Channel Fokus: Energieeffizienz Energieoptimierung wird zum Geschäftsmodell

Von Mihriban Dincel 8 min Lesedauer

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Seit Ende 2023 ist das Energieeffizienzgesetz in Kraft, durch das die Bundesregierung eine Reduzierung des Energieverbrauchs anstrebt. Für IT-Dienstleister ergeben sich daraus Beratungsansätze sowie Verpflichtungen – und einige wichtige Fristen rücken näher.

Aufgrund des Energieeffizienzgesetzes kommen verschiedene Verpflichtungen auf Unternehmen zu – unter anderem Energieaudits. (Bild:  Canva / KI-generiert)
Aufgrund des Energieeffizienzgesetzes kommen verschiedene Verpflichtungen auf Unternehmen zu – unter anderem Energieaudits.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Bis 2045 soll der Energieverbrauch in Deutschland um 45 Prozent sinken und das unter anderem mithilfe des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG). Bereits ab einem jährlichen Energieverbrauch von 0,5 GWh werden regelmäßige Energieaudits fällig. Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 7,5 GWh müssen bis zum 18. Juli 2025 zertifizierte Energiemanagementsysteme oder Umweltmanagementsysteme nach ISO 50001 bzw. Eco-Management and Audit Schemes (EMAS) einführen.

Besonders betroffen sind Rechenzentrumsbetreiber, denn der Energiebedarf deutscher Rechenzentren erreichte 2024 laut Bitkom knapp 20 Milliarden kWh – beinahe eine Verdopplung seit 2010. Für den Channel bedeutet das EnEfG Chance wie auch Herausforderung: dieser muss selbst die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und kann gleichzeitig Kunden bei der Umsetzung unterstützen.

Energieverbrauch im Datacenter

EnEfG-Vorgaben für Rechenzentrumsbetreiber

Laut einer Bitkom-Umfrage erreichte der Energiebedarf der Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2024 knapp 20 Milliarden kWh. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 18,8 Milliarden kWh. Damit hat sich der Bedarf seit 2010 fast verdoppelt. Das entspricht so gar nicht den Zielen des EnEfGs und auf Rechenzentrumsbetreiber kommen strenge Vorgaben zu:

  • Abwärmenutzung: Neue Rechenzentren müssen ab Juli 2026 10 Prozent, ab Juli 2027 15 Prozent und ab Juli 2028 20 Prozent ihrer Abwärme nutzen.
  • PUE-Werte: Bestehende Rechenzentren müssen bis Juli 2027 einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) von maximal 1,5 erreichen, ab 2030 sogar 1,3. Für Neubauten nach Juli 2026 gilt ein Maximalwert von 1,2.
  • Erneuerbare Energien: Der Anteil an erneuerbaren Energien muss seit 2024 mindestens 50 Prozent betragen und ab 2027 auf 100 Prozent steigen.

(Bildquelle: Statista)

Effizient dank Bauverfahren und Abwärmenutzung

So achtet das IT-Systemhaus Heidelberg iT „bei jedem neuen Projekt darauf, unsere Energieeffizienz zu steigern und innovative Technologien zu nutzen, die dazu beitragen, unseren Energieverbrauch weiter zu reduzieren“, erklärt Matthias Blatz, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Heidelberg iT. Ein Baustein dieser Strategie ist das „Serverhotel IV“ im Wavehouse – das weltweit erste Rechenzentrum in einem 3D-gedruckten Gebäude. Das Verfahren ermöglicht 50 Prozent weniger CO₂-Emissionen und bis zu 50 Prozent weniger Material.

Bei zwei weiteren Rechenzentren setzt das Unternehmen auf Abwärmenutzung: Einmal ohne Umwandlung zum Heizen des Bürogebäudes und am anderen Standort erfolgt durch den Aufbau eines effizienten Wärmerückgewinnungskreislaufs die Nutzung der Niedertemperatur-Abwärme. Dabei sollen Kunden, die ihre IT in den Server­hotels betreiben, von dieser Effizienz profitieren und ihren Verbrauch senken können. „Als Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie beraten wir unsere Kunden – überwiegend mittelständische Unternehmen – dazu, wie sie durch bedarfsgerechten und zeitgemäßen Aufbau der Datenautobahn – vom Rechenzentrum, dessen Absicherung bis hin zu Servern und Datenspeicherprodukten – Energie einsparen können“, nennt Blatz eine weitere Leistung.

