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Deloitte-Umfrage

Digitalisierung wird unterschätzt

| Autor: Heidemarie Schuster

75 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland fürchten sich kaum vor Auswirkungen der Digitalisierung.
75 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland fürchten sich kaum vor Auswirkungen der Digitalisierung. (Bild: Pixabay)

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Während Organisationen und öffentliche Einrichtungen sich bereits seit geraumer Zeit mit den Arbeitsthemen der Zukunft beschäftigen, steht die Sichtweise der Arbeitnehmer oft im Hintergrund. Was wünschen und hoffen Beschäftigte, was motiviert sie und wie lange können oder wollen sie künftig arbeiten?

Im Rahmen der Deloitte-Studie „The Voice of the Workforce“ wurden mehr als 15.000 Beschäftigte aus zehn europäischen Ländern, davon 2.000 in Deutschland, befragt. Es stellte sich heraus, dass die Beschäftigten kaum oder wenig Veränderung ihrer eigenen Arbeit durch Digitalisierung antizipieren und zur Selbstüberschätzung im Umgang mit technologischem Wandel neigen. Ältere Arbeitnehmer zeigen sich durchweg zufriedener mit ihren Jobs und sind zu einem längeren und flexibleren Berufsleben bereit.

„Während Umfragen oft zeigen, dass Arbeitnehmer durchaus abstrakte Änderungen der allgemeinen Arbeitswelt antizipieren, sagen unsere Ergebnisse, dass sie das für ihren eigenen Job nicht sehen. Dementsprechend spüren viele der Befragten auch keine Notwendigkeit, sich mit dem Thema Lernen als lebenslanger Prozess zu beschäftigen. Wir möchten mit der Studie und ihren Ergebnissen ein klares Bild davon geben, was Arbeitgeber hier und heute tun und kommunizieren müssen, um auch in 15 Jahren noch eine engagierte und funktionierende Workforce zu haben“, erklärt Maren Hauptmann, Leiterin Organization Transformation & Talent bei Deloitte.

Unter- und Überschätzung

Wie das World Economic Forum 2016 festgestellt hat, werden sich bis 2020 über 30 Prozent der Qualifikationsanforderungen deutlich verändern. Der Erwerb neuer Kompetenzen gehört daher zu den wichtigsten Aufgaben. Dennoch gehen lediglich zwei Prozent der Befragten in Deutschland davon aus, dass ihr Job in der nächsten Dekade komplett verschwindet, und „nur“ 18 Prozent sehen erhebliche neue Anforderungen auf sich zukommen. Deutschland liegt damit leicht unter dem europäischen Durchschnitt: In den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien schätzt man den Veränderungsdruck deutlich höher ein.

Lebenslanges Lernen ist eine der zentralen Forderungen im Kontext des Wandels. Die Studie zeigt: Hier ist noch Luft nach oben. Das betrifft so genannte Soft Skills, aber auch „harte“ technische Qualifikationen. Auf gesamteuropäischer Ebene geben 30 Prozent an, noch keine Anstrengungen in diese Richtung unternommen zu haben, 42 Prozent wüssten auch gar nicht so genau, wie sie das bewerkstelligen sollten. In Deutschland sind zudem 50 bis 60 Prozent davon überzeugt, dass ihre bisherigen Soft Skills ausreichen.

Geld ist nicht alles

Job-Sicherheit hat Priorität bei allen Arbeitnehmern – ebenso wie die Entlohnung. Darüber hinaus wollen die Arbeitnehmer ein positives Arbeitsumfeld, unterstützende Führung sowie eine klare Marschrichtung. Eine mit zunehmendem Alter immer größere Rolle spielt zudem die Sinnfrage. Auffällig: Während für die Deutschen klare Zuständigkeiten und eine kompetente Führung sogar noch maßgeblicher sind als für ihre Kollegen jenseits der Landesgrenzen, fallen die Punkte „soziale Akzeptanz“ und „Wachstumspotenziale“ im paneuropäischen Vergleich zurück. In allen Ländern kommt es aber gleichermaßen darauf an, die Motivation der Belegschaft durch Führungsstärke und eine attraktive Arbeitsplatzgestaltung zu steigern.

Ältere Arbeitnehmer sind offener und flexibler

Die demografische Entwicklung in Deutschland und Europa sorgt für Engpässe bei den verfügbaren und qualifizierten Arbeitnehmern. Eine Konsequenz besteht darin, insbesondere auf ältere Mitarbeiter zurückzugreifen und ihnen neue Karrieremöglichkeiten im Sinne einer motivierenden Weiterbeschäftigung zu eröffnen. Immerhin sind 40 Prozent der befragten Arbeitnehmer bereit, nach Erreichen des Rentenalters weiterzumachen. Dabei kommt es gerade bei den Älteren auch auf die Form an: Generell zeigen sie sich offener gegenüber Alternativen wie Teilzeit, Teilselbständigkeit oder auch Gig Working (zeitlich befristete Tätigkeit, die neben dem hauptberuflichen Job oder anstelle dessen ausgeübt wird).

„Wenn jede Kraft gebraucht wird, sind die Wünsche und Vorstellungen der Mitarbeiter in den Unternehmen viel mehr als ‚nur‘ eine Orientierungshilfe für besonders engagierte Chefs: Sie werden erfolgskritisch dafür, dass die Workforce gerade in Zeiten des Wandels das Schiff auf Kurs halten und zukunftsfest machen kann. Bedingung ist aber, dass die Lernbereitschaft hoch ist und bleibt – bei jüngeren wie älteren Belegschaftsmitgliedern gleichermaßen“, schließt Hauptmann.

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