden. Bis zum Jahr 2024 erwartet Breko bis zu 26 Millionen Anschlüsse werden. Davon werden 16 Millionen Anschlüsse durch die Wettbewerber und zehn Millionen Anschlüsse von der Deutschen Telekom realisiert.

Den größten Teil der gesamt 8,3 Millionen verfügbaren Glasfaseranschlüsse in Deutschland realisierten 2020 mit 6,2 Millionen Anschlüssen die Mitbewerber der Telekom. Die Telekom hingegen verwirklichte 2,1 Millionen Anschlüsse. Somit erfolgt der Glasfaserausbau mehrheitlich durch die alternativen Netzbetreiber. Trotz des deutlichen Zuwachses an neuen Glasfaseranschlüssen erhöhte sich die Zahl der gebuchten Glasfaseranschlüsse („Take-up-Rate“) im Verhältnis zu den verfügbaren Anschlüssen bei den im Breko organisierten Netzbetreibern auf 43 Prozent. Zudem stieg die Kundennachfrage bei Glasfaseranschlüssen stärker als bei allen anderen Internetzugangstechnologien wie Kabel oder DSL. Kabel verzeichnete 2020 einen Anstieg von nur 4,8 Prozent, gefolgt von DSL mit einem Plus von 23,5 Prozent. Das Wachstum bei den gebuchten Glasfaseranschlüssen lag bei 36 Prozent.

Investitionsbereitschaft bleibt ungebrochen

Die gesteigerte Nachfrage an Gasfasernetzen führte auch zu einer größeren Investitionsbereitschaft der Netzbetreiber. Infolgedessen sind die Investitionen in den Breitbandausbau 2020 auf 10,5 Milliarden Euro gestiegen. Der staatliche Förderanteil beträgt dabei fünf Prozent. Dabei hat die Telekom 4,6 Mrd. Euro investiert, die Wettbewerber 5,9 Mrd. Euro. Seit 1998 wurden insgesamt 174,4 Mrd. Euro in den Breitbandausbau in Deutschland investiert.

Insgesamt erfolgt die Ausschüttung der staatlichen Fördermittel aufgrund komplexer Verfahren jedoch nur sehr langsam. Von den bewilligten 12 Mrd. Euro Gesamtvolumen wurden bisher 8,4 Mrd. Euro ausgeschüttet. Es sollen daraus 2,6 Mio. Glasfaseranschlüsse entstehen. Bisher wurden mithilfe des Förderprogramms 122.054 Anschlüsse realisiert. 2020 wurden 3,9 Mrd. Euro an Zuschlägen erteilt. Davon erhielt die Telekom 1,4 Mrd. Euro, die Breko-Netzbetreiber 2,2 und andere Anbieter 0,3 Mrd. Euro. So erhielten die Breko-Netzbetreiber 57 Prozent der Fördermittel. Dabei machte die staatliche Förderung im vergangenem Jahr nur zehn Prozent des gesamten Investitionsvolumens der befragten Breko-Netzbetreiber aus. Sie stemmten durch eigenwirtschaftliche Investitionen die restlichen 90 Prozent.

Die Finanzierung des Glasfaserausbaus ist auch für die kommenden Jahre gesichert. Allein für die nächsten fünf Jahre stehen nach einer Prognose des Breko mindestens 43 Milliarden Euro für den eigenwirtschaftlichen Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland zur Verfügung.

Alternative Netzbetreiber liegen beim Ausbau vorn

Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers sieht einen Paradigmenwechsel beim Ausbau der digitalen Infrastruktur: „Der Glasfasermarkt hat sich so weit entwickelt, dass er inzwischen auf eigenen Füßen steht und immer mehr Bürger und Unternehmen in Deutschland ein echter Glasfaseranschluss angeboten werden kann. Ein Großteil davon ist eigenwirtschaftlich erschließbar. Bezogen auf das „Geschäftsfeld Glasfaser“ hat sich der Telekommunikationsmarkt grundlegend verändert. Die Platzhirsche der Kupfer- und Kabelnetze haben viel zu lange auf die bestehenden Infrastrukturen der Vergangenheit gesetzt. Die „First Mover“, die Treiber des Glasfaserausbaus, sind ganz klar die alternativen Netzbetreiber.“

Diese Einschätzung belegen die Zahlen der Marktanalyse, denn die Verteilung der „Homes Passed“ liegt in Deutschland bei 75 Prozent bei den alternativen Netzbetreibern. Die Telekom ermöglicht 25 Prozent. „Homes Passed“ bezeichnet anschließbare, jedoch noch nicht angeschlossene Immobilienobjekte.

Eine ähnliche Verteilung zeigt sich auch in den vom Breko bezeichneten Gebiet „Europa 39“. Dazu zählen 27 EU-Länder inklusive UK, Belarus, Kasachstan, Russland, Ukraine, Island, Irland, Nord-Mazedonien, Norwegen, Serbien, die Schweiz und die Türkei. Hier stemmen die alternativen Netzbetreiber 61 Prozent und die ehemaligen Monopolisten 39 Prozent des Glasfaserausbaus.

Über die Studie

Für die Marktanalyse wurden im Mai 2021 deutschlandweit 201 Netzbetreiber befragt. Bei den Befragten handelt es sich um Führungskräfte der TK-Unternehmen. Insgesamt gehören 220 von deutschlandweit 270 aktiven alternativen Netzbetreibern dem Breko an (81 %).

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin, Vogel IT-Medien