Matthias Blatz, geschäftsführender Gesellschafter, Heidelberg iT
„Wir achten bei jedem neuen Projekt darauf, unsere Energieeffizienz zu steigern und innovative Technologien und Möglichkeiten zu nutzen, die dazu beitragen, unseren Energieverbrauch weiter zu reduzieren. “

Bildquelle: Peter Dorn

Wie wird man energieeffizient?

Bei der eigenen EnEfG-Umsetzung erhalten Dienstleister Unterstützung durch die Distribution. „Wir beraten bei der Auswahl von Server-, Storage- und Datacenter-­Komponenten sowie Software und berücksichtigen dabei Best Practices wie den Betrieb mit höherer Lufteinlasstemperatur in Rechenzentren gemäß den ASHRAE-­Guidelines, um Kühlkosten signifikant zu reduzieren“, erklärt Mario Glockner, Director Solution Design bei Ingram Micro. Bei den ASHRAE-Guidelines handelt es sich um Dokumente der American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers, die die Gebäudeeffizienz und Bewohnergesundheit fördern und Themen wie effiziente Gebäudesteuerung und Legionellen-Risikomanagement abdecken.

Ingram Micro setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz. Neben der Energieeffizienz wird daher auf Kosten, den Footprint und ein zukunftsorientiertes Design der IT-Infrastruktur sowie auf Betriebs- und Support-Aufwände geachtet. „Die Anforderungen des Energieeffizienzgesetzes bestätigen unseren langjährig gelebten Beratungsansatz, der auf eine möglichst effiziente Gesamtlösung abzielt“, fasst Glockner zusammen.

Mario Glockner, Director Solution Design, Ingram Micro
„Wir behalten neben der Energieeffizienz stets auch die Gesamtkosten im Blick, was insbesondere im SMB-Umfeld (Small Medium Business) ein entscheidender Faktor ist.“

Bildquelle: Ingram Micro

Fokus auf Lösungen, Schulungen und Zertifizierungen

TD Synnex setzt vor allem auf energieeffiziente Lösungen. „Bei der Konfiguration und Angebotserstellung legen wir immer einen besonderen Wert auf energieeffiziente Komponenten, eine effektive Kühlung und den Einsatz umweltfreundlicher Materialien“, bestätigt Birgit Nehring, Sr. Director Technical Services & Academy der TD Synnex DACH. Sie nennt Beispiele: Viele Lenovo-Produkte sind international zertifiziert und der Hersteller bietet CO₂-Offset sowie Asset-Recovery-Services. Partner erhalten Datenblätter, CO₂-Bilanzen und Best-Practice-Guides. Für NetApp-Speicher berechnet der Distributor Verbrauchswerte und Abwärmeleistung je Konfiguration. Hitachi Vantara stellt CO₂-Estimator- und Weight-Power-Tools zur Verfügung, die Einsparpotenziale und Ressourcenbedarf ermitteln. Bei HPE-­Lösungen optimiert der Broadliner Hardware-Konfigurationen hinsichtlich Stromverbrauch und Abwärme, um CO₂-Fußabdruck und die Gesamtkosten zu senken.

