Der 2024 erhoffte Aufschwung im Markt für Gaming-Hardware war nicht so groß wie erhofft. Dieses Jahr soll es besser laufen – nicht zuletzt wegen neuer Grafikkarten von Nvidia und AMD. Zudem kommt während der Corona-Pandemie angeschaffte Hardware in die Jahre.
Das Geschäft mit Spiele-Hardware aller Art läuft laut der Distribution immer noch sehr gut. Nach einer kleinen Delle im vergangenen Jahr geht es 2025 wieder aufwärts.
Um mehr als 50 Prozent ist der deutsche Games-Markt laut Game, dem Verband der deutschen Games-Branche, seit 2019 gewachsen. Allerdings ist dieses Wachstum zum größeren Teil durch den Kauf von Games, In-Game-Käufen und vor allem den rasanten Aufschwung von Online-Gaming-Services entstanden. Aber auch der Hardware-Verkauf hat in diesem Zeitraum um rund 43 Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr gab es erstmals zwar einen Rückgang, allerdings ging dieser vor allem auf das Konto der Spiele und der Konsolen, bei denen die Nachfrage wohl gedeckt war.
Viele Kunden, die während der Pandemie Gaming-Hardware gekauft haben, stehen nun vor einem Refresh-Zyklus – das schafft neue Nachfrage.
Christian Wiechert
Christian Wiechert, Geschäftsführer von Terra e-sports, dem Gaming-Ableger von Wortmann.
(Bild: Wortmann)
Der Verkauf von PC-Gaming-Hardware hat 2024 eher stagniert, was auch Christian Wiechert, Geschäftsführer der Wortmann-Gaming-Sparte Terra eSports, bestätigt. Allerdings sieht Wiechert eine Trendwende nach oben: „Seit dem vierten Quartal 2024 sehen wir jedoch wieder eine klare Erholung und gehen davon aus, dass sich dieser Aufwärtstrend in 2025 und 2026 fortsetzen wird.“
Christian Bedel, Managing Director bei Littlebit, ist angesichts der Zahlen des laufenden Jahres geradezu enthusiastisch: „Der Gaming-Markt zeigt sich 2025 in Bestform – und für Littlebit ist er ein zentraler Wachstumstreiber. Während der Gesamtmarkt für Computing Components im ersten Halbjahr um rund 30 Prozent zulegte, konnten wir den Umsatz in diesem Segment sogar mehr als verdoppeln.“
Neue Grafikkarten als Umsatzbringer
Ein wichtiger Faktor sind für Bedel der „lang erwartete Launch der neuen Grafikkarten-Generation“, der dem Markt ein Plus von über 30 Prozent beschert habe. Zwar haben viele Gamer in verschiedenen Foren bei Nvidias Blackwell-Generation den geringen Zuwachs bei der Rohleistung bemängelt. Verkauft haben sich die hochklassigen RTX-5000-Grafikkarten trotzdem gut – wie die anfänglichen Preise weit über den UVPs belegen. Inzwischen hat Nvidia das Blackwell-Portfolio um die RTX-5060- und 5050-Modelle nach unten erweitert. So werden auch Gamer mit geringerem Budget und PC-Hersteller bedient. Zudem könnten die Super-Versionen der RTX-5000-Karten mit größerem Speicher noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Positiv wäre das für das Weihnachtsgeschäft.
Der lang erwartete Launch der neuen Grafikkarten-Generation bescherte dem Markt ein Plus von über 30 Prozent.
Christian Bedel
Christian Bedel, Managing Director bei Littlebit.
(Bild: Littlebit)
AMD konnte mit den neuen, ebenso flotten wie effizienten RDNA-4-Modellen der Serie 9000 einen Achtungserfolg erlangen. Der Chiphersteller bereitet derzeit auch Mobile-Varianten vor. Im High-End-Segment hat der Radeon-Hersteller allerdings weiterhin nichts zu bieten. Intel ist mit den Battlemage-Modellen B580 und B570 bislang nur im Einstiegssegment und konnte dort auch nur geringe Marktanteile erobern. Die große Battlemage-GPU für eine B770 ist zwar fertig – ob sie aber überhaupt auf den Markt kommt, ist allerdings angesichts der aktuellen Firmenpolitik mit der Konzentration auf margenträchtige CPUs unsicher.
Prozessoren: AMD hat die Nase vorn
Bei Prozessoren für Gaming-PCs hat AMD den besseren Stand, vor allem durch die Ryzen-X3D-Prozessoren. Damit dominiert der Ryzen-Hersteller den Eigenbau-Sektor und die auf Bestellung gebauten Gaming-PCs. Intels Arrow Lake ist effizienter als Raptor Lake, bei einigen Gaming-Benchmarks aber tatsächlich langsamer.
Bei den Gaming-PCs der großen Marken und den Gaming-Notebooks hat Intel aber immer noch den größeren Marktanteil. Wie Bedel anmerkt, bekommt der Markt aber durch den Übergang von DDR4 auf DDR5 einen zusätzlichen Impuls: „Das Produktionsende der alten RAM-Generation sowie die Einführung neuer Mainboards und Chipsätze bringen Dynamik – und eröffnen zusätzliche Umsatzchancen.“ Der Trend gehe zu größeren Modulen mit höheren Taktraten und geringer Latenz.
