Die IT-Branche sucht nach Alternativen zu Preispoker, Spekulationsblasen und Wertevernichtung

Es reicht – Handel fordert Wende in der Preispolitik

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Gut für Endkunden, schlecht für Reseller

Solange der Channel mit den Produkten noch erträgliche Margen machen konnte, war das alles kein Problem, da ließen sich auch Frachtkosten noch locker reinrechnen, und trotzdem verdienen. Als das nicht mehr möglich war, federten satte Stückzahlumsätze die Einbußen auf Margenseite ab.

Diese Zeiten sind vorbei, doch die Preissenkungs-Maschinerie scheint selbstständig und ungebremst weiter zu laufen.

„Schön für den Endkunden, wenn die Produkte immer billiger werden, aber das geht zu Lasten des Handels, und damit ist das kein tragfähiges Modell und eine sehr gefährliche Entwicklung“, macht Systemhauspartner Roger Reiser seinem Ärger Luft. Dass mit dem Hardwareverkauf allein kein Geschäft mehr zu machen ist, darüber ist er sich ebenso klar wie seine Reseller-Kollegen. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn Händler durch den Hardwareverkauf kein Geld verlieren würden. Denn der Aufwand, den der Partner hat, um ein Gerät zu verkaufen, bleibt der gleiche – ob das Gerät 800 Euro oder 400 Euro kostet.

Brandbeschleuniger Finanzkrise

Die Glut zur Existenz bedrohenden Margen-Verbrennung war also schon da, ehe die Finanzmisere hier mit voller Wucht aufschlug und nun als Brandbeschleuniger wirkt. Das Stückzahlwachstum, das die Maschinerie in der Vergangenheit als Schmieröl am Laufen hielt, beginnt zu klumpen.

Stottern im Stückzahlen-Motor

Über sämtliche Produktbereiche hinweg skizzieren Hersteller wie Distributoren, Systemhäuser und Fachhändler gegenüber IT-BUSINESS ein eindeutiges Bild der aktuellen Marktlage: Das Projektgeschäft ist seit Jahresbeginn zwischen 20 und 30 Prozent eingebrochen. Davon betroffen sind inzwischen nicht mehr nur große, sondern auch mittlere Projekte. „Die Unternehmen drücken heute auf die Bremse, denn sie können IT-Projekte und Investitionen mit geringem Leidensdruck leicht um ein halbes bis ein Jahr verschieben“, so Also-Konzernchef Thomas Weissmann.

Das Geschäft mit Privatkunden, das sich auch im ersten Quartal noch wacker gegen den Abschwung gestemmt hatte – und das über alle Absatzkanäle hinweg –, schwächelt seit Mitte März.

Laut Gartner werden die IT-Ausgaben 2009 weltweit um 3,8 Prozent sinken.

Abweichungen in entgegen gesetzter Richtung gibt es selbstverständlich auch in bestimmten Segmenten: Auf Privatkundenseite beispielsweise ziehen die Netbooks nach wie vor, bei Unternehmen sind es Themen wie Virtualisierung, Storage, Disaster-Recovery, Backup und Archivierung sowie Security. Diese Bereiche sind bislang zwar kaum vom Abschwung betroffen, aber auch hier werden Projekte verschoben, zeigt illustrierende Eckdaten aus dem PC-Bereich. Derweil sitzen in Taiwan die Produzenten auf Überkapazitäten, wie Branchenkenner berichten.

Keine gute Basis also für stabile Preise: Bei der Speicherhardware sollen sie laut Marktforschungsinstitut Experton dieses Jahr noch um 30 Prozent nachgeben. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwartet 2009 über das gesamte IT-Spektrum hinweg einen Preisrückgang von durchschnittlich 3,3 Prozent. Sollte es also tatsächlich zu der befürchteten Inflation kommen, dann ist diese bestimmt nicht von der IT-Industrie getrieben.

Weshalb überhaupt die Preisspirale so lange angedreht wurde, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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