Birgit Nehring, Sr. Director Technical Services & Academy bei TD Synnex DACH
„Wir unterstützen kleine und mittlere Systemhäuser mit Beratung, Tools und energieeffizienter Technik. Wir stellen Informationsmaterialien und Schulungen zur Verfügung, damit unsere Partner genau wissen, wie sie gesetzliche Anforderungen erfüllen können.“

Bildquelle: TD Synnex

Zusätzlich bietet der Distributor gemeinsam mit Herstellern regelmäßig Webinare, E-Learnings und Schulungen zu Energieeffizienz – von technischen Produktschulungen bis zur vertrieblichen Argumentation. In eigenen Zertifizierungs-Bootcamps wird Effizienz ebenfalls thematisiert. Vom EnEfG betroffene kleine und mittlere Systemhäuser erhalten Tools, Projektberatung, energieeffiziente Technik und Informationsmaterialien, „damit unsere Partner genau wissen, wie sie gesetzliche Anforderungen erfüllen können“, bekräftigt Nehring.

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Wie trägt Technologie-Design zu Effizienz bei?

Eine besonders große Rolle nehmen hier aber die Technologien ein. Dabei zeigt sich:Energieeffizienz ist nicht erst seit dem EnEfG Schwerpunkt bei Herstellern. „Energieeffizienz ist bei Dell Technologies keine Schnellschussreaktion auf irgendwelche gesetzlichen Vorgaben, sondern seit jeher fest in unserer Entwicklungs-DNA verankert“, betont Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell Technologies. Schon in der Designphase steht sie im Fokus – beim Luftstrom, der intelligenten Platzierung von Bauteilen und beim Einsatz effizienter Hardwarekomponenten.

Der Dell Remote Access Controller (iDRAC) überwacht beispielsweise den Stromverbrauch. „In Kombination mit dem Open­Manage Power Manager lässt sich der Energiefluss im Rechenzentrum nicht nur erfassen, sondern auch aktiv steuern und optimieren.“ Weiter baut Dell das Portfolio stetig aus, etwa um wassergekühlte IR5000 und IR7000 Racks mit dazugehörigen Servern und bietet Consulting-Services für die Rechenzentrumsmodernisierung.

Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell Technologies
„Unsere Antwort auf die wachsenden Compliance-Anforderungen ist ein ganzheitlicher Ansatz: Neben effizienter Hardware und modernster Management-Software spielt insbesondere die intelligente Orchestrierung eine zentrale Rolle.“

Bildquelle: Dell Technologies

Sparpotenzial erkennen, Bedarf senken

Die Nachhaltigkeitsziele der Kunden haben auch die Produktentwicklung bei Vertiv schon vor dem EnEfG geprägt. „Mit moderner Rechenzentrumsinfrastruktur sind wir seit vielen Jahren in der Lage, PUE-Werte von 1,2 und darunter zu erreichen – insbesondere bei Neuinstallationen“, erklärt Holger Streland, Sales Director CWE North bei Vertiv. Mit Blick auf die Fristen rät er: „Betreiber bestehender Rechenzentren sollten jetzt aktiv werden, um rechtzeitig auf die neuen Vorgaben reagieren zu können.“

Um Vorgaben einzuhalten und Einsparpotenziale zu erkennen, muss Energieeffizienz erst einmal messbar werden. Vertiv bietet hierzu ein Portfolio von intelligenten PDUs und DCIM-Software bis hin zur zentralen Kälteerzeugung mit freier Kühlung oder sparsamen USV-Systemen mit Hocheffizienz-Modus. Besonders bei der Kühlung setzt Vertiv auf Active-Rear-Door und modulare Hybridlösungen. „Wassergekühlte Kühltüren ermöglichen eine besonders effiziente Wärmeabfuhr direkt am Rack und senken so den Energiebedarf. Flexible Systeme, die sowohl Luft- als auch Flüssigkeitskühlung unterstützen, passen Kühlleistung und Effizienz optimal an aktuelle Anforderungen an. Im Vergleich zu klassischen Kühllösungen lassen sich so bis zu 40 Prozent der Energiekosten einsparen – bei gleichzeitig höherer Leistungsdichte“, verdeutlicht Streland.

Holger Streland, Sales Director CWE North bei Vertiv
„Mit moderner Rechenzentrumsinfrastruktur sind wir seit vielen Jahren in der Lage, PUE-Werte von 1,2 und darunter zu erreichen – insbesondere bei Neuinstallationen.“

Bildquelle: Vertiv

Welche Lösungen gibt es zur Verbesserung des Verbrauchs?