Bei den Gaming-Monitoren liegen gerade Dual-Mode-Geräte wie der Philips Evnia 27M2N3800A im Trend. Es sind 4K-Displays, die einen zusätzlichen Full-HD-Modus mit verdoppelter Bildwiederholrate bieten.
(Bild: MMD)
Wiechert sieht generell „Wachstum in allen Segmenten – bei PCs, Notebooks, Displays und Peripherie“. Besonders gefragt seien Gaming-PCs und -Notebooks im Mittelklasse- und High-End-Bereich. Bei Peripherie und Komponenten hat Bedel auf der letzten Computex eine Vielfalt qualitativ hochwertiger Neuheiten gesehen und nennt als Beispiele High-End-Gehäuse, mechanische Tastaturen, ergonomische Mäuse, immersive Headsets oder Speziallösungen für Racing- und Flugsimulation. Er führt aus: „Gespräche mit zahlreichen deutschen Gaming-Herstellern und -Händlern haben bestätigt: Die Nachfrage im Gaming-Segment bleibt hoch.“ Daher sieht der Managing Director bei Littlebit den Gaming-Hardware-Sektor für den Distributor weiterhin als strategischen Fokus.
Stand: 08.12.2025
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Gaming-Handhelds: Nischenprodukte mit Potenzial
Eine relativ neue Produktgruppe im Gaming-Segment sind Gaming-Handhelds, die inzwischen von mehreren Herstellern angeboten werden. Allerdings läuft momentan bei deren Betriebssystem ein Wettlauf zwischen der von Valve für das Stream Deck entwickelten Linux-Variante SteamOS und Windows. Dabei läuft StreamOS inzwischen auch auf Geräten anderer Hersteller. Asus und Microsoft haben zuletzt mit ROG Xbox Ally und ROG Xbox Ally X zwei Handhelds mit einem für mobiles Gaming optimierten Windows 11 angekündigt. Der Terra-eSports-Chef sieht vor allem bei leistungsstärkeren Geräten, insbesondere denen mit Windows, den Mehrwert, dass sie sich auch für mobiles Arbeiten eignen. Daher seien sie „spannende Einstiegsprodukte für die junge Zielgruppe und oft der erste Kontakt vor Konsole oder Gaming-PC“. Eine breite Marktakzeptanz sieht Wiechert allerdings noch nicht und wertet die Geräte als „Nischenprodukte mit Entwicklungspotenzial“.
Der Gaming-Handheld ROG Xbox Ally X von Asus ist in Zusammenarbeit mit Microsoft entstanden. Über Windows 11 liegt hier eine Vollbild-Xbox-Umgebung mit einer mit einer controllerbasierten Navigation.
(Bild: Asus)
Auf der Gamescom 2025, die vom 20. bis zum 24. August in Köln stattfindet, werden neben neuen Spielen auch neue Hardware-Produkte für Gamer zu sehen sein. Zudem ist die Spielemesse eine wichtige Bühne für die eSports-Branche, die für die Hersteller ein wichtiger Partner im Marketing ist.
In dem Hollywood-Blockbuster Free Guy aus dem Jahr 2021 spielte Ryan Reynolds einen Nichtspielercharakter (Non-Player Character, NPC) der durch KI eine eigene Persönlichkeit entwickelt und so aus seiner Rolle ausbricht und zum Helden wird.
Von den Fähigkeiten echter, KI-gesteuerter NPCs ist das Lichtjahre entfernt, aber in kommenden Spielen sollen mittels GenAI NPCs und auch Computergegner intelligenter und realistischer auf Aktionen der Spieler reagieren, statt nur vorgegebenen Scripten zu folgen. Nvidia hat dafür vor zwei Jahren die KI-Technologie Ace vorgestellt, die in einigen Spielen verwendet wird, die dieses Jahr Premiere feiern. Dazu gehören etwa das Battle-Royale-Spiel PUBG: Battlegrounds mit einem KI-gesteuerten Helfer, dem Sims-ähnlichen inZOI mit Co-Playable Characters (CPCs), die autonom in der Spielwelt agieren sollen, sowie dem in einer Fantasy-Welt angesiedelten Kampfspiel Mir 5 mit einem per KI lernfähigen Endgegner, dem Monster Asterion.
KI wird in der Spieleindustrie nicht nur für die Generierung von Grafiken eingesetzt, sondern inzwischen auch im Spielablauf. Mit Nvidias ACE sollen NPCs per GenAI intelligent mit Spielern kommunizieren. NPCs (Non Player Characters) sind Figuren, die nicht von Spielern gesteuert werden, sondern zur Hintergundgeschichte gehören.
(Bild: Nvidia)
Bei Nvidia Ace werden Large Language Modelle (LLM) für das Training verwendet, um intelligent wirkende Reaktionen zu erzeugen. Im Spiel kommt dann eine ganze Reihe kleinerer Modelle zum Einsatz, die auf der RTX-Grafikkarte laufen. Sie sollen Sprach- und Videoeingaben sowie den Spielablauf verarbeiten und darauf basierend Entscheidungen treffen. Eine Vektordatenbank fungiert als Gedächtnis. Schließlich kommen mit Text-to-Speech sowie Audio2Face und Neural Faces noch KI-Verfahren bei der Ausgabe zum Einsatz. Sie sorgen dafür, dass die Gesichtsbewegungen der Figuren zu gesprochenem Text und simulierten Emotionen passen.