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Fiverr sieht sich als Amazon der IT-Dienstleistungen

Ein Marktplatz für Freelance Services as a Product

| Autor: Sarah Gandorfer

Freelancer-Plattformen gibt es einige auf dem deutschen Markt.
Freelancer-Plattformen gibt es einige auf dem deutschen Markt. (Bild: mary416 - stock.adobe.com)

Von Übersetzungen, über Search Engine Optimization bis zur Datenanalyse und Programmierung – all diese Dienste bieten Freiberufler und Nebenverdiener auf Fiverr an. Und das schon ab 4,73 Euro. Die Rettung also für kleine und mittelständische Unternehmen, die schnell und günstig eine Lösung suchen? Oder Preisverderber für Freelancer?

IT-Fachkräfte werden hierzulande händeringend gesucht. Nun möchten sich zudem laut dem Analystenhaus Lünendonk nicht alle IT-Spezialisten fest anstellen lassen. Mangelsituationen fördern die Kreativität und so hat es eine neue Art der Freelancer-Plattform von Israel, wo sie 2008 gegründet wurde, über die USA zu uns geschafft. Fiverr versteht sich als ein Online-Marktplatz für digitale Dienstleistungen. Seit Dezember 2018 kann auf die Dienste des Unternehmen in Deutschland zugegriffen werden.

Falko Kremp, Deutschlandchef von Fiverr
Falko Kremp, Deutschlandchef von Fiverr (Bild: Fiverr)

„Fiverr bietet ein Service-as-a-Product-Modell an, das weltweit einzigartig ist. Wir sind kein Personaldienstleister der Freelancer vermittelt, so wie es viele andere Plattformen tun. Unsere Kunden kaufen Dienstleistungsprodukte, ähnlich wie in klassischen Online-Shops, direkt ein“, erläutert Falko Kremp, Deutschlandchef von Fiverr. „Dabei wählen sie Services wie Webseitenerstellung oder App-Entwicklung aus über 250 Kategorien aus. IT-Experten in Festanstellung können durch unseren Marktplatz dadurch auch gute Nebeneinkünfte erzielen.“

Dabei geht es nicht um monatelange Projekte, sondern um Auftragsarbeiten wie Wordpress-Webseiten für klassische Mittelständler oder auch komplexe Mobile Applications für digitale Startups. Zielgruppe sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft, das Buchen von Freelance Services so einfach zu machen, wie ein Produkt auf Amazon zu kaufen. Unser Fokus liegt also auf remote zu erledigenden Arbeiten in kleineren Arbeitspaketen. IT-Profis können so ihre üblichen Stundensätze selbstbestimmt in die Preise ihrer angebotenen Dienstleistungen integrieren“, erklärt Kremp. „Nehmen wir als Beispiel den Bau eines Web-Crawlers. Wenn diese Aufgabe nun drei Stunden dauern würde und unser Anbieter einen Stundensatz von 200 Euro nimmt, kann er seinen Service bei uns für 720 Euro einstellen. So kommt er mit unserer 20 Prozent Provision auf seinen ungefähren Stundensatz. Wir glauben, Freelancer sollten ihre Preise selbst bestimmen und dabei den Markt und Marktplatz als Orientierungspunkte verwenden.“

Ab 5 US-Dollar (4,73 Euro)

Die Dienstleistungen, bei Fiverr „Gig“ genannt, starten bei 5 US-Dollar, woher der Name der Plattform stammt (fiver = Fünfer), und reichen heute bis zu mehreren tausend US-Dollar. Ein Blick auf die Plattform zeigt, wo die günstigen Angebote herkommen: meist aus Asien und Afrika. „Unser Marktplatz ist global und das verstehen wir als eines unserer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale. Millionen Menschen aus über 160 Ländern kaufen und verkaufen auf Fiverr. Gleichwohl gibt es in Deutschland, gerade für höherwertige Jobs eine hohe Nachfrage nach deutschen Anbietern. Diese wollen wir gerne bedienen, ohne dabei unser globales Angebot auszuschließen. Am Ende kann und soll der Kunde entscheiden, mit welchem Anbieter er sich am wohlsten fühlt, sowohl bei der Sprache und Zeitzone als auch beim Budget, oder anhand des individuellen Stils. Übrigens genießen deutsche IT- und Digital-Fachkräfte weltweit einen sehr guten Ruf, ob in Asien oder Amerika“, so der Deutschlandchef.

Mittelfristig sei geplant, neben dem englischen auch ein deutschsprachiges Angebot zu schaffen. Ein deutscher Kundenservice ist ebenfalls im Aufbau. Deutschland sei auf Kunden- wie Verkäufer-Seite ein sehr dankbarer Markt. Entsprechend arbeite das Unternehmen kontinuierlich an der weiteren Lokalisierung der Plattform in allen Bereichen. Ein wichtiger Schritt hierbei war die Einführung des Euro als Zahlungswährung, sowie die Einbindung typisch deutscher Zahlungsoptionen wie Sofortüberweisung und Giropay.

Preisdruck auf hiesige Stundensätze

Auf die Frage, ob eine solche Plattform nicht die Preise für Freelancer am hiesigen Markt kaputt macht, hält Kremp dagegen: „Unsere Freelancer legen ihre Preise selbst fest. Die Erfahrung zeigt, dass auch höherpreisige Angebote nachgefragt werden, sofern die Qualität Schritt hält. Dementsprechend kann ich professionelle Anbieter nur ermutigen, sich der globalen Konkurrenz zu stellen. Anspruchsvolle Kunden wissen, dass Qualität ihren Preis hat. Die Angst vor globaler Konkurrenz ist zudem kein neues Phänomen und nicht auf digitale Plattformen beschränkt. Sie finden sie ebenfalls im US-amerikanischen Rust Belt unter Trump-Wählern oder in der Sächsischen Schweiz unter AFD-Anhängern. Ich denke Angst ist die falsche Haltung gegenüber den Herausforderungen und Chancen der Gegenwart. Wie auch im echten Leben, lösen sich bei Fiverr nach ersten Berührungspunkten viele Vorbehalte und Ängste selbst auf Käuferseite auf. Damit ist Fiverr ein Marktplatz im ganz klassischen Sinne: Es geht um Begegnungen.“

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