Auch hat Schneider Electric eine Reihe an Produkten zur Verbesserung der Energieeffizienz wie den EcoStruxure IT Advisor. Dabei handelt es sich um eine DCIM-Software (Data Center Infrastructure Management) zur Erfassung, Analyse und Visualisierung von Energiedaten. Konfigurierbare Dashboards legen transparent dar, wo Energie bereits effizient genutzt wird und wo noch Verbesserungen möglich sind. „So können Unternehmen gezielte Maßnahmen ableiten, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen und ihre Energieeffizienz kontinuierlich zu steigern“, zeigt Tobias Ullrich, Software Leader DACH bei ­Schneider Electric Secure Power, die Vorteile auf.

Tobias Ullrich, Software Leader DACH bei Schneider Electric
„Moderne Hardware wie die modulare Galaxy VXL USV, die im eConversion-Modus einen Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent erreicht, zeigt das Potenzial für deutliche Energie- und CO₂-Einsparungen im Vergleich zu klassischen Systemen.“

Bildquelle: Schneider Electric

Daneben soll moderne Hardware wie die modulare Galaxy VXL USV – im Modus eConversion erreicht sie Ullrich zufolge einen Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent – reichlich Potenzial für Energie- und CO₂-Einsparungen im Vergleich zu klassischen Systemen bereithalten. „Ergänzend bieten vorkonfigurierte Micro-Datacenter eine effiziente, kompakte IT-Infrastruktur direkt am Edge – inklusive integrierter Kühlung und Fernüberwachung“, beleuchtet Ullrich weitere Lösungen.

KI zur Energieoptimierung

Doch wer über Energieeffizienz spricht, kommt um Künstliche Intelligenz nicht herum. Dabei ist KI nicht nur Stromfresser, sondern kann zur Energieoptimierung beitragen – „etwa durch intelligente Lastverteilung, adaptive Kühlsteuerung auf Basis von Sensordaten und automatisierte Erkennung ineffizienter Betriebszustände“, nennt Glockner. Vertivs Next-Predict Service-Plattform nutzt KI beispielsweise für Predictive Maintenance. „Die Plattform schafft Transparenz im IT-Betrieb und nutzt historische sowie aktuelle Betriebsdaten, um den optimalen Zeitpunkt für Wartungsarbeiten zu bestimmen. So werden unnötige Ausfallzeiten und ineffiziente Betriebszustände vermieden“, beschreibt Streland.

Mit Cooling Optimize nennt Ullrich ein Beispiel einer KI-gestützten Lösung aus dem Schneider Electric Sortiment. Damit lassen sich klimarelevante Anlagen intelligent steuern und automatisieren, wobei das System stetig lernt, welchen Einfluss einzelne Kühlaggregate auf das Gesamtsystem haben. Daraus folgernd soll deren Einsatz vollautomatisch optimiert werden. „So konnten bei zahlreichen Kunden signifikante Energieeinsparungen nachgewiesen werden – bei gleichzeitiger Einhaltung aller relevanten SLAs und PUE-Anforderungen“, betont Ullrich.

Dümig von Dell benennt KI als „zentralen Baustein unserer Strategie zur nachhaltigen Rechenzentrumsmodernisierung“, etwa bei der Luftstrom-Optimierung. Das Concept Astro von Dell nutzt Agentic AI, digitale Zwillinge und Automatisierung, die „die Verteilung von Workloads basierend auf Echtzeitdaten zu Energiekosten, Netzauslastung und Geschäftsanforderungen optimiert“. Das Konzept soll eigenständige Entscheidungen treffen mit dem Ziel, rechenintensive Prozesse dann auszuführen, wenn Energie ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. „Dieses Konzeptdesign zeigt, wohin die Reise geht: hin zu selbststeuernden Infrastrukturen, die den Ressourcenverbrauch in Echtzeit optimieren. Denn Energieeffizienz ist nicht irgendein Trend, sondern absolute Pflicht“, so Dümig.

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