GFT: Unternehmensverbund Telekommunikation Gemeinsam stark durch die Krise

Autor Ann-Marie Struck

Der genossenschaftliche Gedanke, gemeinsam mehr zu erreichen, hat bei der GFT noch immer Relevanz. Die Vorstände Rudolf Saken und Dr. Stefan Touchard geben einen Rückblick auf das Jahr 2020 und die Expansion nach Österreich.

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In einer Genossenschaft werden gemeinsame Ziele verfolgt.
In einer Genossenschaft werden gemeinsame Ziele verfolgt.
(Bild: metamorworks - stock.adobe.com)

„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“ – Das Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Begründer des Genossenschaftswesens, hat auch nach über 150 Jahren für den Unternehmensverbund Kommunikation GFT nicht an Bedeutung verloren. Der genossenschaftliche Einkaufsverbund von mittelständischen Unternehmen der Branchen Informationstechnik und Telekommunikation, Sicherheits-, Medien- und passiver Netzwerktechnik expandiert jetzt sogar nach Österreich. Die GFT Austria hat zum 01.01.2021 das operative Geschäft begonnen. Dem Vorstandssprecher Rudolf Saken zufolge bedeutet das genossenschaftliche Motto übersetzt auf die GFT: „Durch die Bündelung von Umsätzen gewinnen wir an Marktrelevanz – ein Vorteil für unsere Mitglieder, da sie unsere Leistungen zu günstigen Konditionen erhalten. Und je mehr Mitglieder, desto besser.“ Denn bisher umfasst die GFT rund 180 Mitgliedsunternehmen an über 230 Standorten, vor allem in Deutschland. Doch laut Saken war Österreich nur der erste Schritt, Frankreich oder die Benelux-Länder seien durchaus interessante Märkte. Dazu ergänzt Vorstand Dr. Stefan Touchard, dass neben der Eröffnung einer GFT im Nachbarland Österreich der Unternehmensverbund im letzten Jahr auch acht Mitgliedsunternehmen akquirieren konnte. „Größtenteils virtuell“, wie er hinzufügt.

Trends der ITK-Branche

Zudem konnte der Verbund nicht nur den Mitgliederstamm im Coronajahr vergrößern, sondern auch seinen Gesamtumsatz. „Wir gehen davon aus, den Jahresumsatz von 130 Millionen Euro vom Vorjahr 2020 zu knacken“, berichtet Touchard. Ein Umsatzschub kam dem Vorstand zufolge bereits im ersten Lockdown im Frühjahr, da viele Unternehmen ihre Kommunikationsinfrastruktur schnell optimieren mussten und in puncto Homeoffice einiges nachzuholen war. Doch auch für das folgende Dreivierteljahr waren die Umsatzbücher der Mitgliedsunternehmen bereits voll. Generell habe sich durch die Pandemie auch der Fokus der Branche etwas verschoben, hin zu Cloud-Leistungen aus dem UCC-Umfeld. Allgemein sei der TK-Markt jedoch nicht schnelllebig und ändere sich eher kontinuierlich. „Immerhin haben Telekommunikationsverträge oft eine Laufzeit von fünf Jahren und so lange seien die Telefonanlagen auch stabil“, ergänzt Touchard. Zudem handle es sich dabei um ein Infrastruktur-Produkt, das eben nicht den neuesten Designs entsprechen muss. Des Weiteren sehen die Vorstände ein Pandemie-bedingtes Infrastruktur-Bedürfnis vieler Unternehmen, weshalb der Netzwerkausbau auch 2021 eine wichtige Rolle für die Mitgliedsunternehmen spielen wird.

Einen Wandel zu UCaaS sehen die beiden Vorstände hingegen noch lange nicht. Das sei schlichtweg zu komplex, begründet Saken und Komplexität brauche menschliches Knowhow und daran fehle es der Branche. „Vor allem die TK-Branche sucht händeringend Fachkräfte.“ Diese sind jedoch in der IT-Branche Mangelware. Ein Vorteil der Genossenschaft: die Zusammenarbeit. So können Fachkräfte bei gemeinsamen Projekten ausgetauscht werden. Langfristig ist das hingegen keine Lösung. Denn die TK-Branche gestaltet sich mit dem Echtzeit-Service von Sprache komplex und dazu werden vor allem Techniker gebraucht, die die technischen Hintergründe auch verstehen, wie Saken erklärt. „Es gibt keine One-Sit-fits-All-Lösung aus der Cloud. Es steht die bestmögliche wirtschaftlich-technologische Lösung für den Kunden im Vordergrund. Und dabei helfen wir unseren Mitgliedern.“

Vorteile der Genossenschaft

Die Funktion der GFT erklärt Saken einfach: „Wir sind die breite Schulter für unsere Mitgliedsunternehmen.“ Damit versteht der Vorstand insbesondere die wirtschaftliche und rechtliche Unterstützung, die der Unternehmensverband beim Projektgeschäft leistet. Die Dienstleistungen der GFT beziehen sich auf Beratung und Services, Zentralfakturierung, Lieferanten, Datenmanagement, Finanz- und Banken-Dienstleistungen, Weiterbildungen und Networking sowie Versicherungsservices. Mitglieder haben den Vorteil einer gemeinsamen Einkaufsbündelung. „Indem wir die Verträge mit den Lieferanten halten, können wir mehr bewegen als das Unternehmen alleine“, erläutert Saken. Das zeigt sich auch bei der Abrechnung, bei der der Verbund eine Zentralfakturierunf anbietet. Des Weiteren erhalten Mitglieder auch Einsparungspotenziale durch Rahmenverträge für PKW, Strom, Gas sowie Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberatung. Außerdem werden Weiterbildungen, die seit neuestem auch virtuell stattfinden, angeboten.

Die Mehrwerte der Leistungen des Verbandes sind besonders der finanziellen Art. Einmal erhalten Mitglieder Unterstützungen, wie eine Vollbankfinanzierung. Zum anderen gibt es eine Warenrückvergütung, die sich nach dem Umsatz des Unternehmens bemisst. Der genossenschaftliche Aspekt zeigt sich darin, dass der Gesamtumsatz rückvergütet wird und den Mitgliedern zu Gute kommt und nicht im Markt durch Rabatte oder ähnlichem verloren geht. „In den letzten Jahren konnten wir so unseren Mitgliedern bis zu vier Millionen Euro auszahlen“, sagt Touchard.

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